Change we can’t believe in (RO 2011)

In der Silvesternacht wählten die Rumänen ihren Eurovisionsbeitrag für Düsseldorf. Man darf es also dem Alkohol anlasten, dass die Gruppe Hotel FM gewann – oder vielmehr der Jury. Deren 12 Punkte gaben den Ausschlag für das vor ranzigen, längst überholt geglaubten Eurovisionsklischees nur so triefende ‚Change‘, das im Publikumsvoting nur auf den zweiten Rang kam.


F.L.Y. trifft Six4One: Hotel FM

Im Televoting führten die Poptenöre von Distinto mit dem grauenhaften ‚Open your Heart‘, die jedoch von der Jury nur fünf Punkte erhielten und somit in der Gesamtwertung abgeschlagen werden konnten. Dies fiel den Juroren insbesondere deswegen leicht, weil das rumänische Fernsehen während der fünfstündigen, kombinierten Vorentscheidungs- und Silvestershow (Stargäste: die Abgehalfterte-dicke-Diven-Troika Johnny Logan, Chiara und Niamh Kavanagh) immer wieder Zwischenstände des Televotings einblendete, so dass man sich leicht ausrechnen konnte, wem man wie viele Punkte zuschanzen musste, um erfolgreich am Bevölkerungswillen vorbei zu manipulieren. Wobei man fairerweise sagen muss, dass sich unter den 13 Finalisten ausnahmslos nur Schrott tummelte und es nicht einer von ihnen verdient hätte, nach Düsseldorf zu fahren.


Und das offizielle Musikvideo. Wer sichs anschauen kann, ohne einzuschlafen, kann mir ja Bescheid geben, ob’s gut ist.

Mit dem Bandnamen Hotel FM ist eigentlich schon alles zum Act gesagt: zwar besteht die Kappelle durch die Bank aus männlichen Augenweiden – ihre Musik aber ist allenfalls geeignet, Hotellobbys zu beschallen. Musikalisch eine Mischung aus radiogerecht glattgebügeltem Britpop (die Verse) und Achtzigerjahre-Eurovisionsschlager (der Refrain), versammeln sich im Text von ‚Change‘ so ziemlich alle ausgelutschten, abgegriffenen, ausgelaugten, plattgewalzten und schon eine Million Mal gehörten Weltverbesserungsklischees, die man sich nur denken kann. Texte von Bernd Meinunger klingen im Vergleich dazu frisch, rebellisch und inspiriert.


Hektischer Handtaschen-House für die Ü-30-Disco: Rallsa

Für den Sieg beim Vorentscheid gab’s vom rumänischen Fernsehen einen BMW für die Band. Den werden sie für den Heimweg auch brauchen, denn ins Finale kommen sie mit der Nummer auf keinen Fall!


Im E-Mail triffst Du mich: das rumänische Äquivalent zu den EuroCats


Auch über 50 darf man noch Autotune verwenden, das hat Cher ja schon vorgemacht.

14 Gedanken zu “Change we can’t believe in (RO 2011)

  1. ‚Den [BMW] werden sie für den Heimweg auch brauchen, denn ins Finale kommen sie mit der Nummer auf keinen Fall!‘ Bitte nicht die Rechnung ohne die heißgeliebte Jury machen. 😉

  2. @CC Da hast Du nicht Unrecht. Ich mache mal wieder meinen persönlichen Geschmack zu sehr zum Maßstab. Man denke nur an die dänische Sülze 2010, das hat ja auch super abgeschnitten und ich hab es gehasst.

  3. Das allerdings war nicht den Jurys zu verdanken. Aber wäre mal erfrischend, Rumänien nicht im Finale zu haben – das gabs seit Einführung der Semis auch noch nie.

  4. Es gibt eine simple Melodie zum Mitkatschen, es gibt die vorschriftsmäßige Rückung, und pfffft, wer achtet schon auf den Text? Songs diese Kalibers kommen seit Jahren ins Finale, warum also dieses nicht? Es sei denn, sämtliche anderen Länder schicken diesmal zeitgemäßere Beiträge, womit aber irgendwie nicht zu rechnen ist…

  5. Punkte aus Skandinavien Der Hinweiß auf die Dänische Sülze kommt zurecht! Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieser Soft-Sülz-Pop Punkte aus Skandinavien einfährt…

  6. dänemark 2010 bediente aber noch ein anderes klischee. das hier ist ein (grotten)schlechter aufguss von dänemark 2008. und die jury wird es lieben, dafür – sollten nicht alle fehlenden 40 beiträge genauso anbiedernd klingen – lege ich meine hand ins feuer. 😡

  7. Some things will never change… Nja, Text, Melodie und Auftritt sind jetzt nicht unbedingt grottenschlecht, aber halt einfach platt und banal. Klingt teilweise wie ne Billigversion von Mika. Leider gab’s in diesem Vorentscheid echt nichts Besseres – und das diese Rumänien-Adoros (genauso desaströs und Übelkeit erregend wie ihr deutsches Pendant) tatsächlich die meisten Stimmen vom Publikum bekommen haben kann doch echt nur ein schlechter Witz sein… PS: Seid ihr alle mit der Jury verwandt oder verschwägert, dass ihr nach 3 von 43 gewählten Beiträgen schon solche Prognosen aufstellen könnt? Ich für meinen Teil trink erstmal noch ne Tasse Tee… 😀

  8. Also ich fand es richtig, es in die Silvesterveranstaltung zu packen. Beim Siegerlied (die anderen kenne ich zum Glück nicht)lautet das Motto stilgerecht: Jetzt geht die Party richtig….zuende. Zappenduster. Der Bettzipfel ruft. O.k., die Rumänen müssen ja nicht jedes Jahr die Spinnenfrau auf die Bühne lassen, die nach dem Auftritt ihr verängstigtes Männchen frisst….aber das da? Ich kann mir wirklich nur vorstellen, dass es den Typen nur um den BMW ging, denn was will man mit so einer langweiligen Nummer gewinnen? Im Grunde ist die nicht mal ’nen Gebrauchtwagen wert.

  9. Irgendwie kommt mir im Zusammenhang mit dem Auto-Gewinn und dem Siegertitel der Begriff ‚Abwrackprämie‘ in den Sinn. Dabei ist Rumänien tatsächlich in den letzten Jahren ESC ein wenig in meiner Gunst gestiegen – das siamesische Piano im letzten Jahr z.B. fand ich klasse. 🙂

  10. Ich finde den Song gar nicht so schlecht, so vom Format her ist des ein typischer Eurovision Song, vielleicht wird Hotel FM damit nicht gewinnen, aber das Finale erreichen sie allemal !

  11. nicht der schlechteste Titel Aber ich finde es unfassbar, dass der grandioseste Beitrag (Dalma) so wenig Freunde gefunden hat. (Und ausnahmsweise hätte ich hier sogar mal mit den Televotern Distinto & Co vorgezogen, wo ich doch sonst eher ‚jurylike‘ vote). Prima finde ich, dass Rallsa 2x 0 Punkte bekamen!

  12. Wenn wir Glück haben … … nehmen sich Dänemark und Rumänien in dem Semi gegenseitig die Punkte weg.

Oder was denkst Du?