From Brussels with Love (BE 2011)

Einen skur­ri­len Geschmack bewei­sen mal wie­der die Bel­gi­er Wal­lo­nen: mit völ­li­ger Stim­men­gleich­heit zwi­schen Jury und Publi­kum wähl­ten sie die Aca­pel­la-Kap­pel­le Wit­loof Bay und ihren qua­si gleich­na­mi­gen Song nach Düs­sel­dorf. Ver­mut­lich, damit auch mal ein Bei­trag des fran­zö­sisch­spra­chi­gen Teils des Lan­des in der Vor­run­de schei­tert.


Alles hand­ge­sun­gen!

Skur­ril ging es ohne­hin zu bei der bel­gi­schen Vor­ent­schei­dung, die in die­sem Jahr wie­der vom wal­lo­ni­schen Sen­der RTBF zu orga­ni­sie­ren war (das ist die Sta­ti­on des fran­zö­sisch­spra­chi­gen Teils, der sich für den Grand Prix ohne­hin nicht son­der­lich inter­es­siert, aller­dings den bis­lang ein­zi­gen bel­gi­schen Sie­ger­ti­tel ‘J’aime la Vie’ von San­dra Kim zulie­fer­te). Wer dort mit­ma­chen woll­te, muss­te erst mal 20.000 € Start­geld bei sei­nen Fans sam­meln – sol­len damit die Hotel­kos­ten für die bel­gi­sche Dele­ga­ti­on in Düs­sel­dorf begli­chen wer­den? Unter den mehr als 30 Künst­lern, die das schaff­ten, wähl­te eine Jury eine Hand­voll für das heu­ti­ge Fina­le aus – dar­un­ter die sieg­rei­che Band Wit­loof Bay, die jeweils 12 Punk­te sowohl von der Jury als auch aus dem Tel­e­vo­ting erhielt. Augen­schein­lich reich­te es auf­grund der Antritts­kos­ten nicht mehr für Musik­in­stru­men­te – das Sex­tett singt sei­ne Har­mo­ni­en ohne jede instru­men­ta­le Beglei­tung. Selbst der Takt wird mit dem Mund gemacht – einen Beat­bo­xer haben sie näm­lich auch dabei.

httpv://www.youtube.com/watch?v=-Ls-rthYdGk
Lei­der schon im Semi aus­ge­schie­den: Hélè­ne und ihr ‘Our Home’. Dabei mein­te sie es doch so ernst!

Natür­lich geht so was in der rie­si­gen Hal­le in Düs­sel­dorf kom­plett unter, wo im Gegen­satz zum bel­gi­schen TV-Stu­dio kei­ne aus­rei­chen­de Ruhe herr­schen wird, um sich auf den Gesang zu kon­zen­trie­ren. Da sehe ich einen musi­ka­li­schen Ver­kehrs­un­fall auf uns zukom­men! Immer­hin dürf­ten die 20.000 € auf­grund des abzu­se­hen­den Aus­schei­dens im Semi selbst bei den aktu­el­len Hotel­prei­sen in Düs­sel­dorf dann doch zumin­dest für die Unter­kunft aus­rei­chen…

httpv://www.youtube.com/watch?v=507fn9o0QvE
Und hier der offi­zi­el­le Video­clip mit der auf­ge­pimp­ten Ver­si­on

9 Gedanken zu “From Brussels with Love (BE 2011)

  1. Bel­gi­en = in Schön­heit ster­ben Wie so oft schon schi­cken unse­re Nach­barn ein wirk­lich fei­nes Stück Musik zum all­jähr­li­chen Fest und wie so oft wird es nicht den Weg ins Fina­le fin­den – es sei denn, das euro­päi­sche Publi­kum straft uns alle Lügen… Viel­leicht wird ja noch eine eini­ger­mas­sen pro­pe­re Büh­nen­show draus gemacht – viel­leicht springt der Fun­ke auf das Publi­kum über. Aber ehr­lich… – ich glau­be es nicht. Halb­fi­na­le und tschüss

  2. Neu ist die Idee ja wirk­lich nicht. Fast wäre es für die Schweiz die­ses Jahr auch instru­men­ten­los gekom­men. Und Cos­mos’ Schei­tern in Athen vie­le Punk­te zu machen ist ja auch noch nicht so lan­ge her. Ein­zi­ger Vor­teil: Dank weib­li­cher San­ges­un­ter­stüt­zung blei­ben dem Hörer zum Glück die­ses Mal krei­schen­de Coun­ter­te­nö­re bei der Num­mer erspart.

  3. Die Num­mer hat gegen­über Cos­mos noch einen wei­te­ren Vor­teil: einen anstän­di­gen Grundbeat/Basslauf. Das fehl­te bei den let­ti­schen A-cap­pel­la-Sän­gern kom­plett, was mei­nes Erach­tens einer der Grün­de für ihr Schei­tern war.

  4. täuscht Euch nicht Natür­lich ist die Hal­le in Düs­sel­dorf grö­ßer als im bel­gi­schen Natio­nal­ent­scheid. Aber ich bin sicher, die Voll­blut­pro­fis von Wit­loof Bay wer­den es schaf­fen, auch die­se Mas­sen zu rocken. Ich hat­te zwar zuuerst auch ein paar Anlauf­schwie­rig­kei­ten, weil der Song als sol­cher nicht gera­de der Brül­ler ist, aber die Inter­pre­ten sind fan­tas­tisch (schaut Euch mal im Inter­net ihre Ver­si­on von ‘Eye of the Tiger’ oder das phä­no­me­na­le (Beatbox-)Schlagzeugsolo von Mon­sieur Bip Bip an), und ich den­ke, Pro­fes­sio­na­li­tät und Büh­nen­prä­senz wer­den sich durch­set­zen. PS: waren übri­gens zunächst gar nicht mei­ne Favo­ri­ten, son­dern die Zweit­plat­zier­te Sari­na Cohn. Super fand ich die Jury, wie sie sie – den Buh­ru­fen der dum­men Men­ge zum Trotz – Möchtegern-‘Künstlern’ wie ‘The Bla­zing’ in aller Deut­lich­keit zu ver­ste­hen gege­ben hat, dass sie wirk­lich ein­fach nicht sin­gen kön­nen.

  5. Nicht mein Fall Gefällt mir immer noch nicht. Wenigs­tens kön­nen sie singen.…ist ja schein­bar heu­te selbst beim ESC kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit mehr (sie­he Lena).

  6. (…) damit auch mal ein Bei­trag des fran­zö­sisch­spra­chi­gen Teils des Lan­des in der Vor­run­de schei­tert’ Ah ja. Und Patrick Ouche­ne, The KMGs und Nuno Resen­de haben es ja wei­land auch ins Fina­le geschafft … 🙄 Betrach­tet man nur die letz­ten 6 Jah­re steht es 1 zu 0 für die Fla­men.

  7. Wie­so nur die letz­ten sechs Jah­re? Alle ins Fina­le durch­ge­kom­me­nen bel­gi­schen Bei­trä­ge, seit es Semis gibt, kamen aus Flan­dern. Okay, Xan­dee sind 2004 nur des­halb im Fina­le gewe­sen, weil Urban Trad 2003 so gran­di­os vor­ge­legt hat­ten, aber trotz­dem: 2:0 für Flan­dern. Gene­rell aber Zustim­mung – die Wal­lo­nen konn­ten es ja auch nicht bes­ser…

  8. Naja… …um einen Punkt am Fina­le vor­bei. Ärger­lich, aber qua­li­ta­tiv eine ande­re Liga als Cos­mos damals. Ich lie­be das Teil jeden­falls so oder so – und dass Mut zum Expe­ri­men­tie­ren jeden­falls nicht kom­plett abge­straft wird, stimmt zuver­sicht­lich.

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