RTL-Super­ta­lent fliegt in Öster­reich aus dem Ren­nen

Spek­ta­ku­lä­rer Absturz: Fred­dy Sahin-Scholl, der “Mann mit den zwei Stim­men” und Sie­ger der RTL-Cas­ting­show Das Super­ta­lent, ist bei der Vor­auswahl zum öster­rei­chi­schen Vor­ent­scheid Düs­sel­dorf, wir kom­men trotz mas­si­ven Jury­ein­sat­zes geschei­tert. Die teils gro­tes­ken Unter­schie­de zwi­schen dem Abstim­mungs­er­geb­nis der Anru­fer und dem der Ö3-Jury, wel­cher eini­ge der Publi­kums­fa­vo­ri­ten zum Opfer fie­len, sorg­ten bereits für erbos­te Auf­schreie unter den sich “ver­arscht” füh­len­den Tel­e­vo­tern. Immer­hin: im TV-Fina­le am 25. Febru­ar ent­schei­den nur die Zuschau­er. Die votier­ten bis­lang an der Spit­ze für grau­en­haf­te Seicht­grüt­ze, die es bit­te, bit­te, bit­te nicht wer­den darf!

httpv://www.youtube.com/watch?v=sn3S-w7SePI
Leo Abe­rer & Patri­cia Kai­ser: The­re will never be ano­t­her you (#1 im Zuschau­er­ran­king)

Die Gewin­ner der Die­ter-Boh­len-Cas­ting­shows auf RTL haben offen­sicht­lich eine extrem kur­ze Halb­werts­zeit. Sieg­te der merk­wür­di­ge Fred­dy Sahin-Scholl mit sei­nem grau­en­haf­ten, hun­der­tok­ta­vi­gen Haus­frau­en-Opern-Gejo­del beim deut­schen Super­ta­lent vor weni­gen Wochen noch sou­ve­rän, so schmier­te er nun bei den Ösis ab: sein ‘But­ter­fly’ lan­de­te unter den 30 zuge­las­se­nen Vor­auswahl­ti­teln abge­schla­gen auf Rang 24. Da half auch das Ein­grei­fen der ORF-Jury, die den pro­mi­nen­ten Namen auf Bie­gen und Bre­chen ins Fina­le brin­gen woll­te und ihn auf ihren Rang 4 punk­te­te, nicht mehr: Platz 15 ins­ge­samt, und nur die ers­ten zehn Songs kamen wei­ter. Ähn­lich lief es bedau­er­li­cher­wei­se für den in der Club­sze­ne welt­weit geschätz­ten, extrem coo­len Elek­tro-Jazz-Croo­ner Lou­ie Aus­ten, des­sen sen­sa­tio­nel­les ‘Make your Move’ zwar die Jury erwärm­te (#8), aber nicht die Anru­fer (#26).

httpv://www.youtube.com/watch?v=x0BiOIpTyZs
Lou­ie Aus­ten: Make your Move – Lei­der drau­ßen

Umge­kehrt schräg­te es das Milch­büb­chen Juli­an Heid­rich (#3 im Zuschau­er­ran­king), das die Jury bru­tal auf Rang 24 ver­wies und somit durch­fal­len ließ. Was für sei­ten­lan­ge, flam­men­de Pro­tes­te erbos­ter Öster­rei­cher im Ö3-Con­test­fo­rum sorg­te, die sich um die Gebüh­ren für ihre Anru­fe geprellt sahen. Auch die von den Zuschau­ern gou­tier­te Mary Broad­cast Band und Katie Lunet­te fie­len der Jury zum Opfer – unter geschmack­li­chen Gesichts­punk­ten ein Gewinn; für die Repu­ta­ti­on des ORF indes, der sich nun Ver­glei­che mit weiß­rus­si­schen Dik­ta­tu­ren und unse­riö­sen Abzo­cker-Sen­dern gefal­len las­sen muss, ein tota­les Desas­ter. Gro­ßen Anklang bei der ORF-Jury (und den Anru­fern) fand, wenig über­ra­schend, der vom Ö3-Mode­ra­ti­ons-Come­dy-Legen­den-Duo Ster­mann & Gris­se­mann ins Ren­nen geschick­te und im Radio ent­spre­chend gepush­te Hel­ge-Schnei­der-Imi­ta­tor Richard Klein mit sei­ner Litt­le-Richard-Remi­nis­zenz ‘Big­ger, bet­ter, best’. Einig war man sich auch im Fal­le zwei­er frü­he­rer Grand-Prix-Teil­neh­mer, die man nicht mehr sehen moch­te: sowohl Petra Frey mit ihrem sie­ge­les­ken ‘Send a litt­le Smi­le’ als auch Come­dy-Gott Alf Poier mit sei­nem groß­ar­tig-düs­te­ren ‘Hap­py Song’ fie­len uni­so­no durch.

httpv://youtu.be/CHK7KILpYjw
Von den Juro­ren bru­tal raus­ge­ke­gelt (dan­ke!): Mäd­chen­schwarm Heid­rich

In die End­run­de geschafft haben es die zwei kon­tro­ver­ses­ten Titel der Vor­auswahl, die im Fina­le dann wohl auch das Ren­nen unter sich aus­ma­chen dürf­ten. Da ist zum Einen das dumm­gei­le Ana­bo­li­kaop­fer Lukas Plöchl ali­as Tracks­hit­taz aus der ORF-Cas­ting­show Hel­den von mor­gen, der es mit sei­ner Atzen­mu­sik­num­mer ‘Oida taunz!’ im Novem­ber 2010 bereits an die Spit­ze der öster­rei­chi­schen Charts schaff­te. In dem in Mund­art gerapp­ten und somit für Men­schen, die ober­halb von Gar­misch-Par­ten­kir­chen leben, eher schwer ver­ständ­li­chen Bau­ern­dis­co-Brett setzt unser Held von mor­gen, soweit ich mir das zusam­men­rei­men konn­te, mit­tels einer “Luft­quetschn” (Zieh­har­mo­ni­ka) den Aprés-Ski-Stadl “Zur Drecks­hüttn” in Brand und macht so die Wei­ber “hoaß”. Eins A Läs­ter­stoff und daher natür­lich mein per­sön­li­cher Favo­rit für den öster­rei­chi­schen Bei­trag!

httpv://www.youtube.com/watch?v=X6Z-B7fbeDo
Lukas Plöchl: ‘Oida taunz!’ (Alter, tan­ze!)

Blei­ben die Hard­ro­cker Alk­bott­le, die im Zuschau­er­vo­ting an den meis­ten Tagen führ­ten. Sie neh­men die Sache ernst und sagen ‘Mir san do ned zum Spaß’! Musi­ka­lisch nicht so meins, aber als Sound-Sand im Getrie­be des Pop­schla­ger­wett­be­werbs Grand Prix natür­lich wun­der­bar und in sei­ner Eigen­iro­nie genau das, was Öster­reich unter­scheid- und damit wahr­nehm­bar machen wür­de (im Gegen­satz zu seich­ten Weich­spü­ler­songs à la Leo Abe­rer, die in Düs­sel­dorf unter­gin­gen). Und wie anruf­freu­dig die von TV- und Radio­sta­tio­nen euro­pa­weit rück­sichts­los aus­ge­grenz­te Rand­grup­pe der Hard­rock­fans ist, wenn tat­säch­lich mal einer der Ihren an so einem Wett­be­werb teil­nimmt, bewie­sen ja schon Lor­di. Wer von den Bei­den auch immer es also am Ende wer­den soll­te: es wäre eine gute Wahl!

httpv://www.youtube.com/watch?v=cbZlKJ0MXtA
Alk­bott­le: Mir san do ned zum Spaß

4 Gedanken zu “RTL-Super­ta­lent fliegt in Öster­reich aus dem Ren­nen

  1. Alf Poiers Hap­py Song fin­de ich geni­al. Hät­te das Wei­ter­kom­men ver­dient gehabt, schei­ter­te womög­lich an Poiers Skur­ri­li­tät. Apro­pos… Bis­he­ri­ge Vor­schlä­ge für den Scur­ril­vi­si­on Song Con­test: Alf Poier, Hap­py Song (AUT) Fred­dy Sahin-Scholl, But­ter­fly (AUT) Fred West­on, Lady of Swiss (SUI) Fred West­on, Zurich my Love (SUI) Jama­la, Smi­le (UKR) Auch skur­ri­le Din­ge kön­nen schließ­lich geni­al sein…

  2. War­um wer­den eigent­lich immer wie­der an irgend­wel­chen Stel­len Breaks gesetzt, an denen man sie gar nicht haben will?

  3. alles nur nicht die alk­fla­schen! Das ist nicht mal als hea­vy metal gut. der ver­gleich mit lor­di passt da nicht, da sind WEL­TEN (nicht nur geo­gra­phisch) dazwi­schen. Das taugt nicht mal als camp-act. BIT­TE NICHT

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