Erwartungsgemäß setzte sich im bulgarischen Songfinale soeben das von Miro selbst geschriebene Discodrama ‘Angel si ti’ durch – mit knapp 50% der Stimmen. Gut! Fünf Nummern befanden sich im Rennen – wenngleich sich dies von Anfang an etwas ungleich gestaltete. Miro, einer der größten Stars Bulgariens, stand bereits seit Oktober 2009 als Interpret fest, seine fünf Titel rotierten seit Anfang Februar in den bulgarischen Rundfunkstationen. ‘Angel si ti’ verfasste er selbst – kein Wunder, dass er diese Nummer mit der größten Inbrunst intonierte und seine Fans via Website dazu aufrief, für diesen Titel zu stimmen.
High on a happy Vibe: der Miro
Und auch im TV-Finale heute Abend zog er bei der Präsentation alle Register: letzter Startplatz, große Choreografie, auffällige Kostümierung, Windmaschine, strahlendes Lächeln… wären die anderen Titel nicht ohnehin schon objektiv schlechter gewesen, könnte man sein Verhalten beinahe als Manipulation beschreiben. Störend nur nach wie vor der etwas abrupte Schluss nach drei Minuten, der so wirkt, als sei plötzlich das Backing Tape stehen geblieben und enthalte uns die letzte Rückung und das große, dramatische Songfinale vor. Dennoch enthält diese Nummer von mir das Prädikat “camptastisch” und gehört ab sofort offiziell zu meinen Lieblingsbeiträgen!
Ein Meisterwerk: Miros pansexuelles Kuddelmuddel zum Eurodiscosound
Ein Händchen für Spitzencamp hat Miro aber ohnehin, wie schon sein größter Hit ‘Losing Control’ (‘Gubq Kontrol’) beweist, dessen mit SM-Ästhetik und gleichgeschlechtlich knutschenden Pärchen berstender Videoclip den Bulgaren zum offiziellen Nachfolger Paul Oscars beim Eurovision Song Contest qualifiziert. Das wird großartig in Oslo. Gut gewählt, Bulgarien! Da verzeihen wir Euch sogar die unterirdische Pausenunterhaltung zwischen den fünf Beiträgen, als ihr zwei völlig unmusikalische Gestalten, die offenbar für den nächsten Druck auftraten, mutwillig die größten Eurovisionshits massakrieren ließet, während Miro vom Batmancape in einen fabelhaften, tief ausgeschnittenen gelben Strickpulli schlüpfte…
Jetzt entdeckt: der blaue Planet ist in Wahrheit Miros Iris!
Nachtrag: mittlerweile gibt’s einen offiziellen Videoclip, in dem sich Miro als Rattenfänger von Sofia betätigt und in einem offensichtlich aus Tschernobyl stammenden Hemd durch die nächtliche City streift, die Armee den Untoten hinter sich versammelnd. Kitsch as Kitsch can und mein offizieller Favorit 2010! ◊ Zweiter Nachtrag (16.5.): Und eine längere, erwartungsgemäß furchtbare englischsprachige Fassung existiert zwischenzeitlich auch, welche (erwartungsgemäß) die komplette Magie des Songs zerstört. Selbst Miro scheint sie nicht zu mögen, denn er fehlt in dem dazugehörigen Videoclip, der eine sexy Dreiecksgeschichte präsentiert, vollständig.