Being strong, being tough, never tender, always rough (DK 2011)

Sind die Dänen eigentlich alle lobotomiert und kastriert? Denn genau so klingen ihre Eurovisionsbeiträge. Immer. Der diesjährige macht da keine Ausnahme: seichtes, saft- und kraftloses Geseire von ein paar wohlfrisierten jungen Herren mit dem sensationellen Bandnamen A Friend in London. Versehen mit einem Rettet-die-Erde-Text, für den selbst Bernd Meinunger sich zu Tode schämen würde. Aber was reg ich mich eigentlich auf – von Dänen erwarte ich doch schon gar nichts anderes mehr.

httpv://www.youtube.com/watch?v=aGVZktHLZhk
Wir gehen Hand in Hand in den neuen Morgen…

So brauchte ich mich dann auch gar nicht darüber zu echauffieren, dass die heutige Finalrunde des Melodi Grand Prix nicht im Netz gestreamt wurde, wie sich das eigentlich für jedes sich selbst respektierende Eurovisionsland gehört (ich weiß – Glashaus, Steine und so weiter. Die ARD sitzt da genau so in der Schämecke wie der DR). Mir war schon klar, dass ich nichts versäume – und dass die beiden einzigen einigermaßen erträglichen Titel (Jenny Berggrens ‚Let your Heart be mine‘ und Le Freaks ’25 Hours a Day‘) ohnehin ausscheiden werden. So kam es dann ja auch.

httpv://www.youtube.com/watch?v=Hkn0mS9jGs4
Ex-Ace-of-Base-Sängerin Jenny Berggren mit einem klassischen Schwedenschlager

Zu seiner Verteidigung, und um nicht ständig so negativ zu klingen, will ich zu ‚New Day‘ noch lobend anmerken, dass der Song ja zumindest über eine eingängige Hookline verfügt. Kein Wunder, denn sie basiert ja auch in Teilen auf dem Refrain von ‚Every Song is a Cry for Love‘ (IE 2006). Man könnte aus dem Stück sogar was machen: wenn man das Tempo um 50% anzöge, die Gitarren – wenn sie schon dabei sein müssen – richtig bratzen ließe, stand sie nur apathisch zu streicheln, das Lied um die Hälfte kürzte und einen Sänger mit etwas Power in der Stimme nähme, der sich für seinen Titel auch tatsächlich interessiert und nicht nur für den korrekten Sitz seines Pseudopunk-Haardutts. Ach ja, und wenn man einen weniger peinlichen Text nähme. Vielleicht kann Paradise Oskar aus Finnland ja aushelfen.

9 Gedanken zu “Being strong, being tough, never tender, always rough (DK 2011)

  1. Ich weiß auch nicht wo dieser Trend der Bands mit kitschigem Text dieses Jahr herkommt. Erst die Rumänen, jetzt die Dänen. Schlimm. Ansonsten finde ich den Song ganz okay. Wie die meisten dänischen Songs ist es ganz nettes Nebenbei-Gedudel, das niemandem weh tut. Eigentlich wird es endlich mal Zeit, dass die Dänen auch mal etwas wagen. Aber so lange sie auch noch aus völlig unerfindlichen Gründen für ihre grottige Songauswahl belohnt werden wie jüngst in Oslo, wird das wohl so schnell nicht passieren.

  2. Ja, aus dem Lied könnte man echt was machen, denn es ist im Grunde recht hübsch (Text lassen wir mal außen vor). Aber sie werden’s nicht… Wenn es offensichtlich an der Zeit wäre, dass die Dänen mal was wagen, sie es aber – selbstverständlich – nicht tun, wäre die Zeit noch reifer, sie mit 0 Punkten im Halbfinale ausscheiden zu lassen. So kommt’s aber nicht, denn dafür hat das Liedchen dann doch zu viel Potenzial….es ist ein Kreuz mit denen…

  3. Weiß nicht… Jo, ansatzweise ist das kompositorisch wohl nicht schlecht, aber… Weiß nicht… 🙁

  4. Hat Farin Urlaub den Sänger schon verklagt, weil der per Zeitmaschine in die 90er gereist ist und ihm da die Frisur geklaut hat?

  5. na sowas Was ist denn jetzt kaputt? Wir sind uns hier zu 100% einig. Nachdem ich mir die Vorabveröffentlichungen der dänischen Beiträge angehört hatte, war mir klar, dass ich eine Netz-Übertragung des dänischen Finales sicherlich nicht vermissen würde, da ich sowieso keine Favoriten hatte, mit denen ich leiden könnte: alles seichter Einheitsbrei, technisch hochwertig produziert (oder besser: überproduziert) und mit Null Wiedererkennungswert. Ein Lied klingt wie das andere und ist nach dem Hören sofort vergessen. Das gilt für den Siegertitel in gleicher Weise.

  6. Mein Baby war beim Frisör LOL – stimmt, Farin Urlaub! 😀 Obschon, bei dem war die Tolle nicht so tuffig. Sagen wir mal, eine Kreuzung aus Farin Urlaub und George Michael zu seinen Wham!-Zeiten. 🙂

  7. Plagiat! Keine Frage dieser Song ist sehr catchy und ich mag ihn wirklich sehr, jedoch scheint es ein plagiat von dem Lied ‚Sing for Me‘ von Andreas Johnson aus dem schwedischen Vorentscheid 2006 zu sein…

  8. The history book on the shelf… Ich mach’s jetzt einfach mal wie die Dänen mit ihren Eurovisions-Beiträgen: ich kopier einfach meinen Text aus dem Vorjahr hier rein. Bitteschön – mein damaliges 2010er-Review zu ‚In A Moment Like This‘ – einfach ‚Oslo‘ dürch ‚Düsseldorf‘ ersetzen, dann passt das auch zu ‚New Tomorrow‘ wie Arsch auf Eimer! ‚Same procedure as every year in Dänemark, leider. Können unsere nördlichen Nachbarn bitte endlich mal damit aufhören, Jahr für Jahr dieses langweilige, höhepunktlose, abgedroschene, unkreative, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner plattproduzierte Hausfrauen-Formatradio-Gedudel auszuwählen? Das ist nämlich genau die Art von Musik, die ich am allerwenigsten ausstehen kann. Richtig doof. Noch doofer: wird in Oslo am Ende wahrscheinlich doch wieder ins Finale gewählt.‘

  9. Ohwe, was für ein Text… Ich dachte beim Durchlesen noch: ‚Der Oli übertreibt mal wieder maßlos.‘ Aber es ist ja leider alles wahr. Wie schrecklich! Musikalisch würde ich jetzt im Radio nicht wegschalten. Aber den Text muss man ja wohl vollkommen ausblenden!

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