ESC 2. Semi 2011: Cau­se I know it’s pasi­bel

Logo des Eurovision Song Contest 2011 (Semi 2)
Das schwe­di­sche Jahr

Es geht doch, wenn man nur will: die ARD kann eine Euro­vi­si­ons­sen­dung ohne pein­li­che Tech­nikpan­nen stem­men; Anke Engel­ke kann auch rich­ti­ge Abend­klei­der tra­gen (und dar­in fan­tas­tisch aus­se­hen); Ste­fan Raab kann wit­zig sein (als Side­kick von Anke Engel­ke, die bereits mit der Mode­ra­ti­on der bei­den Semis allen Schmach, den uns Mar­le­ne Cha­rells über­am­bi­tio­nier­tes Strau­cheln 1983 bescher­te, mehr als wett­mach­te) und das Ers­te kann einen rich­tig guten Pau­se­nact orga­ni­sie­ren, der mul­ti­kul­tu­rell wirkt und den­noch etwas mit dem ver­an­stal­ten­den Land zu tun hat. A pro­pos Mul­ti­kul­ti: noch nie war ich so begeis­tert von den Post­kar­ten! Die schöns­ten Sei­ten Deutsch­lands im Märk­lin-Style, ver­knüpft mit hier leben­den und arbei­ten­den Men­schen aus dem jewei­li­gen Teil­neh­mer­land: ich glau­be, welt­of­fe­ner und sym­pa­thi­scher hät­ten wir uns nicht prä­sen­tie­ren kön­nen. Ich lie­ben!

Zwei Über­ra­schun­gen und einen Trau­er­fall hielt das Voting auch des zwei­ten Semi­fi­na­les parat. Aber hier erst mal, zur Ein­stim­mung, alle 19 Titel im Schnell­durch­lauf:

Schon bei der so unge­recht aus­ge­schie­de­nen Stel­la Mwan­gi im ers­ten Semi reg­te es mich auf. Und selbst den groß­ar­ti­gen, äußerst büh­nen­er­fah­re­nen Dino Mer­lin brach­te es bei­na­he völ­lig aus dem Kon­zept: das hart­nä­ckig auf den fal­schen Beat mit­klat­schen­de deut­sche Publi­kum. Immer auf die Zwei, ihr Honks, nicht auf die Eins! Oder lasst es am bes­ten ganz blei­ben, schließ­lich sind wir hier nicht im Musi­kan­ten­stadl! Gott sei Dank bekam der Mann mit der Vor­lie­be für lau­te Jacketts nach einem wacke­li­gen Start die Lage schnell wie­der in den Griff und der traum­haf­te Zau­ber von ‘Sito!’, Ver­zei­hung, ‘Love in Rewind’ konn­te sich voll ent­fal­ten. Ich ver­ste­he immer mehr, war­um der Mann auf dem Bal­kan so gott­gleich ver­ehrt wird. Auch wenn ich zu mei­ner Schan­de geste­hen muss, dass ich mich – wie es bei bos­ni­schen Bei­trä­gen mitt­ler­wei­le fes­te Tra­di­ti­on ist – erst nach dem zehn­ten Hören in das Lied ver­lieb­te. Dafür dann umso hef­ti­ger. Und wo wir gera­de bei der Euro­vi­si­ons­beich­te sind: die plas­tik­tal­mi­haf­te Seicht­bal­la­de ‘The Secret is Love’ (schon allei­ne der Titel: ist das so ein “Geheim­nis” in der Preis­la­ge von “Kochen mit dem klei­nen Kniff”?) von Nadi­ne Bei­ler ver­ab­scheue ich zwar noch immer mit jeder Faser mei­nes Her­zens. Um so über­ra­schen­der, dass mich der beglei­ten­de fan­tas­ti­sche öster­rei­chi­sche Gos­pel­chor der­ge­stalt mit­rei­ßen konn­te! Es ist allei­ne den sen­sa­tio­nel­len Almet­tes zu ver­dan­ken, dass ich die musi­ka­lisch grau­sam ver­staub­te Num­mer über­stand, ohne in die Aus­le­ge­wa­re bei­ßen zu müs­sen. Dan­ke, Almet­tes!


Ich bin ja gegen zu vie­le gesetz­li­che Ver­bo­te, aber das Mit­klat­schen gehört unter­sagt! (BA)

John­ny Logan (IE 1980, 1987) hat beim Grand Prix mitt­ler­wei­le die Rol­le der männ­li­chen Lys Assia (CH 19561958) inne. Er ist der Unver­meid­li­che bei sol­chen Ver­an… Wie? Was? Ver­zei­hung, lie­be Leser, ich höre gera­de, das war gar nicht John­ny Logan, der da zu nie­der­län­di­scher Fahr­stuhl­mu­sik auf der Büh­ne stand! Er hat­te ledig­lich dem Lead­sän­ger von 3Js sei­nen wei­ßen Anzug, sei­ne Fri­sur und sein Cha­ris­ma gelie­hen. Braucht er jetzt aber wie­der, weil er die mal­te­si­sche Dele­ga­ti­on zu einer Buchung als Star­gast bei der nächs­ten Vor­ent­schei­dung becir­cen will. Passt: die Hol­län­der sind mit ihrem sinn­lo­sen Geplod­der ohne­hin gera­de durch und wie­der auf dem Weg rhein­auf­wärts. Tschüss. Wie wenig ernst man den Grand Prix in den nie­der­län­disch spre­chen­den Län­dern noch nimmt, bewies auch das bel­gi­sche Acap­pel­la-Sex­tett Wit­loof Bay. Zwar beka­men sie ihr hüb­sches ‘With Love, Baby’ trotz lär­men­der Hal­le sicher auf den Punkt hin. Dafür gaben sie sich mit ihrem Out­fit kei­ner­lei Mühe. Als sei es der bun­te Nach­mit­tag bei der Heils­ar­mee, erschie­nen sie wie frisch bei Zee­man ein­ge­klei­det. Mei­ne armen Seh­ner­ven! Auch der fröh­li­che Tanz der Strep­to­kok­ken auf der LED-Lein­wand im Büh­nen­hin­ter­grund irri­tier­te.


Ein Fall für Extre­me Make­over: Wit­loof Bay (BE)

Die Schreck­nis­se der Glo­ba­li­sie­rung mit ihrem kul­tu­rel­len Ein­heits­brei führ­ten uns sehr anschau­lich die slo­wa­ki­schen Enke­lin­nen der Kess­ler-Zwil­lin­ge (DE 1959), die Twi­ins, vor Augen: das Aus­se­hen lie­hen sie sich bei Bree van de Kamp aus Despe­ra­te Hou­se­wi­ves; die Wind­ma­schi­ne stell­ten sie auf Stu­fe Caro­la 8 (‘Fån­gad av en Stormvind’, SE 1991), auf dass sich wenigs­tens irgend­et­was bewegt bei ihrem Auf­tritt; die auto­ge­tun­ten Stim­men ihrer Backings lie­ßen sie klin­gen wie Beyon­cé (oder jede ande­re US-ame­ri­ka­ni­sche RnB-Sän­ge­rin); der auf­dring­li­che Bumms­beat sorg­te für den gera­de aus der Mode gera­te­nen Tim­ba­land-Fla­vour und ihr ödes Lied sowie das Schlep­pen­ge­we­del weck­ten ungu­te Erin­ne­run­gen an die No Angels (DE 2008) und die Bla­ma­ge von Bel­grad. Geben Sie es ruhig zu: auch Sie ver­folg­ten wäh­rend des Auf­tritts der ukrai­ni­schen Mika New­ton die kom­plet­ten drei Minu­ten lang gebannt das sich im ste­ti­gen Fluss befind­li­che Bild der Sand­ma­le­rin Kse­niya Simo­no­va und ach­te­ten dabei kein biss­chen auf den aus uner­find­li­chen Grün­den ‘Angel’ hei­ßen­den Wer­be­song für die Col­ga­te Crys­tal White Zahn­creme, den die­se Blon­di­ne mit dem gerupf­ten Huhn auf den Schul­tern wäh­rend­des­sen sang. Und da sie das mit der Sand­ma­le­rei am Sams­tag noch mal sehen woll­ten, rie­fen Sie dafür an. Obwohl Sie sich an den Song beim bes­ten Wil­len nicht erin­nern konn­ten. Anders erklärt sich das Wei­ter­kom­men die­ses Musik­mülls jeden­falls nicht.


Sand in die Augen streu­en: genau so funk­tio­niert es! (UA)

Gute Güte, die mol­da­wi­schen Bein­klei­der! Hat­te MC Ham­mer sei­ne Gar­de­ro­be ver­stei­gert? Aber gut: wer so gro­ße Zip­fel hat, braucht Platz in der Hose! Die Kar­pa­ten-Red-Hot-Chi­li-Pep­pers Zdob şi Zdub über­zeug­ten mit lus­ti­gen Kos­tü­men, einer ein­rad­fah­ren­den Elfe und einem pep­pi­gen, nach einer halb­stün­di­gen Fahrt auf der Stra­ße der Ödnis hoch will­kom­me­nen Auf-die-Zwölf-Rock­song. Dan­ke dafür! Und dan­ke, Eric Saa­de! Nicht nur für die unsterb­li­che Text­zei­le “Stop, don’t say that it’s impos­si­ble / ’cau­se I know it’s pos­si­ble”, die sicher­lich in Kür­ze Ein­zug in sämt­li­che Lyrik-Lehr­bü­cher der Welt erhält. Son­dern auch für die­se mus­ter­gül­ti­ge Erin­ne­rung dar­an, war­um ich über­haupt den Euro­vi­si­on Song Con­test ein­schal­te. Näm­lich für so etwas: ein mus­ter­gül­tig ein­gän­gi­ger, uptem­po­rier­ter Schwe­den­schla­ger, eine mus­ter­gül­tig cho­reo­gra­fier­te Tanz­dar­bie­tung und der Ein­satz auf­wän­di­ger Requi­si­ten. Gran­di­os, wenn auch im Ver­gleich zum Auf­tritt beim schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len ent­täu­schend, wo  Eric mit einer ange­mes­se­nen Zahl von Tän­zern (dort gilt die völ­lig anti­quier­te Sechs-Mann-Regel nicht mehr); drei zer­split­tern­den Glas­schei­ben anstel­le von nur einer1)Da die deut­schen Ver­an­stal­tungs­tech­ni­ker das punkt­ge­nau Zer­bers­ten der Spe­zi­alschei­ben nicht rich­tig in den Griff beka­men, ver­brauch­te man wäh­rend der Pro­ben (inklu­si­ve eines Son­der­ter­mins) so vie­le Schei­ben, dass nicht mehr genü­gend für die Echt­auf­trit­te übrig blie­ben. Also durf­te Eric nur noch eine “zer­bre­chen”. Das klapp­te dann wenigstens.; einer punkt­ge­nau auf den Bei­trag zuge­schnit­te­nen Licht- und Kame­ra­füh­rung, die nicht – wie in Düs­sel­dorf – gro­ße Tei­le der Cho­reo­gra­fie ins Lee­re lau­fen ließ; und einer dank des dort zuläs­si­gen Ein­sat­zes von Chor­stim­men auf dem Backing Tape viel ein­drück­li­che­ren Klang­fül­le eine deut­lich glanz­vol­le­re Show hin­le­gen konn­te.


Dan­ke, Schwe­den: so geht Grand Prix!

An die­ser Stel­le muss ich mei­ner Empö­rung und Fas­sungs­lo­sig­keit über den kata­stro­phal schlech­ten Geschmack Euro­pas Luft machen: ‘San Ange­los s’agapisa’ von Chris­tos Mylordos hat­te doch nun wirk­lich alles, was das Euro­vi­si­ons-Fan-Herz begehrt! Einen packen­den folk­lo­ris­tisch ange­hauch­ten Pop­song vol­ler bei­na­he schon über­bor­den­der Dra­ma­tik und Emo­ti­on. Einen Hau­fen gut­aus­se­hen­der Män­ner auf der Büh­ne. Eine mensch­li­che Wind­müh­le. Atem­be­rau­ben­de Span­nung: wird das Seil hal­ten oder fliegt die über­di­men­sio­na­le Leucht­ku­gel der auf die Satel­li­ten­büh­ne ver­bann­ten schrei­en­den Frau, von der Flieh­kraft getrie­ben, ins Publi­kum und köpft ein paar israe­li­sche Fans? Und wie nur machen die das mit die­sen Gras­halm-im-Wind-Posen? Ah, schau an: die in den Büh­nen­bo­den fest­ze­men­tier­ten Ski­schu­he von Sakis Rou­vas aus 2009! Tol­ler Trick! Und, als Höhe­punkt, gar noch tan­zen­de Zei­chen­trick­sper­mi­en auf der LED-Wand. Es gab noch nicht mal, wie bei Stel­la Mwan­gi, die Aus­re­de des dün­nen Gesangs. Der zypri­sche Bei­trag war pure Per­fek­ti­on und hin­rei­ßend von der ers­ten bis zur letz­ten Sekun­de! Und ihr ver­schmäht das? Schan­de über Euch, Euro­pä­er! Fühlt Euch vir­tu­ell mit Schu­hen bewor­fen!


Wie schmeckt eigent­lich die­se “Pas­ta Pao”? Chris­tos mit mei­nem Lieb­lings­bei­trag 2011 (CY)

Dumm gelau­fen für Vul­ga­ri­en: im direk­ten Ver­gleich zur hoch­klas­si­gen zypri­schen Dar­bie­tung wirk­te Poli Geno­va ali­as Bink (die bul­ga­ri­sche Pink) um so gewöhn­li­cher. Da half auch das lah­me Trick­kleid mit den auf­ge­druck­ten Arm­ta­toos nichts. Auch der ansehn­li­che Maze­do­ni­er Vlat­ko Iliev­ski ging mit sei­nem Sauf­lied ‘Rusin­ka’, trotz sen­sa­tio­nel­ler Reib­ei­sen­stim­me, Spring­ins­feld-Bal­lett und Flüs­ter­tü­te, sang- und klang­los unter: ver­mut­lich waren die Zuschau­er an die­ser Stel­le des Abends noch nicht besof­fen genug. Alko­hol in grö­ße­ren Men­gen hät­te ich eigent­lich selbst gebraucht, um die­Selbst­de­mon­ta­ge mei­nes gelieb­ten Euro­vi­si­ons­i­dols Dana Inter­na­tio­nal ohne Hara­ki­ri über­ste­hen zu kön­nen. Schließ­lich ist die muti­ge israe­li­sche Vor­kämp­fe­rin für Offen­heit und Tole­ranz mei­ne größ­te leben­de Hel­din, deren Tri­umph in Bir­ming­ham 1998 den wich­tigs­ten Sieg der Euro­vi­si­ons­ge­schich­te und einen der glück­lichs­ten Momen­te mei­nes Lebens mar­kiert. Nun mit­er­le­ben zu müs­sen, wie ein trau­ri­ges Zerr­bild eben die­ses Vor­bil­des in einem aus alten Rat­t­an­mö­beln recy­cel­ten Kleid (Jean-Paul Gaul­tier: Schan­de über Dich!), eher behin­dert als unter­stützt von einem unmo­ti­vier­ten Chor, mit ‘Ding Dong’ ein halb­ga­res Dis­co­lied­chen träl­lert und die eige­ne Legen­de in nur drei Minu­ten zer­stört, das tat weh. Wirk­lich, wirk­lich weh.


Einen Cat­walk bedie­nen, das kann sie. Lei­der zu spät, da war die Mes­se schon gesun­gen! (IL)

Wie man es rich­tig macht, bewie­sen die slo­we­ni­sche Jury­fa­vo­ri­tin Maja Keuc und ihr acht­köp­fi­ger Chor. Eine dra­ma­ti­sche Poprock­num­mer (zwar nicht nach mei­nem Geschmack, aber sau­be­res Hand­werk), ordent­lich Druck auf der Stim­me, ein biss­chen syn­chro­nes Über-die-Büh­ne-Lau­fen (so sahen frü­her mal israe­li­sche Cho­reo­gra­fi­en aus!) und demons­tra­ti­ves Selbst­be­wusst­sein. Da fiel auch das schau­der­haf­te Kleid mit den merk­wür­di­gen Chrom­spoi­lern im Dekol­le­té nicht ins Gewicht. Auch die Estin Get­ter Jaa­ni agier­te pro­fes­sio­nell: zeig­te sie sich in den Pro­ben vor lau­ter Rum­ge­hop­se öfters mal außer Atem und jaul­te wie ein Hun­de­wel­pen, so beher­zig­te sie im Semi das Lie­fern kön­nen, wenn es dar­auf ankommt. Hübsch ver­spiel­ter Elek­tro­pop, eine Mör­der-Hook­li­ne (wenn auch “One, two, Ceme­try, down on Rocke­fel­ler Street” Rät­sel auf­gab), put­zi­ge Deko­ra­ti­ons-Wol­ken­krat­z­er­chen aus Pap­pe, bra­vou­rös tur­nen­de Tän­zer, ein visu­ell frap­pie­ren­der Zau­ber­trick und ein nied­li­ches Mädel mit den größ­ten Kuh­au­gen seit Sue Ellen aus Dal­las: die Esten gaben alles. Und schaff­ten es den­noch nur dank der Jury gera­de eben so ins Fina­le. Ver­mut­lich gin­gen zu vie­le Zuschau­er wäh­rend der vor­an­ge­gan­ge­nen Wer­be­pau­se aufs Klo und ver­pass­ten so den zau­ber­haf­ten Song­auf­takt, der viel zum Reiz des Lie­des bei­trug.


Ernst­haft: wie hat sie das mit dem Zau­ber­stab gemacht? (EE)

Ich weiß, es ist poli­tisch unkor­rekt, aber: ‘I love Bela­rus’! Das Land mag “die letz­te Dik­ta­tur Euro­pas” sein und sei­ne Vor­ent­schei­dun­gen ein schlech­ter Witz. Und Luka­schen­ko mag so tief in Putins Aller­wer­tes­tem ste­cken, dass er oben wie­der raus­kommt. Aber, das muss man ihm las­sen: wie ein amt­li­cher Grand-Prix-Bei­trag aus­zu­se­hen hat, das weiß der Mann! Mit der skur­ri­len Vater­lands­hym­ne von Anna­sta­siya Vin­ni­ko­va setz­te er den bis­he­ri­gen sub­ti­len Füh­rer­lob­prei­sun­gen ‘Love me ton­ight’ (2005, über die weit über das Geis­ti­ge hin­aus­ge­hen­de Lie­be sei­nes Vol­kes zu sei­nem Regie­rungs­chef), ‘Work your Magic’ (2007, die fle­hen­de Bit­te, sein wei­ses Regie­rungs­han­deln fort­zu­set­zen) und ‘But­ter­flies’ (2010, erneut über die Bauchkrib­beln aus­lö­sen­de Lie­be sei­nes Vol­kes zu sei­nem Anfüh­rer) gewis­ser­ma­ßen die Kro­ne auf. Zudem noch musi­ka­lisch auf­ge­wer­tet durch eine Zither, dem – das sage ich jetzt schon mal vor­aus – Must-Have-Euro­vi­si­ons­in­stru­ment kom­men­der Jahr­gän­ge! Um so ärger­li­cher, dass uns die blö­de Kame­r­a­re­gie mal wie­der um den bes­ten Part brach­te: die Bela­rus-Faust™! Nur wenn man beim Mit­sin­gen solch sen­sa­tio­nell dop­pel­deu­ti­ger Text­zei­len wie “I love Bela­rus, got you deep insi­de” enthu­si­as­tisch die geball­te Faust nach oben reckt, macht die patrio­ti­sche Dis­co­num­mer so rich­tig Spaß. Pro­bie­ren Sie es mal aus!


“Say I’m a Tree, ten­der and young”? An der Aus­spra­che arbei­ten wir aber noch mal! (BY)

Lei­der gab es neben soviel Fabel­haf­tig­keit auch Grand-Prix-Grüt­ze im Drei­er­pack zu erdul­den. Das begann mit seich­tes­tem, ran­zi­gen Welt­frie­dens­quark (‘Chan­ge’) von und für das Hotel FM (also die sedie­rend wir­ken­de Zwang­be­schal­lung in Hotel­lob­bys und Fahr­stüh­len). Dass der schlim­me Driss wei­ter­kam, legt die Ver­mu­tung nahe, dass das Publi­kum dach­te, es han­de­le sich um den Euro­pean Tight Trou­sers Con­test. Denn in die­ser Abtei­lung konn­te David Bryan, der bri­ti­sche Lead­sän­ger der rumä­ni­schen Band, punk­ten. Drei Din­ge kos­te­ten dem flot­ten let­ti­schen For­ma­t­ra­dio­pop des Duos Musi­qq den Platz im Fina­le. Ers­tens: die Nana-Mousqqou­ri-Gedächt­nis­bril­le (MC 1963) des “Rap­pers”, zwei­tens: der schlim­me Kell­ner-Fraqq, in den eine bös­wil­li­ge Gar­de­ro­bie­re die Bei­den steck­te, um sie der Lächer­li­ch­qqeit preis­zu­ge­ben. Sowie, drit­tens und ent­schei­dend: das Ster­ben­der-Schwan-Geröch­le ganz am Schluss von ‘Angel in Dis­gui­se’. Damals, lie­be Kin­der, als Ihr noch nicht gebo­ren wart, da stan­den eine Iro­ke­sen­fri­sur und ein täto­wier­ter Unter­arm (so wie bei Tim Schou, dem mit einem OP-Hemd beklei­de­ten Lead­sän­ger der däni­schen Band A Fri­end in Lon­don) für Rebel­li­on und Unan­ge­passt­heit. Ich weiß, die­se bei­den Kon­zep­te sind Euch so fremd wie Tele­fo­ne mit Wähl­schei­be. Natür­lich konn­te man auch damals schon mit scham­los zusam­men­ge­klau­ter musi­ka­li­scher Seicht­ka­cke und brech­reiz­er­re­gen­den Ret­tet-die-Welt-Tex­ten (‘New Tomor­row’) beim Grand Prix abräu­men. Aber wenigs­tens wur­de man sei­ner­zeit noch vom Feuil­le­ton und von den coo­len Kids dafür ver­spot­tet und aus­ge­lacht. Ach, gute alte Zeit!


Wohin, klei­nes Pony, soll’n wir rei­ten? Viel­leicht zu Lal­al­al­a­lau­ra, dem Ban­jo Girl? (LV)

So, wie im ers­ten Semi die von der letz­ten Start­po­si­ti­on aus sin­gen­den, eher für medi­ter­ra­ne Dis­co-Stamp­fer berüch­tig­ten Grie­chen mit einem für sie in euro­vi­sio­nä­ren Zusam­men­hän­gen unty­pi­schen Folk­lo­re-Dra­ma über­rasch­ten, so über­rasch­te auch im zwei­ten Semi die an letz­ter Stel­le star­ten­de, bis­lang eher als gro­ße Bal­la­den­na­ti­on bekann­te, streng katho­li­sche Grü­ne Insel mit einem super ein­gän­gi­gen Bub­b­le­gum-Pop­song über die Freu­den des One-Night-Stands. Vor­ge­tra­gen von den  dau­er­hib­be­li­gen Zwillingen2)Und ja, selbst­ver­ständ­lich spe­ku­lier­te die Regen­bo­gen­pres­se gleich über eine Ver­mäh­lung der Zwei mit den eben­falls ein­ei­igen slo­wa­ki­schen Twi­ins. Aber dafür waren jene zu bereits ver­hei­ra­tet und die Iren, trotz gegen­sei­ti­ger Beteue­run­gen, zu wenig am ande­ren Geschlecht interessiert. James und Eward (Jed­ward) Gri­mes, die hier auf das Schöns­te bewie­sen, dass man eine ADHS-Erkran­kung nicht zwangs­läu­fig mit Rita­lin medi­ka­men­tös sedie­ren muss, son­dern auch Unter­hal­tungs­ka­pi­tal dar­aus schla­gen kann. Nicht eine Sekun­de stan­den die Bei­den mit den dau­er­ere­gier­ten Fri­su­ren still, hüpf­ten, spran­gen, mar­schier­ten, schlu­gen Rad und lie­ßen sich fol­ge­rich­tig von ihren Backings wei­tes­te Tei­le des Gesangs abneh­men. Dazu noch tru­gen sie glit­zern­de Phan­ta­sie­uni­for­men mit Schul­ter­pols­tern, bei denen selbst Alexis Car­ring­ton vor Neid ins Sof­a­pols­ter bis­se. Gran­di­os!


Friss Dei­nen Kopf­schmuck, Ver­ka Ser­duch­ka! (IE)

ESC 2. Semi­fi­na­le 2011

Euro­vi­si­on Song Con­test 2011 – Zwei­tes Semi­fi­na­le. Don­ners­tag, 12. Mai 2010, aus der Düs­sel­dorf-Are­na in Düs­sel­dorf, Deutsch­land. 19 Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Anke Engel­ke, Jud­tih Raa­kers und Ste­fan Raab.
#LandInter­pretSong­ti­telPunk­te
gesamt
PlatzPunk­te
Tel­e­vo­ting
Platz
01BADino Mer­linLove in Rewind1090513102
02ATNadi­ne Bei­lerThe Secret is Love0690705210
03NL3JsNever alo­ne0131901719
04BEWit­loof BayWith Love, Baby0531105012
05SKTwi­insI’m still ali­ve0481304016
06UAMika New­tomAngel0810609105
07MDZdob şi ZdubSo lucky0541006108
08SEEric Saa­dePopu­lar1550115901
09CYChris­tos MylordosSan Ange­los s’agapisa0161802318
10BGPoli Geno­vaNa inat0481204314
11MKVlat­ko Ilies­v­skiRusin­ka0361603317
12ILDana Inter­na­tio­nalDing Dong0381505111
13SIMaja KeucNo one1120306807
14ROHotel FMChan­ge1110412103
15EEGet­ter Jaa­niRocke­fel­ler Street0600904613
16BYAna­staiya Vin­ni­ko­vaI love Bela­rus0451405409
17LVMusi­qqAngel in Dis­gui­se0251704315
18DKA Fri­end in Lon­donNew Tomor­row1350211504
19IEJed­wardLip­s­tick0680807806

Fußnote(n)   [ + ]

1. Da die deut­schen Ver­an­stal­tungs­tech­ni­ker das punkt­ge­nau Zer­bers­ten der Spe­zi­alschei­ben nicht rich­tig in den Griff beka­men, ver­brauch­te man wäh­rend der Pro­ben (inklu­si­ve eines Son­der­ter­mins) so vie­le Schei­ben, dass nicht mehr genü­gend für die Echt­auf­trit­te übrig blie­ben. Also durf­te Eric nur noch eine “zer­bre­chen”. Das klapp­te dann wenigstens.
2. Und ja, selbst­ver­ständ­lich spe­ku­lier­te die Regen­bo­gen­pres­se gleich über eine Ver­mäh­lung der Zwei mit den eben­falls ein­ei­igen slo­wa­ki­schen Twi­ins. Aber dafür waren jene zu bereits ver­hei­ra­tet und die Iren, trotz gegen­sei­ti­ger Beteue­run­gen, zu wenig am ande­ren Geschlecht interessiert.

43 Gedanken zu “ESC 2. Semi 2011: Cau­se I know it’s pasi­bel

  1. Schan­de über Euch, Euro­pä­er! Fühlt Euch hier­mit vir­tu­ell mit Schu­hen bewor­fen!’ Sas das mal nicht ‘den Euro­pä­ern’, die den Aus­gang gar nicht allei­ne ent­schie­den haben, son­dern der Jury, Herrn Schrei­ber und der EBU-Kopf­de­le­ga­ti­on, die den ESC zu einer schlech­ten Idol-Kopie umfunk­tio­nie­ren wol­len. Zehn von zehn Lie­dern, die ges­tern wei­ter­ka­men, waren voll­stän­dig auf Eng­lisch, kei­nes wirk­lich kul­tu­rell geprägt. Am ehes­ten noch Bos­ni­en. Dafür kam die Möch­te­gern-Whit­ney-Hous­ton mit ihrer fla­chen Bal­la­de für Öster­reich wei­ter. Bezeich­nend auch, als Frau Rakers zwi­schen Anna Ros­si­nel­li aus der Schweiz und dem stu­dier­ten Ger­ma­nis­ten aus Azer­baycan kein Wort auf Deutsch, wie schon die gan­ze Show über, ver­lor. Wir sind Sooo Gre­at Ame­ri­can! ESC, nein Dan­ke! Scha­de, wie der Wett­be­werb in den letz­ten Jah­ren zuge­rich­tet wur­de.

  2. Puh, da hat­te ich ja doch Recht mit Bul­ga­ri­en. Im Gegen­satz zu Diens­tag bin ich jetzt auch mit dem Ergeb­nis ganz zufrie­den. Ein­zig die Ukrai­ne hät­te auch ich ger­ne mit Zypern getauscht. Ansons­ten gab es für mich kei­ne Über­ra­schun­gen, auch wenn nicht alle, die wei­ter­ge­kom­men sind auch mei­ne per­sön­li­chen Favo­ri­ten waren. Aber immer­hin war die­ses Ergeb­nis abseh­ba­rer als das am Diens­tag. Irgend­wie habe ich da gera­de ein Deja-vu. War das im letz­ten Jahr nicht ähn­lich? Alle schüt­tel­ten nach dem ers­ten Halb­fi­na­le den Kopf über Finn­land, Slo­wa­kei usw. und das zwei­te Semi war dann wie­der über­ra­schungs­är­mer. Oder spielt mir da gera­de mei­ne Erin­ne­rung einen Streich? Ver­är­gert bin ich jetzt jeden­falls nur noch über die aus­ge­los­te Start­rei­hen­fol­ge. Alle camp­tas­ti­schen Pop-Stü­cke auf einem Hau­fen! Dafür davor und dahin­ter nur Ödnis, ab und an mal ein wenig auf­ge­peppt mit rocki­gem Krach oder mehr oder weni­ger char­man­ten Skur­ri­li­tä­ten. Na, das kann ja was wer­den!

  3. Ich sehe es auch schon kom­men, dass bald nur noch Spa­ni­en und Frank­reich in einem ESC-Fina­le in Lan­des­spra­che sin­gen, die nicht gleich­zei­tig Eng­lisch ist. Trau­rig.

  4. Was von den Aus­ge­schie­de­nen war denn bit­te ‘kul­tu­rell geprägt’? Zypern und Weiß­russ­land hat­ten For­mat­pop mit leich­ten Eth­no-Ele­men­ten, und die ande­ren sie­ben hat­ten zwar einen bun­ten Strauß an Musik gebun­den, aber rich­tig ‘lan­des­ty­pisch’ war da jetzt nichts. Und die in nicht-eng­li­scher Lan­des­spra­che vor­ge­tra­ge­nen Stü­cke … naja, so fan­tas­tisch war da jetzt nichts. Ich fand Zypern eher lang­wei­lig (und die­se über­dra­ma­ti­sche Büh­nen­show pass­te über­haupt nicht zum Lied), Bul­ga­ri­en war ganz okay, Maze­do­ni­en und Isra­el waren unter aller Kano­ne. Was das Jury­ba­shing angeht: Könn­ten wir damit wenigs­tens war­ten, bis die Ergeb­nis­se raus sind und man sich wenigs­tens zu Recht über Haba-Haba-Gate oder den Aga­pi­sa-Skan­dal auf­re­gen kann? Schließ­lich Frau Rakers: Öhm…wie bit­te? War­um soll­te man urplötz­lich fast den gesam­ten Kon­ti­nent von der Unter­hal­tung aus­schlie­ßen? Wie pro­vin­zi­ell gedacht ist das denn?

  5. Spra­che Ich bin ja auch für Lan­des­spra­che in den Songs. Aber dass Judith sich im Inter­view des Eng­li­schen bedient, ist ja wohl selbst­ver­ständ­lich. Da muss ich mei­nem Vor­red­ner unein­ge­schränkt recht geben.

  6. Gro­ße Trau­er Zunächst ein­mal: die Show selbst war ges­tern gran­di­os. Auch unter den bei­trä­gen wesent­lich weni­ger, die an schwa­chen Stim­men oder gar Fehl­stim­mung lit­ten (da die iri­schen Hop­ser ja inzwi­schen fast nichts mehr selbst sin­gen). Aber das Ergeb­nis? Zwar kei­ne wirk­lich gro­ßen Über­ra­schun­gen, aber wie immer gro­ße per­sön­li­che Ent­täu­schun­gen. Und das die­ses Jahr noch schlim­mer als sons. Zwar bin ich es ja gewohnt, dass mei­ne Favo­ri­ten im Fina­le immer auf den hin­te­ren Plät­zen lan­den, aber dass die­ses Jahr, obwohl es *außer­ge­wöhn­lich vie­le* Songs in mei­ner Kate­go­rie ‘rich­tig gut’ gab, von mei­nen Top-Five nur ein ein­zi­ger (näm­lich Platz 5) über­haupt das Fina­le erreicht, dafür aber von den (in die­sem Jahr auch außer­ge­wöhn­lich weni­gen, näm­lich 3) Hass­bei­trä­gen der Kate­go­rie ‘echt furcht­bar’ vol­le zwei (Russ­land und Grie­chen­land) und nur das etwas harm­lo­se­re make­do­ni­en aus­schei­det, trifft mich schon hart. Irgend­wie habe ich über­haupt kei­ne Lust mehr, am Sams­tag über­haupt zuzu­schau­en. Wahr­schein­lich ist ESC wohl nicht die rich­ti­ge Sen­dung für mich, ich soll­te doch bei Rock­pa­last und Co. blei­ben. Natür­lich gibt es unter den Ver­blei­ben­den schon noch Bei­trä­ge, denen ich einen Sieg wirk­lich gön­nen wür­de. Das wären Para­di­se Oskar und Dino Mer­lin, viel­leicht sogar Eve­li­na Sasen­ko. Aber anru­fen wür­de ich dafür nicht. So blei­ben für mei­ne Anru­fe nur noch mei­ne ursprüng­li­chen Plät­ze 5, 6 und 11, sprich Slo­we­ni­en, Öster­reich und Geor­gi­en. Zypern und Bul­ga­ri­en hät­ten echt nicht aus­schei­den dür­fen ges­tern. Rest in Peace, Poli. Wer­de trotz­dem nach CDs von Dir suchen.

  7. ver­län­ger­te Pin­kel­pau­se Natür­lich wer­de ich mich bis mor­gen wie­der soweit beru­higt haben, dass ich doch zuschau­en wer­de. Aller­dings wäre zu über­le­gen, ob ich -ganz gegen mei­ne Gewohn­heit – doch mal eine Pin­kel­pau­se ein­le­ge. Das wird einem durch die Start­platz­aus­lo­sung ja leicht gemacht: bis ein­schließ­lich Ungarn schau­en, und dann kommt das gan­ze Elend ja net­ter­wei­se am Block Irland-Schwe­den-Grie­chen­land-Russ­land-Frank­reich, nur unter­bro­chen durch Get­ter Jaa­ni, das kann ich ver­schmer­zen.

  8. wow ..ein tol­les 2tes HF. Ich mag das däni­sche Mika-Lied ja auch nicht. Aber die Hal­le war am toben und mich hats dann live völ­lig mit­ge­ris­sen. Eben­so Irland, Mol­da­vi­en und Dana. TOLL! Die haben die Hal­le am hef­tigs­ten gerockt. Lett­land ent­täusch­te. Rocke­fel­ler fin­de ich jetzt noch schlim­mer als vor­her und bei Lett­land, Slo­wa­kei, Bel­gi­en und Hol­land ist die Hal­le ein­ge­schla­fen. Für Öste­reich freue ich mich – ver­dient wei­ter. Rumä­ni­en gehört allei­ne schon für die Hose nach Hau­se geschickt. Scha­de mit Dana ist nur noch eine Diva im Ren­nen: Lena! Und die wird gewin­nen! Ver­spro­chen!

  9. Top 5 Wen hat­test du denn noch in dei­nen Top 5? Ich bin in der glück­li­chen Situa­ti­on, dass alle aus mei­ner Top 5 im Fina­le sind (alpha­be­tisch: Aser­bai­dschan, Deutsch­land, Frank­reich, Grie­chen­land, Irland). Na gut, zwei davon waren ja ohne­hin gesetzt.

  10. Wie­so ist deut­sche Spra­che gene­rell pro­vin­zi­ell? Glaubst Du wirk­lich, daß alle euro­päi­schen Zuschau­er die auf eng­lisch geführ­ten Inter­views kom­plett ver­ste­hen? Das schaf­fe auch ich nicht (genau wie man­che der Inter­pre­ten kaum eng­lisch beherr­schen). Und selbst wenn, was wäre an zwei oder drei Sät­zen auf deutsch denn so schlimm? Gast­ge­ber dür­fen so etwas, denn der ESC ist sel­ten genug im eige­nen Land. Und erst recht, wenn seit lan­gem mal wie­der alle drei deutsch­spra­chi­gen Län­der im Fina­le ver­tre­ten sind.

  11. Top 5 Waren ursprüng­lich: Polen Bel­gi­en Bul­ga­ri­en Alba­ni­en Slo­we­ni­en Polen habe ich selbst gestri­chen. Das gefällt mir zwar auf CD nach wie vor, war aber im Semi schlimm dane­ben. Dass Bel­gi­en kei­ne Chan­ce hat­te, war mir klar. Aber Alba­ni­en und Bul­ga­ri­en hät­te wirk­lich ins Fina­le gehört. Natür­lich hät­ten sie nie­mals gewon­nen, das erwar­te ich ja schon lan­ge nicht mehr. Aber solch star­ke Stim­men gehö­ren ein­fach ins Fina­le. Wie gesagt, jetzt gibt es wahr­schein­lich 20 Anru­fe für Maja Keuc. Übri­gens fand ich eine Aus­sa­ge unse­rer Jury-Che­fin Ina Mül­ler top, die mein­te, dass sie sich die Stü­cke am bes­ten mit geschlos­se­nen Augen anhört. Da hat sie ver­dammt noch mal recht, da trennt sich die Spreu vom Wei­zen. Im Prin­zip mache ich das ja auch so, indem ich die CD x-Mal im Auto auf Lang­stre­cken durch­hö­re und tes­te, an wel­chen Stel­len der Drang zum Vor­spu­len oder der Impuls zum ‘noch mal’ am größ­ten ist. Natür­lich muss auch die Show stim­men, (und es muss live ohne Auto­tu­ne klap­pen), aber ich fin­de, es ist nach wie vor ein SONG-Con­test.

  12. sor­ry Ich neh­me aus­drück­lich Frank­reich aus obi­ger Auf­zäh­lung her­aus. Ich per­sön­lich mag den Song zwar nicht, da ich ihn öde fin­de, aber Amau­ry ist ein guter Sän­ger.

  13. war­um wird irgend­je­mand aus­ge­schlos­sen, wenn inter­views auf deutsch geführt wer­den? eng­lisch ver­steht auch nicht jeder zuschau­er, und die ange­be­rei mit ankes fran­zö­sisch­kennt­nis­sen war erst recht dane­ben. vor allem im ers­ten semi, wo frank­reich gar nicht über­tra­gen hat. war­um dann bit­te?

  14. mehr Trau­er als Freu­de Est­land ist wei­ter und die weiß­rus­si­sche Pro­pa­gan­dasch­ei… ist raus, das freut mich. Doch dann geht die Trau­er schon los: Cypern ist in den letz­ten Wochen sehr in mei­ner Gunst gestie­gen, lei­der umsonst. Mika New­ton ver­zei­he ich nie den Betrug an Jama­la, doch sie ist im Fina­le. Genau wie die grot­ti­gen Dänen und Rumä­nen. Bei Dino Mer­lin kann ich mich kaum ent­schei­den: Der Song ist zwar recht gut, aber die Dar­bie­tung hat das Niveau eines Dorfrum­mels. Bei den iri­schen Zwil­lin­gen ist es eher umge­kehrt. Mal sehen, wie weit sie kom­men. Das Fina­le wer­de ich jeden­falls bis zur Bekannt­ga­be des Sie­gers genie­ßen, danach even­tu­ell stink­sauer sein. Abwar­ten. Und falls Deutsch­land wie­der gewinnt, sau­fe ich mir die Hucke voll.

  15. pro­vin­zi­ell Pro­vin­zi­ell fin­de ich deutsch kei­nes­wegs. Und die Moder­ta­to­ren dür­fen natür­lich belie­bi­ge Bro­cken ein­wer­fen in wel­cher Spra­che auch immer. Das gab es auch bis­lang schon immer. Nur dach­te ich, dass die ‘offi­zi­el­len’ Spra­chen beim ESC tat­säch­lich eng­lisch und fran­zö­sisch sei­en, und dann gehört es sich für ein *kom­plet­tes Inter­view* (im Gegen­satz zu etwa einer ein­zel­nen Begrüßung)eben nicht, dies sozu­sa­gen unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit zu füh­ren, egal ob das nun est­nisch, bul­ga­risch oder ebenm deutsch ist.

  16. und wegen der jury: kamen die glei­chen töne von dir nicht schon im letz­ten jahr, wo selbst dem letz­ten son­der­schü­ler nach öff­nung des zehn­tes umschla­ges klar wur­de, dass kuun­kuis­kaajat von der jury ver­hin­dert wur­de? 😉 solan­ge kei­ne zah­len ver­öf­fent­licht sind, muss man auch vom (offen­sicht­li­chen) worst case aus­ge­hen.

  17. Inter­views Bei gan­zen Inter­views hast Du ja recht. Kommt nur dar­auf an, was man dar­un­ter ver­steht. Die kur­zen Sät­ze im Pink-Room wür­de ich nicht als Inter­view bezeich­nen, son­dern als Small­talk. Da dürf­te es eben auch mal die eige­ne Spra­che sein. Beson­ders, da vie­le Zuschau­er es ohne­hin nicht sehen kön­nen, weil deren Sen­der die Pau­se mit Wer­bung fül­len. Und lie­ber mal zwei Sät­ze in einer unbe­kann­ten Spra­che als z.B. die Nicht­aus­strah­lung des gesam­ten Halb­fi­na­les wegen eines Ten­nis­spiels.

  18. Und falls Deutsch­land wie­der gewinnt, sau­fe ich mir die Hucke voll.’ Aus Trau­er oder aus Freu­de? 😆

  19. ganz abge­se­hen davon, dass deutsch nicht est­nisch oder bul­ga­risch ist, und man auf fran­zö­sisch noch viel eher ein gespräch ‘unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit’ füh­ren wür­de.

  20. So, und hier dann auch ein­mal mei­ne detail­lier­te Rück­schau zum zwei­ten Halb­fi­na­le. 01. Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na Gutes Lied (beschwingt und doch nicht ganz ohne Melan­cho­lie), char­mant-ver­spon­ne­ne Prä­sen­ta­ti­on und ein erfah­re­ner Inter­pret mit Aus­strah­lung. Gelun­ge­ner Auf­takt. 02. Öster­reich Per­sön­lich mag ich dra­ma­ti­sche Herz­schmerz-Bal­la­den ja lie­ber als kit­schi­ge Bes­se­re-Welt-Bal­la­den, aber was für eine Stim­me! 03. Nie­der­lan­de Fällt in eine ähn­li­che Kate­go­rie wie San Mari­no. Man kann es sich gut anhö­ren, aber es ani­miert nicht zum Anru­fen. Scha­de. Auch wenn ich unse­re Nach­barn ger­ne mal wie­der im Fina­le gese­hen hät­te. 04. Bel­gi­en A Capel­la ist ein­fach nichts für so gro­ße Hal­len, obwohl es bes­ser her­über kam als ich befürch­tet hat­te. Auch hät­te ich mir eine etwas ein­heit­li­che­re Beklei­dung gewünscht. Wäre eine Berei­che­rung des Musik­me­nüs im Fina­le gewe­sen. 05. Slo­wa­kei Ich weiß, ich bin nicht der Ers­te, der in die­ser Dar­bie­tung die ‘No Angels rel­oa­ded’ sieht, aber es stimmt. Ein Lied ohne beson­de­ren Höhe­punkt oder tie­fe­res Gefühl, Schlep­pen im Wind und eine Gesangs­leis­tung, die im Ver­gleich zum vor­her­ge­hen­den Lied doch deut­lich abfällt. Zwar nicht gera­de bla­ma­bel, aber sehr halb­gar. 06. Ukrai­ne Die ukrai­ni­scher Ver­si­on fand ich zu Her­zen gehend, die eng­li­sche auf CD immer noch über­durch­schnitt­lich, wenn man bereit ist, sich dar­auf ein­zu­las­sen, aber live war es doch sehr ent­täu­schend. Die Stim­me zu gepresst, nicht ein­neh­mend genug. Und die Sand­kunst lenk­te nur ab. Aber wahr­schein­lich war es genau das, was die Ukrai­ne ins Fina­le gebracht hat. Ich wüss­te nicht, war­um sie es sonst geschafft haben soll­ten. 07. Mol­dau Kam nach den bei­den ein­schlä­fern­den Num­mern vor­her natür­lich dop­pelt so gut. Und das Schlimms­te: Mein Fuß hat sofort mit­ge­wippt, ob ich woll­te oder nicht. Die Qua­li­fi­ka­ti­on war kei­ne Über­ra­schung. Auf­grund sei­ner Auf­fäl­lig­keit hat­te ich den Act schon län­ger auf dem Schirm. 08. Schwe­den ESC-Kon­fek­ti­ons­wa­re. Aber gute! Qua­si so wie ein Ralph-Sie­gel-Bei­trag heut­zu­ta­ge sein soll­te, es aber selbst nicht mehr zu tun ver­mag. Trotz Inhalts­lee­re – gera­de im Ver­gleich mit den ver­spon­ne­nen Inde­pen­dent-Punk-Rockern vor­her – ein sehr stim­mi­ges, gut (oder auch: glatt) pro­du­zier­tes Kon­zept. Und Eric ist ja auch nied­lich. 09. Zypern Für mich immer noch viel bes­ser als die ukrai­ni­sche Bal­la­de. Zudem in Lan­des­spra­che. Ich habe kei­ne Ahnung wor­an es gele­gen haben könn­te. Viel­leicht wäre bei der Insze­nie­rung doch weni­ger mehr gewe­sen? Die Inter­ak­ti­on des Inter­pre­ten mit der Kame­ra war näm­lich bei der Ukrai­ne tat­säch­lich bes­ser. 10. Bul­ga­ri­en Hm, da kann ich nicht viel zu sagen. Ich habe Bul­ga­ri­en von Anfang an – also seit der Song­aus­wahl in deren Vor­ent­scheid – nicht im Fina­le gese­hen, da es sol­che Pop­rock-Lie­der von weib­li­chen Inter­pre­ten in den letz­ten Jah­ren auch immer nur auf hin­te­re Rän­ge geschafft haben. Am Auf­tritt gibt es aber an sich nichts zu bemän­geln. 11. Maze­do­ni­en Irgend­wie klang Vlat­ko für mich zu Beginn des Gesangs­parts nicht nur hei­ser – das tut er ja immer – son­dern irgend­wie auch leicht ver­schnupft. Egal, ich bin sowie­so befan­gen, was die­ses Lied angeht, denn ich mag es sehr. Die Insze­nie­rung ging aller­dings gar nicht, schließ­lich ist das kein MTV-Act, son­dern Trash-Folk-Rock. Wo waren die Kosa­ken­kos­tü­me? Die besun­ge­ne Rus­sin? Die Lager­feu­er-Atmo­sphä­re? Das anfeu­ern­de Klat­schen wäh­rend der Bridge? Kurz: Wo war der Bal­kan- oder Zigeu­ner­zau­ber? Ich bin mir sicher, das hät­te funk­tio­niert! 12. Isra­el Schwa­ches Lied (im Ver­gleich zu ihrem Sie­ger­ti­tel und den ande­ren Uptem­po-Songs die­ses Jahr­gangs), ver­leb­te Stim­me, sta­ti­sche Per­for­mance. 13 Jah­re spä­ter reicht es eben nicht mehr, wenn sie nur sie selbst ist. 13. Slo­we­ni­en Ich weiß, es ist mein Lieb­lings­the­ma. Hier zeigt sich schon wie­der euro­vi­sio­nä­res Sexis­mus. 2006 singt ein jun­ger Mann ein ähn­lich arran­gier­tes Stück (mit dra­ma­ti­schen Stei­ge­run­gen zum Fina­le hin) vom sel­ben Auto­ren­team und schei­tert im Semi und kaum steht da eine jun­ge Dame im knap­pen Chrom-Kleid gelingt der Final­ein­zug. Na gut, fai­rer­wei­se muss man dazu sagen, dass der Slo­we­ne damals wohl viel zu harm­los wirk­te. Harm­lo­ser als die­ses kraft­vol­le Stück auf jeden Fall. Tja, lie­be Dana Inter­na­tio­nal, heut­zu­ta­ge sind Power­frau­en gefragt und kei­ne altern­den Diven. Die hat dich weg­ge­fegt. 14. Rumä­ni­en Auch wie­der etwas, wo der Fuß mit­wip­pen kann. Gefällt mir per­sön­lich viel bes­ser als die Dänen, die ja in musi­ka­lisch und text­lich ähn­li­chen Gefil­den segeln. Hat mich sehr gefreut, dass die Rumä­nen es eben­falls ins Fina­le geschafft haben trotz eigent­lich bes­se­rem Start­platz und schein­bar grö­ße­rer Belieb­heit der Dänen. Bin mal gespannt, wie es im Fina­le aus­se­hen wird. 15. Est­land So ganz unrecht hat Peter Urban mit ‘Kin­der­ka­nal’ ja nicht. Es hat­te schon etwas von einem Kin­der­ge­burts­tag. Es war bunt, fröh­lich und die Cho­reo­gra­phie wirk­te etwas unko­or­di­niert. Dumm nur, dass Jed­ward eine erwach­se­ne­re, etwas aggres­si­ve­re Vari­an­te davon im Ren­nen haben. Aber zumin­dest hat Get­ter der Kroa­tin gezeigt, wo der Zau­ber­stab hängt! Zau­ber­haft und lie­bens­wert. 16. Weiß­russ­land Zu sta­tisch per­formt, zu farb­los (auch hier: war­um kei­ne lan­des­ty­pi­schen Kos­tü­me?), gewöh­nungs­be­dürf­tig tie­fe Stim­me der Sän­ge­rin, dazu ein pola­ri­sie­ren­der Text. Scha­de, denn musi­ka­lisch ist es einer mei­ner Lieb­lin­ge die­ses Jahr. Konn­te gegen Est­lands Charme-Show nur ver­lie­ren. 17. Lett­land Gute Radio­songs haben im ESC einen sehr gro­ßen Nach­teil: Sie wir­ken auf der gro­ßen Büh­ne reich­lich unspek­ta­ku­lär. Scha­de. 18. Däne­mark Also, das ein­zi­ge, was ich bei den Dänen wirk­lich bes­ser fin­de als bei den Rumä­nen ist die Optik. Aber da das Land ja letz­tes Jahr schon mit einem Song, den ich über­haupt nicht gemocht habe, sehr gut abge­schnit­ten hat, befürch­te ich das Schlimms­te. Das ist so main­strea­m­ig, das muss­te natür­lich wei­ter­kom­men. 19. Irland Gebt es zu: Alle ande­ren waren doch nur Vor­pro­gramm für Jed­ward! Ja, ich bin jed­war­di­zed!!!! Ire­land for the win!!!! Sehr schön war übri­gens auch der Inter­val Act die­ses Mal. Klas­sik trifft Moder­ne, deut­sches Kul­tur­gut inter­na­tio­nal auf­be­rei­tet. Sehr schön! Auch das ein­ge­spiel­te ESC-Med­ley von Anke und Ste­fan war cool. Für mich war es ins­ge­samt eine noch bes­se­re Show als am Diens­tag. Ob sich das aber­mals stei­gern lässt? Ich habe gehört, dass Jan Delay einer der Pau­sen­acts ist und den kann ich lei­der abso­lut nicht ab. 🙁

  21. Ja, kamen sie. Und wer­den sie auch wei­ter­hin. Solan­ge irgend­wel­che Leu­te halb­ga­re Theo­ri­en von sich geben, wer­de ich gegen die­se Leu­te anre­den. Ich gebe ger­ne zu, wenn sich abzeich­net, dass die Theo­ri­en doch stim­men, aber solan­ge da nichts beweis­bar ist, argu­men­tie­re ich dage­gen.

  22. Song Con­test?? @ Litt­le Imp – Über Geschmack lässt sich nicht strei­ten, aber fin­dest Du den iri­schen Bei­trag wirk­lich ‘erwach­sen’ 😯 ?? Es gibt kaum einen inhalts­leh­re­ren Bei­trag – gesang­lich völ­lig indis­ku­ta­bel, blei­ben von dem Bei­trag nur besin­nungs­los lau­te, unko­or­di­niert her­um hüp­fen­de Zwil­lin­ge. Das ist abso­lu­tes jESC Niveau.…obwohl es selbst dort bes­se­re Songs gab. Aber ich ver­ste­he schon, dass der Song Anhän­ger fin­det, sind doch auch ‘Schnap­pi’, die Schlümp­fe und der ‘Cra­zy Frog’ mit Klang­tep­pi­chen oder gar schlich­tem Krach erfolg­reich in den Charts gewe­sen. So geht das Gefühl für Musik, das Gefühl für Kunst samt dem musi­ka­li­schen Gehör einer gan­zen Gene­ra­ti­on ver­lo­ren. Man kann nur hof­fen, dass etwa der Sieg Frank­reichs (oder eines ande­ren ech­ten Sän­gers) wie­der dafür sorgt, dass der ESC nicht zu einem Per­for­mance und Brüll-Con­test ver­kommt.

  23. Genau die glei­che Lei­er wur­de schon nach Rus­la­nas Sieg 2004 ange­stimmt (und bestimmt auch schon frü­her), und sie war damals nicht rich­ti­ger als heu­te. Qua­li­tät setzt sich immer durch – ja, viel­leicht hat man von Zeit zu Zeit einen unwür­di­gen Sie­ger (Riva, Dima Bilan), aber das sind Aus­rei­ßer. Voll­kom­men inhalts­lee­res Gedröh­ne reißt nur extrem sel­ten was. (Neben­bei fin­de ich ‘inhalts­leh­rer’ einen sehr schö­nen Ver­schrei­ber.) Jed­ward kön­nen nicht sin­gen, aber die Per­for­mance ist obers­te Schie­ne, und dafür steht Irland zu Recht im Fina­le. Was sie dort von Start­platz 6, zwi­schen Ungarn und Schwe­den, rei­ßen kön­nen, ist eine ande­re Sache…

  24. jo Bis auf die Kom­men­ta­re zu Jed­wards (und der däni­schen Optik) kann ich die­ser Ein­schät­zung ziem­lich zustim­men. Natür­lich kommt bei mir dann in Nuan­cen ein ande­res Ergeb­nis her­aus, aber das sind rei­ne Geschmacks­fra­gen. Von der eher sach­li­chen Beur­tei­lung: 100%

  25. Kom­pa­ra­tiv! Bit­te genau lesen, lie­ber D’dorf 11. Ich schrieb nicht ‘erwach­sen’, son­dern ‘erwach­se­ner’ im Ver­gleich zu Est­land. Wenn Rocke­fel­ler Street ‘Kin­der­ka­nal’ ist, dann ist ‘Lip­s­tick’ immer­hin schon fast MTV vom Gesamt­ein­druck her (Insze­nie­rung, Text, etc.). Oder mei­net­we­gen auch Bra­vo-Niveau oder sowas. Und was den Inhalt angeht: Manch­mal ist es auch ganz schön, ein­fach nur unter­hal­ten zu wer­den, ohne sich mit den Pro­ble­men der Welt oder der Lie­be oder was­wei­ßich Gedan­ken machen zu müs­sen.

  26. so weit ist es also schon gekom­men So, inzwi­schen habe ich mich wie­der halb­wegs beru­higt. Natür­lich wer­de ich heu­te abend wie­der bei­woh­nen. Ich muss nur ein­fach die Halb­fi­na­les ver­ges­sen, son­dern mir ein­re­den, dass es nicht etwa ein super­tol­ler Jahr­gang ist, aus dem eben die Bes­ten bereits her­aus­ge­fal­len sind, son­dern eben ein nor­ma­ler mit­tel­mä­ßi­ger Jahr­gang, bei dem es gilt, noch das Bes­te draus zu machen. Und natür­lich wer­de ich auch KEI­NE Pin­kel­pau­se ein­le­gen. Immer­hin habe ich ja auch die CD immer brav GANZ durch­ge­hört (mit dem Erfolg, dass Irland immer­hin aus der Kate­go­rie ‘abso­lut furchtb­nar’ in die Kate­go­rie ‘mag ich ein­fach nicht’ auf­ge­stie­gen ist). Was ich aller­dings scho­ckie­rend fin­de, ist, dass ich mir tat­säch­lich Gedan­ken dar­über mache, ob ich – wie sonst immer im Fina­le – ‘ehr­lich’ wäh­len soll, um mei­nen chan­cen­lo­sen Lieb­lin­gen (Slo­we­ni­en, Öster­reich, Geor­gi­en, Mol­da­wi­en) mög­lichst gute Plät­ze zu ver­schaf­fen (und mich hin­ter­her ärge­re, dass mei­ne Stim­me qua­si völ­lig unter den Tisch gefal­len ist, da Deutsch­land an kei­nes die­ser Län­der auch nur einen ein­zi­gen Punkt ver­ge­ben hat), oder ob ich lie­ber ‘tak­tisch’ wäh­len soll (wie sonst höchs­tens in Halb­fi­na­les oder bei poli­ti­schen Wah­len), um einen Sieg von Irland, Schwe­den oder gar Russ­land zu ver­hin­dern. Dann müss­te mei­ne Stim­me klar nach Finn­land oder Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na gehen. So weit ist es also schon gekom­men … (damit ist nicht die Stimm­ver­ga­be nach FIN oder BiH gemeint, das ist völ­lig in Ord­nung, son­dern die Ver­zer­rung des Stim­mungs­bil­des. Aber die ist ver­mut­lich bei all den ‘natio­na­öis­tisch’ Wäh­len­den rh schon gege­ben. Scha­de eigent­lich).

  27. Ich bin sehr für das ‘ehr­li­che’ Wäh­len. Man ärgert sich dann zwar etwas, wenn es dann doch kei­ne Punk­te aus Deutsch­land dafür gab, aber bereut habe ich das noch nie. Und man weiß ja nie, ob nicht viel­leicht doch einer der eige­nen Lieb­lin­ge Gna­de bei den Lands­leu­ten gefun­den hat (deut­sche Punk­te für Öster­reich sehe ich die­ses Jahr in der Tat im Bereich des mög­li­chen). Und dann ärgert man sich auch nur, weil die eige­nen Anruf­fe viel­leicht sogar einen Punkt mehr aus­ge­macht haben könn­ten. Also, ich wür­de dir sehr dazu raten ehr­lich abzu­stim­men.

  28. dan­ke für die Bestä­ti­gung Wer­de ich wohl auch so machen. Denn auch im tak­ti­schen Fall ist ja Ärger kei­nes­wegs aus­ge­schlos­sen, der dann sogar ein dop­pel­ter ist, wenn es nicht ein­mal etwas genutz hat. Und wie sol­len wir jemals zu einem ehr­li­chen Stim­mungs­bild kom­men, wenn nicht jeder Ein­zel­ne damit anfängt. Dan­ke!

  29. Ergän­zung … habe bei mei­nen ‘Lieb­lin­gen’ Ser­bi­en ganz ver­ges­sen.

  30. Dies­mal aus Freu­de, da mir der Song wirk­lich gefällt. ‘Satel­li­te’ wer­de ich wohl nie mögen.

  31. Pin­kel­pau­se Die PP lege ich in den Inter­vall-Akt. Konn­ten die kei­nen bes­se­ren (oder bekann­te­ren) als Jan Delay fin­den? Kopen­ha­gen hat damals Aqua auf­ge­fah­ren und Mos­kau tatu. Aber viel­leicht wer­den wir ja noch über­rascht.

  32. Delay Ich mag ihn ja auch nicht so beson­ders. Aber offen­bar ist er super ange­kom­men.

  33. Bes­ser oder bekann­ter’ als Jan Delay? Der Mann ist wenigs­tens ein eini­ger­ma­ßen aktu­el­ler (und in Deutsch­land sehr erfolg­rei­cher) Künst­ler. Zum Zeit­punkt des ESC in Mos­kau war Tatus ein­zi­ger euro­pa­wei­ter Hit schon sechs Jah­re alt, bei Aqua waren es vier Jah­re. Das grenz­te schon an Last-Chan­ce-Saloon.

  34. Zum vor­letz­ten Platz von Zypern: Wer meint, mit einer total beklopp­ten, unnö­ti­gen Büh­nen­show, die noch dazu in ihrer hoch­dra­ma­ti­schen Art über­haupt nicht zum Lied pass­te, den Auf­tritt kaputt­zu­ma­chen, soll sich bit­te nicht wun­dern, wenn er von Euro­pa abge­straft wird. Über­rascht mich ehr­lich gesagt nicht beson­ders.

  35. Wider­spruch! Da hast Du nun aber wirk­lich einen ande­ren Con­test gese­hen als ich! Die Zyprio­ten hät­ten allei­ne schon für die Büh­nen­show wei­ter­kom­men müs­sen, die allei­ne war schon 12 Punk­te wert (und das Lied dann noch mal 12). Sie hat­ten die wei­tem Abstand bes­te Büh­nen­show des dies­jäh­ri­gen Jahr­gangs! Und auch die am bes­ten zum Song pas­sen­de. Es geht ja dar­um, die Stim­mung des Songs zu trans­por­tie­ren (den Text ver­stand ja eh nie­mand) – und die lau­te­te nun mal: gro­ßes Dra­ma! Gro­ßer Gefühls­sturm und Über­wäl­tung, aus-der-Bahn-gewor­fen-wer­den. Und genau das trans­por­tier­te die Show: Im Gefühls­sturm wild umher­wo­gen­de Men­schen, mensch­li­che Wind­müh­len – die Ver­wir­rung der Gefüh­le aus­drü­ckend -, und selbst die Welt (sym­bo­li­siert durch die Glas­ku­gel am Strick) trug es bei­na­he aus der Umlauf­bahn. Das war nun wirk­lich – und das mei­ne ich völ­lig uniro­nisch – ganz, ganz gro­ße Euro­vi­si­ons­kunst! Scha­de, dass Euro­pa so unemp­fäng­lich dafür ist…

  36. Soviel zum The­ma ‘Nor­we­gen und Zypern – Opfer der Jurys’, was? Um mal Oli­vers Ant­wort an Keith Mills vom letz­ten Jahr zu zitie­ren: Ha. Ha! Nichts da. Sieb­zehn­te und acht­zehn­te Plät­ze im Semi sind eben mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit nicht den bösen Jurys allein zu ver­dan­ken. Und neben­bei wäre es mir lieb, nicht mit ‘den letz­ten Son­der­schü­lern’ in eine Rei­he gestellt zu wer­den. Ich fand Finn­lands Aus­schei­den 2010 alles ande­re als unge­wöhn­lich, aber des­we­gen bin ich nicht dumm, vie­len herz­li­chen Dank.

  37. Mag ja sein, aber dann war das Lied ein klas­si­scher Fall des­sen, was wir drü­ben bei TV Tro­pes ‘Lyri­cal Dis­so­nan­ce’ nen­nen. Zu einer der­art (Ver­zei­hung) lah­men Melo­die einen dra­ma­ti­schen Text anzu­stim­men, den außer­halb von Zypern und Grie­chen­land nie­mand ver­steht, ist ein­fach unpas­send. Gegen­bei­spiel: Ser­bi­en 2007. So geht das, ver­dammt noch eins! Dann ist auch die Spra­che egal. Und die Ham­mer­wer­fe­rin ging über Pathos hin­aus in Narm – da kommt bei mir nur ein Gefühl auf, und das ist Hei­ter­keit. (Okay, even­tu­ell noch Span­nung – ob denn das Seil hält. 😉 ) Die Show war nett, das Lied auch, aber das pass­te ein­fach nicht zuein­an­der. Aber da wer­den wir wohl eben­so­we­nig auf einen Nen­ner kom­men wie bei Ita­li­en.

  38. Häh? Das däni­sche Mika-Lied? Mika ist für die Ukrai­ne ange­tre­ten und A Fri­end In Lon­don für Däne­mark. Wen meinst du denn jetz? :con­fu­sed:

  39. Ich neh­me mal an, chris mein­te mit ‘Mika’ nicht die ukrai­ni­sche Sän­ge­rin, son­dern den bri­ti­schen Sän­ger. ‘Grace Kel­ly’, ‘Hap­py Ending’, die­ser komi­sche Kauz.

  40. So… …jetzt, wo sich der Staub gelegt hat: Gut, zuge­ge­ben, die Jurys haben Nor­we­gen hin­aus­be­för­dert. Nicht, dass Platz 9 im Tel­e­vo­ting son­der­lich über­zeu­gend gewe­sen wäre (mit gan­zen vier Punk­ten Vor­sprung auf Litau­en), aber das muss ich natür­lich zuge­ste­hen. Aller­dings bin ich immer noch der Mei­nung, dass das mit Finn­land 2010 nicht ver­gleich­bar ist – Kuun­kuis­kaajat waren doch um eini­ges ein­deu­ti­ger in den Top 10 der Tel­e­vo­ter, und wer die Jurys der­art gegen sich auf­bringt wie Stel­la Mwan­gi die­ses Jahr (war­um auch immer), muss eben mit sowas rech­nen. Tja. Schön zu sehen jeden­falls, dass die Tel­e­vo­ter offen­kun­dig nicht ganz so ras­sis­tisch waren, wie eini­ge hier vor­ei­lig trom­pe­te­ten. Auf ein Neu­es in Baku…

Oder was denkst Du?