Here I come, dam da dam (IE 2011)

Als kla­re Favo­ri­ten gin­gen sie ins Ren­nen um die iri­sche Fahr­kar­te nach Düs­sel­dorf: die bei­den neun­zehn­jäh­ri­gen, ein­ei­igen Zwil­lin­ge John und Edward Gri­mes, bes­ser bekannt als Jed­ward. Am Ende wur­de es ver­dammt knapp für die durch die bri­ti­sche Cas­ting­show X-Fac­tor bekannt gewor­de­nen Para­dies­vö­gel: mit 98 zu 96 Punk­ten setz­ten sie sich eben gera­de so gegen Nik­ki Kava­nagh (nicht ver­wandt) durch. Was zu Miß­fal­lens­be­kun­dun­gen im Publi­kum führ­te, denn Jed­ward ist ein Act, der – wie wei­land Guil­do Horn oder auch die (übri­gens in die­sem Jahr erneut an der israe­li­schen Vor­ent­schei­dung teil­neh­men­de) Trans­se­xu­el­le und Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin Dana Inter­na­tio­nal – stark pola­ri­siert. Eines kön­nen Jed­ward näm­lich unbe­streit­bar nicht: sin­gen! Bereits in ihrer X-Fac­tor-Zeit taten sie unschul­di­gen Pop­songs Din­ge an, die nur als Ver­ge­wal­ti­gung bezeich­net wer­den kön­nen. Dafür über­zeug­ten ihre schril­len Out­fits und ihre Eier­kopf­fri­su­ren um so mehr. Die Kame­ras lie­ben sie, und selbst wenn ihr Gesang in den Ohren weh tut, kann man nicht anders, als hin­zu­se­hen: Car-Crash-TV vom Feins­ten!

httpv://www.youtube.com/watch?v=pyCnK-uHZwk
Irlan­de Dou­ze Points: Jed­ward

Beim iri­schen Vor­ent­scheid tra­ten sie mit vier Backings an. Mit dem Ergeb­nis, dass man die Stimm­chen von John und Edward spä­tes­tens ab dem Refrain ihres pop­pi­gen, super ein­gän­gi­gen Ohr­wurms ‘Lip­s­tick’ gar nicht mehr hört, dafür die weib­li­chen Chor­mit­glie­der um so lau­ter. Nun ja: das scha­det dem Song nicht, und als Zuschau­er ist man sowie­so von ihrer Show der­art fas­zi­niert, dass der schwa­che Gesang kei­ner­lei Rol­le spielt. Selbst­ver­ständ­lich hat­ten Jed­ward in Groß­bri­tan­ni­en wie in Irland im Anschluß an X-Fac­tor bereits einen Num­mer-Eins-Hit – mit ‘Lip­s­tick’ dürf­ten sie nun Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa kna­cken. Natür­lich sehen nun eher kon­ser­va­ti­ve Grand-Prix-Fans wie­der den kul­tu­rel­len Unter­gang Euro­pas bevor ste­hen, und die Hass­be­kun­dun­gen gegen die “men­tal eher auf ihrem eige­nen Stern, weit weg von unse­rer Gala­xie” leben­den (Late-Late-Night-Mode­ra­tor Ryan Tubridy) Teen­ager dürf­ten in den nächs­ten Wochen höher auf­bran­den als die Wogen der Katha­ri­na-Sturm­flut von New Orleans. Pri­ma – nichts ist unter­halt­sa­mer als Kon­tro­ver­sen! Gegen den media­len Hype, der uns ob ihrer Teil­nah­me in Düs­sel­dorf bevor­steht, dürf­te die in Oslo sei­ner­zeit herr­schen­de Auf­re­gung rund um Lena ver­blas­sen. Und es könn­te der ers­te iri­sche Sieg nach dem Logan-Dou­ble wer­den, mit dem ich voll und ganz ein­ver­stan­den bin!

21 Gedanken zu “Here I come, dam da dam (IE 2011)

  1. ich wet­te… …das gefällt dir? 😀 Jed­wards machen mein fave, neben der Saf­u­ra² die aber bes­ser sin­gen konn­te. Das Jed­ward so gut bei den Jurys abschnei­den, habe ich nicht gedacht. Ich den­ke die wer­den auf jeden Fall sehr sehr sehr auf­fal­len in DD.

  2. und ich weiß … … das gefällt mir! Nach 11 Jah­ren ist Irland end­lich im 21. Jahr­hun­dert ange­kom­men. Sehr gut! Ich hof­fe, das wird in Düs­sel­dorf dann auch ent­spre­chend belohnt.

  3. Ui, wie fein kann mich dem Autor nur anschlie­ßen. Bin ziem­lich ange­tan von der Num­mer. Mit einem ‘Dub­lin 2012’ wür­de ich mich zwar noch nicht aus dem Fens­ter leh­nen, man kennt den Jahr­gang ja noch nicht kom­plett, aber das Halb­fi­na­le soll­ten die Jungs locker über­ste­hen und dann wird man ja sehen.…Von den bis­lang bekann­ten Titeln auf jeden Fall der Bes­te und end­lich mal kein Schlaf­lied 😉

  4. Grööööööööööhl. Die sind wirk­lich sehr unter­halt­sam die bei­den Diven. Ich den­ke Lena muß sich jetzt warm anzie­hen. Nächs­tes Jahr wer­den wir wohl den ESC in Dub­lin erleben.Ich war sehr über­rascht, das die Jury die auf den 2.Platz hat­te. Ich hät­te auch mit Nik­ki Kava­nagh leben kön­nen. Fal­ling war ein guter Song. Aber die sind wirk­lich der Knal­ler. Es ist sehr unter­halt­sam. Und Spass soll der ESC ja auch machen. Und der Fun­fak­tor hat mir letz­tes Jahr doch ein biß­chen gefehlt. Trotz Lena

  5. Ich stim­me Lill­te Imp voll und ganz zu: will­kom­men in der Moder­ne, Irland! Das die Jungs sin­gen wie zwei Gieß­kan­nen – geschenkt. Das ist ein­fach super­spa­ßig und end­lich auch mal abso­lut auf der Höhe der Zeit – so mag ich Euro­vi­si­on!

  6. na na also der Song ist nicht schlecht – bloss schlecht gesun­gen. Und dass sowas gewin­nen kann, haben wir ja 2010 gese­hen…

  7. Modern = schlecht?? Also, eines kann man nach Lenas Sieg fest­hal­ten – die Bei­trä­ge aus Nor­we­gen und Irland legen es nahe – ESC-Teil­neh­mer müs­sen nicht mehr sin­gen kön­nen! Es reicht, sich irgend­wie auf der Büh­ne zu bewe­gen und auf­zu­fal­len: um jeden Preis! Ist das noch ein Song Con­test? Mit graut es plötz­lich vor dem Mai, wenn ich dar­an den­ke, dass einer die­ser Bei­trä­ge (aus der Ukrai­ne drohnt mit ‘Smi­le’ immer noch der schlech­tes­te ESC-Bei­trag aller Zeiten)erfolgreich sein könn­te – von einem Sieg ganz zu schwei­gen. Aus­nahms­wei­se hof­fe ich auf die Jury und dar­auf, dass die­ses Jahr wirk­lich auf Qua­li­tät geschaut wird. Die Hoff­nung stirbt zuletzt.

  8. Nicht mehr’? Die meis­ten Sie­ger­ti­tel täu­schen ger­ne dar­über hin­weg, aber ‘sin­gen kön­nen’ gehört beim ESC schon seit ein paar Jahr­zehn­ten nicht mehr zur Kern­kom­pe­tenz. Erin­nert sich viel­leicht noch jemand an Mary Spi­te­ri (Mal­ta 1992)? Wil­fried (Öster­reich 1988)? Chris Kemper/Daniel Kovac (Deutsch­land 1990)? Und nein, den schlech­tes­ten ESC-Bei­trag aller Zei­ten wer­den die Ukrai­ner nicht schi­cken kön­nen. ‘Smi­le’ ist zwar furcht­bar, aber längst nicht auf dem Gesamt­ka­ta­stro­phen-Niveau von ‘Lisa Mona Lisa’ oder ‘Leto Svet’.

  9. Gah. Der Son­nen­bril­len-Smi­ley des Todes. Das da oben soll natür­lich Öster­reich 1988 hei­ßen.

  10. Moder­ne? Höhe der Zeit? Wie bit­te? Also, wenn das modern sein soll, dann bin ich lie­bend gern alt­mo­disch. Und was den zu befürch­ten­den Hype angeht, der wird sich ja wohl höchs­tens auf Irland und UK beschrän­ken. Der Rest Euro­pas wird mit die­sen Knall­char­gen wohl nichts anzu­fan­gen wis­sen.

  11. Ich fand’s nicht gut gesun­gen, aber auch nicht sooo schlimm. Deut­lich bes­ser jeden­falls als in die­sem X-Fac­tor Clip. Die bei­den ver­rück­ten Hüh­ner dür­fen aber auch kei­ne Zei­le allein sin­gen. Wahr­schein­lich sind die Mikros des Back­grounds kei­nen Deut schwä­cher ein­ge­stellt… .…hm, ob das­sel­be Zlat­ko damals den Kopf geret­tet hät­te? 😀 Ob jetzt moder­ner, aber auf jeden Fall leb­haf­ter als das Irland der letz­ten Jah­re. Wür­de mich aber wun­dern, hie­ße es tat­säch­lich: Dub­lin 2012

  12. oh Schan­de! Ich glau­be ja auch nicht, dass guter Gesang allei­ne aus­reicht, die dazu­ge­hö­ri­ge Show muss schon stim­men. Aber *wenigs­tens ein Biss­chen* Gesangs­ver­mö­gen fin­de ich wirk­lich unab­ding­bar. Und die bei­den Bubis kön­ne ein­fach nicht sin­gen. Und das blö­de Rum­ge­hop­se ist auch kei­ne über­ra­gen­de Show. Da hilft für mich auch kein ein­gän­gi­ger Song und Unter­stüt­zung durch Back­ground-SÄN­GER. Dass sich die Juries der­ma­ßen dem öffent­lich Druck beug­ten (vor­her sind ja bereits die iri­schen Teil­nah­me­re­geln ‘ange­passt’ wor­den, weil Jed­wards sonst eigent­lich schon dis­qua­li­fi­ziert gewe­sen wären), ist eine Schan­de. Die Kon­kur­renz-Aus­wahl war zwar ins­ge­samt nicht berau­schend, aber mit JEDEM der ande­ren Songs wäre ich zufrie­de­ner gewe­sen als mit die­sem TOTAL­SCHROTT. Bis­lang für mich der ein­zi­ge Bei­trag (von 16) in der Kate­go­rie ‘abso­lut furcht­bar’. Aber ich weiß ja, dass das lei­der die Mas­sen anders sehen wer­den. Schließ­lich hat 2008 ja auch der aller­schlimms­te Bei­trag (Dima Bilan) gewon­nen.

  13. Ich weiß ja, dass ich damit hier ganz schön gegen den Strom anschwim­men muss, aber als alter Irland-Fan ver­mis­se ich die tra­di­tio­nel­len iri­schen Klän­ge schon sehr *), auch wenn damit heut­zu­ta­ge wohl (lei­der, lei­der, lei­der) kein Blu­men­topf mehr zu gewin­nen ist. Sor­ry, aber von mir: Ire­land, no points. *) ‘The Voice’ ist bis heu­te auch ESC-über­grei­fend einer mei­ner abso­lu­ten All-Time Favo­ri­te Songs. (Kann mal jemand Oli­ver wie­der auf­hel­fen? 😉 )

  14. Auf die Fra­ge im letz­ten Satz: Ich jeden­falls nicht. Ich lie­be The Voice auch. Eben­so wie Noc­turne, Den Vil­da oder Sano­mi. Zum Lied: Oh Gott. Oh Got­to­gott. Ich schlie­ße mich da der bereits geäu­ßer­ten Mei­nung an: Wenn das modern ist, bin ich ger­ne alt­mo­disch. Was für ein furcht­ba­res Ding. Ich füh­le mich an Groß­bri­tan­ni­en 2003 erin­nert – was, wie sich eini­ge wohl noch erin­nern wer­den, kei­ne son­der­lich dis­tin­gu­ier­te Gesell­schaft ist. Das mag ins Fina­le kom­men (die Iren haben ja nicht das Todes­se­mi erwischt), aber dann kann wirk­lich alles pas­sie­ren. Aus mei­ner Sicht geht es hof­fent­lich eher nach unten.

  15. Alles mög­lich Also ich fin­de der Song hat schon ein wenig Ohr­wurm-Cha­rak­ter. Die bei­den sin­gen zwar nicht son­der­lich gut aber sie haben eine pola­ri­sie­ren­de Wir­kung. Dass sowas einen Hype bewir­ken kann sieht man an Tokio-Hotel, denn Bill ist auch nicht gera­de der gröss­te Sän­ger. Ihre Songs und ihre Wir­kung machen den Erfolg. Ich rech­ne JED­WARD Chan­cen ein. Bei Bet-at-Home bekommt man noch eine Quo­te von 1:40 und ich habe mal ein paar Euro auf sie gesetzt 😯

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