Zwei­tes Semi 2009 – die Pro­ben

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© EBU

Nur noch zwei Tage, bis es ernst wird in Mos­kau. Zwei Pro­ben­durch­gän­ge sind bereits gelau­fen, und auch wenn sich an der kome­ten­haf­ten Füh­rungs­po­si­ti­on von Alex­an­der Rybak nichts geän­dert hat, konn­ten doch noch eini­ge Bei­trä­ge ihre Posi­ti­on ver­bes­sern – oder ver­schlech­tern, je nach visu­el­ler und akus­ti­scher Umset­zung. Oder feh­len­der Che­mie zwi­schen den Duet­tan­ten. Wie es schö­ne Tra­di­ti­on ist, wer­den die Büh­nen­auf­bau­ten und Cho­reo­gra­fi­en immer absur­der: nach­dem die Grie­chen die ers­te Abschuss­ram­pe instal­lier­ten, kam am Sonn­tag sogar Vla­di­mir Putin ins Olym­pia­sta­di­um, um nach dem Rech­ten zu sehen. Das zwei­te Fina­le ist in die­sem Jahr ohne Fra­ge das stär­ke­re und inter­es­san­te­re, daher soll es – auch wenn es schon kurz vor Tores­schluss ist – hier nach­ge­reicht sein.

1. Kroa­ti­en: Igor Cukrov + Andrea Šušn­ja­raLijepa Tena
Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Die Bal­kan­brü­der könn­ten das ret­ten. Fair wär’s nicht.

Dass die Kroa­ten sich bei den Pro­ben noch kei­ne Lun­gen­ent­zün­dung ein­ge­fan­gen haben, wo sie die gan­ze Zeit im Wind­ma­schi­nen­sturm der Stu­fe Caro­la 10 ste­hen müs­sen! Nach dem fuß­nä­ge­lauf­rol­lend schie­fen Gejo­del bei der DORA haben die Kroa­ten die gesang­li­chen Antei­le von Igor und der gering­fü­gig talen­tier­te­ren Andrea neu ver­teilt, so dass sie in Zusam­men­ar­beit mit drei wei­te­ren Chor­sän­ge­rin­nen das Schlimms­te ver­hin­dern kann. Ori­gi­nell wird die Super­schnul­ze dadurch auch nicht, aber erträg­li­cher.

2. Irland: Sinéad Mul­vey & Black Dai­syEt cete­ra
Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Pfft! Bleibt doch bit­te gleich zu Hau­se!

Okay, als *ahem* etwas fül­li­ge­res Bär­chen soll­te ich über figür­lich Her­aus­ge­for­der­te nicht läs­tern. Aaaaber: muss man sei­ne Speck­rol­len denn tat­säch­lich in eine haut­enge Sil­ber­fo­li­en-Pel­le quet­schen und damit vor die Kame­ras tre­ten? Die Blackhearts Dai­sies rücken auch schon ganz weit von Sinéad ab und schau­en ohne­hin drein, als woll­ten sie mit der gan­zen Num­mer nichts zu tun haben. Die klingt auch wei­ter­hin wie ein Ama­teur­abend in einer iri­schen Dorf­knei­pe. Wer­den die Insu­la­ner es irgend­wann begrei­fen, dass sie sich seit dem Fall der Sprach­re­gel ein biss­chen mehr Mühe geben müss­ten?

3. Lett­land: Intars Busu­lisProb­ka
Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Ahem. Kei­ne.

Der Intars ist ja nun weiß Gott “ein Brett!” (gab-Redak­teur Björn Berndt). Und der sphä­risch huhen­de Frau­en­chor ist auch toll. Lei­der aber, wie soll ich es aus­drü­cken, fin­de ich kei­nen Zugang zu sei­ner ver­stö­ren­den Punk­rock­num­mer. Der Sinn sei­nes Gim­micks, eines auf die Sei­ten­tei­le der Kos­tü­me sei­ner Chor­sän­ge­rin­nen pro­ji­zier­ten Dias einer Hand, erschließt sich mir eben­falls nicht – ver­mut­lich, da ich des rus­si­schen nicht mäch­tig bin. Scha­de!

4. Ser­bi­en: Mar­ko Kon + Milan Niko­lić – Cipe­la
Aufrechtgehn.de-Wertung: 3 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Es ist Ser­bi­en. Klar kommt das wei­ter. Und war­um auch nicht?

Drei sehr sexy aus­se­hen­de ser­bi­sche Skin­heads beglei­ten den deut­schen Bra­chi­al­ko­mi­ker Kon­rad Stö­ckel auf die Büh­ne, wo sie (sowie ein Akkor­de­on­spie­ler und eine Frau) mit aller­lei obsku­ren und zum Teil gefähr­lich aus­se­hen­den Ver­ren­kun­gen von dem noch obsku­re­ren Come­dy-Bei­trag über “Schu­he” abzu­len­ken suchen. Was ihnen zum Teil auch gelingt.

5. Polen: Lidia Kopa­niaI don’t wan­na lea­ve
Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Lan­ge­wei­le plus Unver­mö­gen – das dürf­te für den letz­ten Platz rei­chen.

Lidia singt stets ‘I don’t wan­na live’, und das passt auch zum Song. Lidi­as Kleid besteht aus mehr Schlep­pe als sonst was, und auch die Chor­sän­ger sind in wei­te Togen gehüllt. Im Hin­ter­grund wir­belt die komi­sche Frau aus der Milch­schnit­te-Wer­bung (Stich­wort: rhyth­mi­sche Sport­gym­nas­tik) durchs Bild. Das lenkt aber nicht genü­gend von dem gotter­bärm­li­chen Gejau­le ab, das die Polin von sich gibt. Mit der Zyp­re­rin emp­fin­det man ja noch Mit­leid – hier hat man das eher mit den eige­nen Ohren.

6. Nor­we­gen: Alex­an­der RybakFai­ry­ta­le
Aufrechtgehn.de-Wertung: 6 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Die Fra­ge ist ja nur noch: Oslo oder Ber­gen 2010?

Unser weiß­rus­sisch-nor­we­gi­scher Zau­ber­jun­ge zieht mehr oder min­der die sel­be Show ab wie schon beim Melo­di Grand Prix, und das ist auch gut so! Es ist vor allem Alex­an­ders Appeal, sein kecker Laus­bu­ben­charme, der die brei­ten Zuschau­er­mas­sen anspricht. Und ich ste­he noch nicht mal auf Buben. Oder auf nor­di­sches Gefie­del. Aber es ist schwer, sich sei­ner Magie zu ent­zie­hen. Die EBU weiß schon, war­um sie die Wer­be­pau­se nach die­sen Song legt, da gibt es näm­lich erst mal auf­ge­reg­tes Geschnat­ter in den Wohn­zim­mern Euro­pas.

- Ers­te Wer­be­pau­se -

7. Zypern: Chris­ti­na Meta­xaFire­fly
Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Satz mit “X”: war wohl nix.

Okay, so schlimm wie eine Wur­zel­be­hand­lung (wie noch beim zypri­schen Fina­le) ist Chris­ti­nas Dar­bie­tung nicht mehr. Offen­sicht­lich hat sie viel geprobt – das Gan­ze ist jetzt so ver­gnüg­lich wie eine Zahn­stein­ent­fer­nung. Ihre fünf Begleitsänger/innen geben sich alle Mühe, das Lied so har­mo­nisch wie mög­lich klin­gen zu las­sen, und die deut­lich selbst­be­wuss­ter wir­ken­de Chris­ti­na tut das, bar­fuß auf beleuch­te­ten Kuben sit­zend (hal­lo Mos­kau! bit­te Büh­nen­bo­den put­zen!) auch. Aber, wie Karin Som­mer (Jacobs Krö­nung) schon wuss­te: “Mühe allein genügt nicht!”. Ganz schlimm das Song­fi­na­le, wo sie auf zwei auf­ein­an­der gesta­pel­te Kuben steigt, aus­ruft (na ja, flüs­tert): “Jump!” – und dann nicht springt!

8. Slo­wa­kei: Kamil Miku­lčík + Nela Pocis­ko­vá – Let ‘tmou
Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Da könn­te man gleich Ingrid und Klaus aus TV Total holen. Null.

Okay, nur weil man gemein­sam eine schmal­zi­ge Lie­bes­bal­la­de into­niert, muss man noch kein ech­tes Pär­chen sein. Aber selbst beim von S/A/W aus rei­ner Pro­fit­gier erzwun­ge­nen Duett ihrer bei­der Best­sel­ler Kylie & Jason (‘Espe­ci­al­ly for you’) stimm­te die Che­mie deut­lich mehr als beim slo­wa­ki­schen Duo, das sich ganz offen­sicht­lich hasst und kör­per­li­che Qua­len lei­det, gemein­sam auf einer Büh­ne ste­hen zu müs­sen. Zwi­schen Ahma­di­ned­schad und Schi­mon Peres dürf­te mehr Lie­be herr­schen als zwi­schen Kamil und Nela. Ihre Abnei­gung kom­pen­sie­ren die Bei­den mit Kampf­sin­gen gegen­ein­an­der, und als Zuschau­er fühlt man sich unan­ge­nehm und pein­lich berührt.

9. Däne­mark: BrinckBelie­ve again
Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Da auch Frau­en abstim­men dür­fen: hoch. Ich möch­te ster­ben.

Die Defi­ni­ti­on von Lan­ge­wei­le. Eine Tüte fett­ar­mer H-Milch ver­fügt über mehr Per­sön­lich­keit und Aus­strah­lung als die­ses Stück Tot­holz. Niels Brinck macht beim Sin­gen gele­gent­lich einen Gesichts­aus­druck, als habe er seit zwei Jah­ren kei­nen Stuhl­gang mehr gehabt, und so gepresst hören sich die Töne auch an. Kei­ne Büh­nen­show lenkt von der puren Ödnis die­ses Ron­an-Kea­ting-Album-Füll­stoffs ab. Da ist jede Alex­an­der-Klu­ge-Doku­men­ta­ti­on unter­halt­sa­mer.

10. Slo­we­ni­en: Quar­tis­si­mo + Mar­ti­na Majer­leLove Sym­pho­ny
Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Kei­ne. Slo­we­ni­en hat ja auf dem Bal­kan kei­ne Freun­de, und dies­mal ist das auch gut so.

Vier wirk­lich schnuck­li­ge slo­we­ni­sche Strei­cher mit einem gar nicht mal so schlech­ten Klas­sik-meets-Dis­co-Stück. Wäre da nicht die­se schreck­li­che bil­li­ge Blon­di­ne, die alles in Grund und Boden schreit, sobald auch sie – lei­der! – ihre Schäm­wand zer­ris­sen hat. Kann da nicht noch jemand schnell das Per­ga­ment durch Stahl­wol­le erset­zen?

11. Ungarn: Zól­tan ÁdokDance with me
Aufrechtgehn.de-Wertung: 10 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Natür­lich kei­ne, das wirkt ja total schwul! *tie­fer Seuf­zer*

Ádok­zó­li my Ass! Das ist doch Deen, der sich hier unter fal­schem Namen zum Grand Prix zurück­ge­schli­chen hat! Song und Cho­reo­gra­fie sind camp­t­as­tique, aller­dings muss Deen Zóli ent­we­der das Mikro höher posi­tio­nie­ren oder den Back­up­sän­ger aus­tau­schen. War­um er noch drei Frau­en auf die Büh­ne stellt, ist mir ein Rät­sel – das ist so hete­ro­se­xu­ell wie Eis­kunst­lau­fen!

12. Aser­bai­dschan: AySel & ArashAlways
Aufrechtgehn.de-Wertung: 4 Punk­te ◊ Final­chan­ce: Aber abso­lut! Alles ande­re wäre absurd.

Aysel und Arash tur­nen auf ein paar sehr insta­bil aus­se­hen­den Glas­ti­schen her­um – ob das mal gut geht? Ansons­ten voll­füh­ren sie eine Art Paa­rungs­ri­tu­al auf der Büh­ne (wes­we­gen die Kame­ras des eher prü­den esc.tv-Teams auch lie­ber den anwe­sen­den Dik­ta­tor Putin zeig­ten). Ins­ge­samt die exakt rich­ti­ge Mischung aus Show und Song, der wie­der­um die exakt rich­ti­ge Mischung aus Eth­no­klän­gen und druck­vol­len Beats ent­hält. Und das Gan­ze sau­ber gesun­gen.

13. Grie­chen­land: Sakis Rou­vasThis is our Night
Aufrechtgehn.de-Wertung: 12 Punk­te ◊ Final­chan­ce: So muss ein Grand-Prix-Bei­trag aus­se­hen! Kla­rer Fina­list, mög­li­cher Sie­ger.

Sakis, der ein stra­te­gisch zu knap­pes T-Shirt trägt, hat sich einen gigan­ti­schen, beleuch­te­ten Tacker (oder ist es eine Son­nen­lie­ge?) mit auf die Büh­ne gebracht, die alles bis­her an Gim­micks Gese­he­ne in den Schat­ten stellt. Das Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rät beinhal­tet ein Lauf­band, eine Art Ski­schuh und eine aus­fahr­ba­re Ram­pe (von wel­cher er bei der ers­ten Pro­be noch stürz­te) – und alles kommt zum Ein­satz! Sei­ne Cho­rogra­fie besteht aus einer Art Power-Pila­tes auf Speed, wes­we­gen Alex Panayi (‘Sti fotia’, CY 1995) als Back­ground­sän­ger wei­te Tei­le der Vokal­ar­beit über­nimmt. Hüpf­häs­chen Sakis wirkt am Schluss völ­lig aus­ge­pumpt, aber glück­lich – so wie ich beim Zuschau­en!

14. Litau­en: Sasha SonLove
Aufrechtgehn.de-Wertung: 5 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Grenz­wer­tig, aber als Kon­trast­pro­gramm zwi­schen zwei Uptem­po­songs und mit einer star­ken Bal­la­de könn­te es klap­pen.

Ich nann­te Sascha ja bereits den litaui­schen Jus­tin Tim­ber­la­ke und das gilt nach wie vor. Lei­der hat er sich ent­schie­den, wie Jus­tin das auch manch­mal tut, im Anzug und mit Hut auf­zu­tre­ten – was aber für mei­nen Geschmack nicht gut wirkt. Außer­dem geht er vor dem dunk­len Büh­nen­hin­ter­grund ziem­lich unter (er beklagt sich ja auch sehr expli­zit dar­über, dass er nicht den gewünsch­ten bekam). Im letz­ten Refrain wech­selt er von eng­lisch auf rus­sisch, was immer­hin ori­gi­nel­ler ist als der übli­che Lan­des­spra­che-zu-eng­lisch-Switch und für ein paar Extra­joh­ler in der Hal­le sor­gen dürf­te.

15. Mol­da­wi­en: Nel­ly Cio­ba­nuHora din Mol­d­o­va
Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Es kom­men ja zehn Titel wei­ter. Ich hof­fe, der hier nicht.

Nel­ly stellt eine sehr inter­es­san­te Kos­tü­mie­rung zur Schau, so eine Mischung aus Nut­ten­stie­feln, einem grü­nen Hei­di-Dirndl und dem Rock, wie ihn in Aste­rix die römi­schen Sol­da­ten tra­gen. Um sie her­um füh­ren vier Her­ren die Tur­bo­ver­si­on eines Tan­zes auf, den mei­ne igno­ran­ten west­eu­ro­päi­schen Augen als Sir­ta­ki klas­si­fi­zie­ren, womit ich ver­mut­lich voll­stän­dig dane­ben lie­ge. Mit dem aggres­si­ven, lau­ten Eth­no­ge­schrei ihres Songs kann ich nach wie vor nix anfan­gen und bin froh, wenn die drei Minu­ten rum sind.

- Zwei­te Wer­be­pau­se -

16. Alba­ni­en: Kej­si TolaCar­ry me in your Dreams
Aufrechtgehn.de-Wertung: 7 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Kommt drauf an, ob genug Hös­chen­fe­ti­schis­ten unter den Zuschau­ern sind.

Wie man sich trotz eines sehr guten Songs mut­wil­lig die Chan­cen rui­niert, beweist in die­sem Jahr Alba­ni­en. Mit allen Mit­teln ver­sucht man ver­zwei­felt von der Tat­sa­che abzu­len­ken, dass die gute Kej­si eine Bewe­gungs­le­g­asthe­ni­ke­rin ist. Den­noch muss sie ein paar halb­her­zi­ge Tanz­schritt­chen machen und stän­dig ihre drei Begleit­tän­zer bestei­gen (wirk­lich!), von denen einer in einem glit­zern­den Ganz­kör­per­kon­dom in einer unbe­schreib­lich schlim­men Far­be steckt. Er sieht aus wie die schwu­le Ver­si­on von Spi­der­man! Bzw. wie ein mas­kier­ter Hös­chen­fe­ti­schist, wenn er vor Kej­si kniet, deren Tüll­röck­chen der­ma­ßen hoch geschürzt ist, dass man erken­nen kann, dass sie auch ihren Slip farb­lich auf ihr Kleid abge­stimmt hat. Nicht schön!

17. Ukrai­ne: Svet­la­na Lobo­da Be my Valen­ti­ne (Anti-Cri­sis Girl)
Aufrechtgehn.de-Wertung: 1 Punkt ◊ Final­chan­cen: Dass das wei­ter­kommt, bestrei­tet wohl nie­mand.

Die Ukrai­ne gibt mal wie­der alles! Svet­la­na, das poli­tisch hoch­ak­tu­ell sich selbst so tau­fen­de “Anti-Cri­sis-Girl”, turnt sich in gefähr­lich aus­se­hen­den Nut­ten­stie­feln in beein­dru­ckend akro­ba­ti­scher Manier an ihren drei auf­ge­motz­ten Rhön­rä­dern durch ihren lau­ten, hek­ti­schen und druck­vol­len Song (wie immer Krach in Noten, ohne jedes Quänt­chen an Melo­die oder See­le), unter­stützt von zwei Backing-Sän­ge­rin­nen (wes­we­gen die Num­mer trotz der Hoch­leis­tungs­turn­übun­gen gut klingt) und her­um­ge­wir­belt von drei halb­nack­ten, ath­le­tisch-durch­trai­nier­ten Tän­zern, auf deren Ober­kör­pern man Mus­kat­nüs­se rei­ben könn­te. Völ­lig over the Top und lei­der auch völ­lig iro­nie­frei, aber man kann nicht umhin, der Ukrai­ne für die­sen erkenn­ba­ren Wil­len zum Sieg Respekt zu zol­len. Wir bekä­men so was nicht hin.

18. Est­land: Urban Sym­pho­nyRän­da­jad
Aufrechtgehn.de-Wertung: 2 Punk­te ◊ Final­chan­ce: Ein Noc­turne-Klon und eine äthe­ri­sche Schön­heit mit auf­ge­spritz­ten Lip­pen. Klar kommt das wei­ter!

Chia­ra Oho­ven (die Frau, die Deutsch­lands dicks­te Lip­pe ris­kier­te), fie­delt und singt sich im dun­kel­blau­en Kleid vor dun­kel­blau­em Büh­nen­hin­ter­grund und mit mehr Hall auf der Stim­me als Céli­ne Dion zu ihren Tita­nic-Zei­ten durch einen in der lus­ti­gen Lan­des­spra­che gesun­ge­nen, Gott sei Dank etwas pep­pi­ge­ren ‘Noc­turne’-Klon. Völ­lig unspek­ta­ku­lär, aber ein schö­ner Kon­trast zu den bei­den Show-Over­kill-Num­mern davor und danach.

19. Nie­der­lan­de: De Top­persShi­ne
Aufrechtgehn.de-Wertung: 8 Punk­te ◊ Final­chan­cen: Selbst­ver­ständ­lich kei­ne. Die Nie­der­län­der wis­sen das und neh­men es mit Humor.

Ach, herr­lich! Als krö­nen­der Abschluss die­ses Semis ein lus­ti­ger Aus­flug in die guten alten Acht­zi­ger­jah­re. Sieg­fried, Roy und Libe­r­ace in beleuch­te­ten Glit­zer­an­zü­gen, wie ihre groß­ar­ti­gen, als Hoch­zeits­tor­ten ver­klei­de­ten Chor­sän­ge­rin­nen mit einer simp­le­ren Ver­si­on der slo­we­ni­schen Sper­ma­spu­ren-Hand­scan­ner von 2007 aus­ge­stat­tet, per­for­men zu ihrem wun­der­bar fut­ti­gen Ret­tet-die-Erde-mit-der-Kraft-der-Musik-Schla­ger eine simp­le und somit glück­lich machen­de Bil­der­buch­cho­reo­gra­fie wie von den Her­reys abschaut. Ein augen­zwin­kern­der Nost­al­gie-Over­kill, wie er dem Her­zen einer alten Euro­vi­si­ons­tu­cke gut tut. Für so etwas schaue ich den Grand Prix!

5 Gedanken zu “Zwei­tes Semi 2009 – die Pro­ben

  1. Sir­ta­ki? Anmer­kung zu 15. Mol­da­wi­en: der als Sitra­ki iden­ti­fi­zier­te Tanz heißt Hora – daher kommt auch der Titel des Bei­trags ‘Hora aus Mol­da­wi­en’.

  2. Alba­ni­en und Slo­wa­kei Kej­si Tola tut mir wirk­lich leid. Erst wird ihrem tol­len Song durch die eng­li­sche Spra­che zwei Drit­tel des Charmes genom­men. Dann muß sie in einem Kleid auf die Büh­ne, bei dem jedem Päd­eras­ten die Augen glü­hen und dabei noch auf schwu­len Boys her­um­tur­nen. Bis­her sah ich sie sicher im Fina­le, aber nach der zwei­ten Pro­be sehe ich dafür schwarz. Man hät­te sie wie im Vor­ent­scheid ein­fach ste­hen und sin­gen las­sen sol­len. Das kann sie am bes­ten, da fühlt sie sich wohl. Bei Kamil Miku­lic + Nela Pocis­kow muß ich zustim­men, ein gutes Lied mit den fal­schen Inter­pre­ten. So wird das nicht mit dem slo­wa­ki­schen Wie­der­an­tritt.

  3. Schock Auch, du mei­ne Scheis­se! Das muss ich aber lei­der auch fin­den. Alba­ni­en hat mir da seit Tagen einen Ohr­wurm ver­passt und neben Schwe­den find ich den Song am bes­ten. Und nun die­ser Blöd­sinn. Wenn die Ärms­te sich nicht bewe­gen kann, soll man sie ein boden­lan­ges, wei­tes Kleid ste­cken und still­ste­hen las­sen. Die hier jedoch gewähl­te Art der Ablen­kung ist ganz und gar zum Heu­len. Sehr ent­täu­schend

  4. Mol­da­vi­en statt Ser­bi­en Ich kann­te die Sachen bis­lang nur von CD, habe aber auch fast genau so getippt. Das Schuh-Lied find ich nicht wit­zig genug, den Volks­tanz aus Mol­dau eigent­lich aber schon. (Wäre in Kom­bi­na­ti­on viel­leicht auch mal was für Hol­land: Holz­schuh­tanz). Aber bei Ser­bi­en als auch bei Mol­da­vi­en kann es sich ohne­hin nur um die hin­te­ren Plät­ze han­deln, des­we­gen ist es eigent­lich auch egal…

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