Wettquoten: Lena auf Platz zwei bei den Buchmachern

Nach dem sich die deutschen Medien gerade in eine regelrechte Lena-Hysterie hineinschreiben und schon wieder von einem möglichen Sieg spekulieren, lassen sich scheinbar auch die Buchmacher anstecken. In den britischen Wettbüros liegt der deutsche Beitrag derzeit auf Platz 2, hinter Aserbaidschan. Ein gutes Omen für Oslo oder machen wir uns wieder, wie so oft, falsche Hoffnungen? Ich meine: ein bisschen von beidem. Denn angesichts des schwachen Wettbewerbsumfelds in diesem Jahr haben wir erstmals seit 17 Jahren überhaupt wieder so etwas wie den realistischen Hauch einer Chance auf einen Medaillenplatz. Andererseits dürfen wir nicht schon wieder den Texas-Lightning-Fehler begehen, nämlich aufgrund kollektiver Begeisterung im Heimatland einen ähnlichen Empfang auf europäischem Parkett vorauszusetzen.


Keine Fanta ohne Deckel! Lena auf allen Kanälen

„Lena Saale-Unstrut“, wie einer der wenigen Nicht-Fans sie letztens auf Facebook nannte, kommt in Deutschland an. Ohne Frage. Beeindruckend ihr Hitparadeneinstieg: von Null auf Eins mit ‚Satellite‘, belegt sie zudem mit ihren beiden anderen USFO-Finaltiteln ‚Bee‘ und ‚Love me‘ die Plätze 3 und 4 der offiziellen deutschen Singlecharts (vom 26.03.2010, ihre Konkurrentin Jennifer Braun folgt auf #10 mit ‚I care for you‘). Was auf den ersten Blick sensationell und noch nie dagewesen anmutet, resultiert hauptsächlich daraus, dass seit der letzten Anpassung der Top 100 durch Media Control an die Marktentwicklung bezahlte Downloads stärker gewichtet werden – und hier, anders als bei der physischen Maxi-CD, die ja alle drei Stücke enthält, aber pro Verkauf nur einmal zählt, jeder Songdownload einzeln in die Statistik eingeht. Die USFO-Songs standen direkt nach Ende der Sendung sofort in allen Musikportalen zur Verfügung (großes Lob!), dementsprechend kann dieses Ergebnis nicht verwundern. Damit will ich den Erfolg und die Akzeptanz von Lena nicht klein reden – die wenigsten Eurovisionsteilnehmer können eine Nummer-Eins-Platzierung in ihrem Heimatland vorweisen, noch dazu auf einem verhältnismäßig hart umkämpften Musikmarkt wie dem deutschen.


Buchmachers Liebling 2010: Kaffeetante Safura

Das dürfte auch die für uns kontinuierlich besser gewordenen Wettquoten beeinflusst haben. Deren Aussagewert ist freilich begrenzt: zum einen ändern sich die Quoten bis direkt vor dem Contest ständig, zum anderen sagen sie den Sieger in den seltensten Fällen richtig voraus. Erinnert sei nur an 2007, als der schweizerische DJ Bobo als Favorit gesetzt war und dann im Semi sang- und klanglos ausschied. Nach dem im Vorjahr aber Alexander Rybak vom ersten bis zum letzten Moment in den Wettbüros klar führte (und dann auch haushoch gewann), liegt ein stärkerer öffentlicher Augenmerk hierauf: wer bei den Bookies führt, erfährt stärkere mediale Beachtung, was wiederum das Endergebnis tatsächlich beeinflussen kann. So kann eine sich selbst erfüllende Prophezeihung entstehen. Diesen Effekt sollen sich nach aktuellen Gerüchten in den Fanforen die an einem Auf-Biegen-und-Brechen-Sieg so verzweifelt wie zuletzt die Russen interessierten Aserbaidschaner gerade zu Nutzen machen, in dem Geld aus dem Erdölstaat in die britischen Wettbüros fließt, um eine entsprechende Quote für das untalentierte Quietscheentchen Safura herbeizuführen. Funktioniert, wie man sieht.


So muss der Auftritt aussehen, dann klappt’s auch mit den Nachbarn

Und Lenas Chancen? Nun, in den Fan-Foren findet sie auch außerhalb Deutschlands erheblichen Zuspruch. Wie zuletzt Guildo Horn spaltet sie die Menschen in Fans und Gegner (Keith Mills von der irischen Seite AKOE verteilt mit Vorliebe herrlich boshafte Giftspritzen gegen LML), lässt aber die Wenigsten achselzuckend zurück. Wie die Erfolge umstrittener Acts wie Lordi (FI 2006) belegen, ist das ein gutes Zeichen. Denn die Stimmen der Gegner zählen bei der Abrechnung nicht: wichtig ist, dass viele Fans für sie anrufen, und da stehen die Aussichten nicht schlecht. Hinzu kommt, dass in einem beängstigend miserablen Umfeld aus auf den vermutet konservativen Musikgeschmack der Jurys zugeschnittenen Langweilerballaden und Wir-haben-ja-eh-keine-Chance-also-scheiss-drauf-Liedern, die ausschließlich nationale Befindlichkeiten bedienen (vgl. die Niederlande) Lenas Titel ‚Satellite‘ als einer der wenigen modernen Stücke mit internationalem Pop-Appeal heraussticht. Allerdings: einen Ohrwurm kriegt man davon frühestens nach dem dritten Hören, und das ist beim Grand Prix bekanntlich zu spät. Letzten Endes hängt viel von der Performance ab und ob sich Lenas sympathische Persönlichkeit in die Kameras überträgt. Das ist ein Risiko, und der Beitrag kann auch komplett abstürzen. Mein Bauchgefühl sagt mir aber: vorderes Drittel, und von Platz 8 bis 1 ist diesmal tatsächlich alles drin.

11 Gedanken zu “Wettquoten: Lena auf Platz zwei bei den Buchmachern

  1. Ich gehe weithin konform mit Deiner Meinung. 2009 war ich auch ziemlich überrascht vom Sieg des Medienlieblings, hielt es nur für einen Hype. Doch ich glaube weiterhin, daß der deutsche Beitrag eher im unteren Drittel bleiben wird. Ich kann ‚Satellite‘ noch so oft hören, doch weder Text noch Melodie kann ich mir merken. Der Song geht einfach nicht in mein Ohr hinein. Da bleibt wirklich nur noch ein Auftritt, der den Zuschauern ins Auge springt. Dazu bedarf es jedoch wiederum jeder Menge Zuschauer in Lenas Alter, die sich mit ihr identifizieren können. Für mich wäre sie schon zu jung. Eins werde ich jedoch nie erfahren: Würde der Song ein Semi überstehen?

  2. Dem ist in der Tat nicht mehr allzu viel hinzuzufügen. Alles hängt nun von der ihr zugestandenen ‚Strahlkraft‘ und der Originalität der Inszenierung ab und das die Hallendecke der Telenorarena für sie nicht in den besungenen Orbit abhebt. Angeblich kommt sie ja von derselben heruntergeschwirrt. Das wär immerhin spektakulär, jedoch wenig emotionalisierend. Viel Raum für Spekulationen, von Platz 2 – 24 ist momentan sicher noch alles drin – und nicht gesagt ist, das die anderen Teilnehmer ungeachtet oder gerade wegen ihres schwachen Songmaterials auf den Bäumen weiterpoofen werden. Nächster Bahnhof: rehearsals in Oslo.

  3. WOW…….. Deutschland heute auf Platz 1. bei den britischen Polls. Tja, zu schön um wahr zu sein. Genießt diesen Augenblick, denn es kann sich ja alles in den noch vielen Wochen wieder ändern.

  4. … Ich hatte Satellite shcon nach dem ersten hören ein bisschen drin:p zumindest die Melody^^ und dabei immer love oh love… weiter wusste ich den Text ned^^ hab dann gesummt xD Man muss aber bedenken das Deutschland die letzten Wochen immer besser sich bei den Buchmachern Platziert… am Anfang war es Platz 3 dann ging es runter auf die 6 und jetzt auf die 2. Letztendlich entscheidet die Jury und das Publikum und der Auftritt beim Finale.

  5. … Ich muss noch hinzufügen das bei einer Umfrage… die jedes Jahr stattfindet Texas damals auf Platz 6 waren… wobei man dazu sagen muss… das Deutschland die letzten male als es geupdatet wurde immer gestiegen ist! Also man sieht auch bei Umfragen schneidet Lena nicht schlecht ab:p

  6. Wettquoten… …bilden sich natürlich wie alles andere nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Will sagen, wenn viele Leute auf den deutschen Titel wetten wollen, sinkt die Quote. Damit machen die Bookies diese Wetten im Vergleich zu anderen unattraktiver, und minimieren so ihr Risiko, dass letztlich zu viele Kunden auf den gleichen Titel wetten und der Bookie, falls dieser Titel tatsächlich gewinnt, ein Verlustgeschäft macht. Was wir natürlich nicht in Erfahrung bringen können: wie viele Deutsche wetten auf Satellite? Wie viele Aserbaidschaner auf Drip-Drop?

  7. Was den Contest angeht, bin ich – unabhängig von Wettquoten, die wieder ihre eigenen Gesetze haben – optimistisch, wenngleich ich keine Erwartungen habe, was das Ergebnis betrifft. Schließlich hat man es nicht in der Hand, wie die Leute in den anderen Länder voten, was und warum ihnen dies oder jenes gefällt oder eben nicht. In welcher Form jeder Teilnehmer am Finalabend auftreten wird, weiß ja auch noch keiner. Für mich zählt: Deutschland hat seine Hausaufgaben gemacht mit einem zeitgemäßen Lied und entsprechender Interpretin. Viele der anderen Länder haben das nicht erfüllt. Deshalb – ich kann’s immer nur wiederholen – bin ich zufrieden. Ob sich das dann auch im Ergebnis widerspiegeln wird, ist halt nicht zwangsläufig.

  8. …. Also ich gehe mal nicht davonaus, daß soooo viele Deutsche bei den britischen Bookies auf einen Lena-Sieg wetten. Deutschland ist eher das Land der heimischen Lotto/Totto/Spiel77/Bingo-Spieler.. 😆 Glaubt man allerdings dem Gesetz der Serie hat Drip-Drop einen Vorteil: Die bislang zwei einzigen 12-Punkte Wertungen (je eine 2008 und 2009)kamen aus der Türkei..und da sah Deutschland sehr blaß aus…… Egal! Ich kann mich Forever nur anschließen…Hausaufgaben fast alle richtig gemacht (fast!, weil…das Marketing von Brainpool eklatante Schwächen zeigt, Lenas Bekanntheitsgrad in den anderen Ländern zu promoten. Man werfe nur einen Blick auf Lenas Internetseite…blamabel!)

  9. Der letzte Medallienplatz war nicht vor 17 Jahren, sondern vor 11 Jahren. Im Jahr 1999 hatte Sürpriz den 3. Platz belegt. Ich teile die Hysterie im Lena nicht. Da machen sich viele selbst froh. Das gibt wieder nichts!

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