Aser­bai­dschan 2010: Rain­drops keep fal­lin’ on my Head

Nach eini­gem Hin und Her steht es nun fest: ‘Drip Drop’ ist der Song, den Saf­u­ra Əliz­adə in Oslo zu Gehör brin­gen wird. Vor­aus­ge­gan­gen war ein für das kor­rup­te Erd­öl­land Aser­bai­dschan typi­sches, zähes Aus­wahl­ver­fah­ren mit einer Jury vol­ler hoch­ran­gi­ger (oder finanz­star­ker) Appa­rat­schiks, in der Anfang März die Ent­schei­dung auf das ver­un­si­cher­te, über­agie­ren­de Mädel fiel, das in kei­ner DSDS-Aus­wahl­run­de fehl am Plat­ze wäre und – natür­lich! – auch im eige­nen Lan­de durch eine Cas­ting­show Berühmt­heit erlang­te. Sie (bzw. ihr Bak­schisch­bün­del) setz­te sich gegen zwei Mit­be­wer­ber durch und durf­te drei Songs prä­sen­tie­ren, ohne dass zunächst eine Ent­schei­dung gefal­len wäre, wel­cher es denn nun sein soll.


Drop­pen und drip­pen wie die Super­hip­pen: Saf­u­ras gött­li­che Tän­zer

Zur Aus­wahl stan­den drei Kom­po­si­tio­nen mit so viel­ver­spre­chen­den Titeln wie ‘Under my Skin’, ‘Drip Drop’ (das Wer­be­lied für die brand­neue Rowen­ta Robus­ta 3000 Kaf­fee­ma­schi­ne mit Tropf­stopp?) und das im Hin­blick auf ihre musi­ka­li­schen Qua­li­tä­ten sicher­lich auto­bio­gra­fi­sche ‘Soul­less’. Denn ein schnel­ler You­tube-Check weist als Saf­u­ras vor­züg­lichs­te Eigen­schaf­ten neben man­geln­dem stimm­li­chen Talent einen unbe­ding­ten Wil­len zum deko­ra­ti­ven Dabei­sein und immer­hin ein aus­ge­präg­tes Händ­chen für die Show aus. Das sind, in Ver­bin­dung mit ihrem merk­star­ken Vor­na­men (ob Opel hier Schleich­wer­be­zu­schüs­se zahlt?), schon mal kei­ne schlech­ten Vor­aus­set­zun­gen für eine gute Plat­zie­rung. Oh, und natür­lich die siche­re Punk­te­bank der osma­nisch­stäm­mi­gen Zuschau­er nicht zu ver­ges­sen.


Stim­me, Text­si­cher­heit, Timing, Inter­pre­ta­ti­on: ein Gesamt­pa­ket!

Ohne dass es von Sei­ten des aser­bai­dscha­ni­schen Fern­se­hens eine amt­li­che Mit­tei­lung gege­ben hät­te, wel­cher der drei Songs denn nun der für den Euro­vi­si­on Song Con­test sein soll, trug Saf­u­ra eini­ge Zeit spä­ter im Rah­men­pro­gramm der ukrai­ni­schen Vor­ent­schei­dung den übri­gens von zwei Schwe­den kom­po­nier­ten Titel ‘Drip Drop’ vor. Wes­we­gen man ab die­sem Zeit­punkt wohl davon aus­ge­hen durf­te, dass sie den auch in Oslo singt. Falls das “Land des Feu­ers” nicht doch noch über­ra­schend ‘White Nights’, den ursprüng­lich für Dima Bilan kom­po­nier­ten, aber von der rus­si­schen Vor­ent­schei­dung zurück­ge­zo­ge­nen Titel, auf­ge­kauft hät­te. Heu­te bestä­tig­te sich dann aber das Ver­mu­te­te auch offi­zi­ell: es bleibt bei ‘Drip Drop’.


Lus­ti­ge Han­do­gra­phy!

Update (04.05.): Und da das “Land des Feu­ers” in die­sem Jahr augen­schein­lich mit der­sel­ben grim­mi­gen Ent­schlos­sen­heit gewin­nen möch­te wie zuletzt Russ­land mit eben jenem Dima Bilan und der Hil­fe von Tim­ba­land, inves­tier­te man etli­che Petro­dol­lar in einen auf­wän­di­gen, pro­fes­sio­nel­len Video­clip, der eben­so unter ame­ri­ka­ni­scher Regie ent­stand wie die neue, eben­so geheim­nis­um­wo­be­ne wie auf­wän­di­ge Cho­reo­gra­fie für den Auf­ritt Saf­u­ras in Oslo. Eine euro­pa­weit bewor­be­ne Web­site ver­mel­det stünd­lich der inter­es­sier­ten Welt, ob Saf­u­ra heu­te schon Stuhl­gang hat­te und was sonst noch Auf­re­gen­des bei den Vor­be­rei­tun­gen der bedau­erns­wer­ten Sieb­zehn­jäh­ri­gen geschieht, auf deren schma­len Schul­tern die Ver­ant­wor­tung für das Wohl und Wehe der Schwarz­meer­dik­ta­tur zu ruhen scheint. Hof­fen wir für das Mädel, dass es gewinnt, sonst sehe ich es schon mit dem Kopf vor­an im nächs­ten Bohr­loch ver­schwin­den!


You smell like Lip­s­tick, again

Update (12.05.): Die offen­sicht­li­che Ver­zweif­lung, mit der Aser­bai­dschan nichts unver­sucht lässt, auf Bie­gen und Bre­chen die Tro­phäe zu holen, nimmt lang­sam pathe­ti­sche Züge an. Jetzt haben sie sich auch noch Žel­j­ko Jok­si­mo­vić gekrallt. Der bas­tel­te nach eige­nen Anga­ben in “zehn Tagen har­ter Arbeit” im Bel­gra­der Stu­dio einen Bal­kan-Remix von ‘Drip Drop’ zusam­men, der dar­auf abzielt, aus den unge­fähr 700 exju­go­sla­wi­schen Staa­ten so vie­le Extra­punk­te abzu­grei­fen, wie es nur geht. Obschon der ser­bi­sche Sän­ger und Song­schrei­ber Saf­u­ras Stim­me diplo­ma­tisch als “außer­or­dent­lich zufrie­den­stel­lend für eine Sieb­zehn­jäh­ri­ge” lob­te, ver­edel­te Žel­j­ko die Neu­ab­mi­schung mit eige­nen Gesangs­parts. Sein Remix klingt um Län­gen unauf­dring­li­cher als die rihan­na­es­ke Ori­gi­nal­fas­sung, ver­wan­delt den Pop­song aber natür­lich auch nicht in eine Per­le. Mir graust es jetzt schon davon, wel­che Pro­mo­ti­on-Aktio­nen in Oslo noch auf uns zukom­men.

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