ESC 2011: Geschacher um den Austragungsort und die „Titelverteidigung“

Unsere strahlende Grand-Prix-Heldin Lena Meyer-Landrut war heute Nachmittag kaum in Hannover gelandet, da ging auch schon das Hauen und Stechen um den Austragungsort des Eurovision Song Contest 2011 los. Nicht weniger als fünf deutsche Städte stehen mittlerweile auf der Bewerberliste, darunter so bizarre Kandidaten wie Essen oder Hannover. Stefan Raab brachte unterdessen nochmals seine wohl dem Schlafentzug geschuldete Schnapsidee zur Sprache, Lena auch im kommenden Jahr „zur Titelverteidigung“ antreten zu lassen. Das Erste schob nicht weniger als drei Sondersendungen über die Rückkehr der Triumphatorin ein, und auch Pro Sieben unterbrach laufende Spielfilme, um Lena angemessen zu feiern.


Bei 0:30 Min.: Lena läst Wulff einfach stehen, um Sabine Heinrichs zu umarmen. Geil!

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) überreichte Lena heute Nachmittag bei Ihrer Rückkehr aus Oslo auf dem Flughafen den ersten Blumenstrauß auf deutschen Boden und richtete sogar den Gruß der Bundeskanzlerin aus – ich kann mich nicht erinnern, dass Nicole seinerzeit mit ähnlichen Staatsehren empfangen worden wäre. Wulff war auch der erste, der seinen Hut in den Ring warf und die Landeshauptstadt Hannover als Austragungsort des Eurovision Song Contest 2011 vorschlug, schließlich stamme unsere neue Volkstribunin ja aus selbiger. Aber auch Nordrhein-Westfalen zeigt sich interessiert. Schließlich sitzt Raabs Produktionsfirma Brainpool in Köln. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) äußerte sich im Express wie folgt: „Köln ist der größte Standort für Fernsehproduktionen und hat Deutschlands größte Veranstaltungshalle. Auch die Kulturhauptstadt (Essen) kommt als Austragungsort infrage. Wir haben gezeigt, dass wir das können“. Der Wettbewerb müsse nicht immer zwangsläufig in der Hauptstadt stattfinden.


Ich steh‘ auf Berlin!

Genau das sieht man in Berlin natürlich ganz anders, wo man der Meinung ist, dass der Grand Prix zum „kreativen Potenzial der Stadt“ passe und wo der Spiegel mit Klaus Wowereit auch flugs ein „Party-erprobtes Stadtoberhaupt“ verortet. Und auch mir erscheint die Hauptstadt als die einzig natürliche, dem Rang des Wettbewerbs angemessene Wahl. Weiteres, in Fan-Foren bereits angebrachtes Argument: das Bier ist dort billiger als in Oslo – und die Hotelzimmerpreise auch. Das letzte Wort liegt unterdessen beim Sender. Und der NDR sitzt bekanntlich in Hamburg. Auch Ole Beust (CDU) meldete bereits den Anspruch der Stadt auf die Gastgeberfunktion an.


Hamburg im Regen, singt Mary Roos – in Berlin!

Am Montag soll das Thema bei einer Pressekonferenz angesprochen werden – ob indes so schnell mit einer Entscheidung zu rechnen ist, steht auf einem anderen Blatt. Am Montag dürfte auch sicher noch mal der Vorschlag Raabs zur Sprache kommen, den er schon bei der Sieger-Pressekonferenz in Oslo machte und beim Empfang vor dem Hannoveraner Rathaus vor laufenden Kameras mit den Worten „ich habe das Gefühl, das ist bislang noch nicht so ernst genommen worden“ (ach was!) wiederholte: er wolle, dass Lena 2011 zur Titelverteidigung antrete. Der NDR umschrieb das bereits als „Witz“ von Raab – da dürfte es hinter den Kulissen noch lustig zugehen!


Bereits 1957 versuchte sich die Schweiz am „Projekt Titelverteidigung“: Vorjahressiegerin Lys Assia wurde Vorletzte

Freuen kann man sich in Hamburg unterdessen über die Quote: 14,69 Millionen Deutsche sahen im Durchschnitt das gestrige Grand-Prix-Finale, die zweithöchste Quote seit der Einführung des aktuellen Messverfahrens. Nur als Katja Ebstein 1980 mit ‚Theater‘ knapp Johnny Logan unterlag, waren noch mehr Geräte eingeschaltet. Da gab es auch noch kein Privatfernsehen. Der Marktanteil lag damit gestern bei 49,1 Prozent – und bei den unter Fünfzigjährigen sogar bei 61,6%.

25 Gedanken zu “ESC 2011: Geschacher um den Austragungsort und die „Titelverteidigung“

  1. zu Lenas ‚Titelverteidigung‘: Bitte nicht! So toll ich Lena auch finde und ihr jegliche Gesangskarriere gönne, aber ich denke, einen weiteren ESC-Auftritt hat sie gar nicht mehr nötig. Das Erlebnis von gestern, dieses europaweite Gefühl des ‚Frisch-verliebt-Seins‘, lässt sich einfach nicht reproduzieren. Dabei können Raab und Lena nur verlieren. Ich sehe da auch die Gefahr einer Lena-Übersättigung. Wie sagte schon derMeister selbst im Gespräch mit Niggemeier auf oslog.tv: ‚Man darf das Mastschwein nicht zu doll füttern, sonst platzt es irgendwann.‘ 🙄

  2. Die Anzahl der Kandidatenstädte wird sich möglicherweise reduzieren, wenn man sie an den Kosten beteiligt. Berlin wäre dann ja als erste raus. Aber im Ernst: Hannover, weil die Siegerin daher kommt, ist albern. Hamburg wäre die natürliche Wahl, wegen NDR, Berlin als Hauptstadt und wenn Köln wirklich die größte Halle hat, wäre das auch ein Argument. Was mir im Moment Gedanken macht, ist die Moderation. Beim letzten Mal war Marlene Scharelle ja nicht geade so die glückliche Wahl. Wie wäre es denn mit einem Moderatorenpaar : Hape Kerkeling (wenn er hoffentlich nicht so nervös ist) und dazu passend …. Anke Engelke?

  3. Das mit der Titelverteidigung ist wirklich eine Schnapsidee, auch wenn Raab das Gegenteil beteuert. Da kann eigentlich jeder nur verlieren. Aber was wäre denn gegen Hannover als Austragungsort einzuwenden. Immerhin gehört das auch zur NDR-Domäne.

  4. Der Flughafen von Hannover hat noch nicht mal Direktverbindungen zu den Hauptstädten aller Teilnahmestaaten. Der Austragungsort sollte schon nach praktischen und nicht ideologischen Kriterien gewählt werden.

  5. Warscheinlich melden sich jetzt auch die Stadien z.B die Veltins -Arena auf Schalke. 70.000 Zuschauer. Da denkt man doch sofort an die kuschelige Atmosphäre von Kopenhagen 👿

  6. Also so schlecht ist die Verkehrsanbindung nun wirklich nicht. Hannover ist immerhin der Austragungsort einer sehr großen Industriemesse. Außerdem wurde von vielen diesjährigen Teilnehmern lobend erwähnt, wie schön übersichtlich alles in Oslo gewesen sei. Hannover ist einwohnermäßig ungefähr die gleiche Größenordnung.

  7. So toll ich Lena finde und so wenig ich von dem Spruch halte, man solle aufhören, wenn’s am schönsten ist: Ich teile die oben mehrfach bekundete Meinung, dass es eine Schnapsidee wäre, Lena erneut starten zu lassen. Die wesentlichen Argumente sind bereits genannt worden, z.B. das ‚europaweite Gefühl des Frisch-Verliebt-Seins‘ (sehr gut ausgedruckt, onlime!). Es ist einfach der Punkt erreicht, an dem es nichts mehr zu Toppen gibt. Das sollte auch Stefan Raab erkennen und für 2011 die nächste Herausforderung suchen und annehmen. (Außerdem hatte ich mich doch schon auf USFx 2011 gefreut.)

  8. Die meinen diese Schnapsidee der PK zufolge tatsächlich ernst 🙄 Und aus ‚Unser Star für XY‘ wird dann ‚Unser Lied für Lena‘. Dass man jett Zeit hat, auch mal ein richtig gutes Lied für Lena auf den Leib zu schneodern, das ist natürlich ne gute Sache. Aber trotzdem hab ich Bauchschmerzen bei der Sache.

  9. … Ich finde die Idee irgendwie cool…. so was gab es noch nie… Und Unser Lied für Lena ULFL hört sich auch cool an:) Wenn sie jeden Dienstag sagen wir mal 5 Songs Vorstellen würde, davon immer 2 weiter kommen… bis im Finale.. sagen wir mal 10 Songs sind… das wäre doch auch cool:) Irgendwie hätte ich bock drauf… aber irgendwie hab ich auch ein bisschen Angst…

  10. Katja Ebstein hat es ja auch zweimal in Folge für uns getan. Und die Situation war ähnlich. Katja ersang beim ersten Mal eine der besten Plätze für Deutschland bis dahin. Allerdings hat sie nicht gewonnen und als Gewinner kann man sehr, sehr tief fallen. Man denke nur an Charlotte und Niamh.

  11. re: … [quote=pasi] Wenn sie jeden Dienstag sagen wir mal 5 Songs Vorstellen würde, davon immer 2 weiter kommen… bis im Finale.. sagen wir mal 10 Songs sind… das wäre doch auch cool:)[/quote] So kriegt man dann auch schnell das Material für’s nächste Lena-Album zusammen 😉 Ich hatte ja vor einiger Zeit durchaus angesprochen, es wäre gut, wenn die Komponisten und Texter wüssten, für wen sie einen Song schreiben – also dass der Interpret früher feststehen sollte. Das ist nun der Fall. Gemeint hatte ich das allerdings eher so, dass man USFx schon im Herbst statt erst im Frühjahr austragen sollte… So toll ich Lena finde, ich fühle mich nicht so recht wohl – ich hoffe, das ändert sich dann irgendwann…

  12. Verdammt, vergessen meinen Nick einzugeben. Der vorherige Beitrag war von mir.

  13. Der Fairness halber kommt eigentlich nur Hamburg in Frage. Der NDR ist Veranstalter und die öffentliche Grand-Prix Party findet seit etlichen Jahren auch dort statt. Der Rüttgers soll mal die Klappe halten. Er hätte sich schon lange für Liveübertragungen des ESC einsetzen können, wenn ihm was am Wettbewerb liegen würde. Aber nein, jetzt nach dem Sieg kommen die Politiker wie die Aasgeier angeflogen, schlimmer als die RTL-Journaille. Für mich wäre Berlin am nächsten, da könnte ich nach einem Semi wieder nach Hause fahren. Und bitte keine automatische Festlegung auf Lena. Ich will einen Vorentscheid mit mehreren Künstlern und Titeln. Lena darf gern mitmachen, auch wenn ich ihr abraten würde. Die Chance, daß ein Land zweimal in Folge gewinnt, sind eben nicht sehr hoch. Auch wenn ich nach diesem ESC wieder alles für möglich halte.

  14. Das mit dem Austragungsort Hamburg sehe ich auch so. Da ließe sich locker eine adäquate Halle finden, die Stadt bietet den Gästen genug, Infrastruktur ist gut. Hamburg deswegen, weil der Sender NDR für Deutschland den ESC organisiert. Und – für mich sehr wichtig – dort gibt es mittlerweile eine kleine Grand Prix-Tradition: Großes Public Viewing auch in den letzten Jahren, wo es für uns nicht gerade gut lief. Wer so was nicht vorweisen kann – also alle anderen – will jetzt nur absahnen, um sich danach wieder zu verdrücken. Deshalb: Nur Hamburg hätte es verdient.

  15. So gerne ich auch den Austragungsort in NRW hätte (ganz egoistisch 😉 ) – ich denke, Hamburg hätte es verdient! Die einzige Stadt, die in jedem Jahr ein wenig ‚ESC-Fieber‘ verbreitete. Nochmal Lena muss ich auch nicht unbedingt haben – es gibt bestimmt noch mehr gute Sänger/innen. Trotzdem – super gemacht, Lena und ich freue mich auf 2011 in Deutschland!!!

  16. Genial: 🙂 Ihr habt ja sicherlich mitbekommen, dass sich Ralph Siegel stänkert und darauf beharrt, weiterhin (ich betone: WEITERHIN!!!) der einzige deutsche Grand-Prix-Gewinner zu sein, da es ja ein Komponisten-Wettbewerb sei und Lenas Song eine dänisch-amerikanische Produktion und überhaupt bla, bla, bla, schmoll… Der siegreiche Beitrag von 1972 (Luxemburg, Aprés toi, Vicky Leandros) wurde jedoch von einem Deutschen komponiert. Das steht ja sogar auf dieser Website im Recap des 1972er ESC und auch hier: http://eurovision.ndr.de/geschichte/geschichte88.html?detail=edinburgh4&pre=0&select=3&year=1972 Das ist dann wohl ein klassisches Eigentor des Herrn Siegel, der somit nicht nur so oder so NICHT DER EINZIGE deutsche Grand-Prix-Gewinner ist, jetzt ist er NICHT EINMAL MEHR DER ERSTE… 😆

  17. …wie wärs mit ‚Auf Schalke‘ Bei schönem Wetter Open Air und sonst Dach zu – fertig.

  18. Die Titelverteidigung ist ein total verrückt genialer Coup!!! Da wäre ich nie drauf gekommen. Stefan Raab eben aber! Wäre in diesem Jahr nochmal Alexander Rybak angetreten hätte er Super Chancen gehabt und genauso ist es

  19. Ich glaube das würde nur was werden, wenn Lena Europa nächstes Jahr mit einer Ballade ala Mr. Curiosity überrascht.

  20. Das ist der entscheidende Unterschied! Wäre Lena diesmal Zweite oder Dritte geworden und 2011 nochmal angetreten, getragen von einer Welle der Sympathie und Begeisterung und in der Hoffnung, das Ergebnis verbessern zu können, wäre die Situation mit Katja vergleichbar. Aber so kann sie nur verlieren, denn alles andere als ein Doppelsieg wäre ein Gesichtsverlust, und der ist extrem unwahrscheinlich, zumal ein erneutes Antreten eben nicht mehr von diesem Nimbus des Jugendlich-Unbeschwerten umgeben wäre wie diesmal. Ich hab auch nicht das Gefühl, dass Lena da aus eigener Begeisterung mitmacht, sondern wohl eher, um ihren Förderer Raab nicht vor den Kopf zu stoßen. Und der hat wohl vor allem Angst, dass jeder Lena-Nachfolger bei USFB unvermeidbar mit Lena verglichen wird und an dieser Meßlatte scheitern muss. Dem will er entgehen, aber damit zerstört er den selbst geschaffenen Mythos Lena.

  21. Das ist echt der Supergau! Unter der Voraussetzung natürlich ..das das Lied top ist… und das wird es sein. Sie wird die größt mögliche Aufmerksam genießen, die frischesten Fans haben und Europa steht auf verrückte Sachen. Lena go und verteidige deinen Titel. Wer, wenn nicht Du kann so etwas schaffen!!! Bei USfO werden wir das Lied mit Dir auswählen!!! Wen interessieren denn noch die Meinungen von Siegel und Nicole? Ein bißchen Frieden, Demut und Dankbarkeit täten Ihnen mal selbst mal ganz gut! Lena und Stefan

  22. re: [quote=Chris cross]Das ist echt der Supergau! [/quote] Eben! (siehe Kommentar unter mir von onlime)

  23. Es gibt fürs nächste Jahr bezüglich des Veranstaltungsort und des Zeitpunkts ein paar Knackpunkte. Der 21. Mai geht wohl nicht, weil die ARD vertraglich gebunden ist, an diesem Tag das DFB-Pokalendspiel zu senden. Und die Halle, wo der ESC stattfindet, muss über einen Monat lang frei sein, um die aufwändigen Vorbereitungen zu gewährleisten.

  24. ich druecke hamburg die daumen – einfach eine tolle stadt und als sitz des ndr haette man es verdient.

Oder was denkst Du?