Life is beautiful (TR 2011)

Danke, Türkei! Nach all den grotesken Fehlentscheidungen in den nationalen Vorentscheidungen der letzten Tage und dem Strom einschläfernder Mittelmäßigkeit aus Ost und West gibt es jetzt zur Abwechslung wenigstens mal wieder einen Titel, der ordentlich rockt! ‚Live it up‘ gewinnt zwar keinen Originalitätspreis, aber man ist ja mittlerweile schon für kleine Dinge dankbar…

httpv://www.youtube.com/watch?v=YQqqLs0OPjA
Sieht ein bisschen aus wie Grand-Prix-Experte Jan Feddersen in sexy: der Leadsänger von Yüksek Sadakat

Am gestrigen Freitag stellte nicht nur Österreich die Weichen für das Scheitern im Semi. Auch die Türkei präsentierte ihren Song, nach dem die Nominierung der Band Yüksek Sadakat schon in der Neujahrssendung von TRT erfolgte. Wie seinerzeit versprochen, handelt es sich bei ‚Live it up‘ um einen englischsprachigen Uptemposong. Gut, britische Muttersprachler werden das Genuschel womöglich nicht sofort als Englisch erkennen. Und mit den ebenfalls aus dem Rockfach kommenden türkischen Vorgängern Athena, Mör ve Ötesi und vor allem maNga können sich Yüksek Sadakat nicht unbedingt vergleichen. Aber bei dem bisherigen niedrigen Standard dieses Jahrgangs hebt sich ihre ordentlich rockende Nummer schon positiv heraus. Und auch, wenn es für einen zweiten Platz im Gesamtklassement (wie im Vorjahr) damit sicher nicht reichen wird: um ihren Finaleinzug muss sich die Türkei zumindest keine Sorgen machen! Wobei: das muss sie ohnehin niemals.

httpv://youtu.be/Cx9EhVVCfSA
Ganz die Mama!

Die im Heimatland einigermaßen erfolgreiche Rockband hat übrigens echte Eurovisionswurzeln: wie sie auf einer Pressekonferenz erzählten, war die Mutter eines der Bandmitglieder ein Teil von Bes Yil Önce + Yil Sonra, die 1984 die Osmanen in Luxemburg vertraten. It’s a Family Affair!

16 Gedanken zu “Life is beautiful (TR 2011)

  1. Wäre keine schlechte Wahl Ich bin auf die Gute zum ersten Mal mit dem Song bei balkanika.tv aufmerksam geworden. Da dudelte die Nummer schon rauf und runter. Ich denke sie wäre keine schlechte Wahl- vorausgesetzt sie bekommt einen ähnlich eingängigen Song geschrieben…

  2. Sympathisch wirken sie auf jeden Fall. Ich hoffe eigentlich auf ein krachendes Uptempo-Brett, denn nichts ist so langweilig fader Midtempo-Rock – allerdings scheinen sie genau diese Schiene zu bedienen…

  3. Turkey Ja, diesmal stimme ich zu – der Song ist sehr gut. Ist auch nicht unbedingt Rock, sondern eine Mischung aus Rock und Elktro-Pop. Ich finde den Song unglaublich eingängig und deutlich besser als etwa TBAS. Warum soll die Türkei damit nicht so erfolgreich sein wie im letzten Jahr? Die Qualität der noch zu wählenden Beiträge müsste schon deutlich anziehen, um ihre Chancen zu schmälern. Bleibt alles auf einem ählichen Niveau, können sie sogar gewinnen.

  4. Na sowas. Hier von mir ungeteilte Zustimmung: Nix Besonderes, aber grundsolide. Landet bei mir im oberen Mittelfeld und in der Realität vermutlich noch höher.

  5. rangiert bei mir knapp vor manga als zweitschwächster türkischer beitrag überhaupt. nichtssagende, schwache lenny-kravitz-kopie. und landestypische nummern bekommen wir wohl gar nicht mehr zu ohren. da hat die ‚jury‘ auch die einstigen garanten für authentische beiträge innerhalb von zwei(!) jahren erfolgreich kaltgestellt. willkommen bei den mtv european music awards in der obdachlosen-klasse. nee, da macht das fansein keinen spaß mehr. 🙁

  6. Pffft…. …naja. Großartig ist was anderes, aber das wurde ja im Artikel selbst auch schon angesprochen. Drei Minuten gepflegte Monotonie. Hoffentlich wird die Nummer noch ein bisschen aufgemotzt, sonst gibt es dafür nicht mehr als die üblichen Diasporapunkte. Vor allem der Sänger wirkt auf mich furchtbar gelangweilt – ein solcher Song braucht eigentlich etwas Einsatz. Aus Sicht des ESC-Schauers: Rockt. Aus Sicht eines Rock-Band-Spielers: Schon tausendmal gehört. Wobei das Keyboard-Gepiepe im 8-Bit-Stil was hat. 🙂

  7. Über Finaleinzug ja oder nein brauchen wir in der Tat nicht zu diskutieren, wir wissen ja, Besenstil und so… Solider Rock ohne Kameltreibergedudel (bab-bedep-bapa-dui-dui-du) – das darf gerne einen netten Arsch voll Punkte geben im Finale 🙂

  8. …und so haben mir ausgerechnet Yüksek Sadakat den Abend gerettet, denen ich im Vorfeld nicht allzuviel zugetraut hatte. Man sollte eben erst mal warten was kommt und dann erst urteilen – ein Seitenhieb an mich selbst. Stimmt, da wurde nix neu erfunden, Musikgeschichte muss nicht neu geschrieben werden, man hat sich aus schon Bekanntem bedient. Aber ehrlich gesagt: Da sch***t doch der Hund drauf, wenn so ein überzeugendes Ergebnis bei rauskommt. Endlich mal das, was ich bei fast allen anderen Wettbewerbsbeiträgen bisher vermisse: Eine überzeugende Mischung aus Professionalität und Emotionalität. Ein Lied, welches man voll ausgereizt hat. Treibendes Gitarrenriff, prägnante Hookline. Ja, keineswegs innovativ, doch deshalb trotzdem nicht unoriginell. Mehrere Bausteinchen sorgfältig eingesetzt. Und damit das glatte Gegenteil vom anderen Wettbewerbsbeitrag, der am selben Abend ermittelt wurde 🙄 Einer der ganz wenigen Beiträge, die ich vor dem ESC noch mehrfach bei youtube anhören werde.

  9. Das erinnert höchstens minimal (wenn überhaupt) an bab-bedep-bapa-dui-dui-du, das kann man doch gar nicht mitzählen 😉

  10. Jahrgang Nach 20 bekannten Beiträgen kann man ja schon mal eine erste Bilanz ziehen. Und da muss ich sagen, dass ich in das alljährliche Gejammer (schlechtester Jahrgang) diesmal wirklich nicht einstimmen kann. Ich teile mir die Beiträge immer in Kategorien ein, und ich muss feststellen, dass bislang ein eindeutiger Schwerpunkt ziemlich weit oben steht: A: ‚richtig gut‘ (das sind die Beiträge, deretwegen ICH den ESC schaue, und von deren Interpreten ich mir – sofern beschaffbar – auch ganze CDs kaufen werde): Polen, Belgien, Österreich, Bulgarien, Albanien B: ’sollte weiterkommen‘ (ja, ich weiß, manche müssen (leider) gar nicht durchs Semi, daher besser formuliert: ‚will ich im Finale sehen‘): Spanien, Norwegen, Deutschland, Litauen, etwas weniger, aber auch noch: Schweiz, Georgien (vorbehaltlich stimmlicher Verbesserung; bezieht sich auf die Studioversion), Tütkei. C: ‚ganz ok‘ (d.h. ist mir ziemlich egal; stört nicht): Finnland, Italien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien. D: ‚mag ich nicht besonders‘: Niederlande, Island, Malta E: ‚einfach grauenhaft‘: Irland Mit nur 4 störenden Titeln von 20 kann ich sehr gut leben, (Und Toilettenpausen gibt es für mich beim ESC eh nicht, da wird ein Eimer hingestellt 🙂 )

  11. also wenn du wegen beiträgen wie polen, österreich oder bulgarien den esc schaust, dann frage ich mich, warum überhaupt. diese macharten bekommst du nun wirklich überall zu ohren und zu kaufen, aber auf hochwertigstem niveau.

  12. Was ich am ESC so faszinierend finde, ist seine Internationalität. Und auch wenn die jeweiligen ‚Exponate‘ nicht in allen Ländern typisch sind für die jeweilige nationale Szene, so ermöglicht er mir dennoch einen gewissen Zugang. Ich habe ansonsten einfach nicht die Ressourcen, andere Länder so genau zu beobachten (aus dem gleichen Grund schaue ich übrigens auch Balkanika TV). Nun können eben nicht jedes Jahr solche Perlen (die ich ohne den ESC zweifelsohne nie kennengelernt hätte!) dabeisein wie etwa Inga&Anush, Elitsa Todorova&Stoyan Yankoulov oder die großartige Magdi Rúzsa (hier als greinende Göre von der Bushaltestelle verschrien). Natürlich sind die diesjährigen österreichischen, bulgarischen und polnischen Beiträge nicht dieses Kaliber, aber von Aurela Gace würde ich das nicht sagen, und Witloof Bay hat mich auch fasziniert, auch wenn à capella Gesang sonst nicht so meins ist.

  13. *gääähn* Ich hoffe ja immer noch, dass die meisten der bislang bekannten Lieder sogenanntes Halbfinalfutter sind und die wahren Reißer noch gefunden werden wollen. Das türkische Dingens gehört zweifellos nicht zu meinen Favoriten – einfach zu oft gehört. Denen ist doch in den letzten 5 Jahren nichts mehr originelles eingefallen. Aus bekannten Gründen wird es natürlich das HF überstehen *seufz* Auch wenns keinen interessiert – meine Favs bisher: A- AL- D- IRL- BiH

  14. Jup, kann man anhören Vielleicht nicht der ganz große Wurf, aber trotzdem ne gute Nummer. Die Türkei schafft es tatsächlich die letzten Jahre eine durchweg gute Qualität zum ESC zu schicken. Naja, zumindest wenn man Düm Tek Tek außen vor lässt…

Oder was denkst Du?