Albanien 2010: An einem Sonntag in Tirana

Wie man Traditionen schafft und gleichzeitig mit ihnen bricht, bewies Albanien beim Festivali i Kenges. Schon traditionell wählte Albanien wieder über die Weihnachtsfeiertage seinen Eurovisionsbeitrag aus und ist damit erneut (und auch bereits traditionell) das erste Land, von dem sowohl Interpret als auch das Lied für Oslo feststehen. Weniger traditionell erscheint der Beitrag: begeisterte mich das Land seit seiner Erstteilnahme fast immer mit zunächst schwer zugänglichen, beim siebzehnten Hören aber um so schöneren Ethnoballaden oder mit grotesk kostümiertem, wunderbar eingängigen Eurotrash, so entschied sich die allein stimmberechtigte Jury diesmal für ein nichts sagendes Nullachtfünfzehn-Uptempostück namens ‚Nuk mundem pa ty‘ (laut NDR auf deutsch etwa ‚Ich kann nicht ohne Dich‘). Gesungen wird es von einer jugendlichen Mireille-Mathieu-Kopie (nicht die Stimme, aber die Kochtopffrisur) namens Juliana Pasha.


Eine Frau namens Pascha

Den größten Beifall im Saal erhielt nach Bericht des Eurofire-Blogs indes die Zweitplatzierte Anjeza Shahini (wir erinnern uns: 2004, ‚The Image of you‘) mit exakt jener zähen, aber potentiell tollen Ethnoballade namens ‚Në pasqyrë‘, von der ich weiter oben sprach. Auch die großartige Kejsi Tola (AB 2009) nahm an der Vorentscheidung teil, landete jedoch abgeschlagen auf Rang 15.


Großes Drama, aber etwas sperrig: Anjeza, die Zweitplatzierte

Nachtrag: ‚Nuk mundem pa ty‘ wurde, der albanischen Tradition entsprechend, natürlich in der Zwischenzeit in ‚It’s all about you‘ anglifiziert und remixt. Klingt zwar noch immer nach Nullachtfünfzehn, in diesem Jahr allerdings ist man ja schon dankbar für alles, was wenigstens einen ordentlichen Beat hat! Auch der Interpretin verpasste man eine neue Frisur, so dass sie jetzt nicht mehr aussieht wie Mireille Mathieu mit Mumps, sondern als habe sie die hundert Kilometer lange Fahrstrecke zum Sendestudio im Cabrio zurückgelegt. Und einen professionellen Videoclip packten die Albaner auch noch oben drauf, in dem sich Juliana im düsteren, vom sauren Regen deutlich gekennzeichneten Märchenwald einem finsteren Waldschrat an den Hals wirft, der das arme Ding aber wieder fallen lässt. Immerhin wurde hier deutlich mehr Geld und Zeit investiert als in den deutschen Videoclip.


Juliana auf der Spermienjagd

7 Gedanken zu “Albanien 2010: An einem Sonntag in Tirana

  1. Also mir … … gefällt der Song. Ich finde, der hat Potential. Aber ich befürchte schon fast, dass man ihm das durch Anglifizierung dann schon noch austreiben wird und dann wirklich nur ein ’nichts sagendes Nullachtfünfzehn-Uptempostück‘ übrig bleibt. Aber ich bin mal gespannt.

  2. Die Gaga aus Tirana Mir gefällt’s auch. Liegt vielleicht auch daran, dass ich, angesichts des Zeitlochs, in dem ich mich seit dem Anhören des holländischen Demo-Beitrags letzte Woche befinde, für jegliche Art halbwegs zeitgenössischer Popmusik dankbar bin. Die Frau kann singen und (!) sich auch ganz gut bewegen – in Memorian: Kejsi Toja konnte das in diesem Frühstadium noch nicht! Naja, auch hier erstmal die Endversion abwarten – und was die dramatische Balkan-Ballade angeht, Oliver, vielleicht schenken die dir die Bosnier oder die Serben noch. Oder an Ende sogar Mazedonien? Nee… obwohl, alles ist möglich… 😉

  3. Anjeza war sooooo toll… und die Fuc. Jury wählte diesen Schrott???!!!-.- Man sah ja an der Reaktion des Publikums als Anjeza vom letzten Juror die 20 bekam, wenn sich die Albanier Vorstellten. Genauso war das Voting bei esctoday.com eindeutig!!! Mit 34,5% wurde da für Anjeza gestimmt!! Und Platz zwei ging an diese Aria Tussi^^ mit 18,5% Der Titel der gewann lag auf Platz 4 mit 7% oder soo… Aber Anjezas Lied war so toll:) und in Englisch bestimmt noch geiler gewesen… schade das sie es nicht schaffte… weil die behinderten Juroren lieber einen Kejsi Tola abklatsch schickten der klingen soll wie Womanizer von Britney Spears… Ich hätte Anjeza sogar Chancen für Top 3 ausgerechnet!!! Also im ESc Finale wo sie sicher drin gewesen wäre… und der Song wäre bestimmt sehr gut bei den Jurys und beim Publikum angekommen!!! Bonus natürlich das sie schon 2004 Albanien Vertrat. Und wer machte bis jetzt auch das Beste Ergebnis Albaniens, Na Anjeza und das wird auch nach 2010 so sein;) Ich denke nicht das dieser Beitrag ins Finale kommt. Man sah ja schon das die Jury Albanien dieses Jahr schon nicht so Recht Punkte gaben und Kejsi hatte eine Stimme und einen geilen Song!!!, da denke ich wird es bei dem Song noch schlechter laufen!!! Einfach schade um den tollen Song von Anjeza die mein Fave war… Hoffentlich versucht sie es nächstes Jahr wieder:) lg pasi ps die Albanier wissen was sie von Anjeza haben:) die Jury nicht…. finde es eh voll scheiße das da eine Jury immer entscheidet wer für Albanien gewinnt… Hauptsache immer Werbung für Telefone machen…

  4. Juliana Pasha… …..hat es also nach zwei erfolgreichen Anläufen ( Platz 3. und 2. ) endlich zum ESC geschafft. Singen kann sie jedenfalls und ich denke auch, dass man über ihre Chancen beim ESC erst etwas sagen kann, wenn die ESC-Version ihres Songs bekannt ist. Da wird sich sicherlichlich noch einiges ändern.

  5. re: Anjeza [quote=pasi] Ich hätte Anjeza sogar Chancen für Top 3 ausgerechnet!!! Also im ESc Finale wo sie sicher drin gewesen wäre… und der Song wäre bestimmt sehr gut bei den Jurys und beim Publikum angekommen!!![/quote] Na ja, mit Chancen auf Top3-Platzierungen sollte man in diesem Frühstadium noch vorsichtig sein, wo ja noch kaum ein Wettbewerbslied bekannt ist. Über den deutschen Beitrag beispielsweise, der garantiert sensationell, hammergeil, hinreißend vorgetragen sein wird 😉 , weiß man aktuell noch null und nix (was ja immerhin zu Hoffnungen Anlass gibt, schließlich kann man zur Stunde nichts Negatives sagen) [quote=pasi]Man sah ja schon das die Jury Albanien dieses Jahr schon nicht so Recht Punkte gaben und Kejsi hatte eine Stimme und einen geilen Song!!![/quote] Aber sie hatte auch ’nen Frosch auf der Bühne und ein Bewegungstalent wie eine deutsche Eiche aus dem Bilderbuch 😛 Der diesjährige albanische Beitrag? So wie er jetzt ist: grausam, grausam, grausam. Meine persönliche Meinung natürlich nur. Da ist alles total unsympathisch – die dröge Nummer wie auch die matronenhafte junge Sängerin. Aber sie werden diesen gezeigten Auftritt in guter Tradition zur Unkenntlichkeit verändern und sich eine aberwitzige Bühnenshow ausdenken. Dann sehen wir weiter.

  6. Chamaeleon Albanien … in Tirana ist man schon eifrig dabei, Song und Performance zu entstauben. Oder liegt es einfach daran, dass wir unzaehlige Balladen seitdem gehoert haben? Mittlerweile gibt es eine TV-Version auf Englisch und mit etwas besserer Frisur. Sieht deutlich besser aus, wenn auch immer noch eine Mischung aus Claudia Roth und Julia Timoschenko, sofern moeglich… aber immerhin!

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