Rock the Boat (GE 2011)

Die Georgier, erst seit 2007 beim Contest, versuchen es lustigerweise jedesmal mit einer neuen Rezeptur. Nach Björk-lite (‚Visionary Dream‘), siegelesker Weltfriedenssülze (‚Piss will cum‘), gezielter Provokation (‚We don’t wanna put in‘) und kalkuliertem Hochleistungsgekreische (‚Shine‘) ist nun Elektropunkrock mit Rapeinlage dran. Das einzige verbindende Element: schlechtes Englisch.

httpv://www.youtube.com/watch?v=dGgQLN8bseM
So helfe ihr doch jemand – sie quält sich doch nur noch…

In der Mitte Februar völlig überraschend und ohne jegliche öffentliche Vorankündigung abgehaltenen Vorentscheidung, gesendet offensichtlich aus der Putzkammer des Fernsehstudios in Tiflis, traten sieben Acts vor etwa 20 Zuschauern im Saalpublikum gegeneinander an, in den Umbaupausen interviewt von einem baseballcaptragenden Kasper mit Berlin-T-Shirt (der Contest ist in Düsseldorf, Hase!), während von der Tonbandkonserve ein jubelndes Fußballstadion-Publikumsgeräusch eingespielt wurde. Peinlicher geht es kaum noch…


Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Niemand! Und wenn er kommt? Dann singen wir!

Die Acts hätten unterschiedlicher kaum sein können, vom harmlosen Gute-Laune-Liedchen (vorgetragen von einer fröhlichen Blondine und einem gutaussehenden, wenn auch sehr überraschend aufkreuzenden Raggamuffin) über osteuropatypischen Porno-Pop und georgischen College-Rock bis hin zu Britpunk reichte die Palette. Wäre die Vorjahres-Chanteuse Sopho (vermutlich steht der Name in Georgien einfach für „Frau“) nicht in der Abstimmungspause aufgetreten, hätte man sich ernsthaft gefragt, ob dies tatsächlich dasselbe Land ist, das einst eine Gurtskaya entsendete. Am Ende entschied sich das anrufende Publikum dieser Nachmittagssendung für eine Frau mit billiger Blondierung und offensichtlich entzündeten Stimmbändern sowie ihre in einheitlich weißen Hemden antretenden Grunge-Kumpels der Band Eldrine. Ob mit ‚One more Day‘ der Zeitraum gemeint ist, bis die Streptokokkeninfektion die Sängerin vollends dahingerafft hat, erschloss sich dank des beim besten Willen unverständlichen Gejaules nicht so ganz.

httpv://www.youtube.com/watch?v=LvnLWlHqMqM
Neue Sopho, neues Glück

Doch die Arme muss ja nun zu Hause bleiben. Denn zwischenzeitlich tauschte die Gruppe ihre Leadsängerin aus. Was angeblich nicht (nur) an der mangelhaften Stimmleistung der ursprünglichen blonden Chanteuse lag. Die wollte einfach nicht den in Osteuropa üblichen Eurovisions-Knebelvertrag unterschreiben, nach dem zwei Jahre lang sämtliche Einnahmen aus dem Beitrag dem Sender gehören. Sie wurde nun gegen eine weitere Sopho (wirklich!) ausgetauscht, die deutlich besser, aber eben auch weniger dreckig singt. Und so bleibt zumindest die Vornamenstradition erhalten. Fein – ist auch weniger verwirrend für den Zuschauer. Ich schlage vor, Frau Gurtskaya rückwirkend auch noch von Diana in Sopho umzutaufen.

18 Gedanken zu “Rock the Boat (GE 2011)

  1. Mit saubererer Produktion und besserem Gesang wäre das eine geile Nummer. Aber so wie es jetzt ist, ist es leider Schrott.

  2. Das ist einfach nur noch Müll. Ein anderes Wort existiert nicht mehr dafür. Die singen oder rappen oder hin und her, als würden sie sich auf einer Karaokeveranstaltung befinden.

  3. Volle Zustimmung. Irgendwie die komplett falsche Truppe für diese Art von Musik, die ansonsten durchaus geil wäre. Mal gucken, was die noch an Optik und Performance drehen.

  4. Potential Das hat doch Potential. Ist doch zumindest ein moderner Song und wir sind sicher die Letzten, die sich über Sänger/Innen mit stimmlichen Schwächen aufregen sollten ;). Ob sich die Georgier noch bis zum Mai steigern bzw. ob die stimmlichen Unpässlichkeiten wirklich krankheitsbedingt sind, wird man dann sehen. Wenn sie sich steigern, sind sie mit Sicherheit im Finale.

  5. Finde auch, dass die Nummer durchaus Potential hat. Und das war auch bei weitem nicht das schlechteste Englisch, dass bisher aus Osteuropa zu hören war.

  6. Soweit ich weiß, war die Sängerin krank und stand auf Bitte ihrer Bandkollegen mit 39 Grad Fieber auf der Bühne. Da Ihre Live-Auftritte, auch Online verfügbar, bekannt waren, haben die Georgier sie unterstützt. Der Song ist aber wirklich mal was anderes; und ich glaube nicht, dass die deutschen Beiträge einen Grund geben, herablassend und stolz zu sein! Von mir verdient sie nur den Respekt. Und zur Sofia Nijaradze. Ihre stimmliche Leistung war die Beste letztes Jahr. Ganz besonders, wenn man sie mit Lenas Singversuche oder ihrem Englisch vergleicht. Als Düsseldorferin freue ich mich hier richtig gute Songs zu hören. Viel Erfolg ELDRINE 12 Punkte von Deutschland

  7. Mal Hand auf’s Herz – welche Performance hätte auf dieser Kleinkunstbühne mit seinen 15 Zuschauern nicht kümmerlich gewirkt? Kann dem allgemeinen Echo hier zustimmen. Das wirkt zwar noch ziemlich roh, demohaft und unfertig, aber ich finde, dass hat schon Potential. Ein starker Refrain ist zumindest schon mal erkennbar. Wenn die Nummer jetzt nochmal professionell produziert wird, könnte das in Düsseldorf echt rocken.

  8. hmmm Ich hatte mir von den georgischen Songs vor der Sendung zuerst die Studioversionen angehört und war von der hohen Qualität nahezu aller Beiträge ziemlich begeistert. Umso größer mein Entsetzen, als ich dann die Live-Darbietungen hörte. Fast alle haben erbärmlich gegenüber der Studioversion verloren. (Das ‚Putzkammer‘-Ambiente würde ich übrigens niemandem zum Vorwurf machen wollen. Es können eben nicht alle mit Geld um sich schmeißen). Den Siegersong finde ich allerdings prinzipiell immer noch ziemlich gut. Da muss eben nur kräftig an der Live-Performance gefeilt werden. Wenn es stimmt, dass die Sängerin eigentlich nur krank war, sehe ich da gute Chancen. Ach, und zu Sopho Nizharadze: das war letztes Jahr mit die beste stimmliche Leistung von allen (über den Song und die Show lässt sich streiten). Sie und die andere Sopho von 2007 sind wirklich gut.

  9. Herrje. Wirkt wie eine verunglückte Kreuzung aus Moldau 2010 und Türkei 2010. Und diese Stimme geht überhaupt nicht. Furchtbar – aber Georgien ist bisher noch nie wirklich abgeraucht. Mal sehen, ob sich das diesmal im Todessemi ändert…

  10. Da haben die Verantwortlichen auf eine Art die Notbremse gezogen, die mal nicht Standard ist – anstatt einfach einen ganz neuen Beitrag auszusuchen, hat irgendwer entschieden, dass die Sängerin ausgetauscht wird. Und die Neue heißt (mal wieder) Sopho. Mal schauen – schlimmer geht ja kaum.

  11. Tja, schade. Hätte durchaus gut werden können. Gerade die dreckige Stimme wäre für dieses Lied unerlässlich gewesen.

  12. kenn ich schon Klingt gut – Könnten die Guano Apes geschrieben haben. Allerdings kommt es mir auch ein bissssschen bekannt vor!

  13. schlechter Tausch Mag sein, dass die neue Sängerin prinzipiell besser singt. Aber für den Song war die alte definitiv geeigneter. Zumindest in der (alten) Studioversion fand ich das Stück nämlich echt gut (der Live-Auftritt war natürlich erbärmlich, aber dafür kann es viele Gründe geben). Die Ausdruckskraft hat jetzt wirklich gelitten, der Song wirkt glattgebügelt (auch in der Instrumentierung) und daher langweiliger.

  14. Eldrine Ich finde die Entscheidung, die Sängerin auszutauschen gut – die Chancen auf eine Finalteilnahme sind wieder gestiegen.

  15. ich mag´s ich find die nummer gut und auch die neue sängerin macht im video keine schlechte figur. ob sie live gut singen kann, werden wir sehen. aber ich finde das ist defintiv eine der besseren nummern dieses jahr.

  16. Schade, die Nummer hat mir eigentlich ganz gut gefallen. Das mit der Sängerin habe ich noch bewusst offen gelassen, weil sie ja krank war Aber vom Prinzip her: Daumen nach oben. Doch mit der neuen Sängerin… Sopho III (oder IV? oder V) singt definitiv gut….aber mit ihr hat der Song leider spürbar an Energie verloren. Mal sehen, vielleicht klingt das live wieder anders.

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