Erstes Semifinale 2010 – die Proben

Logo des Eurovision Song Contest 2010 (Finale)
(c) EBU / NRK

Schon über eine Woche ist es mittlerweile her, dass in Oslo die allerersten Kameraproben starteten. Mittlerweile haben alle Teilnehmer ihre zwei Probedurchläufe absolviert. Und dank des offiziellen Youtube-Kanals von eurovision.tv sind diese auch wohl dokumentiert und dienen als Grundlage für meine unten stehenden Einschätzungen (mit denen ich natürlich vollständig falsch liegen kann, denn Proben sind Proben und nur live zählt!). Los geht es mit dem ersten Semi, für das in diesen Minuten die erste Generalprobe losgeht – denn morgen Abend ist es schon soweit. Ich bin schon ganz aufgeregt!

Um es kurz zusammenzufassen, hier mein gültiger Tippzettel (Stand: 25.05., 12:20 Uhr):

Diese Länder kommen definitiv weiter:
Moldawien, Finnland, Serbien, Belgien, Albanien, Griechenland, Weißrussland, Island.

Um die verbliebenen zwei Plätze streiten sich:
Russland, Slowakei, Bosnien, Malta. Mein Tipp sind die beiden ersteren Länder.

Sicher draußen sind:
Estland, Lettland, Polen, Portugal, Mazedonien.

Und meine persönlichen douze points gehen an:
1: Bosnien // 2: Slowakei // 3: Albanien // 4: Estland // 5: Serbien // 6: Weißrussland // 7: Island // 8: Griechenland // 10: Finnland // 12: Russland

Und hier zu den einzelnen Beiträgen:

1. Moldawien: SunStroke Project + Olia TiraRun away

Also, der Leadsänger des SunStroke Projects ist schon mal schwul, so putzig überdreht wie er da im Video rumgiggelt. Die beleuchtete Disco-Violine, die uns die Moldauer zum Start auf einer rotierenden Drehscheibe präsentieren, ist ein klasse Hingucker. Die exaltierten Tanzdarbietungen (dass die sich nichts auskugeln!) geben der Nummer optisch den richtigen Drive und auch die Gesangsleistungen überzeugen zu meiner Überraschung. Super Starter! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 7 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 70%. Alleine schon, weil Viele ausprobieren werden, ob man tatsächlich schon nach dem ersten Song anrufen kann. Man kann.

Moldawien, zweite Probe

Heute präsentierte uns Olia ihr Bühnenoutfit, eine obskure Mischung aus der erwartbaren osteuropäischen Straßenstrich-Dienstkleidung und einem Tüllrock, wie er zuletzt 1988 beim spanischen Beitrag ‚Maid in (e)Spain‘ gesichtet wurde. Ihre Jungs, nach übereinstimmenden Blogberichten die Partyhelden von Oslo, demonstrieren unterdessen eine technische Versiertheit im Zusammenhang mit der anscheinend selbst gebastelten LED-Violine, die mich den Eingangssatz meiner Betrachtungen vom ersten Probentag noch mal überdenken lässt. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 7 von 12 Punkten ◊ Finalchance: 60%.

2. Russland: Peter Nalitch & FriendsLost and forgotten

Ihr dürft mich gerne für verrückt erklären, aber mittlerweile ist das mein offizieller Lieblingsbeitrag 2010! Als das Nalitsch-Kollektiv damit den russischen Vorentscheid gegen die drolligen Babuschka-Omis gewann, hab ich den Song noch gehasst, aber mittlerweile spielte sich diese augenzwinkernde russische Schwermut (lustigerweise verstehe ich immer „and I hope now that you kill me“) tief in mein Herz, ähnlich wie Lako 2008. Die Darbietung (der deprimierte Bettelstudentenchor) blieb die gleiche wie in besagter Vorentscheidung, ergänzt um etwas Kunstschnee und eine eurovisionskonforme Windmaschine, und ich liebe jede Sekunde davon! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 12 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 50%. Hängt davon ab, ob der Osten das schon beim ersten Hören liebt. Der Westen sicherlich nicht. Ich liebe es und hoffe, dass es durchkommt.

Russland, zweite Probe

Gleiche Darbietung wie am Sonntag, ich liebe es noch immer und weiß, dass ich damit beinahe allein auf weiter Flur stehe – immerhin, der von mir verehrte Roy D. Hacksaw vom OnU-Team sieht ebenfalls das Geniale in dem Song. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 12 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 50%

3. Estland: Malcolm LincolnSiren

Bei AKOE ist zu lesen, dass hier die auf den Monitoren gezeigten Kameraeinstellungen (kreisende Handkamera etc.) den schrägen Charme dieses Manische-Depression-Beitrags sehr unterstützen, was im Hallenmitschnitt nicht so herüber kommt. Die sehr klassische Show des Begleitchors ist jedenfalls schon mal auf skurrile, weil unpassende, Weise hübsch – im Gegensatz zu dem Storch-auf-Drogen-Herumgehampele des Leadsängers Robert Juhkental. Als zweiter Teil des Ostblock-Depressions-Doubles wird diese Nummer aber mehr Zuschauer nerven als begeistern. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 4 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 30%. Zu viel des Gejammers.

Estland, zweite Probe

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag auch von hier an Robert! Ansonsten auch hier alles wie gehabt. Einen unglücklicheren Startplatz als direkt hinter Russland könnte diese Nummer nicht erwischt haben. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 4 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 20%

4. Slowakei: Kristina PelákováHorehronie

Kristina und ihre hünenhaften Begleittänzer kommen, wie schon in der slowakischen Vorentscheidung, als Bäume verkleidet. Das Licht färbt den wabernden Trockeneisnebel grün und über der Bühne hängen hübsche Lichterperlenketten. Trotzdem erinnert die ganze Show eher an „Das Ding aus dem Sumpf“ als an das besungene slowakische Naturschutzgebiet. Hat eigentlich alles, was ein Eurovisionsbeitrag braucht, zündet aber dennoch nicht so ganz. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 6 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 60%. Da gibt es Schlechteres in diesem Semi.

Slowakei, zweite Probe

Oh je. Wenn es bei dieser stimmlichen Leistung Kristinas bleibt, dann gute Nacht. Weitere Fehler: das Fehlen der dschinghiskhanesken „Hey!“-Rufe durch die Tänzer wie noch bei der Vorentscheidung und dieses triste, matschige Grün. Und das lahme Tempo. Einer der zahlreichen, schnelleren Remix-Versionen wäre besser. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 4 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 50%.

5. Finnland: KuunkuiskaajatTyölki ellää

Offensichtlich haben sich Kuunkuiskaajat ihre Bühnenshow von einem israelischen Choreografen aufmöbeln lassen. Alle sind in weiß, die meisten barfuß; Kristinas Perlenvorhang blieb hängen; jemand hat einen durchgehenden, rollenden Beat dazu gemischt; alle tanzen, hüpfen und frohlocken und das Ganze sind drei Minuten purer, durchgeknallter, fröhlicher, ansteckender, unwiderstehlicher Spaß! Das komplette Gegengift zur diesjährigen Depressionsgala und somit hoch willkommen! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 12 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 100%. Da mache ich mir nun überhaupt keine Sorgen mehr. Im Gegenteil, darauf würde ich meine Seele verwetten.

Finnland, zweite Probe

Ich habe nur drei Worte: Faaaaaaa – bel – haft! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 12 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 100%

6. Lettland: AishaWhat for? (Only Mr. God knows why)

Aisha zieht noch immer ein Gesicht wie bei einer Wurzelbehandlung, und das ist bei dem schrecklichen katzenhaften Gekreische, das sie von sich gibt, auch mehr als angebracht. Die gebleichten Stellen an den Oberschenkeln ihrer Jeans sehen ziemlich unvorteilhaft aus, aber da erwarte ich für den TV-Auftritt ohnehin noch das klassische osteuropäische Nuttenoutfit. Bedauerlicherweise wurde die Waschweiber-Choreografie aus der Vorentscheidung gestrichen, was die Chose noch dröger macht. Stellenweise überlasst sie ihren Begleitsängerinnen das Feld – und am Besten wäre, sie täte das ganz. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 20%. Nur etwas für Gehörgangs-Masochisten.

Lettland, zweite Probe

Zum allgemeinen Erstaunen gab es bereits solche Gerüchte von der gestrigen serbischen Party. Der Videomitschnitt aber belegt das Unglaubliche: Aisha *kann* lächeln! Viel Grund dazu hat sie allerdings weiterhin nicht, auch wenn sie nicht mehr ganz so schlimm kreischt wie am Sonntag. Heute erschien sie im cremefarbenen Satin-Bademantel. Soll dass das Bühnenoutfit sein? Gute Güte! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 1 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 20%.

7. Serbien: Milan StankovićOvo je Balkan

So, eurovision.tv liefert nicht, also weichen wir für die Videos mal nach Kasachstan aus. Spucki und seine zwei männlichen und zwei weiblichen Begleittänzer hüpfen zum Auftakt ganz (T)Raumschiff-like („Tschuldigung. Verbeamt.“) aus drehbaren Teleportationskabinen – der Typ *ist* Bully Herbig mit blonder Perücke, wetten? Und hüpfen dann auch, derzeit noch in Trainingsanzügen, weiter fröhlich auf der Bühne herum, inklusive unserer Milena, die dennoch stimmsicher intoniert. Im Hintergrund hängen noch lustige Oslo-Blasen umher: camper geht es kaum noch! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 8 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 90%. Ich erwarte 12 Punkte aus allen Balkanländern und wenigstens 4 aus allen anderen.

Serbien, zweite Probe

Auch Milena (nach dem gestrigen Empfang in der serbischen Botschaft, wo Wein und Schnaps wohl nur so flossen, mit einem leichten Kater) präsentierte uns heute sein Bühnenoutfit: eine Art Zirkusdirektorenuniform, besetzt mit Straßsteinen und einer Stoffrose. Geht es irgendwie noch schwuler? Seine zwei Mädels tragen die Brautkleider von Laka auf, während die schnuckligen männlichen Tänzer in einer Ed-Hardy-Variante des Trainingsanzugs herum hüpfen. Die Nutzung der Teleportationskabinen schien mit heute etwas geordneter abzulaufen. ◊ Aufrechtgehn.de-Bewertung: 7 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 90%.

8. Bosnien: Vukasin BrajićThunder and Lightning

Von der russischen Großmutter über den israelischen OGAYer bis zur finnischen Ledermaid dürfte es so ziemlich Niemanden geben, der unseren Vuki nicht attraktiv fände. Und seine Hausfrauen-Poprock-Nummer wurde, mit kräftigem Begleitchor und harter Gitarrenriff-Einlage, ordentlich aufgemöbelt. Das ist leider das einzig Positive oder Interessante, was sich über den bosnischen Beitrag sagen lässt. Man hält die drei Minuten vor dem Fernseher durch, ohne wegzudämmern (wie bei Portugal) oder schreiend davon zu laufen (wie bei Polen), aber er sendet keinen Impuls aus, der irgend jemanden zum Telefonhörer greifen lassen würde. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 1 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 20%. Mehr als ein paar Nachbarschaftspunkte sind da nicht drin.

Bosnien, zweite Probe

Die Einlage mit dem gefakten Gitarrenspiel geht ja gar nicht! Erst hört Vuki drei Sekunden vor dem Ende des Riffs mit dem Faken auf, dann hat er Probleme, das Instrument unauffällig los zu werden. Gut hingegen der bosnische Block mit den Chorsängern, schlecht nach wie vor das Ende des Song, das klingt, als habe jemand die Luft raus gelassen. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 3 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 20%

9. Polen: Marcin MrozińskiLegenda

Wenn sich jemals in der Eurovisionsgeschichte ein Song das Prädikat „Nilpointer“ schon innerhalb der ersten drei Sekunden verdiente, dann dieser! Marcin und seine Begleitsängerin schreien zum Auftakt wie ein paar aufgespießte Irre, und genau diesen Eindruck verbreiten sie auch volle drei Minuten lang. Zuerst stecken sich alle Äpfel in den Mund, als seien sie Spanferkel, um sie danach angebissen über die Bühne zu kullern („man spielt nicht mit Lebensmitteln!“, höre ich hier europaweit erboste Rentner rufen). Dann würgt der mit einem Massenmörder-Grinsen stoisch auf der Stelle stehende Marcin eins seiner Mädels mit dem Ellenbogen, dass man die Polizei rufen möchte! Und am Schluss schreit er immer noch, als die Musik schon wieder aus ist. Es ist der Horror! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 2 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 10%. Danach hockt Europa zitternd hinterm Sofa.

Polen, zweite Probe

Der Mann macht mir Angst, wirklich. So scheint er ja freundlich zu sein, aber auf der Bühne verwandelt er sich in einen Frauen würgenden Serientäter. Sind das eigentlich die Babuschkas aus der russischen Vorentscheidung? ◊ Aufrechtgehn.de-Bewertung: 2 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 0%

10. Belgien: Tom DiceMe and my Guitar

Natürlich profitiert Tom Dice ohne Ende von dem krassen Kontrast zur sinistren polnischen Darbietung vor ihm. Völlig unbedrohlich steht er einfach nur mit seiner Gitarre auf der Außeninsel der Bühne und plinkert in jammerlappiger James-Blunt-Manier seine pseudorebellische Folknummer herunter. Die ich immer noch unerträglich finde, aber natürlich fliegen ihm europaweit an dieser Stelle die Sympathien für seine sehr beruhigende Normalität und Durchschnittlichkeit nur so zu. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: Solange er nicht auf der Bühne Kaninchen häutet: 100%.

Belgien, zweite Probe

Oh je. Ganz schlechte Idee, das mit dem braven Schwiegersohn-Anzug. So wirkt er irgendwie wie Heintje als Zwanzigjähriger. Aber egal: so wie Malcolm Lincoln das schlechtest mögliche Lead-in hat, hat Tom das beste. Er kann nichts falsch machen! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 100%

11. Malta: Thea GarrettMy Dream

Wie zu lesen war, erstickte Thea bei einer der Proben beinahe am Trockeneisnebel, den ihr der ständig hinter ihr herumfuchtelnde Bibo „versehentlich“ in den Rachen schaufelte. Dumm gelaufen! Ansonsten bleibt die Darbietung der anscheinend mit einer Speckschwarte eingeriebenen maltesischen Liza-Minelli-Imitatorin genau so öde wie bei der Vorentscheidung. Bibo ist übrigens einer von Olivia Lewis‚ Tänzern von 2007 – und schneiderte das entsetzliche Vogelkostüm mit den erbärmlichen Klappschwingen selbst! Der war wohl auf der selben Modeschule wie der albanische schwule Spiderman letztes Jahr! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 50%. Ich hasse es und hoffe, dass es hängen bleibt.

Malta, zweite Probe

Plötzlich wünscht man sich einen erneuten Ausbruch der Vogelgrippe herbei! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 40%

12. Albanien: Juliana PashaIt’s all about you

Der albanische Auftritt enttäuscht. Stimmlich liefert Juliana, unterstützt von den Rounder Girls (AT 2000), zwar eine einwandfreie Leistung, dennoch wirkt es glanzlos. Und nicht nur, weil ihre Bühnengarderobe noch nicht ausgepackt oder gekauft ist und sie daherkommt, als ginge es gleich zum Shoppingbummel, sondern weil – abgesehen von dem gelangweilten Violinisten, der auch an Stellen fake-fiedelt, an denen gar keine Geige zu hören ist – jegliche Form von camper Choreografie oder albern verkleideter Tänzer fehlt, die diese Nummer zwingend verlangt. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 3 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 80%. Es ist Uptempo, das reicht in diesem Semi. Im Finale müssten die Albaner da aber noch was drauf packen.

Albanien, zweite Probe

Auch Juliana präsentierte nun ihre Bühnengarderobe: ein Klaus-Nomi-Gedächtnis-Aufzug mit ausufernden Spoilern in schwarz und silber. Dazu hatte die Frau mit den tausend Frisuren ihre Haare diesmal zu einem „Keine Zeit zum Waschen“-Pferdeschwanz zusammengebunden. Sollten sich die Probleme mit dem Schuhwerk lösen lassen, würde ich dringend empfehlen, den Geiger von der Bühne zu werfen und mehr von den Chorsängerinnen zu zeigen. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 5 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 80%.

13. Griechenland: Giorgos AlkaoisOpa

Was für eine hübsche Idee vom eurovision.tv-Team, den Clipauftakt mit Antiques ‚I would die for you‘ zu untermalen. Denn das würde ich für einen One-Night-Stand mit einem von Schorschis Tänzern auch. Die jungen Dschinghis-Khan-Eleven und ihr geschätzt doppelt so alter Sugardaddy stehen in strahlendem Persilweiß vor einem schwarzen Hintergrund und präsentieren ziemlich die gleiche energiegeladene Choreografie wie in der Vorentscheidung. Perfekt. So geht Eurovision! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 12 von 12 Punkten ◊ Finalchance: 100%. Denn es ist Griechenland – UND es ist gut! Sieger dieser Runde.

Griechenland, zweite Probe

Der Geiger scheint inzwischen völlig verschwunden zu sein, im Oslo-Remix kommt sein Part ja auch kaum noch vor. Aber es geht auch ohne ihn. Dieser Auftritt ist einfach von vorne bis hinten sexy! Woof! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 12 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 100%

14. Portugal: Filipa AzevedoHá Dias assim

Das Interessanteste an Filipas Auftritt ist noch, dass der Lichterkettenvorhang mittlerweile bis zum Boden herunter gelassen wurde. Was ein bisschen den Eindruck macht, als wolle man die so verzweifelt wie verschüchtert wirkende junge Interpretin davon abhalten, vor Ablauf ihrer drei Minuten von der Bühne abzuhauen. Was bei dem schrecklich langweiligen Liedchen und ihrer Piepsstimme verständlich wäre. Selbst die ähnlich talentierte Christina Metaxa (CY 2009) bot wenigstens noch eine rudimentäre Choreografie zur Ablenkung! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 0%. „Manchmal vergessen, wenn es vorüber ist…“ (M. Roos, DVE 1975)

Portugal, zweite Probe

Filipa hat sich für ein voluminöses Hochzeitskleid entschieden, welches, sich im Windmaschinensturm aufbauschend, wenigstens für drei Sekunden Ablenkung sorgt. Das rettet aber natürlich auch nichts mehr. Langeweile pur. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 10%.

15. Mazedonien: Gjoko TaneskiJas ja imam Silata

Gjoko steht im tief ausgeschnittenen Shirt mit Prollkettchen auf der Bühne, drei bei Kik eingekleidete Ostblockschlampen räkeln sich abwechselnd anhimmelnd um ihn herum oder auf silbernen Podesten. Dann kommt sein jüngerer (woof!) Rapper nach vorne, die Schlampen umtanzen ihn, Gjoko verschnauft derweil auf dem Podest: Zuhälter-Schichtwechsel auf dem Vorstadtstrich? Passt jedenfalls überhaupt nicht zum Song, lenkt aber wenigstens davon ab! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 30%. Irgendwie sammelt schlechter Ostrock ja immer ein paar Stimmen, aber reichen wird das nicht.

Mazedonien, zweite Probe

Gjokos Ostblockschlampen sind nun als extrem freizügige S&M-Tabledancerinnen aufgemacht. Offensichtlich hat es sich Mazedonien zur Aufgabe gemacht, das Limit jedes Jahr aufs Neue auszureizen. Er und sein Rapper stecken in Anzügen, wobei Gjoko darin aussieht wie ein Croupier, sein Rapper immer noch wie ein Zuhälter. Die ganze Darbietung strotzt vor Heterosexismus, ist aber zumindest unterhaltsam und lenkt erfolgreich von dem grausamen Rocksong ab. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 40%.

16. Weißrussland: 3 + 2Butterflies

Sie haben es getan! Wie erwartet, entpuppen sich 6for1 3+2 zur Rückung ihres DSDS/Disney-Hymnen-Knallers als Schmetterlinge. Genauer gesagt, die drei in silberne und goldene Pailettenkleider gehüllten Frauen entfalten die angenähten, überdimensionalen Schmetterlingsflügel. Gerüchte sprechen außerdem von Schmetterlingskonfetti, das im Semi an dieser Stelle von der Bühnendecke regnen soll. Und auf den TV-Bildschirmen sollen mit Draht gefertigte Schmetterlinge herumflattern. Kitsch-Overkill also, wie er zu diesem siegelesken Schmachtfetzen zwingend dazu gehört. Große Eurovisionskunst! ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 7 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 60%. Glitter und Flitter gehen immer. Und zu Recht.

Weißrussland, zweite Probe

Liebe Belarussen! Kleiner Tipp: ladet Euch John Lennons inspirierende Hymne ‚Imagine‘ herunter (ich weiß, ist bei Euch zu Hause bestimmt verboten, aber in Oslo gibt’s die), hört und übt die Aussprache! Es heißt eben nicht „Imaygine“! Ansonsten kommt der Effekt mit den Schmetterlingsflügeln und dem Konfetti zur Rückung perfekt. Schön kitschige Performance für ein schön kitschiges Lied. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 8 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 70%.

17. Island: Hera BjörkJe ne sais quoi

Offenbar ist das rote Zelt Kleid aus dem Schwimmbad-Video wieder getrocknet, denn das trägt Hera auf der Bühne. Die Show ist ziemlich die gleiche wie im isländischen Vorentscheid – ein paar synchrone Schrittchen mit den Backgroundsängern. Und das ist zu wenig, denn noch stärker als der albanische Beitrag schreit diese Schwuppendisconummer nach einer campen Choreografie. Fürs Semi reicht es, denn es eingängig und anti-depri, aber im Finale dürfte das hinten landen. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 10 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 90%. Selbst ein Vulkanausbruch kann Heras Finaleinzug nicht stoppen.

Island, zweite Probe

Hera muss im liegen gebliebenen Schmetterlingskonfetti von Weißrussland herumstapfen (wie unhöflich!). Schade auch, dass sie ihre fabelhaften neuen Schuhe, die sie beim gestrigen isländischen Botschaftempfang vorstellte und die weiten Anklang in allen Blogs fanden, nicht tragen kann, denn die passen nicht zu dem roten Zelt. ◊ Aufrechtgehn.de-Wertung: 10 von 12 Punkten ◊ Finalchancen: 90%.

21 Kommentare zu „Erstes Semifinale 2010 – die Proben

  1. Einverstanden, ich erkläre Dich für verrückt. Ich halte den russischen Beitrag weiterhin für den schlimmsten ESC-Song aller Zeiten. Du hast ihn wahrscheinlich einfach nur zu oft gehört (mit Sienike ging es mir ähnlich). Mein Favorit bleibt weiterhin Finnland und ich hoffe auf gute Platzierungen von Slowakai, Kroatien, Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Griechenland, Schweden, Spanien und natürlich Schlumpfine aus den Niederlanden. Aber mal sehen, wer die Semis übersteht.

  2. [quote]Also, der Leadsänger des SunStroke Projects ist schon mal schwul[/quote] Den Verdacht habe ich schön länger. (Ist vielleicht auch nur Wunschdenken 😳 ) Aber in der Tat ein sehr guter Show Opener! Überhaupt gefällt mir der Start besser als befürchtet, wo es doch immer hieß, dies wäre das schwächere Semi. Das erste Drittel bietet eine gute Mischung aus Ethno und Alternative (für ESC-Verhältnisse, nicht als eigene Musikgattung 😉 ). Leider fällt es danach ziemlich ab. Ab Bosnien, spätestens ab Malta. Der Schluss mit Island stimmt dann allerdings wieder recht versöhnlich.

  3. Also ich finde, daß Milan Stankovic eher aussieht wie eine Kreuzung aus Jewgeni Pljuschtschenko und Martina Navratilova. Weder Fisch noch Fleisch und irgendwie befremdlich. Den Song mag ich aber seeeeehhhhhhrrrrr. Erinnert mich an Disko Partizani von Shantel.

  4. … Das Kleid aus Heras Video war oben Blau… also ist es nicht das selbe… Dazu ist der Auftritt, so wie er ist, toll. Ich werde für sie anrufen! Und ich denke nicht das es im hinteren Teil landet.

  5. Ich sehe Island ja auch eher hinten. Ich muss da irgendwie immer an das Scheitern von Kate Ryan denken. Und bei Polen sieht es ja so aus, als hätten die da Bahnen von Toilettenpapier gespannt. Und mich um den griechischen Tänzer schmiegen und auf seinen Rücken zeigen, würde ich auch gerne mal machen. Sterben muss dafür dann aber nicht sein. 😉

  6. So, mittlerweile sind wir ja schon mitten in den zweiten Proben, bei denen man von ausgehen darf, dass dort auch die Bühnenklamotten präsentiert werden. Wie erwartet wurde bei manchen Beiträgen fleißig gebrainstormt und rumgewerkelt,die Präsentation zu verbessern. Mein bisheriger Eindruck: Teilweise geglückt, meist verschlimmbessert. Im Grunde genauso wie wir das nur zu gerne haben 😀 Da wäre z.B. Bosnien-Herzegowina, deren Beitrag der bessere Einsatz der Gitarren deutlich besser tut. Für diese Mühe hätte es in der Bewertung durchaus zwei, drei Pünktchen mehr sein dürfen, wenngleich natürlich richtiger Rock nach wie vor anders geht. Immerhin: positive Veränderung. Bei Lettland hingegen wurde durch die Herausnahme der Lohnwäscherinnen nun auch der letzte Funke an Leben konsequent rausgestrichen. Die waren wohl zu fröhlich. Aishas Satin-Morgenkleidchen reißt da auch nichts mehr raus. Hätten die Serben nur weiterhin die Bauernmädels sinnlos, aber mit viel Enthusiasmus hinter Milan tanzen lassen, denn das hatte einen gewissen Charme, das war Balkan. Auch dass sie am Ende die Plünnen runtergerissen haben, um die hässlichsten je im TV gezeigten Jogginganzüge zu zeigen, war noch wesentlich hübscher als die Bühnenklamotten, die sich alle sechs für Oslo vom Wühltisch gefischt haben. Wegen dem, was sie uns Zuschauern optisch zumuten, hoffe ich inständig, dass sich die Fetzen genauso bescheiden anfühlen wie sie aussehen… Mazedonien war anscheinend noch nicht mit der zweiten Probe dran. Aber mal ehrlich: Ich will, glaube ich, gar nicht wissen, wie das letztendlich im Semi aussieht! Im Vorentscheid war das wenigstens ehrlicher Schnarch-Rock, dementsprechend bräsig präsentiert. Jetzt liefern sie höchstens den Beweis, dass Sex eben doch nicht immer sells. Polen….ja, Erntedank mit einem Pfarrer in der Mitte. Und wie wir ja ganz aktuell wissen, neigt der eine oder andere kirchliche Würdenträger dazu seine Schäfchen zu missbrauchen. Warum also die Entrüstung? Ist doch wie im richtigen Leben!

  7. Was deinen ersten Satz zu Moldawien angeht, noch können wir hoffen. Soweit ich das gesehen habe, war es nicht der Leadsänger, der da herumgeschraubt hat. 😉 Und Serbien: Blond mit blau und pink im Semi? Hatten wir das nicht schon mal? Deen lebt! Nur mehr Haut müsste Milan noch zeigen.

  8. re: [quote=Little Imp]Nur mehr Haut müsste Milan noch zeigen.[/quote] Grundgütiger, bitte nicht! Ich weiß, es gibt Menschen, die stehen auf Transen – chacun à son gout – aber ich gehöre nicht dazu! Um es mit den Ärzten zu sagen: Es gibt Dinge, von denen ich gar nicht wissen will! Bei Milenas schlimmer Perücke würde ich ja sogar eher noch ein Kopftuch befürworten! 😉

  9. Ach was, die Eurovision hat uns doch gelehrt chacun pense á soi. 😉 Aber ganz abgesehen von meinem eigenen Geschmack, war das eher im Vergleich zu Deens Performance gemeint. Und zumnindest ein sexy Bild vom (mehr als) halbnackten Milan kursiert ja im Web. Aber okay, da war wohl sein Friseur und Make-Up-Artist auch noch ein anderer …

  10. ehrlich gesagt waeren mir da Milans Hintergrundtaenzer deutlich lieber, was das Haut zeigen angeht. So recht ich Dir gebe in Sachen outfit, optisch sind die beiden nun wirklich eine Verbesserung. nur halt eben – mehr Haut, bitte. Dafuer dann gern Milan in Uniform 😀

  11. Top10 Ich rate dann auch mal: Griechenland – leider Albanien – verdient Island – naja, ist unvermeidlich. Ich mag ja solche’Gabys‘ nicht wirklich – zu matronenhaft. Serbien – ebenfalls unvermeidlich Belgien – dito —- Jetzt wird es schwerer Belarus – immerhin stimmt ja auch die Jury ab Slowakei – es wird enger, als gehofft (fürchte ich) Finnland – dito Moldau – guter Opener Jetzt muss ich raten Malta/Bosnien einer von denen: Gründe – die Jury im Falle von Malta, Balkansolidarität im Falle von Bosnien. Gerecht wäre es, wenn der schlimme Song aus Lettland wirklich scheitern sollte!

  12. Wil Juliana Pasha nicht endlich mal ihr Bühnenoutfit präsentieren?…..ach, das isses schon….ich sag nix mehr…. Jedenfalls bekommt Mazedonien schon mal den Preis für die realistischste Darbietung auf der Bühne: Drei heiße, bill…willige Miezen räkeln sich um einen unglaubwürdigen Krautrocker, den schlechtesten Rapper östlich von Wien und einen 0815-Langmattengitarristen – ’s gibt ja auch kaum begehrenswertere Mannsbilder 🙄

  13. Also, um den schlechtesten Rapper östlich von Wien würd‘ ich mich allerdings auch sofort willig räkeln! Ich steh nun mal auf so prollige Zuhältertypen… 8) Aber es wirkt in der Tat eher verzweifelt als glaubwürdig, ja. 😀

  14. wer kommt weiter? Na, dann will ich auch mal meine Tipps loswerden. Ich muss feststellen, dass ich mit aufrechtgehn hier fast 100-%ig übereinstimme (eine einzige Ausnahme): Sicher dabei: Albanien Slowakei Finnland Island (das sind glücklicherweise auch meine persönlichen Top Four) Moldawien Serbien Griechenland (auch wenn die letzten beiden meine persönlichen Hasskandidaten sind) ich denke, auch Belgien und Weißrussland sind dabei. Beim letzten Platz bin ich mir sehr unsicher. Ich denke nicht, dass es Russland sein wird, sondern entweder Portugal oder Lettland. Ich hoffe zwar eher auf Portugal, tippe aber Lettland.

  15. Wertung Meine Nummer 1, Finnland, sind raus. Genauso wie die Slovakei, nur Albanien hat es gerade so geschafft. Die Welt ist halt ungerecht. Ich kann die Ergebnisse nicht verstehen, daran werde ich eine Weile zu knabbern haben. Wieder einmal der Beweis, daß es beim ESC nicht auf den Song, den Auftritt oder die Stimme ankommt. Vorhersagen sind unmöglich, aber deshalb bin ich ja auch jedes Jahr dabei. Jetzt brauche ich einen großen Single-Malt auf die Enttäuschung.

  16. Results Tja…Portugal und Russland im Finale?! Damit habe ich am wenigsten gerechnet. Wobei Portugal unglaublich von der Vorgängernummer profitierte, da sich Filipa perfekt von ihr abgrenzte. Dass Finnland und die Slowakei scheitern würde, ist ebenfalls erstaunlich. Die Zeit der landessprachlichen Ethnonummern ist endgültig vorbei. Positiv anzumerken sind der Erfolg Moldaus und Albaniens: zwei Nummern, die dafür sorgen, dass man nicht wegdämmert oder im Balladenmeer ertrinkt. Man merkt den Einflus der Jury sehr deutlich.

  17. Kein Finnland ist eine Frechheit, keine Slowakei zumindest schade. Island war wohl leider unvermeidlich. Belgien weiter ist toll, Moldawien auch. Für die habe ich beide angerufen. Insgesamt bin ich aber vom Ergebnis extrem negativ überrascht. Ich sag jetzt mal ganz frech: Die Juries sind schuld!

  18. also, dass finnland raus ist, finde ich überraschend und jammerschade. wird trotzdem bei mir einen der ersten plätze ‚im herzen‘ behalten. weißrussland hätte ich gestern noch als sicheren einzügler gesehen, aber nach dieser bösen gesangsleistung fand ich das doch – gelinde gesagt – erstaunlich. in unserer dreierrunde gab´s dafür jedenfalls 0 punkte. übrigens ebenso wie für die slowakei – jungs, das ist doch keine ethnonummer! mit portugal hatte ich zwar nicht gerechnet, es gehörte aber zu den von mir erwarteten wackelkandidaten. bosnien überrascht mich, war aber auch angenehm im vortrag. serbien fand ich schlechter als in den proben. albanien erinnert mich immer mehr an ‚lou – nur anders‘ (zitat r.k.). ich hätte malta russland vorgezogen, aber beides ist keine pralle wahl. was die menschen am belgischen beitrag finden (der auch noch stimmlich wackelte), bleibt mir verschlossen – aber so ist die welt. man kann nicht immer alles auf die juries schieben 🙂

  19. An Marcin Mrozinski. Von dem werde ich mir jetzt Tipps holen, wie man am effektivsten Jurymitglieder stranguliert.

Oder was denkst Du?