Kroatien 2010: Das Wandern ist der Frauen Lust

Die kommen ganz schön rum: nach dem sie 2005 Bosnien mit dem entsetzlich öden ‚Call me‘ vertraten, segeln die singenden Damenbinden Feminnem diesmal unter kroatischer Flagge. Und das sogar mit einem guten Song! 2015 dann für – Mazedonien? Vorangegangen war ein dreistündiges DORA-Finale mit 16 Wettbewerbstiteln, davon aber lediglich vieren, bei denen man nicht sofort Suizid verüben mochte. Da die anschließende Jurywertung (wohl aufgrund stockender Schmiergeldverhandlungen) sich in die Länge zog, musste der kroatische Ex-Vertreter Tony Cetinski (1994) als Pausenact gefühlte sechs Stunden überbrücken: eine harte Prüfung für alle Beteiligten!


Drei Gabis warten im Park

Doch dann einigte man sich übereinstimmend auf die drei Damen vom Grill, die zwar aus mir unerfindlichen Gründen Schrund-Make-up im Gesicht trugen, das sie aussehen ließ, als habe sie kurz vor dem Auftritt ein transsexueller Werwolf angefallen. Doch es entschädigten die abgelieferte Choreografie (mit dezenten Anleihen bei Marija Šerifovics sapphischer Show von 2007), ein melodisch eng an Dima Bilans ‚Believe‘ (RU 2008) angelegter, dank fehlender Timbaland-Beats dennoch wunderschöner, geigenlastiger Titel und ein kleiner Johnny-Logan-Moment bei der Siegerreprise, als einer der Sängerinnen vor Rührung, gewonnen zu haben, ganz am Schluß die Stimme versagte. Wunderbar!


Zeigt her Eure Füße, doch wo sind die Schuh‘?

Nachtrag: Auch Kroatien ließ es sich nicht nehmen, einen professionellen Videoclip zu produzieren. Eigentlich überflüssiger Weise, denn obwohl er ihn über weite Strecken nachstellt, kommt dieser an den Charme des Liveauftritts bei der DORA nicht heran. Allenfalls für Fußfetischisten dürfte der Clip von besonderem Reiz sein.

8 Gedanken zu “Kroatien 2010: Das Wandern ist der Frauen Lust

  1. endlich Dieses Jahr hat es endlich geklappt für Feminnem, nachdem letztes Jahr das doofe televotende Publikum die Juryentscheidung noch gekippt hat. Und das, obwohl ich den letztjährigen Song sogar noch besser fand. Allerdings gab es dieses Jahr noch weniger brauchbare Alternativen. Die 3 Grazien waren jedenfalls so gerührt, dass sie bei der Reprise unter Tränen nicht mehr vernünftig singen konnten, was sich dann in Gelächter wandelte. Eindeutig verdienter Sieg.

  2. Ja, genau so müssen Balladen klingen. Lieber Balkanballaden in Landessprache als der x-te Aufguss von Celine Dion, Whitney Houston oder Disney. Dennoch… es bleibt halt eine Ballade unter vielen und der musikalische Grundtenor dieses Jahrgangs langsam.

  3. Kroatien Verdienter Sieg der Damen, endlich können sie beweisen, dass sie noch mehr drauf haben, als das billige ‚ Call me ‚. Die Performance war in der Tat sehr gut und hat mich auch etwas an Marija Serifovic und die ‚ Beauty Queens ‚ erinnert. Ob Kroatien gewinnen kann?

  4. Doch au no öppis guets 😀 So vil schreeeeeegs, wie das joor hets scho lang nüm gha. Danke Croatia. I ha mir scho überleit ob i mini tickets söll zrugg ghe. Aber jetzt simmer grettet.

  5. Das ABBA-Plagiat ‚Call me‘ war damals furchtbar. Dachte, sie hätten sich danach aufgelöst, stattdessen kommen sie mit einem guten Song wieder. Gratulation!

  6. Neee, die waren zwischenzeitlich ständig präsent. Davon kriegt man nur in Westeuropa wenig mit. Seit einigen Jahren schaue ich regelmäßig Balkanika TV (das bei uns im Kabel läuft, neuerdings allerdings kostenpflichtig), ein bulgarischer Musiksender, der allerdings alles von Slowenien bis Türkei spielt. Und da fällt auf, wie aktiv und in den Charts präsent dort die ganzen ehemaligen ESC-Teilnehmer sind. Kein Wunder, dass die sich dann alle gegenseitig wählen, die Künstler sind enfach einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Da könnte sich Westeuropa einige Scheiben von abschneiden.

  7. Richtig, sie sind ständig präsent, und pünktlich zur Vorentscheidung haben sie auch – endlich nach fünf Jahren – ihr neues Album präsentiert. Hat eben etwas gedauert, da die Dritte im Bunde (die Dunkle) nunmehr schon die dritte Dame ist und daher einige Songs neu eingesungen werden mussten. Dass sie für Kroatien starten, ist kein Wunder. Es war ihr dritter Versuch dort, und alle drei sind Kroatinnen. Nur noch eine von ihnen stammt gebürtig aus Bosnien-Herzegowina, dort aus dem kroatischen Teil. Wahrscheinlich achten die Bosnier darauf, dass sie stets den Proporz bei ihren ESC-Vertretern wahren. Dieses Jahr singt ja ein Serbe…

  8. Sehr komisches Makeup. Mich erinnert das weniger an einen Werwolf; vielmehr habe ich den Eindruck, jemand hat versucht, die Borg-Implantate von Seven of Nine mit Glitzerschminke nachzuzeichnen. Yikes. Aber das Lied selbst hat was. In diesem Teilnehmerfeld werden wir die Damen im Finale sehen, da bin ich überzeugt.

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