Bul­ga­ri­en 2010: Camp as a Row of Tents

Erwar­tungs­ge­mäß setz­te sich im bul­ga­ri­schen Song­fi­na­le soeben das von Miro selbst geschrie­be­ne Dis­codra­ma ‘Angel si ti’ durch – mit knapp 50% der Stim­men. Gut! Fünf Num­mern befan­den sich im Ren­nen – wenn­gleich sich dies von Beginn an etwas unfair gestal­te­te. Miro, einer der größ­ten Stars Bul­ga­ri­ens (und mit dem ent­spre­chen­den Selbst­be­wusst­sein aus­ge­stat­tet), stand bereits seit Okto­ber 2009 als Inter­pret fest, sei­ne fünf Titel rotier­ten seit Anfang Febru­ar in den bul­ga­ri­schen Rund­funk­sta­tio­nen. ‘Angel si ti’ ver­fass­te er selbst: kein Wun­der, dass er die­se Num­mer mit der größ­ten Inbrunst into­nier­te und sei­ne Fans via Web­site dazu auf­rief, für die­sen Titel zu stim­men.


High on a hap­py Vibe: der Miro

Auch im TV-Fina­le heu­te Abend zog er bei der Prä­sen­ta­ti­on “sei­nes” Songs alle Regis­ter: letz­ter Start­platz für ‘Angel si ti’, gro­ße Cho­reo­gra­fie, auf­fäl­li­ge Kos­tü­mie­rung, Wind­ma­schi­ne, strah­len­des Lächeln – wären die ande­ren Titel nicht ohne­hin objek­tiv schlech­ter gewe­sen, könn­te man sein Ver­hal­ten bei­na­he als Mani­pu­la­ti­on beschrei­ben. Nach wie vor ver­stört aller­dings der etwas abrup­te Schluss nach drei Minu­ten, der so wirkt, als sei plötz­lich das Band ste­hen geblie­ben und ent­hal­te uns die für so eine Num­mer eigent­lich obli­ga­to­ri­sche Rückung und das gro­ße, dra­ma­ti­sche Song­fi­na­le vor. Des­sen unge­ach­tet erhält die­se Num­mer von mir trotz­dem selbst­ver­ständ­lich das Prä­di­kat “camp­t­as­tisch” und gehört ab sofort offi­zi­ell zu mei­nen Lieb­lings­bei­trä­gen!


Ein Meis­ter­werk: Miros pan­se­xu­el­les Kud­del­mud­del zum Euro­dis­co­sound

Ein Händ­chen für Spit­zen­camp hat Miro aber ohne­hin, wie schon sein größ­ter Hit ‘Losing Con­trol’ (‘Gubq Kon­trol’) beweist, des­sen mit SM-Ästhe­tik und gleich­ge­schlecht­lich knut­schen­den Pär­chen bers­ten­der Video­clip den Bul­ga­ren zum offi­zi­el­len Nach­fol­ger Paul Oscars (IS 1987) beim Euro­vi­si­on Song Con­test qua­li­fi­ziert. Das wird groß­ar­tig in Oslo! Gut gewählt, Bul­ga­ri­en! Da ver­zei­hen wir Euch sogar die unter­ir­di­sche Pau­sen­un­ter­hal­tung zwi­schen den fünf Bei­trä­gen, als ihr zwei völ­lig unmu­si­ka­li­sche Gestal­ten, die offen­bar für den nächs­ten Druck auf­tra­ten, mut­wil­lig die größ­ten Euro­vi­si­ons­hits mas­sa­krie­ren ließt, wäh­rend Miro vom Bat­man­cape in einen fabel­haf­ten, tief aus­ge­schnit­te­nen gel­ben Strick­pul­li schlüpf­te.


Jetzt ent­deckt: der blaue Pla­net ist in Wahr­heit Miros Iris!

Nach­trag: mitt­ler­wei­le gibt es einen offi­zi­el­len Video­clip, in dem sich Miro als Rat­ten­fän­ger von Sofia betä­tigt und in einem offen­sicht­lich aus Tscher­no­byl stam­men­den Hemd durch die nächt­li­che City streift, die Armee den Unto­ten hin­ter sich ver­sam­melnd. Kitsch as Kitsch can und mein offi­zi­el­ler Favo­rit 2010! ◊ Zwei­ter Nach­trag (16.5.): Und eine län­ge­re, erwar­tungs­ge­mäß furcht­ba­re eng­lisch­spra­chi­ge Fas­sung exis­tiert zwi­schen­zeit­lich auch, wel­che (erwar­tungs­ge­mäß) die kom­plet­te Magie des Songs zer­stört. Selbst Miro scheint sie nicht zu mögen, denn er fehlt in dem dazu­ge­hö­ri­gen Video­clip, der eine sexy Drei­ecks­ge­schich­te prä­sen­tiert, voll­stän­dig.


Nein, nein, nein und nein: bit­te bleib bei bul­ga­risch!

17 Gedanken zu “Bul­ga­ri­en 2010: Camp as a Row of Tents”

  1. Wenn man Wiki­pe­dia glau­ben darf, dann hast du den Herrn fast 10 Jah­re zu jung gemacht. ‘Born 1976.’

  2. Naja nach der bul­ga­ri­schen Ohren­pain von 2009 kann es ja nur auf­wärts gehen. Oder? Dage­gen war ja unser Lied eine wah­re Wohl­tat und ein Ohren­schmaus.

  3. Ich ken­ne den Sen­ger per­sön­lich und glaubt mir, der ist ein sehr begab­ter und erfolg­rei­cher Kom­po­nist und Senger.Seine Lie­der, geschrie­ben für ande­ren Pop­stars in Bul­ga­ri­en( die er zusätz­lich neben sei­ne eige­ne Lie­der geschrie­ben hat) haben auch Prei­sen gewon­nen. Fast bei allen Wettbewerbe,wo Miro teil­ge­nom­men hat, hat er auf dem Sie­ger­trepp­chen been­det – und das seit­dem wir zusam­men musi­ziert haben – das heißt seit 1991:) Bin gespannt auf Oslo!:)

  4. hmmm Du denkst aber nicht, das er in Oslo gewin­nen wird;) Dafür ist lei­der auch der von mir fave song Angel si ti zu schwach am schluss…

  5. Ein Wun­der? Wow, ich glau­be, das ist das ers­te Mal, dass der Web­mas­ter und ich die iden­ti­sche Favo­ri­ten­rang­fol­ge haben! Das streich ich mir im Kalen­der rot an! 😀 Und ja, wenn er lächelt und die Augen so rich­tig strah­len (was sie besod­ners bei Angel Si Ti tun), dann ist Miro schon ein Typ zum Ver­lie­ben. Hach … *schwärm*

  6. Er gehört mir! XD Stimmt, die Augen! Hach, er hat so wun­der­tol­le Augen! Da schmilzt man sofort hin… *träum* 😳 Äh… *räus­per*… ja, die Songs. ‘Angel Si Ti’ ist klar die Bes­te Num­mer. ‘Eagle’ ist auch sehr gut, mit tol­lem Intro, aber irgend­wie pas­sen da Gesang und Musik über­haupt nicht zusam­men…

  7. Nun, für den Sän­ger kann ich mich ganz und gar nicht begeis­tern. Wahr­schein­lich funzt das nur, wenn man schwul ist. Und die Lie­der? Naja, so rich­tig toll ist ja wohl gar keins. Viel­leicht kann ja das fina­le Arran­ge­ment noch was rei­ßen. Was die Rei­hen­fol­ge betrifft, kann ich abso­lut nicht bei­pflich­ten, außer, dass Miro bei ‘Eagle’ wirk­lich hin­ten­dran ist. Auf die Gefahr, jetzt gestei­nigt zu wer­den: Am erträg­lichs­ten fin­de ich noch ‘Moyat pog­led v teb’, aber auch das ist nur unte­rer Durch­schnitt. Twist and Tan­go geht noch, aber derr gan­ze Rest ist (zumin­dest in der bis­lang gebo­te­nen Form) ein­heit­lich schlecht.

  8. Ooooooo.… Eine sehr gute Wahl. ‘Angel Si Ti’ war ja auch der bes­te Song. Vor allem die Strei­cher­ar­ran­ge­ment – das ist exqui­sit. Aber Preis­fra­ge: war­um hat Miro den Song nicht schon im Vorn­her­ein aus­ge­wählt und lässt ihn statt­des­sen gegen vier ande­re Lie­der antre­ten – mit der mög­li­chen Gefahr, dass sei­ne Eigen­kom­po­si­ti­on gar nicht aus­ge­wählt wor­den wäre? Etwas betrübt war ich bloß als Deep Zone in der Pau­se (neben schein­bar ihrer kom­plet­ten bis­he­ri­gen Dis­ko­gra­phie) ‘Play’ vor­tru­gen – den Song, der in Zypern kurz vor knapp dis­qua­li­fi­ziert wur­de. Schnief, war­um nur? Die Num­mer ist tau­send­mal bes­ser als die­ser öde Irish Spring, der letz­ten Endes die zyprio­ti­sche Vor­ent­schei­dung gewon­nen hat…

  9. … Nur das play auch nicht so der bur­ner ist… Angel si ti geht voll in Ord­nung:) Aber mei­ne Top Ten schaut so aus: 12 Ice­land 10 Den­mark 08 Lat­via 07 Swiss 06 Nor­way 05 Bul­ga­ria 04 Slo­va­kai 03 Alba­nia 02 Mal­ta 01 Cyprus

  10. na ja Irgend­wie wer­de ich den Ein­druck nicht los, dass die meis­ten Kom­men­ta­to­ren hier ihren ansons­ten durch­aus kom­pe­tent-kri­ti­schen Blick für die Musik ver­lie­ren, sobald sie von die­sem Büb­chen ange­lä­chelt wer­den. Wie­so sind Wind­ma­schi­nen auf ein­mal ‘camp’, wo sie ansons­ten hier stän­dig kri­ti­siert wer­den? 😉 Man kann die Song­aus­wahl ja (rela­tiv betrach­tet) sicher nach­voll­zie­hen, aber ins­ge­samt steht Miro auf mei­ner Hit­lis­te genau­so weit unten wie der unga­ri­sche Bal­let­mensch letz­tes Jahr. *weg­duck*

  11. Optik: check! Song: check! Wahr­schein­lich hast du Recht. Er ist aber auch ein Süßer, die­ser Miro. 😉 Aller­dings muss ich sagen, dass sein mehr als anspre­chen­des Äuße­res für mich per­sön­lich qua­si nur das Sah­ne­häub­chen ist. In ers­ter Linie bin ich froh, dass Bul­ga­ri­en einen ‘kom­pe­tent vor­ge­tra­ge­nen’ (wie der Maît­re de Cui­sine hier auf die­ser Sei­te öfters so schön sagt) Uptem­po-Song aus­ge­wählt hat, der die kleb­ri­ge Bal­la­den-Pha­lanx, die sich in den letz­ten Wochen auf­ge­stellt hat, ein wei­te­res Stück auf­löst.

  12. Das mit dem Uptem­po stimmt schon. Ich habe per­sön­lich nichts gegen (gut vor­ge­tra­ge­ne) Bal­la­den, aber etwas Abwechs­lung kann sicher nicht scha­den. Wahr­schein­lich ist das auch einer der Grün­de, war­um bei mir der (von der Kon­struk­ti­on her eher bil­li­ge) alba­ni­sche (Uptem­po!) Titel immer noch auf Platz 1 liegt.

  13. Nee, gegen Bal­la­den hab ich auch nichts. Im Gegen­teil, eini­ge der bes­ten Euro­vi­si­ons-Songs über­haupt sind Bal­la­den. Aber ers­tens möch­te ich, dass beim Con­test die Anzahl von Bal­la­den und schnel­len Num­mern halb­wegs aus­ge­wo­gen ist (und das ist sie im Moment nicht), und zwei­tens berührt mich von den bis­her aus­ge­wähl­ten Bal­la­den kei­ne ein­zi­ge. Nor­we­gen, Mal­ta, Geor­gi­en – das sind alles kli­ni­sche, ohne jedes Herz­blut am Reiß­brett ent­wor­fe­ne Kitsch-Opu­se. Qua­si ver­ton­te Gro­schen­ro­ma­ne.

  14. Wir bei­de gegen den Wind? Soll­te mir die­ses Jahr jemand ‘nen Song­con­test-Sam­pler schen­ken, kün­di­ge ich dem­je­ni­gen auf alle Ewig­keit die Freund­schaft. Das Gros der Bei­trä­ge wür­de ohne den Con­test mit Sicher­heit nie nie nie­mals den Weg zur Ver­öf­fent­li­chung schaf­fen. Miro hat immer­hin einen der weni­gen Titel eines m. E. die­ses Jahr durch und durch unzeit­ge­mä­ßen und lang­wei­len­den Lie­derrei­gens am Start, die mei­nen Ohren wenigs­tens nicht auch noch weh­tun. Wenn ich die gan­ze Cho­se im Mai dann trotz immens gesun­ke­nen Inter­es­ses doch wie­der anschaue, werd ich ihm zumin­dest EINEN Dau­men drü­cken.

  15. re: Wir bei­de gegen den Wind? [quote=Carsten]… durch und durch unzeit­ge­mä­ßen und lang­wei­len­den Liederreigens…[/quote] Tja, wer Jurys sät, wird ver­staub­te Lie­der ern­ten. Ich will ja nicht sagen, ich hab’s gleich gesagt, aber… ich hab’s gleich gesagt! 😉

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