Israel 2010: Kontra, re und dann zur Kasse

Der Auf-die-Folter-Spann-Preis für den längsten Zeitraum zwischen der Nominierung des Vertreters für Oslo und der Bekanntgabe des Songs geht (mit Bronze- und Silbermedaillen für die Türkei und Bosnien) in diesem Jahr an Israel. Bereits im Dezember stand der ganz zufälliger Weise hundertprozentig ins Alexander-Schnuckeliges-Bübchen-Rybak-Schema passende Sängerknabe Harel Ska’at als Interpret fest, nachdem sein anzüglich-lustiger Name schon Tage vor seiner Akklamation durch die IBA im Internet die Runde machte. Eurovisionsgerüchte stimmen eben immer. Dann passierte erst mal lange Zeit nichts. Vor wenigen Tagen stellte der Sender dann die vier möglichen Songs für Oslo ins Netz – und, oh Wunder, sie klangen alle gleich.


Lässt mich kalt: das isrealische Bübchen

Vier halb dramatische, halb einschläfernde Balladen, wie wir sie schon von Boaz Mauda (2008), Schierer Mammon (2005) oder den beiden Friedensengeln vom letzten Jahr kennen. Ganz hervorragende Idee in einem Jahrgang, in dem nichts so schmerzlich fehlt wie eine weitere getragene Ballade. Insofern spielte es dann auch keine Rolle mehr, für welchen der vier Titel sich das Publikum (und die Jury) gestern Abend entschied – zwei Tage nach dem Melodifestivalen, das früher mal, als noch alles seine Ordnung hatte, stets den amtlichen Schlusspunkt unter den Vorentscheidungsreigen setzte. Immerhin fügt Israel (gemeinsam mit den beiden oben erwähnten Mitbewerbern) dem Handbuch der goldenen Grand-Prix-Gesetze damit eine neue Regel hinzu: je länger der Abstand zwischen Akklamation des Sängers und Vorstellung des Liedes, desto weniger lohnt sich das Warten. Und für diese Erkenntnis sage ich: ein dreifaches Schalömmschen!

24 Gedanken zu “Israel 2010: Kontra, re und dann zur Kasse

  1. Kann mich … … vielleicht mal jemand aufklären, was an dem Nachnamen so anzüglich ist? Ich muss da nur ständig an das Kartenspiel denken. Aber niedlich ist er schon. 🙂 Was den Männerüberschuss angeht, na ja, noch kann es dummer Zufall sein und sich noch ‚auswachsen‘, wenn noch mehr Länder wählen. Und wer am Ende gewinnt, entscheidet ja auch noch der Song und die Performance und nicht nur Geschlecht oder Niedlichkeitsfaktor des Sängers, bzw. die Übersättigung von eben diesem. Und manche Trends sind durchaus auch mal gerne etwas langlebiger. Man wird sehen. Noch ist alles offen.

  2. re: Kann mich … [quote=Little Imp]… was an dem Nachnamen so anzüglich ist? Ich muss da nur ständig an das Kartenspiel denken.[/quote] Das besagte Kartenspiel steht (im Englischen) Namenspate für eine bestimmte, von den Meisten als unappetitlich empfundene sexuelle Spielart, die im Deutschen auch als ‚Kaviar‘ bekannt ist… 😉 Und niedlich… ja, isser. Aber eben nur. Und das find ich langweilig. Der Rybak hatte dieses Ich-sehe-unschuldig-aus-hab’s-aber-faustdick-hinter-den-Ohren-Grinsen und der Boaz wenigstens noch dieses Niedlich-und-völlig-naiv-Ding. Der Harel ist diese typische Ich-bin-viel-zu-schön-für-Dich-Prinzessinnenhafte. Das ist unsexy.

  3. Hätte ich … … doch besser nicht gefragt. Ich werde nie wieder unbekümmert Skat spielen können. 😯 Na okay, so schlimm ist das nicht. Ich hab dieses Kartenspiel ohnehin ewig nicht mehr gespielt und werd es auch so schnell nicht mehr spielen. Passt dann aber gut zu der Schweiz. Mal gucken, was noch so kommt. Die jungen Herren hast du allerdings wirklich trefflich analysiert. Da kann ich mich nur anschließen.

  4. Boaz Mauda war besser! Meiner Ansicht nach war Boaz Mauda der mit weitem Abstand interessanteste ESC-Teilnehmer der letzten Jahre! An dem wird der Harel Skaat sich messen lassen müssen!

  5. Er hatte nur leider das falsche Lied im Gepäck. Ich hätte Boaz auch ganz gerne Top-3- oder Top-5-Material gewünscht.

  6. Männerüberschuss? Wär ich sehr für! Man dürfte sich gerne am letztjährigen Sieger orientieren, wenngleich auch reifere Herren mit angegrauten Schläfen durchaus was haben können. Hauptsache, gutes Basismaterial. Israels Beitrag sieht zumindest schon mal nicht schlecht aus. Wie er sich anhört, wird man sehen. Einen großen Erinnerungswert hat die Stimme schon mal weniger, da müssen sie sich also ziemlich anstrengen, dass der Auftritt haften bleibt.

  7. Für mich spielte diese Entscheidung in Israel eine ganz große Rolle, denn Milim ist für mich persönlich die beste, eidnringlichste und berührendste Ballade dieses Jahrgangs, und ich bin froh, dass Israel sich dafür entschieden hat. Am meisten positiv überrascht hat mich dabei dann allerdings, dass ‚diese typische Ich-bin-viel-zu-schön-für-Dich-Prinzessin[…]‘ tatsächlich auch singen kann. Reiht sich in meiner momentanen Favoritenliste auf Platz 2 direkt hinter Spanien ein. Ich mag bei Balladen – und auch allgemein – halt Dramatik lieber als Schmalz (wie z.B. bei Norwegen und vielen anderen).

  8. Sehr viel Dramatik und Gänsehaut. Klingt total wie ein französischer Chanson. Also schön altmodisch und Herzschmerz………………bah.

  9. ich werde mir wohl an der 3 besagten abenden jeweils eine große kanne starken kaffee bereiten, denn anders kann ich diese gähnende langeweile kaum ertragen… aber es fehlt ja noch der angekündigte sommerhit aus frankreich – wird ja dann eher keine ballade, oder ??? dieses jahr scheint alles möglich 🙄

  10. Ich glaube ich brauche bestimmt 2 Kannen starker Kaffee um die beiden Seminfinals durchzutsehen, einfach unfassbar wieviele öde und lahme Depriballaden, die dann auch noch dazu alle ähnliche klingen. Ist Depression oder Einfallslosigkeit etwas ansteckend. Was bin ich froh das wie keine Depriballade nach Oslo schicken. Und hoffe das Frankreich ein echter Knaller wird.

  11. Ich finde diese Ballade durchaus gelungen. Für meinen Geschmack besser als die meisten anderen langsamen Songs dieses Jahres.

  12. re: [quote=Little Imp]Wie müssen Balladen denn für euch sein, damit sie euch gefallen?[/quote] zum beispiel so wie der titanic-song von der frau dion. danach kam irgendwie nix mehr gescheites. es braucht pathos und eine melodie, die den namen verdient und nicht so ein gewinsel, wo auf einem vokal die ganze tonleiter rauf und runter gejault wird 😀

  13. re: [quote=Little Imp]Wie müssen Balladen denn für euch sein, damit sie euch gefallen?[/quote] Zum Beispiel wie ‚Molitva‘. Oder ‚Lane moje‘. Oder ‚Ne partez pas sans moi‘. Oder ‚Un banc, un arbre, une rue‘. Eine Ballade, die mir gefällt, muss über dieselben Qualitäten verfügen wie jeder andere Popsong, der mir gefallen soll. Nämlich eine starke, mitsummbare, eingängige Melodie, Power und Drive, ein sofort erkennbarer Refrain, eine dramatische Steigerung zum Schluss (oder wenigstens eine Rückung), vor allem aber Pathos und Leidenschaft! Der Song muss mich packen und mitreißen! Davon mal ab sind aber auch zwei Balladen pro Jahrgang meine persönliche Toleranzgrenze. Ich schau den Grand Prix, weil ich putzmuntere Ethnoschlager mit absurden Choreografien und lustigen Trickkleidern sehen will. Wenn mir nach Düsterkeit und Depression ist, mach ich die Tagesschau an, dazu brauch ich keine Unterhaltungssendung und da will ich das auch nicht. ‚Millim‘ ist ja im Ansatz nicht schlecht, Pathos und Leidenschaft sind da durchaus drin. Aber es fehlt mir, z.B., ein Refrain. Zugegebenermaßen ist es unter den gefühlt Achttausend Balladen dieses Jahr eine der besseren, aber es ist eben auch die achttausendunderste….

  14. Na, Celine Dion Kopien – oder Nachfolgerinnen – sind ja dieses Jahr auch so einige am Start.

  15. Das stimmt. Igendwann ist die Toleranzgrenze erreicht. Aber ich gehe dann nicht nach Datum, sondern nach persönlichem Gefallen. 😉 Und Milim fehlt es tatsächlich ein wenig an Eingängigkeit, deshalb hab ich Spanien momentan auch immer noch einen Platz höher, das gebe ich auch zu. Aber wenn er denn läuft, dann packt er mich dieses Jahr mehr wie alles andere, was im Angebot ist (Ausnahme wieder Spanien, das etwa gleichauf ist, aber eben eingängiger). Dieses Jahr leiden die Israelis am schönsten und nicht die Bosnier (die lassen eher den Zuhörer leiden). Du hast mir nur Worte zurückgelassen, die du jetzt zu einem anderen sagst … hach *seufz* Wobei der Spanier aber auch. Nur eine kleine Geste, damit mein Herz nicht bricht … Und ich würde beide natürlich sofort und ohne zu zögern trösten. 😀

  16. also, ’ne partez pas sans moi‘ als ballade zu bezeichnen beweist aber schon ein sehr großzügiges verständnis des begriffs. das war doch eher eine uptempo-nummer (ich kann´s übrigens nicht mehr hören…). mir gefällt dann der schwedische beitrag dieses jahres in der kategorie ‚ballade und balladesque‘ noch am besten – aber kaffee wird man wohl brauchen (und by the way: an den juries kann´s nicht liegen, im letzten jahr kam doch auch was ganz ordentliches raus.) 😥

  17. Wohl liegt es an den Jurys! Letztes Jahr war das ja noch neu mit der Jurybeteiligung. Da hatte sich noch keiner drauf eingestellt. Jetzt haben halt alle geguckt: aha, Platz eins eingängiges Ethno-Gefiedel, kriegen wir nicht so gut hin [ein paar haben ja auch das probiert], also Platz 2: aha, Ballade. Na, dann machen wir das. Zumal ja auch die Songs, welche von den Jurys hochgevotet wurden, Balladen waren (z.b. Et s’il fallait le faire). Und zur Unterscheidung von Uptempo und Ballade gibt’s für mich eine einfache Faustregel: zum Uptemposong wackel ich mit dem Arsch, zur Ballade breite ich die Arme zur dramatischen Geste aus (wenn sie gut ist, wie Ne partez pas sans moi). Oder ich schlaf ein, wie bei der schwedischen Nummer dieses Jahr.

  18. Das Problem an der ganzen Sache ist nur, dass in den meisten Vorentscheidungen ja das Publikum (mit-) abstimmt. Juroren würde ich ein solches Denken ja noch zugestehen, aber Televoter wählen doch eigentlich nicht taktisch, sondern nach persönlichem Geschmack. Ich kann mir das dann nur so erklären, dass es ein musikalisches Unterbewusstsein geben muss, dass die erfolgreichen Titel des Vorjahres speichert. Oder, dass die Menschen gesamteuropäischen, kollektiven Stimmungen unterworfen sind. Irgendwas Übersinnliches muss da jedenfalls Jahr für Jahr abgehen. 😉

  19. ahh – man wird philosophisch, prophetisch oder gar mystisch… also wird sich halb europa am 29. mai wie die lemminge im angesicht der geballten balladenfront aus dem nächstgelegenen fenster stürzen. wie gut, dass ich im parterre wohne 😆

  20. Methode 4:P Es gibt aber auch noch Methode 4:p einfach das wählen, was am Besten ist;) wie Deutschland;) Was für ein Glück das wir keine Langweilige Ballade genommen haben:p genauso wie Island *.* Aber es gibt auch Gegenteile… Azerbaijan dieses Jahr hat auch ned grad einen tollen Song mit drip drop…

  21. Oh my God!!!!!!! Ich fasse es nicht – wo bitte sind irgendwelche Ähnlichkeiten zwischen A. Rybak und SÖS-Fuzzi Ska’at? (SÖS = schmierig-ölig-schleimig) AR konnte kokketieren, mit den Augen flirten (bevor jemand auf falsche Gedanken kommt – nicht meine Altersklasse:-), Charisma, Ausstrahlung. Harel: Langeweile pur…. Beim Anblick dies pomadigen Kerlchens wäre ich auch nie auf die Assoziation mit braunen Hankys gekommen…. Gelungen fand ich allerdings die Definition von Oliver zum Thema Ballade. Das paßt…. …da ich hier weder mit dem Arsch wackele, noch eine dramtische Geste mache (oder zählt der Collier-Griff dazu??)…ist es ein Schlaflied. Über Geshcmack läßt sich nicht streiten: ich finde es nur unterirdisch – gerade in der Interpretation auf Hebräisch. Das ist einfach keine Sprache für Balladen.

  22. bevor man sie vergisst…. einer der besten jemals beim ESC gesungenen Balladen (und Tom hatte Pipi in den Augen): WHAT IF WE (Chiara)!!

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