Est­land 2010: My Life has been lame

Warn­hin­weis: ohne vor­he­ri­ge Ein­nah­me von Anti­de­pres­si­va über­steht man den est­ni­schen Exis­ten­zia­lis­mus nicht, der uns die­ses Jahr aus dem Bal­ten­staat ent­ge­gen­schlägt.


Groß­ar­ti­ger Künst­ler­na­me, anstren­gen­der Song

Die Sire­ne in sei­nem Kopf mache so einen schreck­li­chen Lärm, lässt uns der manisch umein­an­der­hüp­fen­de Mal­colm Lin­coln (im rich­ti­gen Leben: Robert Juken­thal) wis­sen. Sei­ne Jah­re habe er ver­schwen­det, fin­de kaum noch die Kraft, wei­ter zu machen, und fra­ge sich, ob die­ser Warn­ton für einen Neu­be­ginn oder das Ende ste­he. Ich fra­ge mich eher, ob er sich mit sei­nem Gehirn­tu­mor und/oder sei­ner schwe­ren Depres­si­on nicht lie­ber ins Kran­ken­haus bege­ben soll­te, anstatt ganz Euro­pe mit­tels quä­len­der Kat­zen­ge­sän­ge an sei­ner per­sön­li­chen exis­ten­zi­el­len Kri­se teil­ha­ben zu las­sen? Und was wir den Esten ange­tan haben mögen, dass sie sich mehr­heit­lich ent­schie­den, das rest­li­che Euro­pa mit Hil­fe des Grand Prix so zu bestra­fen? Sicher ist nur: 2010 wird kein Wohl­fühl-Jahr­gang!


Ein Hor­ror­trip: der offi­zi­el­le Video­clip

12 Gedanken zu “Est­land 2010: My Life has been lame

  1. ange­nehm anders Muss man denn immer Schwup­pen-Pop zum ESC schi­cken? Ich jeden­falls fin­de die­se Num­mer ange­nehm. Die lie­fe bei mir auch so durch, nüch­tern und ohne die zwei Liter Rot­wein, die man für den ESC i. d. R. benö­tigt! Sicher, auf der Höhe der Zeit ist wohl auch die­ser Titel eher weni­ger; dafür klingt’s zu sehr nach 80er …

  2. Sagen wir es mal so, der Song gefällt mir für das was er ist, indi­vi­du­ell und alter­na­tiv (bezo­gen auf das rest­li­che Teil­neh­mer­feld). Mei­ne Art der Musik ist es aller­dings auch nicht. Lei­se gestellt als Hin­ter­grund­be­schal­lung aber ganz nett. Und irgend­wie passt es ja zum gro­ßen rus­si­schen Bru­der. Zum Glück sind sie nicht im sel­ben Semi. Direkt auf­ein­an­der­fol­gend wäre das sicher nicht gut für die Stim­mung. Aber gut, manch­mal will der Mensch auch mal trau­rig sein dür­fen.

  3. Der Song hat etwas eige­nes, einen beson­de­ren Charme. Lei­der gefällt er mir sogar bes­ser als unser eige­ner. Mal sehen, wie er in Oslo umge­setzt wird. Als okkul­te Insze­nie­rung wäre es bestimmt super, aber das wird die EBU nicht erlau­ben, ist ja eine Fami­li­en­sen­dung.

  4. Das Musi­cvi­deo ist ja noch erträg­lich. Aber scha­de Oli­ver das du nicht das Video von sei­nem Live­auf­tritt hier ste­hen hast. Also nee das geht gar nicht, der Kerl steht da rum und wippt so als wäre er gera­de auf dem schlech­ten Trip. Erst ist der Saal leer, weil wohl das Publi­kum in pani­scher Angst vor dem Sän­ger wohl schon geflüch­tet ist. Mei­ne Güte, das ist ja ein Hor­ror­jahr­gang.

  5. re: ange­nehm anders [quote=Carsten]Muss man denn immer Schwup­pen-Pop zum ESC schicken?[/quote] Ja!

  6. Ich bin noch mal auf die Suche gegan­gen und hab das Video vom Live­auf­tritt gefun­den. Da find ich das Musik­vi­deo aber ehr­lich gesagt noch depri­mie­ren­der, düs­te­rer und trip­pi­ger.

  7. Das Video find ich irgend­wie klas­se, und das Lied an sich hat was. In der Tat das ers­te von allen Bei­trä­gen die­ses Jahr, das ich mir dau­er­haft auf den iPod zie­hen wür­de. Selbst­ver­ständ­lich ist solch über­kan­di­del­ter melan­cho­li­scher Indie-Pop/­Rock kom­plett ESC-unkom­pa­ti­bel, aber die Esten haben mei­nen Respekt für die­se Num­mer. Die Live-Per­for­mance von dem Ding geht aber ja wohl so was von gar nicht… (‘Das hört gar nicht mehr auf… Alter Fin­ne…’)

  8. Um ehr­lich zu sein ist die­se Björk-Moby-Mischung mein ein­deu­ti­ger Favo­rit die­ses Jahr. Ange­sichts der nicht mal mehr unter­ir­di­schen Qua­li­tät der meis­ten Bei­trä­ge in die­sem Jahr ist die­ses Stück wirk­lich mal etwas erfri­schen­des. Ich bezweif­le zwar stark, dass man damit einen Blu­men­topf gewin­nen wird, aber per­sön­lich fin­de ich es sehr gelun­gen. Mein größ­ter Respekt gegen­über den Esten für die­se Ent­schei­dung.

  9. Estland=Qualität Ich muss sagen, dass die Esten mich die­ses Jahr erneut nicht ent­täuscht haben. Ich gebe zu, dass ’ Siren ’ nicht an den Bei­trag von 2009 her­an­kommt und ’ Mal­colm Lin­coln ’ zunächst etwas schräg rüber­kommt: aber das sagen eini­ge ja auch über ’ unse­re ’ Lena. Die zap­pelt ja ähn­lich über die Büh­ne. Aber Mal­colm ist ein unglaub­lich guter Sän­ger, es gibt fast kei­nen Unter­schied zwi­schen der Stu­dio-und Liver­ver­si­on. Der Song erin­nert erns­te­re Stü­cke von Depe­che Mode. Bes­ser als 80% der dis­jäh­ri­gen ESC Bei­trä­ge.

  10. Hm. Inter­es­sant, aber defi­ni­tiv die fal­sche Musik, um beim ESC zu reüs­sie­ren. Und ich fin­de sei­ne Stim­me ziem­lich unan­ge­nehm.

  11. auch auf die Gefahr hin, hier lang­sam Haus­ver­bot zu bekom­men – auch als glue­hen­der Anha­en­ger von Schwup­pen­pop mag ich das hier ganz unge­mein, und wuer­de es in mei­ne dies­ja­eh­ri­ge Top-5 auf­neh­men (lus­ti­ger­wei­se moch­te mein hete­ro­se­xu­el­ler Kol­le­ge, den ich regel­ma­es­sig mit die­ser Web­site begluecke, Est­land ueber­haupt nicht – es kann also nicht nur an Ori­en­tie­rungs­fra­gen lie­gen 🙂 Ich ver­mu­te mal, dass es ein wenig mit Los­glueck zusam­men­ha­en­gen koenn­te, aber dann soll­te sich Qua­li­ta­et eigent­lich durch­set­zen, ange­sichts der ‘Staer­ke’ des Mit­be­wer­ber… bevor das gan­ze Fina­le nach Tita­nic klingt…

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