Love, no Love (CH 2011)

Das erste feststehende Lied für Düsseldorf 2011 kommt aus unserem Nachbarland Schweiz. Und es klingt wie die Caro-Kaffee-Variante von Lena Müller-Lüdenscheidts ‚Bee‘ aus der deutschen Vorentscheidung 2010.


Anna-Lena Meyer-Landrossinelli im Schweizer Vorentscheid

Ganz groß aufgezogen hatten die Schweizer ihren diesjährigen Vorentscheid. Nach dem spektakulären Mißerfolg der intern ausgewählten Segelohrschwuppe Michael von der Heide setzte man diesmal auf eine Mischung aus dem spanischen und dem deutschen Format. Im Internet durfte jeder, der wollte, einen Bewerbungsclip für die Große Entscheidungsshow hochladen – über 500 Vorschläge kamen zusammen, von fabelhaftem Jodeltrash über unfassbare Hochzeitssänger über eher unlustige Spaßbeiträge wie ‚I’m not Lena Meyer-Landrut‘ über schwuppigen Eurodancetrash bis hin zu ausländischen Ex-Teilnehmer/innen wie DQ und Todomondo.


Auch ein patriotisches Trickkleid konnte die Nummer nicht mehr retten: Sarah Burgess

Zielsicher sortierten die Internetvoter und eine Senderjury jedoch allen unterhaltsamen Trash aus – und warfen ihn weg. Ins heutige Finale gelangten zwölf unglaublich mittelmäßige Beiträge, vom Mainstream-Poprock über Mundart-Folkrock bis zu Pseudo-Hip-Hop, alles nicht unterirdisch schlecht, aber eben auch nicht eine Minute wirklich unterhaltsam. Und aus diesem Aufmarsch der Langeweile pickten die Televoter dann zielsicher den nettesten (lies: seichtesten) Beitrag von allen heraus: das putzige Popgeplätscher ‚In Love for a While‘ von Anna Rossinelli, die im kurzen schwarzen Kleidchen und mit typischer Bauchkrampf-Pose auch optisch die Kaffee-Hag-Version von Lena Meyer-Waldschrat gibt. Ein bisschen Pling-Pling, ein bisschen Summ-Summ und ganz viel ‚Na na na‘… nett und harmlos, so wie die Schweiz eben. Das gibt das nächste Aus in der Vorrunde für die Eidgenossen.


Auch der Duke versuchte es mit einem Trickkleid. Ebenso vergeblich.

Womöglich sieht das sogar das Schweizer Fernsehen so: entgegen aller üblichen Gepfolgenheiten durfte Anna nach der Bekanntgabe ihres Sieges das Lied nicht noch einmal singen. Der Preis für den besten Unterhaltungsmoment des Abends geht indes an die US-Amerikanerin Sarah Burgess, die in einem quietschigen Girlanden-Trickkleid performte, das sich in einen osteuropakompatiblen Rettungsschwimmerinnendress mit Schweizer Landesfahne verwandelte. Gefragt, warum sie als Amerikanerin für die Eidgenossen singen wollen, sagte sie: „Switzerland’s where it’s at, musically“ – ohne das Gesicht zu verziehen! Gut, dass ich gerade nichts trank – es hätte Tage gedauert, meinen Bildschirm wieder sauber zu kriegen!


Die offizielle Videoversion im finalen Eurovisionsremix

Und wie das immer so ist: je öder das Lied, desto mehr Versionen davon existieren. Zunächst stellte Anna bei der SwissAward-Gala am 8. Januar eine geringfügig überarbeitete, neue Fassung vor. Und mittlerweile existiert auch ein offizieller Videoclip. Ich höre ehrlich gesagt keine Unterschiede: klingt für mich alles gleich langweilig! Für echte Grand-Prix-Gourmets folgen nun die besten Vorrundenknüller, die leider das Internetvoting nicht überstanden – obwohl sie viel, viel besser waren als alles aus dem Finale! Ein Fest, ich verspreche es Ihnen!

Wir beginnen mit einem warmen Wind aus Köln, dem geilsten Arsch der Welt:

Wir bleiben in Deutschland mit Franca Morgano aus Frankfurt:

Und weiter geht’s ins benachbarte Dänemark mit DQ (die Transe mit dem riesigen rosa Kopfschmuck aus  dem Eurovisions-Semifinale 2007), hier wunderhübsch dargeboten von der Dragqueenkollegin Big Betty Beyond (Spitzenhandograhpie!):

Das waren doch schon feine Schätzchen, oder? Im nächsten Teil wird’s noch besser, da besuchen wir Wien!

Und hier ist er, meine Damen und Herren: der große, der einzigartige, der unglaubliche Fred Weston aus Wien! Mit gleich zwei gesungenen Liebeserklärungen ans Nachbarland – eine schöner als die andere. Und mit unglaublich professionell gemachten Videoclips ausgestattet. Ein Hochgenuss!

Und nach diesem Highlight geht’s im letzten Teil ins Heimatland, die Schweiz. Drei echte Eurovisionsperlen warten noch auf Sie. Es lohnt sich wirklich!

Nein, ich verstehe auch kein einziges Wort. Aber es scheint um eine Jungfer zu gehen, die einen Berg bespringen möchte (merkwürdiges Volk, diese Schweizer!) und dabei von einem Drachen gehindert wird. Oder so ähnlich. Aber der echte Knüller kommt natürlich ganz zum Schluß. SO, meine verehrten Leserinnen und Leser, klingt die Schweiz! Oesch’s die Dritten jodeln mit Highspeed und rasen im Schweizer Tempo den Berg hinunter. Ganz, ganz großes Kino und für mich der ultimativ beste schweizerische Beitrag aller Zeiten!

Danke für’s Durchhalten. Und, das war doch nicht zu viel versprochen, oder?

13 Gedanken zu “Love, no Love (CH 2011)

  1. DEN Beitrag, der vielleicht was hätte reißen können (wenigstens mal die Finalteilnahme) wollten die lieben Nachbarn ja gar nicht erst im Finale haben. Schön, ich bin auch dafür, das zu wählen, was einem persönlich am besten gefällt und nicht das, wovon man glaubt, dass die anderen es am meisten mögen könnten. Aber hinterher darf man sich dann halt auch nicht beklagen. Ein weiteres Halbfinal-Aus für die Schweizer ist anzunehmen.

  2. ‚DEN Beitrag, der vielleicht was hätte reißen können (wenigstens mal die Finalteilnahme) wollten die lieben Nachbarn ja gar nicht erst im Finale haben.‘ Ja, leider. Armer Fred Weston. 😆

  3. Och joh Ich finde die Nummer gar nicht mal so schlecht. Ich würde zumindest nicht umschalten, wenn das im Radio läuft. Ob das aber für nen Finaleinzug langt? Ich glaub es auch nicht.

  4. Ich weiß echt nicht was alle an der überdrehten Amitusnelda da hatten. Das war mir zu künstlich, diese ganze Liebe zu der Schweiz. In Wirklichkeit hat sie bestimmt vor dem Wettbewerb, gar nicht gewußt wo die Schweiz liegt, geschweige denn was der ESC ist. Ich finde das Siegerlied mal gar nicht so schlecht, macht leidlich Laune und gut gesungen hat sie auch. Solche Nummern kann man schlecht einschätzen. Dem Belgier hat man letztes Jahr ja auch nicht zugetraut das er das Finale erreicht, und dann ist er immerhin 6. geworden. Warum sollte das der Rossinelli nicht auch gelingen? Die anderen Lieder müssen erstmal besser sein.

  5. Schön übrigens, dass Fred Weston in dem obigen Artikel eine Erwähnung erhält… 😀 Unfassbarer Hochzeitssänger 😆 Ich hab‘ nicht allen der über 500 Anmeldungen gelauscht bzw. sie mir angeschaut, aber keiner wusste mich so zu erheitern wie Fred Weston 😀 Und mit Fräkmündt wäre das Überstehen der Semis denkbar gewesen – finde ich wenigstens… 🙁

  6. SwitzerlandI ….das Gewinnerlied der guten Anna ist in der Tat – wie die Schweiz – blass und sehr langweilig. Substanzlosigkeit wird durch NANANA-Parts überdeckt, ein alter Trick. So wirklich grottig ist das alles nicht, aber eben unspektakulär und berechenbar – bei starker Konkurrenz wird es also schwer, das Finale zu erreichen.

  7. Burgess B*tch! ….kurz zur Burgess (Börgjes)- das war echt große Comedy: damit meine ich nicht ihren schiefen, kreischigen ‚Gesang‘ oder das peinliche ‚Kleid‘, sondern ihre kurze Vorstellung im Bewerberclip! Sie hat angeblich in 6 Monaten 120 (!) schweizer Schulen besucht (alle ohne Abschluss?) und bringt – als Mutter Teresa des Bitch-Pop – armen europäischen Kindern englisch bei. Natürlich sind das auch alles ihre Freunde UND den ersten Song schrieb sie ( 😆 ) auch in der Schweiz. So viel Müll und schamlose Volksverdummung gab es selten. Dabei ist sie doch schon seit Jahren als diese Dame in Deutschland unterwegs – der IQ und wikileaks haben sie verraten 😛 http://www.youtube.com/watch?v=aeGkWlix_BM

  8. Na, wird langsam Zeit, dass auch ich in die diesjährige Saison einsteige 😉 …wobei ich das ja schon gemacht hab, als ich den Stream der Schweizer Vorentscheidung verfolgt habe. Bei der Burgess ist mir noch in Erinnerung, dass sie im Vorstellungsfilmchen damit reüssiert hat, bei American Idol unter die Top 30 gekommen zu sein. Super, wenn das nicht DIE Qualifikation ist, weiß ich auch nicht. Immerhin: Aus dem Liedchen hätte mit am ehesten der Schweizer Beitrag werden können, vorausgesetzt, man hätte noch ordentlich reininvestiert. Zuerst mal in Sarahs Stimme, denn die war nur für Francine Jordis Ohren Hammer. Aber Zeit genug wäre durch den frühen Vorentscheidungstermin für Gesangsunterricht noch gewesen. Und investieren hätte man noch in die Show müssen – damit die nicht nur aus Versatzstücken besteht. Aber darüber muss man sich nun ja keine Gedanken mehr machen. Was ist hängengeblieben vom Schweizer Vorentscheid? Eine Party-Band, die keinen Spaß verbreitet, deren Namen das einzig Lustige ist. Ein Italiener ohne Leidenschaft, der in Buchhaltermanier auf der Gitarre schrammelte, somit das vernichtendste Urteil des Abends bekam, er müsse noch an seiner Show feilen (aber nur ein bisschen, gell?). Ein Rapper, der ganz Genre-typisch hinter einer Wand verschwand, um sich umzuziehen – und keiner hat was davon bemerkt. ‚Die Zukunft der Schweizer Popmusik‘, die man dazu beglückwünschen kann, eine Lehrstelle im Reisebüro bekommen zu haben – Papa und Mama haben doch recht, dass man besser was Solides lernen soll. Ach ja, es gab ja auch noch einen Sieger… Positiv ist, dass das Liedchen so dermaßen einfach gestrickt ist, dass man sich lange dran erinnern kann – weil man die von so vielem anderen her eh als Dauerschleife im Kopf hat. Jetzt muss man dran feilen, das herauszuarbeiten, was es aus der Masse heraushebt. Wenn es überhaupt was herauszuarbeiten gibt. Was ich momentan bezweifle. Ich würde es den Schweizern gönnen, denn ich habe dort Freunde. Und die sind gar nicht blass und langweilig.

  9. Oh, Vorsicht. Sowas klappt entweder zu 100 Prozent oder überhaupt nicht – und wenn es im Vorentscheid schon so übel abraucht, wäre daraus höchstwahrscheinlich nichts geworden. Mittelaltermusik, besonders in dieser Form, ist ein sehr spezielles Phänomen des deutschsprachigen Raums. Ja, das gibt es auch woanders, aber es ist da längst nicht so verbreitet. Hätte ich aber auch lustig gefunden. Es gibt ja nicht mehr allzu viele Musikstile, die beim ESC noch nicht zu hören waren…

  10. ganz schöner Griff ins Kloo, wie? Nein, nicht eure Anna. Dein selbstherrlicher Musikverstand. Ich sag mal so: was Du schreibst ist Trash. Hört sich eigentlich zu gut an: Müll – gequirrlte Ka*cke ist besser. Eure Anna, die wir gerne eindeutschen, hat sich qualifiziert. Ich Wette, sie landet am Ende unter die TopTen.

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