Time for Revo­lu­ti­on (SI 2011)

So viel Spaß wie heu­te Abend hat­te ich schon lan­ge nicht mehr! Die EMA, zurück zu alter Grö­ße, war von vor­ne bis hin­ten voll­ge­packt mit skur­ri­len Spaß­acts und schmis­si­gen Uptem­po­num­mern – genau, wie ich das lie­be! Eine Trup­pe rocken­der Par­ti­sa­nen in War­schau­er-Pakt-Uni­for­men, eine Lady Gaga für Arme, fal­sett­sin­gen­de Dis­co­ro­cker und der slo­we­ni­sche Rob­bie Wil­liams – min­des­tens fünf der zehn Teil­neh­mer hät­te ich ger­ne in Düs­sel­dorf dabei gehabt. Gewon­nen hat natür­lich kei­ner davon, son­dern die sie­ben­hun­dert­vier­und­drei­ßigs­te melo­die­freie Schnarch­bal­la­de die­ses Jah­res – wie Rock Par­ty­za­ni ganz am Anfang sun­gen: es ist “Zeit für die Revo­lu­ti­on!”

httpv://www.youtube.com/watch?v=NDvYZ1cvu7A
Hält nichts von har­ten Spiel­ar­ten: Maja Keuc mag’s eher vanil­la

Gut, es ist Zeit, der har­ten Wahr­heit ins Gesicht zu sehen: Euro­pa will mir in die­sem Jahr beim Euro­vi­si­on Song Con­test ein­fach ums Ver­re­cken kein Ver­gnü­gen gön­nen. Statt­des­sen haben sich die Juro­ren und Tel­e­vo­ter ver­schwo­ren, die pan­eu­ro­päi­schen TV-Zuschau­er im Mai mit strun­zö­dem Mit­tel­maß zu Tode zu lang­wei­len. Wobei: Maja Keucs Lob­prei­sung der sanf­ten sexu­el­len Spiel­art (oder geht es in ‘Vanil­ja’ tat­säch­lich um das Kuchen­ge­würz?) kann ja sogar eini­ges an Dra­ma und Power bie­ten, was ich ja eigent­lich mag. Doch auch wenn ihre Bal­la­de damit zu den Bes­se­ren die­ses Jahr­gangs gehört: es fehlt lei­der eine wahr­nehm­ba­re Melo­die und vor allem ein ein­gän­gi­ger Refrain. Aber die­se bei­den Kern­ele­men­te sind in der aktu­el­len Pop­mu­sik ja ohne­hin in 95% aller Songs nicht mehr vor­han­den.

httpv://www.youtube.com/watch?v=1hIGL9LZCgc
Hel­den von mor­gen: die Jugo-Rock-Par­ty­sa­nen

Wen­den wir uns den erfreu­li­chen Din­gen die­ses EMA-Abends zu. Neben einem offen­bar bis unter die Haar­spit­zen zuge­koks­ten, aber hoch­gra­dig unter­halt­sa­men Mode­ra­tor, dem von mir hoch ver­ehr­ten Botox-Wun­der Seve­r­i­na (deren Aus­sa­gen für das slo­we­ni­sche TV-Publi­kum simul­tan­über­setzt wur­den!) in der Jury und einem offen­bar von ame­ri­ka­ni­schen Hoch­si­cher­heits­ge­fäng­nis­sen inspi­rier­ten Büh­nen­bild über­zeug­te das slo­we­ni­sche Fern­se­hen mit einem fabel­haf­ten Line-up. Bereits der ers­te Act war mein per­sön­li­cher Favo­rit: Rock Par­ty­za­ni, die bereits erwähn­ten Rot­ar­mis­ten, die stamp­fend, aber lei­der ver­geb­lich, die über­fäl­li­ge Spaß-‘Revo­lu­ti­on’ beim Grand Prix aus­rie­fen. Die Sän­ge­rin Tabu, Zwei­te des Abends, erschien mit einer Art glit­zen­der Augen­klap­pe – war­um, weiß ich nicht, ihr ‘Moje Luci’ gehör­te aber eben­falls zu den erfreu­li­chen Uptem­po­num­mern, wel­che uns im Fina­le die­ses Jahr offen­sicht­lich mit Absicht vor­ent­hal­ten blei­ben sol­len.

httpv://www.youtube.com/watch?v=sk0p4-ZZfnw
She will love again: Lady Gaga, ääh, April

Auch Nina Pušlar und das Trio Syl­va­in, Mike Vale und Han­nah Man­ci­ni zähl­ten zu den Freu­de machen­den Speed­boo­ten. Allen vor­an aber die slo­we­ni­sche Lady Gaga, April, die in einer Art gol­de­ner Foli­en-Bur­ka und mit einer Plas­tik-Son­nen­bril­le aus dem Ein-Euro-Shop erschien und eine aus sechs bis acht Chart­hits, dar­un­ter der alten Lara-Fabi­an-Num­mer ‘I will love again’, zusam­men­ge­mix­ten Uptem­po­knül­ler mit dem schö­nen, tief­sin­ni­gen Titel ‘Ladad­i­dej’ zum Bes­ten gab. Im Gegen­satz zu dem an letz­ter Stel­le auf­tre­ten­den Euro­vi­si­ons­schnu­ckel­chen Omar Naber (schö­ner Anblick, blö­des Lied) schaff­te sie es damit sogar ins Super­fi­na­le – neben der wie eine Schwan­ge­re bei der Sturz­ge­burt krei­schen­den Vanil­le­tan­te, die dann lei­der am Ende sieg­te. Aber vom End­ergeb­nis mal abge­se­hen: wenn die­ser Abend cha­rak­te­ris­tisch für die slo­we­ni­sche Musik­sze­ne ist, lockt es mich wirk­lich, dahin zu zie­hen!

httpv://www.youtube.com/watch?v=DF6-s7ZQGU4
Wel­che Dro­gen neh­men die slo­we­ni­schen Mode­ma­cher bloß? Ist dort nichts Tabu?

httpv://www.youtube.com/watch?v=YquctqSclFI
Ich wie­der­ho­le mei­ne Fra­ge: wel­che Dro­gen neh­men die slo­we­ni­schen Mode­ma­cher bloß?

12 Gedanken zu “Time for Revo­lu­ti­on (SI 2011)

  1. gute Nach­rich­ten Nach den furcht­bar nie­der­schmet­tern­den Ergeb­nis­sen habe ich wohl doch mal wie­der eine klei­ne Freu­de ver­dient. Und das, obwohl ich heu­te gar nicht geschaut habe, denn mei­nen hei­li­gen Tat­ort-Abend las­se ich mir auch durch natio­na­le Vor­ent­schei­de für den ESC nicht zer­brö­seln. Und sie­he da, kaum gucke ich bei esc­to­day, schon erfah­re ich, dass mein haus­ho­her Favo­rit sich in Slo­we­ni­en durch­ge­setzt hat. na wun­der­bar. Skop­je Fest läuft anschei­nend noch, aber nach allem, was man da schon zu sehen bekommt, müss­te wohl drin­gend der Mann am Misch­pult ersetzt wer­den. Das muss ja eine Qual für die Künst­ler sein! Wer was zu lachen haben will, schaue sich mal den aller­ers­ten Bei­trag auf you­tube (bei eurovision2011Germany) an. Völ­lig bescheu­ert, aber zum Abgrö­len.

  2. Bal­la­de? Wo bit­te ist das denn eine Bal­la­de? Das ist ein nahe­zu per­fek­tes Abzieh­bild einer Mid­tem­po-Num­mer. Allen­falls eine Power­bal­la­de, aber dazu fehlt irgend­wie die ers­te Hälf­te… Jeden­falls ist ‘nichts­sa­gend’ noch sehr freund­lich aus­ge­drückt. Das euro­päi­sche Publi­kum hat im Moment in eini­gen Län­dern leich­te Geschmacks­pro­ble­me.

  3. Ich hät­te ja auch lie­ber die Revo­lu­tio­nä­re oder die Pseu­do-Gaga für Slo­we­ni­en gese­hen, aber da auch Maja noch in mei­nen Top 3 ver­tre­ten war, bin ich ganz zufrie­den mit dem Ergeb­nis. Zumal ich ja für jede Form von Dra­ma­tik einen soft spot habe und das Fina­le des Lieds ein­fach nur lie­be. Aber hat­ten wir die­ses ‘Hil­fe, alle sen­den nur Schnarchballaden’-Erlebnis nicht schon letz­tes Jahr und das Jahr davor und … Wenn nicht min­des­tens 90% der Lie­der Schwe­den­schla­ger und Bal­kan­trash­klop­per sind, wird sich hier doch schon beschwert. 😉

  4. Und zu Recht! Ich sag mal so: 2–3 gro­ße Euro­vi­si­ons­bal­la­den (z.B. aus Ser­bi­en oder Frank­reich), 1 rich­tig guten Rock­song (z.B. aus der Tür­kei), 2–3 obsku­re Eth­no­bei­trä­ge, 4–5 Euro­trash­num­mern (z.B. aus der Ukra­ni­ne oder UK) …und der Rest Schwe­den­schla­ger. So stel­le ich mir ein aus­ge­wo­ge­nes Euro­vi­si­ons­me­nü vor. Das ist doch wohl nicht zu viel ver­langt! Und wenn ich das nicht krie­ge, bekla­ge ich mich halt! Das ist mein gutes Recht! Dafür betrie­be ich ja die­se Sei­te! 😆

  5. Deutsch – Oli / Oli – Deutsch In mei­nem Sprach­schatz steht ‘Bal­la­de’ syn­onym für ‘lang­wei­lig’. Und ‘Mid­tem­po’ über­set­ze ich mit ‘ster­bens­lang­wei­lig’. Anders gesagt: wenn es kei­ne Power hat und man nicht dazu tan­zen kann, ist es für mich eine Bal­la­de. Fer­tig. Davon zu unter­schei­den sind ledig­lich gute, hoch­dra­ma­ti­sche Lar­ger-than-Life-Power­bal­la­den wie ‘Molit­va’, ‘Aprés toi’, ‘Et s’il fal­lait le fai­re’ und ähn­li­che Kali­ber. Die lie­be ich! Aber abge­se­hen von mei­nen sprach­li­chen Unsau­ber­kei­ten sind wir uns im Ergeb­nis ja einig. 🙂

  6. smiiiiiiiile Wenn mich jemand ande­res mit so einem State­ment kon­fron­tier­te, gäbe es von mir ein dickes ‘Dau­men run­ter’. Aber so weiß man ja, wo es her­kommt, und daher 😆 Schließ­lich bin ich ja offen­bar maso­chis­tisch genug ver­an­lagt, Dei­ne Sei­ten gern und häu­fig zu lesen. 😉

  7. Ob Bala­de oder nicht Bala­de, letzt­lich hat Oli­ver Recht: Melo­die und Refrain sind kaum bis nicht wahr­nehm­bar. Das Gan­ze wirkt völ­lig struk­tur­los, so als wür­de dort ein­fach ein Text auf­ge­sagt in zufäl­lig gewähl­ten Ton­ar­ten. Erin­nert mich irgend­wie an die­ses hier (ab 1:13): http://www.youtube.com/watch?v=QR_5YWHS10w Sor­ry, aber von mir: Slo­ve­nia, no points Da reißt auch das Back­ground-Dekol­le­té nichts mehr raus…

  8. Her­mann, da ist wie­der das ver­rück­te Hühn­chen! Das ist ja end­geil! Mein neu­er Lieb­lings­bei­trag! Vie­len Dank! 😀

  9. Mir gefällt die Num­mer Also ich mag die Num­mer. Dafür fin­de ich wie­der­um Maze­do­ni­en rich­tig schlecht. Naja, irgend­je­mand muss wohl auch die Gegen­mei­nung haben. 🙂 Ver­ste­hen tu ich natür­lich mal wie­der kein Wort, aber das ist bei Slo­we­ni­en nicht unge­wöhn­lich. 😀

  10. kar­tof­fel­brei Was fällt dir ein so abfäl­lig über unse­re teil­neh­me­rin am ESC zu reden!? es wird schon ein grund haben wie­so das volk für sie gestimmt hat!!! Obwohl ich mir omar naber auch gut in düs­sel­dorf vor­stel­len könn­te anstatt so pein­li­che leu­te wie schon erwähnt die lady gaga für arme oder die­se rock par­tiza­ni bes­ser als deut­sche drecks lena kurac lut­sche­rin deutsch­land 0 points ihr kar­tof­feln

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