This sounds Greek to me (GR 2011)

Wie unge­fähr 90% aller ande­ren Euro­vi­si­ons­län­der mach­ten auch die Grie­chen in ihrem gera­de zu Ende gegan­ge­nen Vor­ent­scheid deut­lich, dass sie (aus bekann­ten finan­zi­el­len Grün­den) in die­sem Jahr unter gar kei­nen Umstän­den gewin­nen möch­ten. Der unter sechs Bei­trä­gen in einem Jury-Tele­vo­ting-Mix aus­ge­such­te Bei­trag ‘Watch my Dance’ besteht aus drei von­ein­an­der völ­lig unab­hän­gi­gen, unsyn­chro­nen Ein­zel­be­stand­tei­len: einem schlech­ten Rap­per; einem selbst­ver­lieb­ten, unme­lo­disch her­um­jau­len­den Sän­ger und davon völ­lig los­ge­löst im Hin­ter­grund vor sich hin plin­gen­dem Bouz­ou­ki­ge­klamp­fe. Immer­hin: bei stumm geschal­te­tem Ton ist der Auf­tritt von Lou­cas Yior­kas + Ste­reo Mike durch­aus ein Genuß!

httpv://www.youtube.com/watch?v=_gkeJlTSMY4
Auf der ver­geb­li­chen Suche nach dem roten Faden

Eine Erklä­rungs­mög­lich­keit für die Popu­la­ri­tät des unglei­chen Duos (Lou­cas ist etwa andert­halb mal so groß wie Ste­reo Mike) könn­te sein, dass Lou­cas als einer der weni­gen Teil­neh­mer des heu­ti­gen Abends auf grie­chisch sang und die Num­mer auch im Sound noch am lan­des­ty­pischs­ten klang. Ansons­ten gab es neben der unver­meid­li­chen Bal­la­de vor allem klas­si­schen Euro­dan­ce­trash, am unter­halt­sams­ten dar­ge­bo­ten von der als Tab­le­dan­ce­rin auf­ge­mach­ten Anti­go­ni Psychra­mi, beglei­tet von vier eben­so nut­tig aus­se­hen­den Backings. Das wun­der­bar ein­gän­gi­ge ‘It’s all Greek to me’ for­der­te kei­ne all­zu gro­ßen stimm­li­chen Leis­tun­gen von ihr, so dass sie sich ganz dar­auf kon­zen­trie­ren konn­te, die Bei­ne zu sprei­zen in die Luft zu stre­cken. Nik­ki Pon­te log den Zuschau­ern ‘I don’t wan­na dance’ vor. Konn­te man zu ihrem Song näm­lich auch sehr gut. Ihre männ­li­chen Begleit­tän­zer hat­ten sehr merk­wü­di­ge, kör­per­be­tont sit­zen­de, fleisch­far­be­ne Latex-Body­suits mit sehr schma­len schwar­zen Strei­fen an, die wohl die Illu­si­on von fast voll­stän­di­ger Nackt­heit erzeu­gen soll­ten, den­noch (oder des­we­gen) aber unglaub­lich unse­xy wirk­ten.

httpv://www.youtube.com/watch?v=JOC6e64BGZU
Bar­ba­ra-Dex-Alarm: Nik­ki und ihre tan­zen­den Fleisch­würs­te

Den Auf­takt mach­te die nett anzu­schau­en­de, aber hor­ri­bel per­for­men­de Boy­group Kok­ki­na Hai­la, deren Auf­for­de­rung ‘Come with me’ sicher­lich so gut wie Jeder den­noch wider­stands­los Fol­ge leis­ten wür­de. Sehr ein­gän­gig und hübsch auch die Num­mer ‘Hamo­ge­la’ der Pop­band Tri­h­imito­nio, die in zu ihrem Sound nicht so ganz pas­sen­den Neun­zi­ger­jah­re-Acid-Rave-Smi­ley-T-Shirts auf­tra­ten. Und wie schon oben erwähnt, ledig­lich optisch erfreu­lich der Auf­tritt der spä­te­ren Sie­ger. Lou­cas Yior­kas ist ohne jeden Zwei­fel ein grie­chi­scher Gott. Aber bei Gott, das weiß er auch. Und ent­spre­chend gebär­de­te er sich auf der Büh­ne: wäh­rend er sei­ne mit der (wenn auch nur ansatz­wei­se zu erah­nen­den) Melo­die oder gar dem Takt der Musik nicht im Gerings­ten syn­chro­ni­sier­ten Töne aus dem Rachen press­te, warf er sich in Posen, als sei er der Hei­land höchst­per­sön­lich. Sein Kum­pel Ste­reo Mike turn­te unter­des­sen im Hin­ter­grund auf einem Tisch her­um – wohl, um den Man­gel an Kör­per­grö­ße wett zu machen – und brüll­te irgend­was Eng­li­sches ins Mikro. Auch wenn ich weiß, dass ich damit wie­der in einer Min­der­heit bin: für mei­nen Geschmack ist er der wesent­lich Attrak­ti­ve­re der Bei­den!

httpv://www.youtube.com/watch?v=LaDjrC-4eIo
Sym­pa­thisch ver­peil­te Raver: Tri­h­imito­nio

Eben­so befremd­lich wie ihr sper­ri­ger Titel ‘Watch my Dance’ ging die Sie­ger­eh­rung von­stat­ten, die sich damit naht­los in den gan­zen Ablauf der heu­ti­gen Show ein­pass­te. Die sechs Titel waren näm­lich, nach ledig­lich 50 Minu­ten unun­ter­bro­che­nen Gela­bers zum Auf­takt, im Schnell­ver­fah­ren hin­ter­ein­an­der vor­ge­stellt wor­den. Beglei­tet in der Regel von sehr unspon­ta­nem Applaus, denn das Publi­kum saß, wie wei­land 1963 in Lon­don, im Neben­stu­dio. Dann folg­te ein epi­sches Pau­sen­pro­gramm mit Gast­auf­trit­ten unter ande­rem der bul­ga­ri­schen, mal­te­si­schen und natür­lich zypri­schen Eurovisionsvertreter/innen (die beka­men jeweils gar kei­nen Applaus) und einer US-ame­ri­ka­ni­schen, offen­sicht­lich bis unter die Schä­del­de­cke bekiff­ten Hip­pie-Trup­pe. Und meh­re­ren Schnell­durch­läu­fen mit zir­ka zwei­mi­nü­ti­gen Song­aus­schnit­ten. Schließ­lich wur­de der Umschlag mit dem Ergeb­nis her­ein­ge­reicht. Die stock­stei­fe Mode­ra­to­rin unter­hielt sich dar­auf­hin aber erst mal fünf Minu­ten lang ange­regt mit der Umschlag­ge­be­rin, bevor sie ohne wei­te­res Feder­le­sens ver­kün­de­tet, dass ‘Watch my Dance’ gewon­nen habe. Auf­tei­lung Jury / Tele­vo­ting, Ergeb­nis­se der Plät­ze 2 bis 6: völ­li­ge Fehl­an­zei­ge.

httpv://www.youtube.com/watch?v=oWvMsrVrjPQ
Eine Cho­reo­gra­fie wie aus dem Euro­vi­si­ons­bil­der­buch. Musik: ein­mal wie immer. Sowas seh ich immer und immer wie­der gern!

Any­way – über den Final­ein­zug muss sich Grie­chen­land dank sei­ner Dia­spo­ra ja tra­di­tio­nell eben­so wenig Gedan­ken machen wie die Tür­kei und deren Satel­li­ten­staat Aser­bai­dschan sowie Arme­ni­en. Am Sams­tag könn­ten die Hel­le­nen dann erst­mals seit Ein­füh­rung des Tele­vo­ting wie­der außer­halb der Top Ten abschnei­den. Aber das scheint mir ja auch der Plan zu sein.

27 Gedanken zu “This sounds Greek to me (GR 2011)

  1. die spin­nen, die Grie­chen oder zumin­dest lei­den sie unter tota­ler Geschmacks­ver­wir­rung. Jeden­falls habe sie aus den 6 zur Aus­wahl gestell­ten Bei­trag mit untrüg­li­cher Sicher­heit den abb­so­lut furcht­bars­ten her­aus­ge­sucht. So rich­ti­ge Knal­ler waren zwar sowie­so nicht dabei, aber ich hät­te wesent­lich lie­ber Nik­ki Pon­te gewin­nen sehen.

  2. hil­fe 🙁 OHJE das wird der grie­chi­sche Was­ser­gott nicht ein­fach so hin­neh­men und erzürnt sein. Was ist das für ein Krampf

  3. mal ange­nom­men… die dürf­ten im Fina­le direkt vor Lena auf­tre­ten. Euro­pa wäre wie­der gewon­nen 😆

  4. Greece/Germany War­um? Der Song ist doch viel ein­gän­gi­ger als TBAS, Ste­reo Mike spricht ein bes­se­res Eng­lisch und Lou­cas kann wirk­lich singen.…dageben sieht Lena also gleich drei­fach alt aus.

  5. Pola­ri­sie­rend? Also mir gefällt das Lied aus­ge­spro­chen gut. Wun­der­bar dra­ma­ti­scher Kla­ge­ge­sang und dazu der ers­te Rap­per beim ESC, den ich eträg­lich fin­de. Optisch hat man auch was Hüb­sches zum Anschau­en. Super!

  6. wel­ches Lied? Ein sol­ches habe ich in dem ‘Bei­trag’ beim bes­ten Wil­len noch nicht erken­nen kön­nen.

  7. Im Ver­gleich zu dem hat sogar noch die Fall­bei­le­rin ein Lied hin­ter ihrer Stim­me

  8. gute wahl! erreicht nicht ganz die klas­se von ‘OPA’, ist soweit aber mein kla­rer favo­rit (hin­ter zypern). das abstimm­ergeb­nis sieht so aus: Lou­kas Gior­kas 36% Nik­ki Pon­te 18% Anti­go­ni Psi­x­ra­mi 17% Tri­mito­nio 14% Valan­to 11% Kok­ki­na Xalia 4% und so hat die zusätz­li­che ‘jury’ gewählt: 1. Lou­kas Gior­kas 2. Anti­go­ni Psi­x­ra­mi 3. Nik­ki Pon­te 4. Tri­mito­nio 5. Valan­to 6. Kok­ki­na Xalia (aus quel­le kopiert, ich weiß natür­lich, dass die kom­po­si­tio­nen und nicht die sän­ge­rIn­nen zur wahl ste­hen.)

  9. OMG die­ses Mach­werk mit dem letzt­jäh­ri­gen Bei­trag in einem Satz zu nen­nen – da gehört schon ganz schön Mut dazu (und sehr wenig Musik­ver­stand…)

  10. Erreicht nicht ganz die Klas­se von OPA’ Okay, OPA war auch nicht gera­de ein Glanz­stück, aber immer­hin recht unter­halt­sam.… .…was bedeu­tet denn in die­sem Fall, ‘nicht ganz die Klas­se errei­chen’? Ver­gleichs­wei­se, wenn man den Bus mor­gens zur Arbeit um 6 Stun­den ver­passt? 😀

  11. Musik­ver­stand? Gibt es so etwas über­haupt? Jeder Mensch emp­fin­det Musik halt anders und ich den­ke, man soll­te das Musik­emp­fin­den sei­nes Gegen­übers respek­tie­ren und ihn nicht nie­der­ma­chen. Musik­theo­re­ti­ker, die die Stü­cke wis­sen­schaft­lich ana­ly­sie­ren könn­ten, sind wir doch alle nicht (und selbst sol­che Analay­sen decken sich nicht immer mit dem Geschmack oder dem Emp­fin­den der Mas­se). Also bit­te etwas weni­ger Über­heb­lich­keit.

  12. …und natür­lich kommt so was tat­säch­lich wegen Dia­spo­ra-Voting ins Fina­le. Alles ande­re wür­de ich moch doch arg über­ra­schen.

  13. Also ich höre ganz klar ein Lied mit einem ein­deu­ti­gen Auf­bau. Intro (instru­men­tal) 1. Stro­phe (eng­lisch, gerappt) Über­gang (gemein­sa­me grie­chi­sche Zei­le) Refrain (grie­chisch) 2. Stro­phe (eng­lisch, gerappt) Über­gang (gemein­sa­me grie­chi­sche Zei­le) Refrain (grie­chisch) Brü­cke (instru­men­tal) Refrain (grie­chisch, wenn ich mich nicht ver­hö­re sogar mit leich­ter Rückung) Wo ist da bit­te kein Lied? Wenn du mit der Musik oder dem Stil­mix nichts anfan­gen kannst, ver­ste­he ich das, aber der Auf­bau ist doch gera­de­zu klas­sisch.

  14. Prä­zi­sie­rung Ich gebe zu, ich habe etwas schnell und damit zu unprä­zi­se geschrie­ben. Was den struk­tu­rel­len Auf­bau betrifft, hast Du natür­lich recht. Ich dach­te nur, dass zu einem Lied auch irgend etwas gehört, das man ‘Melo­die’ nen­nen könn­te. (aber ich weiß, auch dar­über könn­te man jetzt wie­der dis­ku­tie­ren)

  15. Sym­bo­lik? Hat irgend jemand von Euch eine Ahnung, was die­se rote Tisch­ten­nis­plat­te eigent­lich bedeu­ten soll?

  16. Ich den­ke, wenn wir sagen, dass dem Lied eine ‘ein­gän­gi­ge Melo­die’ fehlt, dann haben wir es. 🙂 Ich per­sön­lich lege auch gar nicht so viel Wert auf Ein­gän­gig­keit – ich moch­te im letz­ten Jahr ja auch schon Milim – wenn mich statt­des­sen der Song berührt oder über­wäl­tigt wäh­rend er läuft und das tut Watch my dance bei mir in die­sem Fall. Dann kann ich das Lied hin­ter­her zwar nicht nach- oder mit­sin­gen, aber es bleibt den­noch ein ‘Das war toll’-Gefühl zurück. Das ist natür­lich in hohem Maße sub­jek­tiv und führt daher mit Sicher­heit zu kon­tro­ver­se­ren Dis­kus­sio­nen als bei den ein­gän­gi­gen Songs. BTW Ohr­wür­mer hat­te ich in den letz­ten Tagen natür­lich auch von Rocke­fel­ler Street, Taken by a stran­ger, Lip­s­tick etc. und nicht von Watch my dance. 😉 Mag natür­lich auch damit zusam­men­hän­gen, dass ich kein Grie­chisch beherr­sche, das macht es per se schwe­rer, dass sich etwas im Gehör­gang fest­setzt.

  17. Bei der Gän­se­haut bin ich ganz bei dir. Mit der Plat­zie­rung bin ich eher pes­si­mis­ti­scher. Mei­ne Gän­se­haut-Songs haben es bis­her noch nie bis ganz nach oben geschafft (im letz­ten Jahr Milim und Algo peque­ni­to). Ein eini­ger­ma­ßen soli­der Grund­so­ckel an Punk­ten dürf­te bei Grie­chen­land aber natür­lich vor­han­den sein.

  18. P.S.: Gän­se­haut­songs Erstaun­li­cher­wei­se schafft es in die­sem Jahr­gang eben­falls Rocke­fel­ler Street, bei mir Gän­se­haut zu erzeu­gen – und zwar immer in der ‘Becau­se tonight/they know it is showtime’-Sequenz. Und ver­flucht ein­gän­gig ist der Song noch oben­drein. Es geht also schein­bar tat­säch­lich auch bei­des.

  19. Zum letz­ten Satz: Mal den grie­chi­schen Bei­trag von 1978 gehört? Grie­chisch oder nicht, ich habe sel­ten einen schlim­me­ren Ohr­wurm gehabt.

  20. da hast du recht. lei­der haben lou­cas und kom­pa­nen kein us-ame­ri­ka­ni­sches team und die pro­mo-power von uni­ver­sal und brain­pool hin­ter sich. 🙁

  21. Lou­kas 14:11 Denn wer sich selbst erhöht, der soll ernied­rigt wer­den… 😀

  22. Meinst du Char­lie Chap­lin? Sind immer­hin schon zwei ver­trau­te Wör­ter. 😉 Habe ich schon mal gehört, ist aber eini­ge Zeit her. Ich habe auch das Gefühl, dass sich Uptem­po­songs viel leich­ter im Gehirn fest­set­zen als lang­sa­me. Kann aber auch nur mir so gehen. Wobei ich auch schon mal einen Ihrwurm von Vicky Lean­dros Vor­ent­scheid-Bei­trag 2006 hat­te. Aber ich den­ke, das führt jetzt zu weit. Zurück zu Grie­chen­land 2011.

  23. Wer will denn sowas? Was ist denn das für ne grau­si­ge Num­mer? Okay, das ist jetzt viel­leicht etwas weit her­ge­holt: Aber aus mei­ner Sicht könn­te das sogar für´s Fina­le knapp wer­den.

  24. Platz 7 war es nicht, wo war Lena noch­mal was denn jetzt kommt schon ein paar­neu­tra­le kom­men­ta­re bit­te.… nei­der & mecke­rer

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