Schwule Solidarität: Niederlande drohen mit Final-Boykott

Endlich! Ein leuchtendes Zeichen für gelebte Homosolidarität setzt der offen schwule Sänger Gordon des niederländischen Golden-Girls-Trios De Toppers. In einem Interview mit NOS Radio kündigte er an, das Finale am Samstag boykottieren zu wollen, falls es bei der am gleichen Abend stattfindenden (und, wie immer, vom homophoben Moskauer Bürgermeister Juri Luschko verbotenen) Schwulendemo Slavic Pride zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Homos kommen sollte, wie die britischen Pink News heute berichten. Nun müssen die Niederländer erst mal ins Finale kommen, um wirkungsvoll mit Abreise drohen zu können (und die Chancen stehen mit ihrem futtigen Nostalgieschlager ‚Shine‘ nicht besonders gut) – dennoch handelt es sich um eine wichtige Solidaritätsadresse an die russischen Schwulen. Aus dem deutschen Lager war zu diesem Thema bislang nichts zu vernehmen – dabei gehört auch unser Leadsänger offiziell zur Familie.


Keine Fragen zur sexuellen Orientierung nötig: De Toppers

Wie bereits berichtet, ist für Samstag – dem Tag des Eurovisionsfinales – der Moskauer CSD angemeldet, der unter dem Namen ‚Slavic Pride‘ stattfinden soll. Veranstalter Nikolai Aleksejev erwartet bis zu 500 Teilnehmer für die Parade, wobei er auch auf die angereisten schwulen Eurovisionsfans setzt. Wie jedes Jahr wurde die Veranstaltung allerdings vom Moskauer Bürgermeister Jurij Luschko, für den Homos „satanisch“ sind, untersagt. Aleksejev kündigte bereits an, sich über das Verbot hinwegsetzen zu wollen. In den vergangenen Jahren kam es aus dem selben Anlass immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen auf Moskaus Straßen, wobei schwule und lesbische Protestierer von durchorganisierten rechtsradikalen Schlägertrupps gezielt angegriffen wurden und von der Polizei keinerlei Unterstützung erhielten, sondern im Gegenteil wegen der Teilnahme an der verbotenen Demo inhaftiert wurden, während die Schläger unbehelligt abziehen konnten. Auch solidarisch angereiste deutsche Politiker wie Volker Beck von den Grünen bekamen schon eins auf die Nase.


Schon 2006 gab es Streit um den Moskauer CSD – seither wird die Situation immer schlimmer

So bleibt die spannende Frage, ob Putin, der aus der Staatskasse 27 Millionen Euro für die Durchführung des größten und spektakulärsten Eurovision Song Contests aller Zeiten beisteuerte, um das Image Russlands im europäischen Ausland aufzupolieren, es riskiert, dass zeitgleich mit glamourösen Grand-Prix-Bildern auch solche von blutig zusammengeschlagenen und von Polizisten gehetzten statt geschützten Schwulen und Lesben auf Moskaus Straßen um die Welt gehen. Sänger Gordon jedenfalls sagte: „Wenn Leute wie ich auf solche Art und Weise diskriminiert werden, habe ich von diesem Russland nichts zu erwarten und bin im ersten Flieger, der nach Hause geht.“ Meine Heldin von 1998, die transsexuelle Dana International, präsentierte bei der vom russischen Fernsehen live übertragenen offiziellen Eurovisions-Eröffnungsfeier am Sonntag ein Liebeslied mit den Worten: „Der nächste Song ist für alle Jungs und Mädchen, die Jungs lieben“, wie der Eurovisionsblog des vorwärts berichtet. Oscar Loya behauptete in seiner Pressekonferenz unterdessen lieber, er fände die russischen Mädchen genau so „heiß“ wie die deutschen – was ja in seinem Falle nicht gelogen ist, aber doch um den heißen Brei geredet. Hier vermisse ich eine deutliches Zeichen der Solidarität mit den russischen Schwestern schmerzlich. Noch ist dafür Zeit!

3 Gedanken zu “Schwule Solidarität: Niederlande drohen mit Final-Boykott

  1. Irgendwie absurd, dass er überhaupt nach russischen Mädels gefragt wird. Ich hab auf einer der NDR-ESC-Seiten gelesen, dass Oscar doch auch in Russland von einer dortigen Skandalzeitung geoutet worden sein soll.

  2. …. Er wurde doch auf der ofizellen esc seite geoutet die wissen das doch alle;) glaub ich^^ mfg pasi

  3. dann drücken wir Holland die Daumen und hoffen, dass das dann auch gemacht wird und sich Oscar und Konsorten anschließen werden

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