Neue Vor­ent­schei­dung 2010: SSDS­GPS rel­oa­ded?

Die ARD plant nach ver­schie­de­nen Medi­en­be­rich­ten für das kom­men­de Jahr offen­bar eine mehr­tei­li­ge, abwech­selnd auf Pro Sie­ben und im Ers­ten aus­zu­strah­len­de Cas­ting­show als Vor­ent­schei­dungs­for­mat für den deut­schen Bei­trag. Spe­ku­la­tio­nen gibt es über eine mög­li­che (nahe­lie­gen­de) Betei­li­gung von Ste­fan Raab, des­sen 2004 spon­tan aus dem Boden gestampf­te Show SSDS­GPS (Ste­fan sucht den Super-Grand-Prix-Star) als Sprung­brett für den dama­li­gen deut­schen Ver­tre­ter Max Mutz­ke (Platz 8 in Istan­bul) dien­te. Ein­zel­hei­ten über das schon seit län­ge­rer Zeit geplan­te For­mat will man am Diens­tag in einer Pres­se­kon­fe­renz bekannt geben. Außer­dem sol­len die Radio­wel­len der ARD stär­ker in die Euro­vi­si­ons­dis­zi­plin ein­ge­bun­den wer­den. Der deut­sche Bei­trag sei eine “natio­na­le Auf­ga­be”, so Unter­hal­tungs­chef Tho­mas Schrei­ber. Eine für Diens­tag geplan­te Pres­se­kon­fe­renz wur­de unter­des­sen abge­sagt, augen­schein­lich herrscht inner­halb des Sen­der­ver­bun­des mal wie­der Unei­nig­keit oder Hasen­fü­ßig­keit.


Kann Raab noch mal so einen Schatz heben?

Wie die Welt unter Beru­fung auf “ARD-Krei­se” am Mon­tag berich­te­te, hät­ten “sich ARD und Pro Sie­ben auf ein mehr­stu­fi­ges Kon­zept mit wech­seln­den Sen­de­plät­zen ver­stän­digt. Im nächs­ten Jahr soll der Musik­wett­be­werb über Mona­te mit ver­schie­de­nen Sen­dun­gen – vom Cas­ting über Vor­auswahl und Vor­ent­schei­dung bis zur eigent­li­chen Show – zwi­schen den bei­den Fern­seh­sen­dern auf­ge­teilt wer­den.” Damit ist die zuvor an die­ser Stel­le geäu­ßer­te Spe­ku­la­ti­on, das Ers­te wol­le den Bun­des­vi­si­on Song Con­test zur Vor­ent­schei­dung umfunk­tio­nie­ren, ver­mut­lich vom Tisch.


Hät­te Peter Fox, Sie­ger des BuVi­So­Co 2009, in Mos­kau mehr Punk­te erhal­ten?

Bei der Neu­kon­zep­ti­on han­de­le es sich um kei­ne Kurz­schluss­re­ak­ti­on auf das all­ge­mein als ent­täu­schend emp­fun­de­ne (wenn­gleich vor­her­seh­ba­re und völ­lig gerecht­fer­tig­te) Abschnei­den von Alex & Oscar in Mos­kau: “Die Ver­hand­lun­gen über die Zusam­men­ar­beit zwi­schen der ARD und Raab lau­fen offen­kun­dig seit rund einem Jahr,” so das Blatt wei­ter. Der Ver­such Tho­mas Schrei­bers, den auf­grund der noch fri­schen Malai­se von Mos­kau brand­ak­tu­el­len Reform­druck zu nut­zen, um weit­rei­chen­de Ände­run­gen am Vor­ent­schei­dungs­ver­fah­ren inner­halb der als äußerst hart­lei­big bekann­ten ARD durch­zu­drü­cken, erlitt aber bereits einen Dämp­fer: eigent­lich soll­te der Deal am Mon­tag in der tur­nus­mä­ßi­gen Kon­fe­renz der Pro­gramm­di­rek­to­ren nur noch die for­mel­le Abseg­nung erfah­ren, um ihn dann am Diens­tag der Öffent­lich­keit vor­zu­stel­len. Ange­sichts von Schlag­zei­len wie “Hilft uns Raab aus der Grand-Prix-Kri­se?” beka­men aber anschei­nend eini­ge der Her­ren kal­te Füße und beschlos­sen, das Gan­ze erst noch den Inten­dan­ten zur Abseg­nung vor­zu­le­gen. Momen­tan herrscht, wie DWDL zusam­men­fasst, auf allen Sei­ten “bered­tes Schwei­gen”.


Davon­lau­fen und ver­ste­cken hilft nicht, lie­be ARD-Obe­ren!

Auf der offi­zi­el­len deut­schen Con­test­sei­te fand der Unter­hal­tungs­chef bereits am Sonn­tag mar­ki­ge Wor­te: “Wir müs­sen radi­kal neue Wege gehen. Wie die aus­se­hen, wer­den wir sehr bald prä­sen­tie­ren.” Einen mög­li­chen Hin­weis gab er bereits vor dem Fina­le von Mos­kau an glei­cher Stel­le in einem äußerst auf­schluss­rei­chen Inter­view mit NDR-Hof­be­richt­erstat­ter Jan Fed­der­sen: “Im nächs­ten Jahr wer­den wir eine pro­fes­sio­nel­le, inter­es­san­te Initia­ti­ve star­ten, die deut­lich mehr mit dem Gedan­ken arbei­tet: Der deut­sche Bei­trag für den ESC ist eine natio­na­le Auf­ga­be! Also nicht nur eine Auf­ga­be des NDR oder der ARD. Wir wer­den mit neu­en Part­nern zusam­men arbei­ten und wer­den uns auch über einen län­ge­ren Zeit­raum als bis­her im Fern­se­hen mit die­sem The­ma beschäf­ti­gen.” Also eine Neu­auf­la­ge der in jeder Hin­sicht erfolg­rei­chen Cas­ting­show SSDS­GPS? Das glei­cher­ma­ßen von der Kri­tik gelob­te wie von den Zuschau­ern gelieb­te, bis­lang ein­ma­li­ge For­mat von Ste­fan Raab brach­te 2004 nicht nur einen veri­ta­blen Num­mer-Eins-Hit und hohe Ein­schalt­quo­ten her­vor, son­dern bescher­te uns einen Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter, hin­ter dem Deutsch­land mehr oder min­der geschlos­sen stand – für unse­re Ver­hält­nis­se ein eher sel­te­nes Ereig­nis. Und der übri­gens im dama­li­gen Vor­ent­scheid sämt­li­che gegen ihn ange­tre­te­nen Top­stars der Musik­bran­che mit links schlug.


Von Mutz­ke pul­ve­ri­siert: Scoo­ter, einer der ver­kaufs­stärks­ten Acts Deutsch­lands, beka­men nur 9% der Stim­men

Letz­te­re noch irgend­wie zu einer Grand-Prix-Teil­nah­me zu bewe­gen, von die­ser Vor­stel­lung hat man sich bei der ARD offen­sicht­lich erst­mal ver­ab­schie­det. Schrei­ber hier­zu: “Ich kann nicht mehr sagen, als dass wir für die pro­mi­nen­tes­ten Künst­ler unse­res Lan­des Ange­bots­pa­ke­te geschnürt haben, die wirk­lich sehr groß waren. Sen­dun­gen, Doku-Soaps, Ein­sät­ze im Aus­land – aber es hat nichts genützt.” Der dies­jäh­ri­ge Ver­zicht auf einen Vor­ent­scheid kann wohl als der letz­te Ver­such gel­ten, einen gro­ßen, eta­blier­ten Namen anzu­lo­cken. Gekom­men ist statt­des­sen Alex Chris­ten­sen, der es trotz sei­ner gro­ßen Klap­pe nach der Bla­ma­ge von Bel­grad auch nicht riss. Damit dürf­te der Weg frei sein für eine talen­tier­te Nach­wuchs­kraft à la Max Mutz­ke. Als wei­te­ren Vor­teil eines mehr­stu­fi­gen Ver­fah­rens mit vie­len Sen­de­ter­mi­nen nann­te Schrei­ber die Mög­lich­keit der mul­ti­na­tio­na­len Cross­pro­mo­ti­on: “Das macht die Mög­lich­keit denk­bar, dass ande­re Län­der ihre Lie­der bei uns vor­stel­len.” Und im Gegen­zug – “nimmst du mei­nen Act, neh­me ich dei­nen Act” – den deut­schen Künst­ler in ihren Vor­ent­schei­dun­gen prä­sen­tie­ren, so wie es immer mehr Euro­vi­si­ons­na­tio­nen zum Zwe­cke der Punk­te­ma­xi­mie­rung erfolg­reich vor­le­ben und wie es die Fans seit Jah­ren mit stän­dig stei­gen­der Laut­stär­ke auch von der ARD for­dern.


Die euro­päi­sche Pro­mo­tour gab es lei­der nur im Video. Das muss sich ändern!

In Tho­mas Schrei­ber schei­nen die­se jeman­den gefun­den zu haben, der – trotz des von ihm beklag­ten manch­mal über­zo­ge­nen Ton­falls (dem sich auch die­ser Blog zuge­ge­be­ner­ma­ßen im Eifer des Gefechts gele­gent­lich bedient) – hin­hört, die Pro­ble­me sieht und auch ver­sucht, neue Stra­te­gi­en zu ent­wi­ckeln. Auf wel­che Wider­stän­de er dabei inner­halb des Sen­der­ver­bun­des ARD trifft, der sich in sei­ner – nun­mehr erneut unter Beweis gestell­ten – ver­krus­te­ten Reform­un­fä­hig­keit nur noch vom Bun­des­rat über­tref­fen lässt, schil­der­te er am Bei­spiel eben die­ser vom Sen­der zu bezah­len­den Aus­lands­ein­sät­ze des deut­schen Bei­trags: “Wir bekom­men die Gebüh­ren­gel­der, um für ein deut­sches Publi­kum zu sen­den, nicht, um für einen kom­mer­zi­el­len Künst­ler im Aus­land Wer­bung zu machen, so dass er dort mehr Plat­ten ver­kauft,” so ein typi­scher, eng­stir­ni­ger Ein­wand der Auf­sichts­gre­mi­en. Auch zum Ein­satz des aktu­el­len Bei­trags ‘Miss Fist Gang Bang’ im Vor­feld des Wett­be­werbs in den ARD-Radio­sta­tio­nen fand er kla­re Wor­te: “Das Lied wird aus mei­ner Sicht nicht aus­rei­chend gespielt. Ich habe vie­le Radio­kol­le­gen ange­mailt, habe mit vie­len tele­fo­niert, aber ich habe mir deut­lich mehr erhofft.” Und fügt hin­zu, die­ses Ver­hal­ten nicht län­ger hin­neh­men zu wol­len. Da wün­schen wir ihm mal viel Glück und Aus­dau­er im Kampf mit sei­nen Kol­le­gen!

8 Gedanken zu “Neue Vor­ent­schei­dung 2010: SSDS­GPS rel­oa­ded?

  1. Der BSC als Vor­ent­scheid für den ESC wäre die Ide­al­lö­sung, fin­de ich. Eine Garan­tie für ein gutes Abschnei­den beim ESC wäre das wohl immer noch nicht, aber ich den­ke schon, dass sich Jahr für Jahr ein legi­ti­mer ESC-Teil­neh­mer her­aus­kris­tal­li­sie­ren wür­de. Und wenn’s dann trotz­dem nur Platz 20 oder so ‘für Deutsch­land’ ist, dann ist es eben so…

  2. NDR – Hil­fe Es ist ein­fach wich­tig, dass end­lich etwas pas­siert, es geht auch nicht um das Abschnei­den beim Con­test, dass was dies­mal im Vor­feld gelau­fen ist, war an Blöd­heit und Arro­ganz kaum über­biet­bar – wir sind das Volk oder wie hieß es so schön vor 20 Jah­ren, also lasst uns auch ent­schei­den, wer für uns sin­gen soll. Da wur­de ein­fach über unse­re Köp­fe ent­schie­den, und wenn es dann nicht läuft, dann holt man die Dita, die auch nichts ret­ten konn­te und packt den Oscar noch in Sil­ber­fo­lie – typisch Deutsch­land, blö­der geht es nicht und man glaubt dann immer noch, man bekommt Punk­te? Wir haben doch schon der lang­wei­li­gen Corin­na May nicht abge­nom­men, dass sie nicht ohne Musik leben könn­te, so lang­wei­lig kam sie daher und Lou sah aus, wie ein Bröt­chen im Ofen und dazu die dum­men Tanz­din­ger, immer total viel dum­me Show, die nicht gelingt. Kom­pli­ment an Nor­we­gen, weni­ger ist oft ein­fach mehr. 😯

  3. Man muss aller­dings dazu sagen, dass Lou und Corin­na May im Gegen­satz zu ASOS ja von Fern­seh­zu­schau­ern gewählt wur­den.

  4. Der BSC ist eine Freak­show ! Inter­na­tio­nal gese­hen, kei­ne Chan­ce ! Man müss­te den Anspruch der Musik höher stel­len. Ansons­ten gin­ge auch die­ses Bei­spiel den Bach run­ter. Wir las­sen uns erst ein­mal über­ra­schen !

  5. Ich fin­de, dass es beim BSC immer wie­der erst­klas­si­ge deut­sche Pop­mu­sik zu hören gibt – und das sage ich als jemand, der nicht mehr so ganz jung ist. Quo­te: ‘Inter­na­tio­nal gese­hen, kei­ne Chan­ce’ Wenn ‘wir’ auf Krampf einen ESC-Gewin­ner pro­du­zie­ren wol­len, wird’s sowie­so in die Hose gehen. Also soll­te man mei­ner Mei­nung nach nicht ver­su­chen ein­zu­schät­zen, ob ein Lied ‘inter­na­tio­nal eine Chan­ce hat’. Und ich fin­de, das Publi­kum soll­te bestim­men, also muss man dem Publi­kum eine gute Aus­wahl geben, und mei­ner Mei­nung nach wäre die beim BSC gege­ben. (Sicher, Leu­te wie Sie­gel und Heck toben…) Und das Publi­kum wird immer das wäh­len, was ihm gefällt – nicht das, wovon es glaubt, dass es dem Rest der Welt gefällt. Und das ist ver­dammt noch­mal auch gut so. Und wenn’s dann wie­der Platz 20 wird – was soll’s? Who cares? Es geht hier um Musik, nicht dar­um, einen UEFA-Cup-Platz zu errei­chen.

  6. naja Ich fan­de z.b. 2007 Oomph feat Mar­ta Jan­do­va mit Träumst du wäre sehr gut für denn Wett­be­werb gewe­sen das fin­de ich;) Aber wenn wir ein jun­ges Talent fin­den wie mich xD spass^^ wenn wir wirk­lich eins fin­den soll­ten was wir suchen sol­len was eigend­lich nicht ekm­rh nötig wäre! Wir neh­men ein­fach die Lin­da Teo­du­sio oder wie man die schriebt und gibt der eine Ham­mer Bal­la­de ala Whit­ney Yous­ten oder wie man die schreibt xD Die hat eine sti­um­me die Lin­da und dann fegt die alles weg xD Ein­fach ein Talernt brau­chen wir mit einer guten Klive­s­tim­me und dann wird es auch mal klap­pen sie­he Uk und Frank­reich! mfg pasi

  7. re: [quote=Little Imp]Man muss aller­dings dazu sagen, dass Lou und Corin­na May im Gegen­satz zu ASOS ja von Fern­seh­zu­schau­ern gewählt wurden.[/quote] Aber doch nur, weil die Kon­kur­renz noch schlech­ter war. Wenn ich 10x Schrott zur Aus­wahl habe, kann auch nur Schrott gewin­nen.

Oder was denkst Du?