Kuun­kuis­ka­jaat­ga­te beim ESC 2010

Jurys sind Wich­ser!™ Heu­te ver­öf­fent­lich­te die EBU die nach Jury- und Tele­vo­ting auf­ge­split­te­ten Abstim­mungs­er­geb­nis­se des dies­jäh­ri­gen Grand Prixs. Und wie nicht anders zu erwar­ten, sind sie ein Grund, alle Jury­mit­glie­der und alle Befür­wor­ter die­ser Ins­ti­ti­u­ti­on direkt in die geschlos­se­ne Abtei­lung zwangs­ein­wei­sen zu las­sen. Zwar gewann Lena bei­de Votings über­ein­stim­mend (wenn auch das Zuschau­er­vo­ting deut­lich über­zeu­gen­der), dafür aber kan­te­ten die geschmacks­ge­stör­ten Voll­hors­te aus den Kor­rup­ti­ons­gre­mi­en in den Semis die fan­tas­ti­schen Fin­nin­nen, die lus­ti­gen Litau­er und die schlim­me Schwe­din raus. Und allei­ne für das unver­dien­te Aus­schei­den von ‘Työl­ki ell­ää’, das im Tele­vo­ting auf den sechs­ten Rang (!) kam und das ich nur als Kuun­kuis­kaajatgate” bezeich­nen kann, müss­te man allen Betei­lig­ten eigent­lich stan­de pede die Bür­ger­rech­te aberken­nen – defi­ni­tiv aber ihren angeb­li­chen Sta­tus als “Musik­ex­per­ten”.


Kuun­kuis­kajatga­te: ich erwar­te den Rück­tritt von Svan­te Stock­se­li­us und eine offi­zi­el­le Ent­schul­di­gung von der EBU!

Ehr­lich, es stimmt mich trau­rig, wenn sich mei­ne schlimms­ten Vor­ur­tei­le bestä­ti­gen. Wie im Fall der Jurys mei­ne Vor­ur­tei­le über den ver­mu­te­ten ange­staub­ten Musik­ge­schmack der offen­sicht­lich nicht nur in Deutsch­land über­wie­gend ver­greis­ten Gre­mi­en: uni­so­no vote­ten sie die lang­wei­ligs­ten, ödes­ten Bal­la­den des Wett­be­werbs aus Bel­gi­en, Por­tu­gal (und ich hat­te schon mit den Augen abstim­men­de Hete­ro­män­ner unter den Zuschau­ern im Ver­dacht!), Geor­gi­en und der Ukrai­ne nach oben und ori­gi­nel­le Songs wie den aus Frank­reich nach unten. Einig­keit bestand ledig­lich beim Sie­ger­ti­tel – und bei der Roten Later­ne, die sowohl bei den Zuschau­ern als auch den Juro­ren glei­cher­ma­ßen nach Eng­land ging. Ver­dient – wie unsag­bar pein­lich ist es denn für das eins­ti­ge Mut­ter­land des Pop, wenn selbst die Büh­nen­de­ko bil­li­ger aus­sieht als die des ost­eu­ro­päi­schen New­co­mer­lan­des Aser­bai­dschan? Vom Song selbst jetzt mal ganz zu schwei­gen. ‘That sounds good to me’ ent­sprach in sei­ner prä­sen­ta­to­ri­schen Gesamt­heit irgend­wie der auf­ge­reg­ten Acht­jäh­ri­gen, die sich bei der Schul­auf­füh­rung vor ver­sam­mel­ter Mann­schaft auf offe­ner Büh­ne ein­nässt…


Hier waren sich alle einig: that sounds shi­te to me!

Kras­se Unter­schie­de gab es vor allem in den Semis. Hier hät­te es bei einem rei­nen Zuschau­er­vo­ting – wie es ja noch bis 2009 Usus war – jeweils einen ande­ren Grup­pen­sie­ger gege­ben. Näm­lich in der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de – wie von mir ursprüng­lich getippt – Grie­chen­land anstel­le von Jury­fa­vo­rit Bel­gi­en. Und im zwei­ten Semi Aser­bai­dschan anstel­le der Tür­kei. Viel ent­schei­den­der aber: all die scho­ckie­ren­den Ergeb­nis­se, wel­che Län­der zur völ­li­gen Über­ra­schung der Fans raus­flo­gen und wel­che völ­lig unver­dient wei­ter­ka­men, sind aus­schließ­lich und ein­deu­tig den idio­ti­schen Fehl­ent­schei­dun­gen der ver­kalk­ten Juro­ren zuzu­schrei­ben. So hät­ten nach dem kla­ren Wil­len der Zuschau­er im zwei­ten Semi eigent­lich die lus­ti­gen Litau­er in den Glit­zer­pants (Platz 8) eben­so ins Fina­le ein­zie­hen müs­sen wie die quä­ki­ge Blon­di­ne aus Schwe­den (Platz 9) – gera­de die gro­ße Grand-Prix-Nati­on Schwe­den dürf­te hier­über beson­ders brüs­kiert sein. Statt­des­sen würg­ten uns die Geron­ten von den Jurys die kata­stro­phal per­form­ten, ster­bens­öden Bal­la­den aus Isra­el und Irland (Platz 12 und 13 im Zuschau­er­vo­ting) rein.


Vic­tims of Cir­cum­s­tan­ce: die groß­ar­ti­gen Litau­er

Was mich aber vor Wut in die Aus­le­ge­wa­re bei­ßen lässt, ist das Raus­ke­geln des ein­deu­ti­gen Zuschau­er­lieb­lings, der zwei abge­dreht lus­ti­gen Blon­di­nen aus Finn­land mit ihrem Akkor­de­on und ihrer fröh­li­chen turbo­folk­lo­ris­ti­schen Wei­se. Es ist näm­lich eben nicht so, wie noch ver­gan­ge­nen Frei­tag beim Post­eu­ro­vi­si­ons­de­pres­si­ons-Nach­sor­ge­treff im Frank­fur­ter Switch­board von nament­lich unge­nannt blei­ben sol­len­den Mit­lei­den­den ver­mu­tet, dass ‘Työl­ki ell­ää’ ein rei­ner Fan-Favo­rit gewe­sen sei und ein Akkor­de­on beim Publi­kum den siche­ren Punk­te­tod bedeu­te. Mais au con­traî­re! Platz 6 im Tele­vo­ting, ich kann es nicht oft genug beto­nen! Und Platz 15, mit halb so viel Punk­ten, bei den Juro­ren – macht Rang 11 in der Gesamt­wer­tung. Aber auch das skan­da­lös schlech­te Abschnei­den des fran­zö­si­schen WM-Knal­lers ist aus­schließ­lich den Juro­ren zu ver­dan­ken: ein ver­dien­ter ach­ter Platz für Jes­sy Mata­dor im Tele­vo­ting – und ein empö­ren­der zwei­und­zwan­zigs­ter (!!!) bei den Juro­ren. Ich hof­fe, der gro­ße, but­che Jes­sy kommt und ver­sohlt ihnen den Hin­tern (am bes­ten gemein­sam mit den Jungs von InCul­to, denn die “like it rough”)! Einen über­zeu­gen­de­ren Beweis für die unum­stöß­li­che Wahr­heit, dass das Publi­kum die bes­se­ren Urtei­le fällt und dass Jurys alle­samt Wich­ser sind, kann es nicht mehr geben. Wer jetzt noch ernst­haft wei­ter­hin für die Bei­be­hal­tung die­ser Insti­tu­ti­on spricht, gehört ein­deu­tig in die Klap­se…

43 Gedanken zu “Kuun­kuis­ka­jaat­ga­te beim ESC 2010

  1. Wohl kei­ne Let­ten Die lus­ti­gen Let­ten waren dann doch wohl eher Litau­er, oder? Denn an der jau­len­den Let­tin haben weder Jurys noch Tele­vo­ter gefal­len gefun­den, das war eine der weni­gen (und ver­dien­ten) Über­ein­stim­mun­gen. Aber am meis­ten grä­me ich mich natür­lich wegen der Fin­nen.

  2. Ups! Dan­ke, kor­ri­giert! Da ist mir im hei­li­gen Zorn über Kuun­kuis­kajatga­te doch beim Bal­ti­kum ein biss­chen was durch­ein­an­der gera­ten…

  3. Nein. Nein. Nein. Nein. Ich wer­de hier nicht wie­der die Patri­cia-Kaas-Keu­le aus­pa­cken. Muss ich aber auch gar nicht. Däne­mark kam beim rei­nen Tele­vo­ting auf Platz 3. Nicht, dass ich den Zorn im Namen von Finn­land nicht nach­voll­zie­hen könn­te – ganz im Gegen­teil. Aber bevor hier der Ein­druck ent­steht, dass die Jurys nur Schwach­sinn fabri­zie­ren (man darf doch nicht von 90 Pro­zent des­sen, was sie tun, auf den Rest schlie­ßen! 😉 )… Und fürs Pro­to­koll: Litau­en hat sich sei­ne Final­chan­cen dank eines gran­di­os grau­sa­men Intros für sein Lied ver­baut. Nach den ers­ten zehn Sekun­den konn­te auch die rest­li­che Per­for­mance nichts mehr raus­rei­ßen. Und wenn die Juro­ren bei Schwe­den mehr Geschmack an den Tag legen als das Publi­kum, wer woll­te es ihnen ver­übeln? Irland war eine eta­blier­te Teil­neh­me­rin, die kom­men bei den Jurys an (sie­he auch Chia­ra letz­tes Jahr), und Isra­el? Weiß ich auch nicht, aber mir gefiels. Jurys nur noch im zwei­ten Semi? 🙂

  4. muss und will mich hier anschlie­ßen. Natür­lich sind eini­ge der Jury­ent­schei­dun­gen abso­lut nicht in mei­nem Sinn (so fand auch ich die Fin­nin­nen super), aber in min­des­tens genau­so­vie­len ande­ren Ent­schei­dun­gen bin ich voll auf ihrer Sei­te: die Bal­la­den aus Geor­gi­en und Por­tu­gal fand ich alles ande­re als ster­bens­öde (im Gegen­satz zu Isra­el und Irland), Jes­sy Mata­dor mag zwar man­che mit­rei­ßen, ist aber in mei­nen Augen echt Seicht­kram. Um die Litau­er tat es mir auch leid, aber ich kann die Ent­schei­dung gut ver­ste­hen.

  5. … ach, und ich ver­gaß: ohne die blö­den Tele­vo­ter hät­ten wir nicht Russ­land und Weiß­russ­land im Fina­le gehabt (dabei ist gera­de der Final­ein­zug der Weiß­rus­sen stän­dig den Juries in die Schu­he gescho­ben wor­den)! Dass hin­ge­gen selbst die Juries den furcht­ba­ren grie­chi­schenn Titel so hoch plat­ziert haben, ent­setzt mich dage­gen.

  6. Die Patri­cia-Kaas-Keu­le… …beweist über­haupt nichts. Wenn die Juro­ren Patri­cia Kaas auf dem ers­ten Platz gehabt hät­ten, wür­de mich Dei­ne Keu­le viel­leicht noch ein biss­chen beein­dru­cken. Hat­ten Sie aber nicht, und damit ist die­ses Argu­ment ungül­tig. Ja, Däne­mark wäre noch wei­ter oben gelan­det bei rei­nem Jury­vo­ting. Auch das beweist rein gar nichts. Denn die Jurys haben die Dänen ja nicht auf den letz­ten Platz run­ter­ge­wer­tet, wie es ihre Auf­ga­be gewe­sen wäre, wenn sie dann als Geschmacks­po­li­zei recht­fer­tigt wer­den sol­len. Und damit ist auch die­ses Bei­spiel wert­los. Und mit Schwe­den ist das so eine Sache: ich moch­te die Num­mer ja über­haupt kein biss­chen, aber ich war über ihr Aus­schei­den trotz­dem scho­ckiert, als hät­te ich instink­tiv gewusst, dass das eben nicht okay ist, eben nicht dem Publi­kums­wil­len ent­spricht, eben wie­der mani­pu­liert und getrickst – mit ande­ren Wor­ten: falsch – ist. Und mit Chia­ra und Niahmh und ihrem Ankom­men bei den Jurys lie­ferst Du ja gera­de selbst die bes­ten Gegen­ar­gu­men­te. Ich blei­be dabei: wer nach Kuun­kuis­kaajatga­te noch für Jurys votiert, gehört in die Klap­se. Punkt.

  7. (Weiß-) Russ­land Auch hier wie­der­ho­le ich mich ger­ne: Russ­land war mein per­sön­li­cher Lieb­lings­bei­trag 2010! Auch da erkann­ten anschei­nend mehr Tele­vo­ter als Juro­ren die iro­ni­sche Genia­li­tät die­ser zu glei­chen Tei­len lus­ti­gen wie melan­cho­li­schen Num­mer. Ein wei­te­res Argu­ment pro Tele­vo­ting. Und wegen sol­cher Shows wie der weiß­rus­si­schen (und natür­lich auch der grie­chi­schen) schal­te ich den Grand Prix über­haupt erst ein. Also auch hier: gut gemacht, Tele­vo­ter! Natür­lich fäl­len auch die Tele­vo­ter schlim­me Fehl­ur­tei­le, wie die vie­len Punk­te für Däne­mark und die Ukrai­ne bewei­sen, aber ins­ge­samt haben sie die­ses Jahr einen erheb­lich bes­se­ren Geschmack bewie­sen als die Jurys (wie immer, inso­fern ja kein Wun­der).

  8. Dan­ke, ich will nicht in die düs­te­ren Zei­ten von 2007 zurück (erin­nert sich noch jemand an das ‘Where’s Andorra?’-Banner?). Und da die EBU nun mal nicht bereit zu sein scheint, irgend­was am Sys­tem so zu ändern, dass die Tele­fon­ein­nah­men run­ter­ge­hen (oh Gott, nur noch 20 Anru­fe pro Anschluss), ist die Lösung, wie wir sie im Moment haben, zwar nicht die bes­te, aber die opti­ma­le. Und neben­bei, mal so als Gedan­ken­spiel: Rei­nes Tele­vo­ting (Semis und Fina­le), Finn­land geht durch ins Fina­le und stürzt dort erwart­bar ab (Sechs­ter im Semi ist kei­ne Aus­gangs­la­ge für einen brauch­ba­ren Platz). Was dann? Es dür­fen nur noch Leu­te für Titel anru­fen, die mir gefal­len? Sor­ry, aber die gan­ze Geschich­te hier passt ein­fach nicht zum ansons­ten iro­nisch über­spitz­ten Ton auf der Sei­te, und pau­schal alle Befür­wor­ter des aktu­el­len Sys­tems in die Irren­an­stalt ein­wei­sen zu wol­len, ist nicht sar­kas­tisch, son­dern pole­misch, eine in Deutsch­land ger­ne gemach­te Ver­wechs­lung. Ich füh­le mich ohne Hab­mich­lieb­jäck­chen noch ganz wohl. Naja. Wir wer­den sehen, wie es wei­ter­geht. Wenn Schwe­den und Frank­reich nur laut genug jam­mern, kom­men wir viel­leicht 2013 oder so zum rei­nen Tele­vo­ting zurück, und dann 2016 zum Jury­vo­ting, weil das blö­de Volk in Euro­pa nicht für gute Lie­der stim­men kann. Die­ses Jahr wur­de jeden­falls unter Beweis gestellt, dass jedes Land im aktu­el­len Sys­tem gute Plät­ze ein­fah­ren kann – und dass die Jurys manch­mal auch Gutes pro­du­zie­ren (Bel­gi­en auf Platz 14?! Ernst­haft? Guten Mor­gen, Tele­vo­ter Euro­pas, was soll der Blöd­sinn?).

  9. Auf wes­sen Betrei­ben hin wur­den die Juries eigent­lich wie­der ein­ge­führt? Wenn es vor allem die Big 4 waren, dann könn­te man nach die­sem Ergeb­nis die Juries ja wie­der abschaf­fen. Spa­ni­en und Frank­reich hät­ten mit rei­nem Tele­vo­ting bes­ser abge­schnit­ten und wären mei­ner Mei­nung nach auf ver­dien­te­ren Plät­zen gelan­det, Deutsch­land hat ohne­hin gewon­nen und Groß­bri­tan­ni­en war so oder so letz­ter. Und Finn­land (gran­di­os) und Schwe­den (auch wenn ich Annas Stim­me nicht so sehr mag, aber das Lied war okay) von den Juro­ren raus­ge­ke­gelt. Klar, da freu­en sich die, die es statt­des­sen rein­ge­schafft haben, aber auch die lan­de­ten ja spä­ter irgend­wo abge­schla­gen. Ne, ich stim­me dem Web­mas­ter zu: Weg mit den Juries! @ Patri­cia Kaas: Sie war natür­lich gran­di­os, aber hat­te kei­nen guten Start­platz und ein Lied, das nicht gera­de Main­stream war. Fan­hoff­nun­gen hin oder her. @ Andor­ra 2007: Die waren zwar gut, aber auch nicht der Ober­ham­mer. Hät­te es damals schon zwei Semi­fi­nals gege­ben, dann hät­ten sie es ins Fina­le geschafft. Von daher ist die­ser Faux-pas schon längst durch eine ande­re Regel beho­ben als die der Juries.

  10. Wäre Finn­land ins Fina­le gekom­men und dort abge­stürzt, hät­te mich das zwar betrübt, aber nicht erbost, so wie jetzt. Genau so ist es ja Island ergan­gen – und da war ich nach dem Euro­band-Deba­kel 2008 schon drauf ein­ge­stellt und hab mich nicht mehr drü­ber auf­ge­regt, auch wenn Hera natür­lich einen höhe­ren Platz ver­dient hät­te. Das mit den 20 Anru­fen pro Anschluss lie­ße sich ja auch regeln: es könn­ten m.E. sogar 24 Anru­fe pro Anschluss erlaubt wer­den – näm­lich maxi­mal einer pro teil­neh­men­dem Land (minus dem eige­nen)! Dann wären die auf Tele­fon­ein­nah­men ange­wie­se­nen Sen­der glück­lich und das Dia­spora­vo­ting ent­zerrt. Und wir könn­ten auf die Jurys ver­zich­ten. Bel­gi­en auf Platz 14 ist wirk­lich Blöd­sinn – es hät­te auf Platz 24 gehört, die­ses schlim­me James-Blunt-Geflen­ne… Ich kann nur hof­fen, dass Frank­reich und Schwe­den jetzt gehö­rig Druck machen!

  11. Das Gestrei­te wird doch so oder so ewig wei­ter­ge­hen. Ich habe da schon diver­se Vor­schlä­ge mit gerin­ge­rer Gewich­tung für die Jurys gese­hen (ein Drit­tel oder ein Vier­tel), aber ich bin nicht bereit, das Gan­ze wegen eines über­mä­ßig eth­ni­schen Bei­trags in der erfolg­lo­ses­ten Spra­che der ESC-Geschich­te schon wie­der zum letz­ten Murks zu erklä­ren. Nicht, solan­ge im rei­nen Tele­vo­ting die­ser Stumpf­sinn aus Arme­ni­en Platz 4 gemacht hät­te. Fri­sche Apri­ko­sen, inde­ed. Eher unter­schwe­fel­tes Tro­cken­obst. Und nur um mal die umge­kehr­te Per­spek­ti­ve zu ermög­li­chen: Mal­ta, Maze­do­ni­en und Est­land. Zuge­ge­ben, ich glau­be auch nicht, dass die so viel Lob­by bei der EBU haben wie Schwe­den oder Frank­reich, aber die wer­den natür­lich GEGEN das Tele­vo­ting wet­tern wie sie kön­nen. Bei Bel­gi­en hast du von Anfang an über­deut­lich klar gemacht, was du davon hältst, und ich Voll­horst hät­te mich bei­na­he noch anste­cken las­sen, bevor mir klar wur­de, was für ein schö­nes Lied Me and My Gui­tar doch ist. Jedem sein eige­ner Peter Nalitsch.

  12. Ich möch­te auch ger­ne anmer­ken, dass Russ­land selbst ohne die 36 garan­tier­ten Dia­spo­ra-Punk­te aus Est­land, Lett­land und Weiß­russ­land immer noch 56 Punk­te von ande­ren Nicht-Dia­spo­ra-Län­dern bekom­men hat und somit immer auch ohne Nach­bar­schafts­hil­fe qua­li­fi­ziert gewe­sen wäre. So viel nur mal zum The­ma ‘ins Fina­le geschum­melt’.

  13. Da schließ ich mich an: sofort weg mit den Juries! Dabei ärgert es mich nicht mal so stark, dass mei­ne Lieb­lin­ge nicht wei­ter­ge­kom­men sind, son­dern dass das Ergeb­nis zeigt, dass die Juries seit 1995 immer noch genau so spie­ßig sind und sich sel­ber immer noch für genau so eli­tär und dem Volk über­le­gen hal­ten wie damals. Anders lässt es sich nicht erklä­ren, dass alle Songs, die auch nur einen Hauch wit­zig, iro­nisch und sub­ver­siv wirk­ten (Frank­reich, Litau­en, Ser­bi­en, Finn­land) gna­de­los igno­riert wur­den und nur die bier­erns­ten, risi­ko­lo­ses­ten, bie­ders­ten Lah­mar­sch­num­mern mit Punk­te bedacht haben (Geor­gi­en, Isra­el, Por­tu­gal, Bel­gi­en – wobei ich froh bin, dass doch nicht so vie­le Zuschau­er auf den ätzen­den, pseu­do-anspruchs­vol­len Bel­gi­er rein­ge­fal­len sind) Anschei­nend darf der ESC für die Juries, wie wei­land schon 1958, kei­ne unter­halt­sa­me Sache sein son­dern eine Staats­an­ge­le­gen­heit – und wer mit einem Fuß­ball-Shan­ty die Are­na gran­di­os zum Kochen bringt und für die drei unter­halts­am­ten Minu­ten im gan­zen Con­test sorgt, hat kei­ne Chan­ce – es ent­spricht ja nicht den Qua­li­tätstan­darts der fei­nen, beschlips­ten Her­ren (und Damen). Das Dia­spo­ra-Voting haben die Juries übri­gens auch nicht ein­ge­dämmt, im Gegen­teil: Bal­kan-Voting-Spe­zia­list Bos­ni­en wur­de von den Juries vor einen recht­mä­ßi­gem Aus­schei­den geret­tet und Maze­do­ni­en hat mit 62 Punk­ten ein­fach mal dop­pelt so vie­le Punk­te bekom­men wie von den Zuschau­ern (30). Um es kurz zu machen: die Juries braucht kein Mensch. Sofort auf­hö­ren damit.

  14. Jes­sy Mata­dor mag zwar man­che mit­rei­ßen, ist aber in mei­nen Augen echt Seicht­kram.’ Und genau hier liegt das Pro­blem der gan­zen Jury/­Te­le­vo­ting-Dis­kus­si­on: es pral­len ein­fach momen­tan zwei ver­schie­de­ne ESC-Ent­wür­fe auf­ein­an­der! Das gibt es ein­mal die ‘Grü­ne­feld­ter’ (Neu­schöp­fung von mir *lol*) – also die Grup­pe der Fans, die ger­ne den alten Ent­wurf vom ‘anspruchs­vol­len Kom­po­nis­ten­wett­be­werb’ wie­der­ha­ben möch­te und die­sen nur mit strik­tem Jury-Voting ver­wirk­licht sieht – denn das gemei­ne Volk hat ja bekannt­lich kei­nen Geschmack und wählt Blöd­sinn wie Ver­ka und Lor­di an die Spit­ze. Die zwei­te Grup­pe, zu der ich gehö­re, ist die, die den moder­nen ESC weit gefasst als ‘Unter­hal­tungs­show’ sieht, zu der neben dem Song auch akro­ba­ti­sche Tanz­ein­la­gen, auf­re­gen­de Büh­nenout­fits und vor allem mit­rei­ßen­de Cho­reo­gra­phi­en gehö­ren. Und, und jetzt zurück zu mei­ner eige­nen Mei­nung, Jes­sy war Unter­hal­tung pur. Lus­ti­ges, feins­tes Enter­tain­ment dass eigent­lich jeden, der nicht ver­krampft mit auf der Leh­ne ein­ge­krall­ter Hand im Fern­seh­ses­sel sitzt begeis­tern soll­te. Dass die Jury das alles igno­riert und Jes­sy aus Grün­den der ‘Seich­kram­heit’ nach hin­ten gevo­tet hat macht mich rasend. Rasend.

  15. Die Jurys – der Soli beim ESC? Was mir bei der Dis­kus­si­on gera­de auf­fällt: wenn ich die Argu­men­te der Jury-Ver­fech­ter so durch­le­se, geht es immer um Geschmacks­fra­gen. Ein­ge­führt wur­den die Jurys ja aber doch wegen des Block­vo­tings! Das war jeden­falls sei­ner­zeit das Argu­ment: ein west­eu­ro­päi­sches Land kön­ne ja gar nicht mehr gewin­nen, die Ex-Sowjet- und Bal­kan­staa­ten schum­meln sich gegen­sei­tig die Punk­te zu und las­sen den Wes­ten in den Semis ver­hun­gern und so wei­ter. Das hat die­ser Jahr­gang ja aber nun ein­drucks­voll wider­legt – und das gilt erst recht, wenn man nur die Tele­vo­tin­g­er­geb­nis­se nimmt! Und ich habe von den Jury­ver­fech­tern hier auch kein auf Block­vo­ting hin zie­len­des Argu­ment gele­sen (oder hab ich was über­se­hen?). Es ging viel­mehr schwer­punkt­mä­ßig um die Glau­bens­fra­ge Bal­la­de (Jury) vs. Uptem­po (Tele­vo­ting). Das kann man ja natür­lich sehen, wie man will – aber das Argu­ment, das ursprüng­lich für die Ein­füh­rung der Jurys sorg­te, ist mitt­ler­wei­le obso­let. Das kann nun wirk­lich kei­ner mehr ernst­haft bestrei­ten, oder? Aber so ist das ja mit ein­mal ein­ge­führ­tem Unsinn: auch wenn der Grund dafür ent­fal­len ist, behält man ihn mit neu­en Argu­men­ten bei, weil man sich mitt­ler­wei­le dran gewöhnt hat. Sie­he Soli­da­ri­täts­zu­schlag. Die Jury – der Soli des ESC!

  16. Dein eige­ner Peter Nalitsch Dass ich Dir Me and my Gui­tar bei­na­he hät­te aus­re­den kön­nen, macht mich bei­na­he ein klei­nes biss­chen stolz. 😀 Und gibt mir Hoffung und den Ansporn, wei­ter­zu­ma­chen. Dan­ke! 🙂

  17. Äh…könnte das schlicht dar­an lie­gen, dass wir die rei­nen Tele­vo­tin­g­er­geb­nis­se aus den ein­zel­nen Län­dern noch gar nicht ken­nen? Wie soll man da bit­te­schön mit argu­men­tie­ren (oder auch dage­gen), wenn man sie nicht kennt?

  18. Was bit­te? Sor­ry, aber wenn man sich die Top 10 des Tele­vo­tings ansieht und dabei Deutsch­land und Frank­reich igno­riert, wer bleibt übrig? Die Big Four der Dia­spo­ra – Tür­kei, Grie­chen­land, Arme­ni­en und Aser­bai­dschan. Zwei Bal­kan­grö­ßen, bei­de eben­falls mit nicht unbe­trächt­li­cher Dia­spo­ra – Ser­bi­en und Rumä­ni­en. Der drit­te Kau­ka­sus­staat, nur um den Block kom­plett nach oben zu hie­ven – Geor­gi­en. Und die ein­zi­ge Hoff­nung Skan­di­na­vi­ens nach dem Aus­schei­den von Schwe­den (nein, Island rech­ne ich da nicht dazu, dafür gibt es schlicht zu weni­ge von denen 🙂 ) – Däne­mark. Das soll die Dia­spo­ra- und Nach­bar­schafts­hil­fe wider­le­gen? Die Län­der, die kei­ne Dia­spo­ra und kei­ne Nach­bar­schaft haben, wären im Tele­vo­ting bis auf Deutsch­land gna­den­los abge­stürzt – beson­ders Bel­gi­en und Isra­el. Ach, und noch was: Mir ist klar, dass ich mit dem, was jetzt kommt, gegen den hie­si­gen Chor pre­di­ge, aber das muss ein­fach mal gesagt wer­den: Nur weil etwas Uptem­po ist, ist es des­halb noch nicht gut, und nur weil eine Bal­la­de kei­ne Dra­ma­tik des Todes oder was auch immer ent­wi­ckelt, ist sie schlecht. Geschmä­cker sind Gott sei Dank ver­schie­den, und von Leu­ten, die allen Erns­tes Sen­ho­ra do Mar, Lane Moje oder Lost and For­got­ten gut fan­den, las­se ich mir Milim oder Me and My Gui­tar nicht schlecht reden (eigent­lich noch nicht mal Shi­ne oder Sweet Peop­le)! Wer hat hier eigent­lich die schlim­me­ren Lang­wei­ler­bal­la­den unter sei­nen Favo­ri­ten? Ernst­haft, die­se Art von Lie­dern hat immer schon dazu gehört und wird auch immer prä­sent blei­ben, und die Art, wie hier Freun­de sol­cher Lie­der kol­lek­tiv nie­der­ge­macht wer­den, emp­fin­de ich als aus­ge­spro­chen unnö­tig. Geht gegen die Lie­der an, wenn ihr wollt, aber Ad-homi­nem-Atta­cken gegen die Fans stel­len eher euch in ein schlech­tes Licht!

  19. Die gan­ze Epi­so­de hat mich vor allem eins gelehrt: dei­nem Geschmack bei Lie­dern nie wie­der auch nur ansatz­wei­se zu trau­en – wobei mir da Sen­ho­ra do Mar oder Lane Moje schon als Warn­ba­ken hät­ten die­nen müs­sen. Und dan­ke, dass mir hier Wor­te, die nicht als Kom­pli­ment gedacht waren, im Mun­de her­um­ge­dreht wer­den. Hast du das wirk­lich nötig?

  20. Dem kann ich mich nur zu 100% anschlies­sen. Ich las­se mir von nie­man­dem weiß­ma­chen, dass das Juryur­teil einer Mary Roos oder eines Hape Ker­ke­ling weni­ger wie­gen soll, als die 29 Anru­fe des Herrn Yil­maz aus Gel­sen­kir­chen für den tür­ki­schen Bei­trag, nur weil das das ein­zi­ge Lied war, des­sen Text er ver­stan­den hat. Nur mal so als Bei­spiel :con­fu­sed:

  21. @ Soli: Das ist ja das Schö­ne an Steu­ern, sie sind eben nicht zweck­be­stimmt. Und wer gibt schon ger­ne zusätz­li­che Ein­nah­men auf? Juries aller­dings ver­ur­sa­chen ja eigent­lich nur zusätz­li­che Kos­ten. Und das ohne dabei groß­ar­tig etwas gebracht zu haben. Lus­ting wird es ja erst, wenn die Sie­ger in Tele­vo­ting und Jury ande­re sind. Die Rän­ge danach sind ja sowie­so nur eine Sache des per­sön­li­chen Geschmacks.

  22. Wie bit­te? Muss ich mich jetzt ernst­haft in die Grup­pe der Frü­her-war-alles-bes­ser-und-sowie­so-Nost­al­gi­ker ste­cken las­sen, nur wenn ich Jes­sy Mata­dor als eine nett anzu­schau­en­de Büh­nen­show mit stö­ren­den Hin­ter­grund­ge­räu­schen betrach­te? Die­se Einer­seits-Ande­rer­seits-Dicho­to­mie funk­tio­niert nicht. Es war unter­halt­sam, ja. Aber viel­leicht, nur viel­leicht, soll­te das Lied, mit dem man antritt, auch noch in die Wer­tung mit ein­ge­hen, sonst kön­nen wir das Gan­ze auch direkt in Euro­vi­si­on Talent Con­test umbe­nen­nen. Ich gehö­re nicht zu den Spaß­ver­der­bern, die glau­ben, es gin­ge NUR um den Song (das war noch nie der Fall), aber er gehört untrenn­bar dazu.

  23. Alle auf­ge­führ­ten ‘Schnarch­bal­la­den’ wären auch im rei­nen Tele­vo­ting ins Fina­le gekom­men, bis auf Isra­el (zu sper­rig für die Mas­sen?), und der ‘ätzen­de, pseu­do-anspruchs­vol­le’ Bel­gi­er hat­te in sei­nem Semi auch bei den Tele­vo­tern Platz 3. Was an Frank­reich, Finn­land oder Ser­bi­en iro­nisch und/oder sub­ver­siv gewe­sen sein soll, muss mir bit­te auch mal jemand erklä­ren, vor­zugs­wei­se samt einer Neu­de­fi­ni­ti­on der Begrif­fe (und mit dem Argu­ment hät­te letz­tes Jahr Tsche­chi­en defi­ni­tiv ins Fina­le gehört). Und Ver­glei­che mit der Ära vor 1997 haben herz­lich wenig Sinn, weil wir kei­ne Tele­vo­ting-Ergeb­nis­se zum Ver­glei­chen haben. Wäre es wirk­lich ein Glanz­licht des ESC gewe­sen, wenn Gina G-Punkt 1996 gewon­nen hät­te (was ich kei­nes­falls für aus­ge­macht hal­te)? Und für die, die hier glau­ben, die Sie­ger­ti­tel von Mit­te der 90er wären nicht gut ange­kom­men – wie war das noch mit Bel­gi­en 2003? Kurz­um: Ich habe Ver­ständ­nis für den hei­li­gen Zorn der ESC-Ano­raks (zu denen ich mich selbst zäh­le, kei­ne Fra­ge), aber bit­te über­treibt es nicht. Die EBU inter­es­siert sich offen­kun­dig sowie­so einen Dreck dafür, was das Publi­kum will, und so lang­sam ist mei­ner Mei­nung nach mal gut mit Dampf ablas­sen. Spart euch das für nächs­tes Jahr. 🙂

  24. wett­be­werbs­ver­zer­rung hat in einem con­test des 21. jahr­hun­derts nichts mehr zu suchen! frü­her waren jurys not­wen­dig, aus dem grun­de, dass es tech­nisch kei­ne mög­lich­keit gab, die ein­schät­zun­gen der brei­ten mas­se zu mes­sen. zumin­dest unter den letz­ten jahr­zehn­ten der prä-tele­vo­ting-ära und des fort­schrei­ten­den eta­blis­se­ment des esc wur­den die jurys bemüht reprä­sen­ta­tiv und zahl­reich besetzt, ent­spra­chen somit genau­ge­nom­men dem prin­zip der heu­ti­gen tele­fon­ab­stim­mung. das abstimm­ver­hal­ten zeigt vor allem, dass die ‘juro­ren’ in ers­ter linie dar­auf bedacht sind, die ame­ri­ka­ni­sie­rung und anglei­chung an ein­fäl­ti­gen mtv-chart­main­stream vor­an­zu­trei­ben. authen­tisch ehr­li­chen, kul­tu­rell berei­chern­den bei­trä­gen wer­den per se schlech­te plat­zie­run­gen zuge­wie­sen, nichts soll dem (meist ja mehr gewoll­ten denn gekonn­ten) eng­li­schen ein­heits­brei gefähr­lich wer­den. kein wun­der, so wies doch der ‘exe­cu­ti­ve super­vi­sor’ aus­drück­lich an, alle bei­trä­ge nach inter­na­tio­na­lem chart- und hitap­peal zu bewer­ten. auf lan­ge sicht wer­den mani­pu­la­tio­nen wie die­se den wett­be­werb dahin­zu­rück­füh­ren, wovor er sich bereits fast befand: vor dem aus. bleibt zu hof­fen, dass der merk­lich grei­sen­de ‘stock­fisch’ schnell als­mög­lichst abge­setzt und der sei­net­we­gen resul­tie­ren­de image­scha­den aufs nöti­ge begrenzt wird.

  25. Das… …ist der wohl absur­des­te Angriff gegen die Jurys, den ich jemals gehört habe. Wenn es um die ‘Anglei­chung an ein­fäl­ti­gen MTV-Chart­main­stream’ (was für eine prä­zi­se Aus­drucks­wei­se! Was soll damit gemeint sein?) geht, war­um stand maN­ga, die einen ver­damm­ten MTV-Award im Schrank ste­hen haben, bei den Jurys nicht auf Platz 1, dicht gefolgt von den wohl main­strea­m­igs­ten Pop­num­mern des Abends, Aser­bai­dschan und Däne­mark? So funk­tio­niert das nicht. Wenn das Publi­kum sich von visu­el­len Tricks eher blen­den lässt als die Jurys (wie Finn­land, Frank­reich und auch die Tür­kei bewie­sen haben), ist das allein noch kein Argu­ment gegen die Jurys, son­dern eher eine trau­ri­ge Tat­sa­che: Men­schen sind Augen­tie­re, und in der Mas­se setzt sich das eher durch als bei einer Hand­voll Juro­ren. Die Jurys haben die­ses Jahr auch meh­re­re extrem sper­ri­ge Songs hoch­ge­wählt, die mit dem aktu­el­len Chart-Main­stream so gar nichts zu tun haben – Milim, Me and My Gui­tar, Shi­ne oder Sweet Peop­le sind also ame­ri­ka­ni­siert (was für ein däm­li­ches Wort! Wird auch schon seit 60 Jah­ren her­bei­ge­re­det. War­um gilt Deutsch­land in Ame­ri­ka eigent­lich als einer der här­tes­ten und unfreund­lichs­ten Märk­te welt­weit, wenn alles so ame­ri­ka­ni­siert?!) und Chart­main­stream? Ich muss mal gucken – die gan­zen hebräi­schen Bal­la­den an der Spit­ze der US-Charts muss ich ver­passt haben. :con­fu­sed: Ich ver­ste­he die Jury­fein­de sehr gut. Aber mit sol­chen Argu­men­ten scha­det ihr euch. Denkt bit­te nach, bevor ihr schreibt. Ich will mich nicht auf geis­ti­ge Duel­le gegen Unbe­waff­ne­te ein­las­sen.

  26. der erfolg man­gas beim publi­kum dürf­te in ers­ter linie auf ihrer wei­ten popu­la­ri­tät basie­ren, eben derer sie auch besag­ten mtv-award gewan­nen. för­der­lich war zwei­fels­oh­ne eben­so die pro­fes­sio­nell insze­nier­te büh­nen­show, die im zeit­al­ter des 21. jahr­hun­dert ein längst eta­blier­tes ele­ment der unter­hal­tungs­kunst mit sich sich zieht. wie die sie­ger­ti­tel von 2007 und 2010 und diver­se run­ner-ups unter beweis stel­len, muss die qua­li­tät effi­zi­en­ter per­for­man­ces nicht mit hasch­ef­fek­ten, sport­lich­keit oder prunk her­bei­ge­führt wer­den, darf es aber. wenn du wahr­haf­tig der mei­nung bist, me and my gui­tar, sweet peop­le oder shi­ne bedien­ten nicht zumin­dest die maschen glo­bal han­dels­üb­li­cher main­stream­mu­sik, dann fra­ge ich dich, war­um der geor­gi­sche bei­trag von einer nor­we­ge­rin für celi­ne dion geschrie­ben wur­de? und wes­we­gen der erst­ver­such aljoschas wegen pla­gi­ats­be­schul­di­gun­gen an den us-diven lin­da per­ry und grace slick schei­ter­te? seit wann indie-bal­la­den typisch für dieu­krai­ne sind? oder woher das sin­ger-song­wri­ter-gen­re wur­zelt? etwa aus bel­gi­en? wer damit heu­te erfolg­reich ist? selbst­re­dend alles anglo­phon. milim erin­nert in sei­ner mach­wei­se eher an fran­zö­si­sche und klas­si­sche chan­sons, ein­zig die spra­che stellt den bezug zu isra­el her. und das, was als ‘sper­rig’ emp­fun­den wird, hängt von den indi­vi­du­el­len hör­ge­wohn­hei­ten jedes ein­zel­nen ab und lässt sich nicht per defe­n­i­ti­on bestim­men. bzgl. milim und sweet peop­le nei­ge ich mich dir anzu­schlie­ßen, wohin­ge­gen me and my gui­tar und shi­ne beim ers­ten hören but­ter­weich ins mei­ni­ge ohr flo­sen. ich las gar forums­bei­trä­ge, in denen der fin­ni­sche bei­trag, womit wir beim titel die­ses blo­qs wären, als an sich gut, aber zu ‘gewöh­nungs­be­dürf­tig’ bewer­tet wur­de. in der gesamt­sicht lässt sich nicht abstrei­ten, dass authen­ti­sche bei­trä­ge mit lan­des­be­zug um ein viel­fa­ches schlech­ter weg­kom­men im jury­er­geb­nis als in der publi­kums­ab­stim­mung. eben die­se unter­schie­den aller­dings den euro­vi­si­on song con­test von her­kömm­li­chen mtv-spek­ta­keln. anspruchs­vol­le

  27. sry, etwas lief bei der for­ma­tie­rung mei­nes obri­gen bei­tra­ges falsch und der letz­te absatz fehlt.

  28. es lag am trade­mark-zei­chen… 🙄 der schluß soll­te lau­ten: …’™ oder ver­sucht anspruchs­vol­le bal­la­den auf eng­lisch fin­den sich dort auch. fin­ni­sche volks­mu­sik, hol­län­di­schen schla­ger, rus­si­sche kla­ge­lie­der, folk­lo­re vom bal­kan oder eth­no des kau­ka­sus sucht man ver­ge­bens.’

  29. ospe­ro, wo fin­den sich eigent­lich die mas­sen dia­spo­ra des big4-der-dia­spo­ra-lan­des aser­bai­dschan? oder bezieht sich der aus­druck ein­fach gene­rell auf erfolg­rei­che nicht-west­eu­ro­päi­sche staa­ten?

  30. Ah, jetzt ver­ste­he ich. Die Jurys wol­len also die­ses anglo­pho­ne Pop-Gesül­ze, aber das Publi­kum nicht. Sor­ry, I call Bull­shit. So sehr man sich ande­res wün­schen mag, die Publi­kums­ver­an­ke­rung der oben genann­ten Leu­te ist eher vage. Wenn ich da von Pla­gi­ats­vor­wür­fen an Grace Slick lese, darf ich doch mal lachen? Die Frau hat­te ihren letz­ten Hit, der inzwi­schen regel­mä­ßig auf Lis­ten der schlech­tes­ten Hits der 80er lan­det, Anno 1984! Von Lin­da Per­ry, die als Song­schrei­be­rin für Pink geschätzt zehn­mal sovie­le Hits hat­te wie mit ihrer Band (das war genau einer) gar nicht zu reden. Wenn hier pla­gi­iert wird, dann folgt das der guten alten Euro­vi­si­ons-Tra­di­ti­on, immer reso­lut acht bis zehn Jah­re hin­ter der Zeit zurück­zu­hän­gen. Die mit Abstand moderns­ten Bei­trä­ge des Abends kamen bei den Jurys eben NICHT gut an – Aser­bai­dschan ist das per­fek­te Bei­spiel. Da steck­ten wirk­lich Leu­te hin­ter, die aktu­el­le Bezü­ge haben, und prompt lan­det das beim Publi­kum höher (okay, die Dia­spo­ra ist da natür­lich ein­zu­rech­nen). Dass so weni­ge Eth­no-Bei­trä­ge zum Con­test kom­men, hat schlicht den Grund, dass sie im Zeit­al­ter des Tele­vo­tings nicht ankom­men. Wann hat zum letz­ten Mal fin­ni­sche Volks­mu­sik, hol­län­di­scher Schla­ger, rus­si­sche Kla­ge­lie­der, Folk­lo­re vom Bal­kan oder Eth­no des Kau­ka­sus irgend­was geris­sen? Und nein, die glatt pro­du­zier­ten ser­bi­schen Kla­ge­ge­sän­ge von 2004 und 2007 zäh­len nicht. Mit sol­chen Songs fliegt man beim ESC erbar­mungs­los auf die Nase – erin­nert sich noch jemand an den Light-Fla­men­co von Reme­di­os Ama­ya 1983, oder Dul­ce Pon­tes aus Por­tu­gal? Oder den grau­si­gen Irish Folk von Der­vish 2007? War­um war Finn­land denn über Jahr­zehn­te eines der erfolg­lo­ses­ten Län­der beim Con­test? Oder Por­tu­gal? Hol­län­di­schen Schla­ger hat­ten wir erst die­ses Jahr – und obwohl der beim Publi­kum etwas bes­ser ankam als bei den Jurys, wäre der Song auch bei rei­nem Tele­vo­ting (knapp) nicht im Fina­le gelan­det. Sor­ry, aber wer sowas will, ist beim Liet-Con­test bes­ser dran, glau­be ich. Die Theo­rie von den die armen Eth­no-Bei­trä­ge nie­der­stim­men­den Jurys ist jeden­falls kom­plet­ter Unfug. Die Län­der trau­en sich nicht mehr, sowas zu schi­cken, es sei denn, sie haben (wie die Nie­der­lan­de die­ses Jahr) so oder so nichts mehr zu ver­lie­ren. Und die­ser Trend hat lan­ge vor der Rück­kehr der Jurys ange­fan­gen. Ich will kei­nen ESC, der musi­ka­li­sche Ent­wick­lun­gen kon­se­quent aus­sperrt – das ist ein Ticket zurück in die Neun­zi­ger oder gar die frü­hen Sech­zi­ger, bei­des nicht eben Glanz­zei­ten des Wett­be­werbs. Es heißt nicht Eth­no­vi­si­on Song Con­test

  31. Die Tür­kei und Aser­bai­dschan sind Bru­der­staa­ten, die bei­na­he die glei­che Spra­che spre­chen und in einer ähn­li­chen Bezie­hung ste­hen wie Grie­chen­land und (Süd)zypern. Die Ase­ri-Dia­spo­ra mag nicht beson­ders groß sein, aber die Tür­ken las­sen ihre klei­nen Brü­der schon nicht ver­hun­gern. 😉

  32. Zah­len und Fak­ten sieh doch ein­fach, wie vie­le publi­kums­punk­te die zweit­plat­zier­ten aysel & arash von ent­spre­chen­den län­dern mit gro­ßer tür­ki­scher dia­spo­ra erhiel­ten. zur erin­ne­rung, der gesamt­punk­te­schnitt aller län­der betrug 6,2 und die der plat­zie­rung ent­spre­chen­de wer­tung wäre eigent­lich eine 10 gewe­sen. bel­gi­en: 6 punk­te däne­mark: 5 punk­te deutsch­land: 4 punk­te frank­reich: 3 punk­te hol­land: 6 punk­te schweiz: 0 punk­te ver­ei­nig­tes könig­reich: 4 punk­te alle zäh­ler lie­gen unterm wert. dann sieht es wohl doch nicht so sehr rosig mit ‘dia­spo­ra-hil­fe’ aus, oder?

  33. dass die maze­do­ni­schen län­der, erst recht die ejr maze­do­ni­en, gegen die jurys wet­tern, möch­te ich sehen. 8)

  34. Hm. Okay, aber ich möch­te hier ein­wer­fen, dass nicht ich die Begriff­lich­keit der Dia­spo­ra-Big-Four geprägt habe – das war der wer­te Herr Sei­ten­be­trei­ber. Und sor­ry, aber irgend­je­mand stimmt nun mal jedes Jahr für die Ase­ris. Kein ande­rer Debü­tant der letz­ten zwan­zig Jah­re war auch nur ansatz­wei­se so erfolg­reich. Intra(ex)sowjetische Dia­spo­ra, Unter­stüt­zung durch den gro­ßen Bru­der im Wes­ten – wor­an auch immer das lie­gen mag (inter­es­san­ter­wei­se leben von den ~22 Mil­lio­nen Ase­ris auf der Welt deut­lich mehr im Iran als in Aser­bai­dschan, aber der macht ja nun nicht mit). Und natür­lich gut gemach­te Lie­der. Und wo bit­te kom­men die­se Zah­len her? Aysel & Arash Anno 2009 waren nicht Zwei­ter, son­dern Drit­ter, damit fängt es schon mal an. Neh­men wir mal 2008 als bes­ser geeig­ne­tes Bei­spiel (rei­nes Tele­vo­ting im Fina­le, AZ auf Platz 8 mit 132 Punk­ten). Zieht man hier die Punk­te von der Tür­kei und den Ex-Sowjet­re­pu­bli­ken ab, blei­ben 70 übrig – kein Erd­be­ben, aber doch ganz ordent­lich. Semi 2 2009, rei­nes Tele­vo­ting (plus Jury-Wild­card): hier wur­de Aser­bai­dschan hin­ter dem spä­te­ren Sie­ger Nor­we­gen Zwei­ter. Von den oben genann­ten Län­dern hat­ten hier Stimm­recht: Däne­mark, Frank­reich, Nie­der­lan­de. Von den drei­en kamen ins­ge­samt 26 Punk­te – zehn aus Frank­reich, jeweils acht aus den ande­ren bei­den. Wohl­ge­merkt, das beweist gar nichts. Die Ase­ris machen noch nicht lan­ge genug mit, um sich da ein Bild zu machen. Aber es gibt eben auch die Zah­len, die zumin­dest andeu­ten, dass da Dia­spo­ra (und Nach­bar­schaft) mit rein­spie­len (wie auch bei den Wer­tun­gen die­ses Jahr).

  35. Huch Habe ich doch glatt ver­ges­sen, mei­nen Namen beim obi­gen Bei­trag anzu­ge­ben. Tststs…ich wer­de alt. 😉

  36. Aysel & Arash wur­den im Tele­vo­ting natür­lich Zwei­te und nicht Drit­te. Die Zah­len kom­men von der EBU. Damit geht die ‘Tur­kish-Dia­spo­ra-CO-Sup­port-Theo­rie’ nicht auf bzw. ist sta­tis­tisch wider­legt. Und allei­ne mit zwölf Zäh­lern aus der Tür­kei erreicht man kei­ne 256 Punk­te und Sil­ber. Sor­ry, aber fast jedes Land, egal aus wel­cher Him­mels­rich­tung, hat mehr Sym­pa­thi­san­ten als Azer­baycan. Wenn dann jedes Jahr ziem­lich vie­le Irgend­je­man­de von über­all her trotz­dem für einen ‘nicht-west­li­chen’ Bei­trag stim­men, liegt das wohl ein­fach dar­an, dass die Musik über­zeu­gen konn­te. Das will aber lei­der in vie­le Köp­fe nicht rein, die Res­sen­ti­ments sit­zen zu tief. Scha­de!

  37. Bull­shit wür­de ich zwar nicht cal­len, da es durch­aus den Kern trifft, aber die Aus­sa­ge lie­ße sich dahin­ge­hend prä­zi­sie­ren: ‘Die Jurys wol­len nur die­ses anglo­pho­ne Pop-Gesül­ze, aber das Publi­kum ist für ver­schie­de­ne Sti­le offen.’ Eth­no ist das domi­nie­ren­de Ele­ment des gehen­den ESC-Jahr­zehnts, so dass selbst am inter­na­tio­na­len Markt ori­en­tier­te Titel dar­auf zurück­grif­fen, und die Gewin­ner­songs der Tür­kei, der Ukrai­ne oder Ser­bi­ens oder Run­ner-Ups wie die von Serbien&Montenegro oder Bosnien&Herzegowina las­sen sich nicht aus den Geschichts­bü­chern löschen, auch wenn es immer Leu­te (wie dich) geben wird, die ver­su­chen, sie zu rela­ti­vie­ren. Dass authen­ti­sche und musi­ka­lisch wert­vol­le Bei­trä­ge unter den Jurys wei­land mit­un­ter kei­ne Chan­cen hat­ten, brauchst du mir nicht erzäh­len. Das ist beim Publi­kum aber anders, wie du offen­kun­dig erken­nen kannst. Ich möch­te auch kei­nen ESC, der sich musi­ka­li­schen Ent­wick­lun­gen ver­sperrt. Des­we­gen soll der Trend doch bit­te bei den Mehr­hei­ten gemes­sen wer­den. Kom­pro­miss­los nach Ame­ri­ka geht er aber schon lan­ge nicht mehr. Er heißt ja des­halb noch Euro­vi­si­on Song Con­test.

  38. But not too eth­no Die Über­schrift, die ich hier gege­ben habe, trifft es ganz gut. Kein ‘wirk­lich’ unter Eth­no fal­len­des Lied (lies: World Music im klas­si­schen Sin­ne) hat beim ESC jemals was geris­sen (ich habe nicht die Tat­sa­che rela­ti­viert, dass Ser­bi­en mit oder ohne Mon­te­ne­gro zwei gran­dio­se Plät­ze erzielt hat, son­dern in Fra­ge gestellt, wie ‘eth­no’ die­se Songs waren). Die Lie­der, die du nennst, sind ohne Aus­nah­me glatt pro­du­zier­te Pop­songs mit einer Pri­se hei­mi­scher Folk­lo­re (und Bos­ni­en hat­te nie einen Run­ner-up; viel­mehr wur­den sie 2006 von einem Rock­song und einer gene­ri­schen Bal­la­de auf Platz 3 ver­wie­sen). Wenn du meinst, sowas hät­te bei den Jurys kei­ne Chan­ce gehabt, bit­te ich um Beach­tung des ESC 1996, bei dem gera­de nicht die abso­lut aus­tausch­ba­re Tanz­num­mer aus Groß­bri­tan­ni­en, son­dern die Eth­no-Light-Geschich­te aus Irland gewon­nen hat, vor sehr ähn­li­chen Num­mern aus Nor­we­gen und Schwe­den. Ähn­li­ches gilt auch für 1979, 1991 (abso­lut klas­si­scher Schwe­den­schla­ger, von der Zwei­ten aus Frank­reich nicht anzu­fan­gen – Eth­no­ele­men­te von außer­halb Euro­pas?!) und 1995 (oder glaubt ernst­lich jemand, Fra Mols til Ska­gen wäre beim Publi­kum auf Platz 5 gekom­men?). Es ist schlicht Unsinn, zu behaup­ten, Jurys hät­ten gene­rell einen ame­ri­ka­ni­sche­ren Geschmack als das all­ge­mei­ne Publi­kum. Das mag viel­leicht noch in den Län­dern der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on gel­ten, wobei ich mir da nur Arme­ni­en und Aser­bai­dschan in den letz­ten Jah­ren anse­hen muss, um fest­zu­stel­len, wie schnell die Ver­ant­wort­li­chen ler­nen. Und in den aller­meis­ten Fäl­len wird der Trend ja an der Mehr­heit gemes­sen – in den meis­ten Fäl­len ent­schei­det schließ­lich das Publi­kum, wer über­haupt zum ESC fah­ren darf. Wenn sich dann her­aus­stellt, dass Län­der­ge­schmä­cker ver­schie­den sind und man mit man­chen Sachen im Rest Euro­pas nicht lan­den kann, pas­siert halt. Nor­we­gen hat sowohl zu Jury­zei­ten als auch zu Tele­vo­ting­zeiten rei­hen­wei­se erbärm­li­che Ergeb­nis­se ein­ge­fah­ren, eben­so wie Finn­land oder Por­tu­gal. Offen­bar gibt es Län­der, deren Bevöl­ke­rung näher am Durch­schnitts­ge­schmack Musik hört, als die in ande­ren Län­dern. Aber das hat ja offen­bar kei­nen Zweck. Kei­ner von uns wird den ande­ren von sei­ner Mei­nung über­zeu­gen kön­nen, und ich dis­ku­tie­re nur sehr ungern mit Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern (die­se durch nichts beweis­ba­ren Behaup­tun­gen über die Jurys gehen defi­ni­tiv in die­se Rich­tung – man hat die Jurys nach 1996 abge­schafft, weil ihr Geschmack sich vom Publi­kum zu weit ent­fernt hat­te. Hat sich die Welt in nicht mal fünf­zehn Jah­ren der­art ver­än­dert?!). Tschüss zusam­men, war schön.

  39. Aha. Fast jedes Land hat mehr Sym­pa­thi­san­ten als Aser­bai­dschan. Erzähl das doch bit­te mal Tsche­chi­en, Ungarn, Polen, Bul­ga­ri­en, Andor­ra, Zypern, der Schweiz, Spa­ni­en, Por­tu­gal, Groß­bri­tan­ni­en, Irland, Frank­reich, Bel­gi­en, den Niederlanden…muss ich wei­ter­ma­chen? Allein mit der Lie­der­qua­li­tät lässt sich das bis­her nicht begrün­den. Aber die AZ-Pro­be ist auch noch zu klein, um da sinn­vol­le Urtei­le fäl­len zu kön­nen. War­ten wir mal bis in vier oder fünf Jah­ren. Und nein, ich habe kei­ne ‘Res­sen­ti­ments’ gegen Aser­bai­dschan, was soll die­se Unter­stel­lung bit­te? Ich habe hier schon mal was über ad-homi­nem-Atta­cken gesagt. Tschüss.

  40. Ger­ne. Azer­baycan hat die Tür­kei, ist eines der acht am ESC teil­neh­men­den rus­si­schen Nach­barn und wird von Arme­ni­en boy­kot­tiert. 2010 kam noch halb­her­zig Geor­gi­en hin­zu. Das ist unterm Strich nicht viel mehr oder sogar weni­ger als bei den von dir auf­ge­führ­ten Teil­neh­mern; ganz zu schwei­gen von Nor­lich­tern wie Island. Ich habe dir nicht unter­stellt, Res­sen­ti­ments gegen Azer­baycan zu hegen. Du redest dich aber gera­de um Kopf und Kra­gen, die Erfol­ge des Klein­asi­en-Staa­tes nur irgend­wie ins dunk­le Licht rücken zu kön­nen, obwohl alle dei­ne The­sen mathe­ma­tisch wider­legt sind. 😉

  41. Es sprach auch nie­mand von ‘World Music im klas­si­schen Sin­ne’. ‘Eth­no’ bezeich­net den musi­ka­li­schen Ein­fluss tra­di­tio­nel­ler Ele­men­te und die­se wur­den natür­lich in ver­schie­de­nen Schat­tie­run­gen varia­bel dosiert ver­wen­det. Und das kam bei den Zuschau­ern ein­fach gut an. Lane Moje oder Työl­ki Ell­ää gehö­ren wohl aber noch zu den eigen­stän­digs­ten folk­lo­ris­ti­schen Pro­duk­tio­nen, anders als bspw. Shake It oder Que­le, Que­le. Dane­ben gibt es aber auch Bei­trä­ge, die gar kei­nen musi­ka­li­schen Bezug zum Hei­mat­land auf­wei­sen, wie u.a. Me & My Gui­tar, Sweet Peop­le, Miss Kiss Kiss Bang oder kom­po­si­to­risch auch Milim, jene waren (im Ver­gleich zum Mehr­heits-Votum) aber nun­mal die gro­ßen Jury-Lieb­lin­ge. Ähn­lich ver­hält es sich umge­kehrt. Wie ich ganz oben bereits erwähn­te, soll­ten die Jurys wei­land ein reprä­sen­ta­ti­ves Mei­nungs­bild, da eine Mas­sen­be­fra­gung tech­nisch noch nicht mög­lich war, wie­der­spie­geln und wur­den ent­spre­chend besetzt. Ob das in der Pra­xis (oder auch de jure) per­fekt aus­ge­reift war, bezwei­fe­le ich nicht, das Sys­tem stand aber schon seit Jahr­zehn­ten in der Idee des heu­ti­gen Tele­vo­tings. Nie­mand wur­de ange­hal­ten, ‘hit­ver­däch­ti­ge Bei­trä­ge’ zu för­dern, was den Aus­schluss authen­ti­scher Inter­pre­ta­tio­nen natür­lich weit­ge­hend nach sich zieht.

  42. Ob das in der Pra­xis (oder auch de jure) per­fekt aus­ge­reift war, bezwei­fe­le ich wohl, […]’ mein­te ich natür­lich. 😉

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