Bastardi! (IT 2011)

Die Italiener sind und bleiben versnobte Kulturegoisten, die auf das restliche Europa spucken. Anders ist die beim San Remo Festival Mitte Februar verkündete Entscheidung der RAI-Jury, einen Newcomer mit einem Jazz-Song zum „Eurosong“ zu schicken und die guten Beiträge für sich zu behalten, nicht zu interpretieren. Zwischenzeitlich gibt es einen als „ESC-Version“ bezeichneten italienisch-englischen Remix, der erneut Zeugnis darüber abgelegt, dass die romanischen Völker ein noch schlechteres Englisch sprechen als die Osteuropäer. Und das will schon was heißen. Der Song überschreitet allerdings immer noch die zulässigen drei Minuten. Vermutlich glauben die Italiener in ihrer Arroganz, auch hiermit durchzukommen…

httpv://www.youtube.com/watch?v=bjJ-0Q6ZVUM
Und es geht immer noch schlimmer!

Was wurde nicht vorher für ein Bohei veranstaltet um die Mitteilung, dass Italien nach 13 Jahren Pause wieder mitmacht beim Eurovision Song Contest. Von roten Teppichen war die Rede, über den direkten Finalplatz gab es erst gar keine Diskussion – und als die RAI nach langer Spekulation bekannt gab, dass der Eurovisionsvertreter beim geheiligten San Remo Festival, der Urmutter des Eurovision Song Contest, ermittelt werde, gab es mehr als nur ein feuchtes Fanhöschen im restlichen Europa. Und nun zeigen die Römer dem Kontinent den Stinkefinger. Weder das von den Fans unisono ersehnte ‚Bastardo‘ der hinreißenden Anna Tatangelo noch die ursprünglich mal als Eurovisionsvertreterin genannte X-Factor-Siegerin Nathalie erhielten die Fahrkarte nach Düsseldorf – nein, es ist ein mopsiger Jazz-Sänger namens Raphael Gualazzi!

httpv://www.youtube.com/watch?v=nZyVyim1rWo
Hier in der Originalfassung als ‚Follia d’Amore‘

Wie scheißegal den Italienern der Grand Prix ist, zeigte sich auch daran, dass der Moderator bei der Verkündung der Jury-Entscheidung erst explizit fragen musste, wie diese komische Sendung da denn nun heiße – und es dennoch nicht hinbekam! Und augenscheinlich verwechselte auch die RAI-Jury den Eurovision Song Contest mit einem Bar-Jazz-Festival. Nun kann man gespannt sein, ob die Eurovisionsjurys sich der Hysterie vieler Fans anschließen, die den Römern augenscheinlich alleine fürs Antreten ihre Douze Points zu geben bereit sind. Im Televoting würde mich für solch einen Beitrag bei einem Wettbewerb der europäischen Popmusik alles andere als der letzte Platz überraschen.

httpv://youtu.be/OtEFPCyuoQc
DAS wäre Ihr Preis gewesen: Anna Tatangelo – Bastardo

25 Gedanken zu “Bastardi! (IT 2011)

  1. Ein von Hape gesungenes Medley großer ESC-Songs wäre vielleicht ein nettes Zwischenprogramm, während die Voten ausgezählt werden 🙂

  2. Unglaublich Wie? wirklich jetzt? Das wäre ja ein Traum! Und warum sind die direkt als Finalist gesetzt? Mit welchem Recht?

  3. Mit dem gleichen Recht wie die anderen Big Four/Five: Italien gehört zu den größten Beitragszahlern der Union. Der Stand ist allerdings wohl, dass die Italiener sich noch nicht die Mühe gemacht haben, diesen Status auch einzufordern. Naja, nach 14 Jahren muss man erst mal wieder in die Gänge kommen… 😉

  4. Nein, irgendjemand anders. Ich hab nach der Verkündung dieser Entscheidung ausgeschaltet, diese Farce wolle ich mir nicht länger ansehen. Sollen sie sich ihr SanRemoFestival in den Allerwertesten schieben…

  5. Italia Naja..wir haben alle zuviel erwartet. Aber dieses Castingsternchen Nathalie war so toll nun auch nicht. Und Teilnehmer/Innen wie die Tatangelo hatten wohl auch kein Interesse am ESC- wer kann schon sagen, ob die RAI nicht vorher angefragt hat und sich einen Korb nach dem anderen eingefangen hat? Dieser Raphael kann ja wenigstens singen…was unserer Lena, oder auch den gehypten Jedward und Stella, hörbar schwerfällt. Ich glaube schon, dass er zumindest bei der Jury abräumt….wenn es keine starken Konkurrenten – etwa aus Frankreich – gibt. Abschreiben würde ich ihn noch nicht. Ach ja….dieser nette ältere Herr hat übrigens San Remo 2011 gewonnen. Ein besserer Beitrag?http://esctoday.com/news/read/16825

  6. Als vor ein paar Jahren ein gewisser Herr Cicero den Songcontest mit einem Jazz-Swing-Club verwechselt hat, war man aber doch ganz zufrieden oder täusche ich mich da? Abgesehen finde ich Follia d’amore auch nicht gerade den Brüller.

  7. Wascht Euch die Ohren! 😡 ‚Follia d’amore‘ schlecht? Ihr schwedenverwöhnten Schwuppen verkraftet wohl ein anständiges Lied nicht mehr, wie?

  8. Seconded. Bei allem Verständnis für die Wut auf die Mir-doch-egal-Attitüde der Italiener (hallo? Hat jemand ernstlich was anderes erwartet?) sollte man sich bitte nicht an dem Song abarbeiten. Anders als das übliche Contestfutter? Ja, aber hallo. Deshalb inhärent schlechter? Sorry, nein. Variatio delectat – und ehrlich, bei dem, was wir bisher haben, kann man sich zumindest nicht über mangelnde Vielfalt beschweren – Standard-Pop (Norwegen), Singer-Songwriter (Finnland), altmodischer Pop (Island), Midtempo-Rock (Türkei, wenn das Lied dem Oeuvre der Band halbwegs entspricht) und jetzt eben auch Jazzpop (Italien). Ist doch schön. Ich für meinen Teil möchte mich ungern durch 43 schlechte Poprocksongs arbeiten – so was Ähnliches hatten wir 2008. Einmal und nie wieder, herzlichen Dank auch.

  9. Ich schließe mich zwar nicht der obigen Schwuppenbeschimpfung an, aber doch dem, was Ospero schreibt. Die Mir-egal-Attitüde der Italiener ist nicht schön, aber der Song – so er es denn tatsächlich sein wird – wird auf angenehme Weise zur ‚Artenvielfalt‘ beim ESC beitragen. Ob Chancen auf eine vordere Platzierung da sind, tja, da bin ich ein wenig skeptisch. Aber von mir persönlich würde es wohl ein paar Punkte geben, denke ich. Den Vergleich mit Roger Cicero – so dieser überhaupt zu rechtfertigen ist – gewinnt Raphael Gualazzi bei mir persönlich übrigens schon deshalb, weil ich bei ihm den Text nicht verstehe (wer weiß, vielleicht ganz gut so) 😀

  10. Schwedenverwoehnt 🙂 War das nicht zuletzt eher die islaendische Eurodisco? aber wie dem auch sei – ich steh ja auch sehr auf gut produzierten Schwedenpop, aber schlecht finde ich das hier wirklich nicht. Sicherlich eine Bereicherung – und Duesseldorf hat gute Chancen, als einer der Contests mit groesster Diversitaet in die Geschichte einzugehn. Sicherlich nicht das uebelste, was man ueber einen Grand Prix sagen kann. Erinnert sich noch jemand an (unser aller) Gejammere letztes Jahr ueber die gefuehlten 500 Balladen im Vorfeld?

  11. Und ob! Hab ja da letztes Jahr kräftig mit eingestimmt. Dieses Jahr bin ich aber bisher zufrieden – Chart-Pop aus Irland, Elektro-Rock aus Georgien, Folklore aus Frankreich, und jetzt Jazz aus Italien – das ist doch genau die ‚Range‘, die bei USFD ständig angepriesen wurde und dort allerdings gar nicht existiert hat. Eine gutzuheißende Entwicklung! Mir gefällt der Song eigentlich ganz gut. Ist mal was anderes. Als ESC-Fan ärgere ich mich allerdings über die in zahlreichen Foren vielfach verkündete Äußerung, der ESC wäre ‚Müll‘ und das San Remo-Festival ‚Qualität‘ – abgesehen davon, dass es keine objektive und von Geschmacksfragen unabhängige Definition davon gibt, was ‚Qualität‘ ist und was nicht bleibt das San Remo-Festival eine chaotisch organisierte Veranstaltung voller ranziger Schlager für ein reaktionäres Publikum, dass nicht damit klarkommt, dass sich seit ‚Non Ho L’Eta‘ der popmusikalische Wind gedreht hat. Der diesjährige Sieger ist der lebende Beweis.

  12. Hier auch von mir volle Unterstützung. Die überhebliche haltung der Italiener (‚wie hieß diese Veranstaltung gleich …?‘) geht mir auch mächtig auf den Sack. Aber da kann doch das Lied und der Sänger wenig bis nichts dafür. Der Mensch kann auf jeden Fall richtig singen (was man ja nicht von allzu vielen ESC-Aspiranten sagen kann). Auch finde ich Songfestivals wie San Remo oder das albanische Festivali eigentlich sehr gut (ich hätte auch gar nichts gegen Live-Instrumente und/oder Orchester beim ESC). Da ist die Qualität tatsächlich wesentlich häher als bei den Casting-Formaten. Und das Lied? Meinen perönlichen Geschmack trifft es zwar nicht, aber warum sollte man mit so etwas nicht antreten? Selbst wenn es platzmäßig nichts werden sollte, muss man sich dafür wenigstens nicht schämen.

  13. sepp hat recht ihr schwedenverwöhnten schwuppen habt aber auch nicht den hauch einer ahnung, dass italien ein juwel zum esc schickt

  14. 😆 Die Kultur die wier Italiener haben werdet ihr nicht mall in 100 yahren haben was euch nicht an uns gefält ist wier einfach besser siend deiner sängering von lätzes yahr sollte man sein lied selber schreiben und auf Deutch siengen das w#rdest du sehen was daraus kommt vergisse nicht in fussball haben wir immer gewonnen das tut euch wehhhhhhhhhhhh

  15. Auf die Gefahr hin, hier Trollfütterung zu betreiben: Lern erst mal, vernünftig Texte zu formatieren. Ich hab ja noch Verständnis für Leute, die keine Deutsch-Muttersprachler sind – in meine Posts in englischsprachigen Foren schleicht sich bestimmt auch gerne mal eine seltsame Formulierung ein. Aber sowas wie das hier geht gar nicht.

  16. Geschmacksfrage nach dreimal Hören gefällt mir der Song immer besser. Aussergewöhnlich und alles andere als 08/15 komponiert. Dafür alleine schon ein paar Punkte von mir…..

  17. Wie beim Fußball ‚il questo forum è anche per i stranieri‘ Das ist vermutlich auch nicht sprachlich korrekt.Immerhin bemüht sich S. sich der Forumssprache anzupassen, welcher Deutschsprachler könnte das in einem ital. Forum? Und inhaltlich wäre es schön wenn beim ESC öfter mal ein Schlagabtausch zwischen den Ländern stattfände, so wie beim Fußball.(Statt immer nur Friede, Freude…) Und es stimmt dass der von Gualazzi komponierte Beitrag um Klassen besser ist als die selbstgemachten Songs von Lena.

  18. Falls sich das auf meinen Beitrag oben bezog (sonst bitte ich um Nichtbeachtung): Es ging mir nicht um die Sprache, sondern um die Textformatierung, insbesondere die Zeilenumbrüche. Das ist hier in den Kommentaren ohnehin schon nicht perfekt geregelt, besonders, wenn man mehr als einen Absatz schreibt – aber SAlvatores Beitrag verhielt sich zu angenehmem Lesefluss in etwa so wie Follia d’amore zu Olivers Musikgeschmack. 😉

  19. ‚La follia…‘.richtige Wahl @Ospero: achso… Olivers Musikgeschmack kann ich meistens zustimmen, doch wären beim ital. Beitrag die Alternatven (A.Tatangelo und Nathalie) keine gute Wahl gewesen:Diese klingen beim ersten Hören gefälliger, doch auf die Dauer zeigt sich dass sie musikalisch weniger Substanz als ‚La follia…‘ zu bieten haben.Selbst wenn der jetztige Beitrag im Finale schlecht berwertet werden sollte, wird man seine Qualität vielleicht in einigen Jahren erkennen.

  20. Italien ist dieses Jahr bei mir in den Top 12 und das, obwohl ich mich ebenfalls zu den genannten Schwuppen zähle. 8)

  21. Danach… Korrektur zum Vorbeitrag: Das Smiley sollte dort nicht hin,passt aber ans Ende dieses Beitrags: Das Finalergebnis: Un sogno fragile came nearly true! (smi…)

  22. Yup. Volle Zustimmung. Haben wir im Wohnzimmer gejubelt, als Italien im allerletzten Moment Schweden noch abgefangen hat – danke, Lettland! 😀

Oder was denkst Du?