Every Song is a Cry (AB 2011)

Albanien hält auf Tradition. Traditionell an Weihnachten fand das dreitägige Festivali i Kënges (FiK) statt. Traditionell stimmte eine Jury ab, und traditionell entschied sich sich für eine furchteinflößende Domina mit einem, wie es Tradition in Albanien ist, laut geschrieenen, dezent orientalisch anmutenden Klagelied mit ‚Kënga‘ (‚Lied‘) im Titel. Wie es die Tradition weiter erfordert, wurde auch dieses Lied bis zur Unkenntlichkeit neu abgemischt und mit einem englischen Text versehen, von dem man aufgrund der traditionell katastrophalen englischen Sprachfähigkeiten der Albaner wiederum kein Wort versteht. „I hold my Nipple in the open Sky“? Verrückte Frau!

httpv://www.youtube.com/watch?v=3r5cWoZFIw0
Hier die albanische Originalfassung ‚Kengä ime‘. Die völlig verblödeten Albaner haben den Clip überall sperren lassen. Gut, wenn ihr keine Werbung für Euren Beitrag braucht… ich werde sicher nie wieder für Albanien beim Grand Prix anrufen. Vollpfosten!

Die albanische Fassung war deutlich sauberer gekrischen – auch wenn sich das beim bulgarisch abrupten Songfinale so ausnahm, als ob die gute Aurela gerade eine Sturzgeburt erleidet. Und sie danach auch dermaßen angestrengt ins Mikro schnaubt, als sei gerade das eben passiert. Entspannt geht anders. Frau Gaçe galt wohl von Anfang an als Top-Favoritin und legte auch bei den Wertungen durch die Saaljury einen Start-Ziel-Sieg hin. In der gerade noch rechtzeitig zum Einsendeschluß vorgelegten anglifizierten Fassung verliert der Song indes deutlich.

httpv://www.youtube.com/watch?v=35yy7Ls3ptc
‚Trust me, there, my Disney Land‘? Aurela lebt schon zu lange in den Staaten!

Gelegentlich kamen beim FiK Erinnerungen an den Song Contest von 1983 hoch. Nicht nur fiel die Bühnenbeleuchtung noch spärlicher und trister aus als in München – nein, es mussten auch alle Moderatoren in der Wertungspause ran, singend und tanzend die Zeit bis zur Stimmauszählung zu überbrücken. Die erfolgte übrigens mithilfe einer grafisch notdürftig kaschierten Exceltabelle, während die mitten unter den Zuschauer sitzenden sieben Juroren ein schlecht funktionierendes Mikrofon von Hand zu Hand weiterreichten. Viel Besseres als ‚Kënga ime‘ war denn auch nicht im Angebot – abgesehen von den zwei Disco-Diven Marsida Saraçi und Besa Kokedhima, letztere mit einer fabelhaften Donna-Summer-Gedächtnisfrisur. Auf dem zweiten Rang landete übrigens eine lahme Ballade von Alban Skenderaj und Miriam Çani – die ist den Meisten sicher nicht mehr bekannt als Teil der deutschen Popstars-Castingband Preluders!


Ein dunkler Wald voller Discogeigen: meine Favoritin Marsida

Und hier noch ein hübscher Fund von Eurovision Apocalypse: Goldi Halili und ihr rutschendes Badetuch Abendkleid!


Goldi, so hieß mal mein Meerschweinchen!

12 Gedanken zu “Every Song is a Cry (AB 2011)

  1. Mal abwarten…. …..wie sich die ESC-Version anhören wird. Kann gut sein, dass sie nicht mehr viel mit dem Original gemein haben wird. Die eine Version ist für das FiK-Publikum gemacht worden, die andere hoffentlich für das internationalere ESC-Publikum.

  2. Danke für den Link, aber das Video kann ich nicht einbinden, also hier nicht zeigen. Das hat übrigens genau der Typ reingestellt (und das Einbetten deaktiviert), der das sonst überall sperren lässt. Anscheinend einer von der albanischen Musikmafia.

  3. ….und das ist auch nur zu verständlich, denn man muss die Perlen, die absoluten Verkaufsschlager vor den bösen Schmarotzern schützen. Was einem da entgeht an Topfscherben, Glasperlen, Eseln…oder wie ist die Währung in Albanien? Also ich find’s der absolute Hammer….was sich da hinter der Tussi an der Wand abspielt. Ach, darum geht’s gar nicht? Schade, fand ich schön bunt. Würde es den Verantwortlichen empfehlen, das Lied so zu lassen wie es ist im Original. Dürfte auf dem Balkan gut ankommen (weil die für so was irgendwie Verständnis haben – warum ist dem Mitteleuropäer ein Rätsel)und dem einen oder anderen westeuropäischen Jurymitglied Bedeutungsschwangerkeit und Anspruch vorgaukeln (gerade, weil sie’s nicht verstehen), womit dort auch noch was abfiele. Englisch würde diesen Lug und Trug…ähm, schlichteren Inhalt nur zerstören. Aber es ist ja Albanien – Sprache ist noch das Wenigste, was sie ändern werden. Mal sehen, ob sie Aurela ebenfalls durch alle Friseursalons Tiranas hetzen wie….die vom letzten Jahr halt.

  4. ‚…oder wie ist die Währung in Albanien?‘ Lek Passt auch irgendwie, oder? Der Satz, den man denen an den Kopf werfen möchte, fängt jedenfalls mit einem recht ähnlichen Wort an…

  5. was habt ihr denn? Wie in jedem Jahr wird in Albanien wirklich solides Material geboten. Nur schade, dass das dann oft später nach Englisch transferiert wird. Meist verliert es dadurch ziemlich. Ja, ich gebe zu, ich habe eine Vorliebe für schreiende Frauen – wenn sie so gut schreien wie Aurela. Etwas sperrig zunächst, daher wahrscheinlich in realiter kein Siegertitel, da viele es ja nur einmal hören werden, aber in meiner persönlichen Wertung einer von 3 Titeln, die ich ‚richtig gut‘ finde (neben Polen und Belgien).

  6. Überzeugt mich nicht Ich war in den vergangenen Jahren immer begeistert von den albanischen Beiträgen. Aber das geht für mich irgendwie beim einen Ohr rein und beim anderen wieder raus. Nichts für mich, schade…

  7. hmpf na wenn die das live stimmlich stemmen kann, solls mir recht sein – dann könnte es mir sogar gefallen. man kann aber auch alles falsch machen und dann wirds richtig peinlich. irgendwo zwischen diesen beiden extremen wird das ganze dann letztlich landen (und der vorredner hat auch recht: wiedererkennungseffekt=0

  8. abba gut isses imma noch Ich hatte so meine Befürchtungen mit der Verlagerung ins Englische, weil meiner Meinung nach gerade albanische Titel da meist enorm verlieren. Hält sich aber diesmal in Grenzen. Frau Gace überzeugt mich immer noch. Singen kann sie wirklich gut, und der Song ist vielleicht etwas sperrig, hat aber was.

  9. Dass das Lied durch die Übertragung ins Englische nicht so viel verliert, liegt sicherlich daran, dass man das Englische als Solches auch nicht erkennt. Und von wegen ‚furchteinflößende Domina‘. Diese Frisur, diese Augen… they’re freaking me out! *zitter*

  10. Nicht schlecht…. Ich finde die neue Version nicht schlecht – keine Ahnung, ob es für das Finale reicht, aber der Song hebt sich wohltuend von den glatten Beiträgen der Konkurrenz ab.

  11. Sie haben’s getan. Sie haben’s wirklich getan…. Aber wundert uns das? Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich bin kein Kämpfer dafür, dass in Landessprache gesungen werden soll. Aber hier wäre der Charakter des Liedes besser rübergekommen. Das Lied verlangt fast sogar was Balkanesisches. Nichtsdestotrotz siedele ich es im Feld aller Beiträge im grauen Mittelfeld an. Hätte aber etwas besser sein können.

Oder was denkst Du?