Haba-Haba-Gate: Televotingergebnisse 2011

Heute veröffentlichte die EBU die getrennten Ergebnisse des Tele- und Juryvotings. Wie schon vermutet, gibt es massive Unterschiede zwischen den demokratischen Zuschauerergebnissen und dem verstaubten Geschmack der Korrumpeure in den Jurys. So klaffen bei der österreichischen Jodelschnepfe Nadine Beiler und ihrer (wenn auch hervorragend gesungenen) sterbensöden Disney-Ballade ‚The Secret is Love‘ unfassliche 19 Plätze zwischen den Präferenzen der dort versammelten Schnarchnasen (Platz 5 im Juryvoting) und den progressiveren Zuschauern, bei denen die Frau mit der Mireille-Mathieu-Perücke auf dem vorletzten Platz landete. Als massive Jurylieblinge erwiesen sich auch die öden Nummern aus Slowenien, Dänemark (Platz 18 im Zuschauerranking!) und – wie ich es mir bereits dachte – Italien, dessen schief singender Jazzpianist das Juryvoting gewann (!). Am schockierendsten aber: das unverzeihliche Ausscheiden des norwegischen Sonnenscheins Stella Mwangi im ersten Semi geht alleine auf die Kappe der diabolischen Juroren, denen ich hiermit die Pest an den Hals wünsche – und jedem, der dieses Instrument weiterhin verteidigt, auch!


Opfer der Jurys: die superknuffige Stella (NO)

Ein Tröstliches bietet der Haba-Haba-Gate immerhin: die europäischen Zuschauer sind also doch nicht, wie von mir aufgrund des schockierenden Ausscheidens von Stella Mwangi schon befürchtet, ein Haufen Rassisten, die ein fröhliches Liedchen mit einer in Suaheli gesungenen Hookline abstrafen, während sie über die stimmlichen Unsauberkeiten einer Ungarin mit einem ebenso flotten Discoschlager aufgrund deren heller Hautfarbe großzügig hinweg sehen. Vielmehr schätzen zu meiner großen Beruhigung die Europäer gut gelaunte Uptemponummern unabhängig von ihrer Färbung: ‚What about my Dreams?‘ und ‚Haba Haba‘ landeten im Zuschauervoting direkt hintereinander auf den Rängen 8 und 9. Direkt vor Kati Wolf konnte sich übrigens eine weiterer Tanzflächenknüller platzieren: ‚Boom Boom‘ der Armenierin Emmy, das zweite Juryopfer des ersten Semis. Auch die Türkei hätte es nach dem Zuschauerwillen ins Finale geschafft, wenn auch gerade so eben mit zwei Punkten Vorsprung vor Litauen. Womit auch klar ist, dass die Little-Big-Five-Regel1)Gemeint ist die quasiautomatische Qualifikation der Länder AZ, AM, GR, RU, TR. weiterhin Gültigkeit besitzt, zumindest bei den Zuschauern. Im zweiten Semi hingegen gibt es „nur“ ein Juryopfer zu beklagen: das fabelhaft eigenironisch-patriotische ‚I love Belarus‘. Auch hier vergieße ich ein stille Beleidsträne.


Schieb die Faust in den Enddarm der Juroren, Anastasiya! (BY)

Gerade im Finale bestätigte sich dann erneut, dass die Jurys entgegen des klaren und eindeutigen Zuschauerwillens, der nun mal unterhaltsames, gut choreografiertes Uptempo zu schätzen und zu honorieren weiß, rücksichtslos Seichtes und Langweiliges nach oben schiebt. Italien, Aserbaidschan, Dänemark, Slowenien, Österreich: die Jury-Top-5 deckt sich inhaltsgleich mit den Top 5 meiner persönlichen Hassbeiträge in diesem Jahrgang. Ganz offensichtlich versammelt sich die kleine, aber einflußreiche Minderheit der Balladenliebhaber geschlossen in den Eurovisionsjurys. Oder läßt sich deren Vorliebe für Getragenes (auch) mit dem meiner Vermutung nach höheren Altersdurchschnitt dieses Gremiums im Gegensatz zu den ja doch eher jüngeren Anrufern erklären? Jedenfalls fungiert die Jury sehr klar als gut geöltes Manipulationsinstrument der Balladenfreunde. Mit einer, um so lustigeren Ausnahme in diesem Jahr: erstaunlicherweise präferierten sie die hyperaktiven irischen Haartollen Jedward (Rang 6 im Juryvoting, 10 bei den Zuschauern). Vermutlich aus alter Verbundenheit zu Irland.


Huch: die Jurys mochten die ADRS-Buben (IE)

Die exakten Ergebnisse des Televotings habe ich in die Tabellen für das erste Semi, das zweite Semi und das Finale eingearbeitet. Für den deutschen Beitrag ergaben sich nur marginale Unterschiede (#9 bei den Zuschauern). Schwer zu leiden hatten indes die sexy britischen Boybandbuben Blue (#5 bei den Zuschauern) und die noch sexieren Griechengötter Loukas Yiorkas + Stereo Mike (#3). Am krassesten traf es aber den russischen Unsympathen Alex Vorobyov. Landete er mit seiner Hochleistungschoreografie und den albernen LED-Sneakern im Zuschauerranking auf einem guten siebten Rang, so reichten ihn die Juroren bis zum Tabellenende durch. Das dürfte sicherlich für massive Mißstimmung im Reiche Putins und ultrahocherhitzte Diskussionen mit der EBU sorgen. Auf jeden Fall leistete die Jury so ihr Scherflein zum konsequenten Vertreiben großer, etablierter Namen (wie eben Vorobyov oder Blue) vom Contest. Auch ein weiteres sintflutartiges Ansteigen der Balladenschwemme steht zu befürchten.


Die Stella Mwangis des Vorjahres: die fabelhaften Finninnen!

Wobei mich die Manipulationen im Finale bei Weitem nicht so aufregen wie das Haba-Haba-Gate in den Semis (das sich nahtlos an das Kuunkuiskaajat-Gate des Vorjahres anfügt). Denn im Finale zählt nur der Sieger – und da immerhin konnten die Zuschauer ihren Favoriten noch mal durchsetzen (#2 bei den Jurys). Ob beispielsweise ‚Get you‘ schließlich auf Platz 7 oder 16 landet, davon hängt praktisch nichts mehr ab. Völlig im Gegensatz zum Ausscheiden oder Weiterkommen in den Qualifikationsrunden, das für die betroffenen Länder (und Interpreten) weitreichende Folgen haben kann. Wenigstens hier ist den Balladenfreunden ihr Manipulationsinstrument umgehend wieder aus den Händen zu nehmen! Denn, wie die Ergebnisse der Jurywertung zeigen, befinden wir uns entgegen aller Beteuerung der EBU bereits wieder auf direktem Weg zurück in die Eurovisionssteinzeit der frühen Neunziger. Gebietet Einhalt – sofort!

Fußnote(n)   [ + ]

1. Gemeint ist die quasiautomatische Qualifikation der Länder AZ, AM, GR, RU, TR.

48 Gedanken zu “Haba-Haba-Gate: Televotingergebnisse 2011

  1. Ich werd mich hier nicht schon wieder an der alten Televoting-oder-Jury-Diskussion beteiligen. Erstens ist das Thema jetzt schon x-mal auseinanderklamüsert worden, und zweitens führt das ja eh zu nix, da jeder Fan andere Erwartungen und Vorstellungen an/vom Song Contest hat und dementsprechend mehr ein Anhänger der einen oder der anderen Abstimmungsform ist. Deshalb hier, meine ungefiltert subjektive, unkonstruktive und völlig Fanboy-durchtränkte Meinung: … Aaaaaaaaaaaaaaaahhhh, seid ihr Wahnsinnig, ihr Jury-Hohlköpfe??? Norwegen für Litauen opfern? Die fantastische Stella für diese Greinerin? Und was ist in der Top 5? Österreich, Slowenien, Italien? Oh mein Gott, so ein Ergebnis hätte man Millstreet 1993 vorlegen können, aber nicht anno 2011!! Für jemanden wie mich, der den Contest als modernes Popfestival genießt (jaja, ich weiß, da gibt’s geschmackliche Unterschiede, Komponistenwettbewerb und so, rhabarber, bla blubb) ist die Jurywertung ein dermaßerner Schlag ins Gesicht, dass mir nicht mehr viel dazu einfällt. Sofort weg mit den Idioten! Lieber MILLIONEN Jahre lang Ostblock- und Diasporavote als so eine Travestie. Das ist doch einfach unfassbar!

  2. sry aber ohne der Jury wäre z. B. Estland dieses Jahr rausgeflogen, aber man zählt wie immer nur die schlechten Seiten auf -.-

  3. Unerträglich subjektive Einschätzung DISCLAIMER: Im Folgenden verwende ich möglicherweise meinen subjektiven, persönlichen Geschmack als Maßstab für Gerechtigkeit. Das ist natürlich dumm und ich entschuldige mich schon mal dafür. Oh ja, da haben sich die Jurys einige schwere Fehlentscheidungen geleistet. Ich fang mal mit dem ersten Semi an: Wie kann sie denn Georgien so verschmähen?! Und warum musste ihr die Türkei zum Opfer fallen?! Die größte Jurykatastrophe im ersten Semi ist aber selbstverständlich… Malta! 6. Platz im Jury-Voting für so einen… mir fällt kein Wort ein. Und ich hatte echt gedacht, die Jury hätte ein bisschen Geschmack. Den hat sie doch bei der Platzierung Portugals, Norwegens, Russlands und Armeniens auf vier der letzten fünf Plätze im ersten Semi auch bewiesen. (Oh, was muss ich mir wohl gleich vom Autor des Artikels anhören?) Litauen hätte ich zwar in meiner persönlichen Hitliste knapp im Finale gesehen (so schlimm war es jetzt halt nicht), aber Sieger des ersten Semis? Nicht euer Ernst! Und Island? Ja, okay, der arme Komponist, das ist bedauerlich, aber das Lied ist auch recht bedauerlich. Dritter Platz? Nein. Aserbaidschan wurde sowohl vom Publikum als auch von der Jury entsetzlichst überbewertet. Ja, auch die Telefonanrufer bewiesen Nicht-Geschmack. Griechenland ist mit seinem grausigen Rap-Part (der Song war dafür einfach zu langsam. Georgien konnte das viel viel besser.) in etwa so ein passender Sieger wie Litauen. Russland und Armenien deprimieren mich dort oben einfach nur. Norwegen im Mittelfeld verkraftbar und die Türkei erstaunlich unterbewertet. Sehr schade wäre doch das Ausscheiden der Schweiz und Serbiens gewesen und San Marinos letzter Platz tut mir doch sehr leid. Zweites Semi: Es ist so deprimierend. Alle hassen Zypern. 🙁 Das war doch voll schön! Moldau, Weißrussland und Israel sind hingegen bei der Jury erfreulich weit hinten. Bulgarien und Bosnien ausscheiden lassen zu wollen, ist hingegen eine Frechheit. Die Jury weiß nicht, was sie will: Irland im ersten Semi auf Platz 10 und somit fast abgewählt und im Finale dann auf einmal auf Platz 6? Bei der Jury überrascht mich so eine Unentschlossenheit schon. Die Slowakei, Rumänien und Dänemark. Ja, insbesondere Rumänien und Dänemark. Warum nur kommt sowas an? Slowenien und Österreich sind erfreulich weit oben platziert und der Jurysupport für die Belgier hätte nach meinem Geschmack sogar noch etwas stärker ausfallen können. Und das Publikum wählt Rumänien und Dänemark auf die Drei und Vier. Nicht zu fassen. Sie hat verstanden, dass es um einen Song Contest und nicht um einen Political Correctness Song geht. Weißrussland wäre nämlich weiter. Belgien ist bei ihnen erfreulich knapp ausgeschieden und Zypern kann ich an dieser Stelle nur erneut beweinen. Etwas über das Finale sage ich dann später noch einmal.

  4. Epic Fail hoch Drei Da weiß man wirklich nicht, was man sagen soll, außer: JURIES WEG! Da ist es mir auch sowas von egal, dass ich damit Recht hatte, dass Aserbaidschan auch das Televoting gewonnen hat. Das war so knapp, dass wirklich Diaspora- und Nachbarschaftsstimmen den Auschlag gegeben hätten. Womit wir beim Thema wären. Die Jury sollte Diasporavoting eindämmen? Sie hat den Sieg Aserbaidschans, das tatsächlich türkische Diaspora auf sich vereint haben könnte, nur noch eindeutiger gemacht. EPIC FAIL Die Jury sollte die Wertungen interessanter machen? Rein nach Televoting wäre es spannend bis zur letzten Wertung gewesen ohne Jury und statistischem Berechnungssystem. EPIC FAIL² Die Jury soll für die notwendige musikalische Kredibilität des Wettbewerbs sorgen? Großbritannien nimmt die Sache endlich einmal Ernst und wird von der Jury dafür abgewatscht. EPIC FAIL³ Mir fehlen immer noch die Worte … und Schweden ist für mich jetzt der diesjährige Sieger der Herzen. So.

  5. warum schlecht bzw. gut? weil es gerade dir gefällt? qualitativ war das absoluter murks.

  6. Alles gut. Hmmm, weiß auch nicht, ich gucke mir die beiden Votings an, finde das eine oder andere auch echt bemerkenswert (z.B. San Mariiino? In ze Feinel lt. Jurys? Krass!) Aber: Prinzipiell kann ich mit dem Gesamtergebnis immer noch gut leben. Sehr gut sogar. So oder so, gibt’s doch immer Favoriten, die ausscheiden oder Ätzlieder, die weiterkommen. Welches Votingsystem auch immer. Dieses Jahr war ich sogar extrem zufrieden, obwohl einige Songs weitergekommen sind, die ich schlimm fand: Schweden, Russland, Litauen. Geschenkt. Mit Norwegen konnte ich von Anfang an nichts anfangen und Frau Lukaschenko war toll als Camptrash im Semi, aber bitte doch nicht nochmal im Finale. Was daran selbstironisch gewesen soll, hat sich mir noch nicht erschlossen. Schön wär’s ja. Richtig witzig hätte ich es nur gefunden, wenn die Vinnkova ‚I love Belarus‘ gesungen hätte, aber z. B. für Moldawien. Gacker. Also kurz und gut: Für mich ist das ganze Resultat voll OK. Was ist nur mit mir los? Friede, Freude, Eierkuchen, voll der Mutter-Theresa-ich-hab-Verständnis-Eintrag. Nächstes mal läster ich wieder 😉

  7. mit ausnahme des griechenland-teils (wobei ich selbst hier soweit übereinstimme, dass der rap das schwächste am somg war), in allen punkten volle zustimmung. DH! JURY RAUS!

  8. Wie kommst du eigentlich zu der Vermutung, dass in den Jurys nur scheintote Spätrentner sitzen, die deswegen zwangsläufig auf sterbenslangweilige Balladen und italienisches Bar-Geklimper stehen? Ich glaube, das älteste deutsche Jurymitglied war Ina Müller.. Ich vermute bei den Wertungen der Jurys eher einen anderen Zusammenhang: Man sieht sich wohl als Instanz der Ernsthaftigkeit und will etwas dagegen unternehmen, dass die ganzen Quatsch- und Klamauk-Beiträge, die angeblich vom gemeinen Volk so geliebt werden, nicht zu weit nach vorne kommen, und deswegen geht man eher ernsthaft und seriös zu Werke. (Und jetzt komm mir bloß keiner mit dem guten Abschneiden von Jedward bei den Jurys an, sonst zersört das meine ganze Argumentationskette…)

  9. die Jurys haben einfach … Geschmack und wissen, was Talent ( ITALIEN , ÖSTERREICH … ) bedeutet … RAUS mit dem Televoting !

  10. ach herrje nun ja, es war schon zu erwarten gewesen, dass an dieser stelle die übliche jury-schelte kommen würde. macht nix! ich habe aus der halle heraus angerufen für finnland, ungarn, italien (jawoll! bravo! bravissimo! und ich freu mich sooooo hart über den zweiten platz!), österreich und serbien. ooops, da sind ja auch drei jurygeschmäcker drin 😛 das liegt sicher nur daran, dass ich jetzt auch im fortgeschrittenen alter (wo fängt das denn an?) bin 😉 leute, hört doch einfach mal mit der platten juryschelte auf – geschmäcker sind nun mal verschieden. und ich bin ganz froh, dass nicht schweden mit der platten billigkopie im scherbenhaufen gewonnen hat. und nächstes jahr sollen nun alle griechenland kopieren, wenn ich oliver richtig verstanden habe? (denn das televoting-ergebnis soll eher vorgabe sein als das juryergebnis, korrekt?) da freu ich mich schon auf ganz viele westendrapper und schicke jungs mit guter stimme. für mich darf dann auch wieder etwas salonmusik mit stil dabei sein. und wenn es nach oliver geht, müsste dann ja im kommenden jahr auch die alte gus-seilschaft wieder groß ins rennen einsteigen: plätze 4 (ukrainische sandmalerei), 7 (der russische schmierlappen) und 8 (georgischer chic für den dex-award) im televoting. danke dafür! und an little imp: wenn die ergebnisse allein schon nicht stimmen, ist daran offensichtlich auch noch die jury schuld; schweden lag im televoting schon hinter azerbaidschan – was gibt´s denn daran nun wieder rumzukritteln? man muss eben auch mal verlieren können. nehmt´s einfach sportlich, mädels. und bewerbt euch doch mal für ne jury (*kicher*). ansonsten immer noch und immer wieder: ich liebe diese seite! 😛

  11. Als Antwort auf die Eingangsfrage: Ähm…die Vermutung leitet sich aus dem Juryergebnis ziemlich deutlich ab. Italien auf der 1, Slowenien auf der 4, Österreich auf der 5, und dagegen Russland auf der 25, das spricht schon eine eigene Sprache.

  12. Schweden ist WAS BITTE? Da kann ich dir nur dein eigenes ‚Epic Fail‘ um die Ohren schlagen, garniert mit einem ‚You Fail Mathematics Forever‘. Wie kann etwas Sieger der Herzen sein, das in beiden Blöcken, Televoting und Jury, hinter Aserbaidschan gelandet ist?

  13. Na schön, mal der Reihe nach. Dank der Jurys weitergekommen: Litauen, Schweiz, Serbien, Estland. Dank der Televoter weitergekommen: Georgien, Russland, Bosnien-Herzegowina, Moldau. Dank der Jurys ausgeschieden: Norwegen, Armenien, Türkei, Weißrussland. Dank der Televoter ausgeschieden: Malta, San Marino, Belgien, Slowakei. Auf die Gefahr hin, auf dieser Seite damit endgültig zur Persona non grata erklärt zu werden: Wo ist da das Problem? Ich könnte die Televoter erwürgen, dass es ihnen sei ‚Dank‘ Belgien zerlegt hat – und ihnen gleichzeitig danken, dass Bosnien das Halbfinale überstanden hat. Umgekehrt: Vielen ‚Dank‘ an die Jurys für diese Grützlangeweile aus Litauen (Sieger im ersten Semi?! Wie bitte?!), und aufrichtigen Dank für Estland. Gleicht sich aus meiner Sicht aus. Ich weiß, dass ich hier gegen eine Front von Menschen anrenne, die der Philosophie des Hausherrn folgen, der zufolge Balladen und Midtemponummern immer und automatisch langweilig sind (über Love in Rewind reden wir dann mal lieber nicht…), aber es ist die Aufgabe der Jurys, an der Bühnenshow vorbei zu schauen und ein bisschen Perlentaucherei zu betreiben. Wobei ich mich zugegeben bei einigen Platzierungen (auf beiden Tabellen) frage, was man in gewissen Ländern Europas so für Drogen nimmt. Ich will was davon abhaben! Naja. Jedenfalls wird das hier mein letzter Beitrag zu diesem Thema sein (dieses Jahr). Ich unterstütze das augenblickliche Votingsystem voll und ganz – es gibt Anlass, sich massiv aufzuregen, ohne dass sich eine klare Mehrheit bilden würde, die in eine Richtung tendiert (jedenfalls nicht außerhalb dieses mir völlig rätselhaften Stella-Mwangi-Fanclubs, der jetzt vermutlich noch lauter und schriller wird. Oh Freude).

  14. Noch ein bisschen mehr aufgedröselt: -Welche türkische Diaspora? Wenn aus Deutschland 0 Punkte kommen, hat die türkische Diaspora ihren Bruderstaat ja wohl nicht so massiv unterstützt wie gedacht. -Okay, vielleicht wäre es spannender gewesen – oder es wäre zum selben Zeitpunkt klar gewesen, was Sache ist, das hätte dann nur von der Stimmreihenfolge abgehangen. -Was um alles in der Welt hat eine abgehalfterte Boygroup, die ihre beste Zeit vor knapp zehn Jahren hatte, mit ‚musikalischer Kredibilität‘ (Glaubwürdigkeit ist übrigens ein schönes Wort) zu tun? Das Argument hätte vielleicht gegriffen, wenn die Briten jemanden wie Adele hingeschickt hätten. Das hat mit ‚Ernst nehmen‘ jedenfalls nicht viel zu tun.

  15. Und wer entscheidet das? Ich fand Schweden und Norwegen unmotivierten, angestaubten Blödsinn – nach welchem objektiven Kriterium ist das falsch (oder richtig)?

  16. schön, dass es sich bei deinen persönlichen favoriten ausgleicht. und warum genau soll jetzt das nicht punkte kriegen, was der mehrheit in asien und europa am besten gefällt? bin nebenbei weder dem stella-mwangi- noch anna-bergendal-fanklub zugehörig, hatte beide nicht in meinen semi top10, empfand aber das ausscheiden beider als gleichermaßen unglaubwürdig. und wie man sieht, zurecht.

  17. Juryvote Ich finde es nach wie vor kein Verlust, dass Armenien, Belarus und Norwegen gescheitert sind. Eine Bereicherung ist keiner dieser Beiträge – außerdem sind ja auch Favoriten der Jurys im Gegenzug an den Televotern gescheitert (Belgien, Malta, San Marino & die Slowakei). Up-Tempo an sich ist eben noch kein Wert: der Crazy Frog war auch ‚Up-Tempo‘ und trotzdem grottig. Sowas sollte nicht auch noch unterstütz werden. Auch das Jury-Resultat des UKs ist vollkommen OK – wer so furchtbar falsch singt hat in den Top 5 nichts zu suchen. Auch Schweden wurde von der Jury im Finale sehr viel besser bewertet, als von den Televotern. Eine überladene Show sollte eben nicht von gesanglichen und musikalischen Defiziten ablenken. Ich finde es nicht schlecht, wenn die Jury positive Anreize setzt und etwa die Songs aus Österreich, Slowenien und Italien unterstützt. Zudem gewann mit AZ ja verdientermaßen auch der Favorit der Televoter. Trotzdem muss man wohl zugeben, dass Jurys unberechenbar sind ihr Wertungsschema nicht transparent ist. Aber die meisten Fans haben sich doch unbedingt die Jurys zurückgewünscht

  18. nur nebenbei: dass das ’s‘ in esc für ’song‘ und nicht ’singing‘ steht, weißt du aber, oder? der anreiz, den die jury mit top5-platzierungen für slowenien oder österreich setzt ist, verstaubte, uneuropäische, eintönige balladen von castingsternchen (denn professionelle und authentische musiker singen sowas nicht), die das publikum ganz offensichtlich nicht hören möchte, ins rennen zu schicken. italien war wie deutschland vor vier jahren mit rc nicht schlecht. ja, aber es war us-amerikanische spartenmusik und wenn europa und asien davon keine goosebumps bekommen und lieber eigene kulturelle klänge bevorzugen, dann besteht kein handlungsbedarf. zumal platz 11 mit zwei punkten rückstand zu den top10 durchaus als erfreulich gewertet kann und umgekehrt bei der jury sympathiepunkte eine rolle spielten.

  19. Okay… …darauf antworte ich dann doch noch. Um mal ‚Men in Black‘ zu zitieren: ‚A person is smart. People are dumb.‘ Oder, um einen anderen Lieblingsfilm von mir zu bemühen: ‚Menschen essen auch Blutwurst! Menschen sind Volltrottel!‘ Nein, natürlich nicht alle. Aber unter der Voraussetzung, dass die Jurys ihre Arbeit richtig machen (inwieweit das gegeben ist, sei mal dahingestellt), sind sie ein Ausgleichsfaktor für die Massen da draußen, die sich von Shows und Glamour blenden lassen. Wenn ich einen Film nicht selbst bewerten kann, vertraue ich auch eher einer einzelnen Person, die sich seit 45 Jahren damit beschäftigt, als den Verkaufszahlen. True Art ist meistens Unfug – aber Quality By Popular Vote ist es ebenso.

  20. so what also ums nochmal zu wiederholen: ich habe nichts gegen juries und auch in diesem jahr hat man ordentliche arbeit geleistet. wenn ich mir das alleinige televoting-resultat ansehe, wäre ich wohl seit dem 14.5. am dauerkotzen. und allen denen es nicht passt gesagt: norwegen ist völlig zu recht im semi rausgeflogen ! kacklied und dann noch schlecht gesungen … und vor der pest hab ich sowas von angst :-))))))))

  21. ‚Front von Menschen […] der zufolge Balladen und Midtemponummern immer und automatisch langweilig sind‘ Falsch! Es gab und gibt sehr viele schöne, geradezu anbetungswürdige Balladen und Midtemponummern beim ESC. Bloß dieses Jahr waren ausnahmslos uninspirierte, aus tausend anderen Balladen zusammengebastelte, komplett unkredible Balladen dabei. Lediglich der Finne und der Bosnier waren mit ihren selbstgeschriebenen Do-It-Yourself-Liedchen halbwegs authentisch. Es verwundert mich schon, dass ausgerechnet die Leute, die immer auf der Vokabel ‚Komponistenwettbewerb‘ rumreiten, Nadine Beiler so abfeiern – kein Zweifel, sie hat großartig gesungen, aber was gibt ‚The Secret Is Love‘ schon ‚kompositorisch‘ her? Gar nix, dass ist ganz übler 0815-Stoff, der in jedem drittklassigen Musical verheizt wird… das die Juries den Braten trotz dieser Ödniss trotzdem verschlungen haben, erweckt in mir den Eindruck, dass einige Herrschaften (und auch Frauschaften, Frau Müller *hust*) ihr elitärisches musikalisches Denken verwirklicht haben wollen. Zitat Feddersen: ‚Die wählen nichts aus, was Zauber hat, sondern vor allem, was sie mit ihren expertistisch verbohrten Gemütern für kostbar und wertvoll halten.‘

  22. People are dumb – und das ist auch gut so! Sorry, dass will ich jetzt gar nicht einsehen. Was ist falsch dran, wenn das Publikum sich von albernem, kitschigem Klimbim mitreißen und verzaubern lässt? Lieber sowas als Sieger, als irgendein abgehobenes, verkopftes Zeug mit einer gewissen ‚Wertigkeit‘, mit dem kein Mensch was anfangen kann? Es hat schon seinen Grund gehabt, warum keine alte Sau damals ‚The Voice‘ von Eimear Quinn gekauft hat. Wenn man eine Show für 100 Millionen Zuschauer konzipiert muss man halt damit rechnen, dass kein Zwölfton-Stück den Wettbewerb gewinnt, sondern halt mal einfach gestrickter Bubblegum-Pop. Und ich seh auch nicht den Grund, warum da jetzt eine Jury, bloß weil es da einen kleinen Kreis gibt, der sich für besser als der Rest ds ‚Pöbels‘ hält, künstlich das Ergebnis verwässern muss.

  23. That sounds good to him Ich glaub, du hast zu schnell gelesen – Schweden ist FÜR IHN der Sieger der Herzen! 😉

  24. ernst nehmen In gewisser Weise haben die Briten den Contest schon ernst genommen. Aber Blue hat nun wirklich nicht überzeugend performt. Und im übrigen gab es ja in der jüngsten Vergangenheit bereits weitere ernsthafte Bemühungen, teilweise sogar von ganz gutem Erfolg gekrönt (z.B. Lloyd Webber ‚My time‘).

  25. Spätrentner? Das hat doch wohl nichts mit dem Alter zu tun, jedenfalls nicht so direkt. Ich gebe zu, dass bei den ganz Jungen wohl eher wenige Jazz-Fans sitzen werden, aber um den russischen Junk einfach nur Müll zu finden, braucht man doch kein Mindestalter. Und Slowenien ist ja wohl absolut chartstauglich.

  26. ähem nur ne kurze Anmerkung – hatte ja schon mal dazu gepostet, dass ich DANKBAR bis, dass Belgien rausgeflogen ist – fand den Song einfach vorderhinterwäldlich und aus einem anderen Jahrmillionentausend. Das Ausscheiden Norwegens hat mich überrascht, den Hype wegen der Hupfdohle kann ich leider auch nicht nachvollziehen 🙄

  27. ever lasting story Leute, Leute, jetzt kommt aber mal runter. Wenn man sich die Beiträge pro und contra Juries anschaut, merkt man, dass (auch wenn sicher die vielfältigsten Begründungen vorgeschoben werden) in Wahrheit dahintersteckt, wieweit die betreffende Wählergruppe den eigenen Gschmack getroffen hat. Und das ist natürlich völlig unzulässig, da der einzige und wahrhaft maßgebliche Geschmack natürlich MEINER ist! 😉 Also schaue ich mal, wer mich am besten vertreten hat: Im Finale habe ich angerufen für Slowenien, Serbien, Moldawien und Georgien. Serbien und Georgien sind von der deutschen Jury mit Nichtachtung gestraft worden (im Televoting müssen sie irgendwas zwischen 0 und 6 Punkten erhalten haben). Moldawien bekam von beiden Parteien genau 4 Punkte (lässt sich ausrechnen), das ist doch schin mal was. Entscheidend für mich sind allerdings die 7 Jurypunkte für Slowenien, das im Televoting ganze 0 Punkte bekam. Und dass die 12 Televoting-Punkte tatsächlich an Griechenland gingen, erkläre ich mir lieber als Diasporavoting, sonst bekäme ich noch Magenkrämpfe. Noch klarer ist die Situation im 2. Semi. meine Anrufe gingen nach Bulgarien, Belgien, Slowenien, Moldawien und Österreich. Abgesehen von Belgien, das wohl keiner mochte, vergab die Hury hier gute Punkte (5, 6, 7 und 10). (Televoting lässt sich hier schlechter berechnen). Fazit für mich: wie so oft kann ich eigentlich mit den Jury-Ergebnissen ganz gut leben. In der Gesamtwertung freut mich natürlich vor allem der verdiente letzte Platz für den russischen Schmierlappen. Weiter will ich hier gar nicht analysieren. Das meiste ist oben sicher von irgend jemandem bereits geschrieben worden. Weiter so mit dem doppelten Voting-System! Dann hat wenigstens auch nächstes jahr wieder jeder was zum Meckern. bis denne

  28. Wie versprochen (bzw. angedroht) etwas zum Finale: Auch hier begründe ich natürlich alle meine Gefühle allein mit meiner Meinung. Also Def, du hast Recht, andere Argumente zählen nicht, allerdings möchte ich bemerken, dass nicht DEINE sondern MEINE Meinung die einzig maßgebliche ist^^ Was fällt mir bei der Jury so auf? Zunächst freut mich der letzte Platz Russlands natürlich ganz außerordentlich. Spanien tut mir dort ganz unten auch nicht leid. Die Schweiz da schon viel eher. Man ey, das war doch sooo süß. Und zwei Punkte beim Publikum sind doch eine Frechheit. Großbritannien außerhalb der Top 20 überrascht mich schon. So schlecht war es doch auch wieder nich, oder? Zusammen mit der Überbewertung durch das Publikum kommt man dann auf einen realistischen 11. Platz.^^ Intereassant ist, dass der Jurygewinner des 1. Semis, Litauen, im Finale von den Jurys wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wurde. Eigentlich bin ich überaus glücklich mit den Jury-Ergebnissen, wenn man folgende Austauschungen vornähme: Die Schweiz (23.) gegen Rumänien (13.) sowie Aserbaidschan und Dänemark (2. und 3.) gegen Georgien und Finnland (16. und 17.) Und das Publikum? Die Schweiz und Österreich auf den letzten Plätzen?! Warum hasst Europa den deutschsprachigen Raum nur so? … Achso, Deutschland ist 9.? Hm… Okay, war nur Spaß. Für solche Verschwörungen hab ich nichts übrig. Es gibt kein Land, dass nicht auch mal vorne landen könnte, sehr wohl aber welche, die nie hinten landen können. Das auch das nicht stimmt, zeigt die Türkei im Semi (selbst beim Publikum nur 10.). Aber Russland 7.? Wie viele Prozent der Punkte kamen da im Publikum aus Ex-Sowjetrepubliken? Nagut, vielleicht fanden sie auch das Lied und die Show cool. Ich aber nicht. 😀 Slowenien so weit unten zu sehen, tut natürlich weh. Dänemark wenigstens im Publikum abschmieren zu sehen, freut dafür um so mehr. Schön, dass Italien auch im Publikum einen achtbaren 11. Platz belegt hat. Man muss nicht so tun, als sei es dort total abgestürzt. Über Russland und Aserbaidschan beklagte ich mich ja bereits mehrfach und Griechenland fand ich auch überbewertet. Wer weiß, wie cool es ohne den Rapper gewesen wäre? Jetzt möchte ich mal einige ‚interessante‘ Länder hervorheben: Serbien (Jury: 8., Televoting: 13., gesamt: 14.) Estland (Jury: 18., Televoting: 23., gesamt: 24.) Rumänien (Jury: 13., Televoting: 14., gesamt: 17.) Durch die Art der Kombination kommt es manchmal zu interessanten Wechselwirkungen. Einige Länder (die eben genannten und die Türkei im ersten Semi fällt mir spontan noch ein) verlieren nun wirklich. Ich bin mir recht sicher, dass es unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist, dass der gemeinsame Favorit von Jury UND Publikum in der amüsanten Mischung nur 2. oder gar 3. wird. Stellen wir uns mal das Geheul vor, wenn Deutschland im vergangenen Jahr 2. geworden wäre und herausgekommen wär, dass sowohl Jury als auch Publikum Lena auf dem 1. Platz gesehen hätten. Sobald soetwas mal passiert, bin ich auch bereit, lauthals die Abschaffung der Jurys zu fordern. Jetzt sage ich noch kurz, warum ich im Moment noch für dieses gemischte System bin: Einmal irgendein unsinniges Gerechtigkeitsgefühl: Jedes ‚Diaspora-Land‘ kann auch mal hinten landen, wenn es bei den Jurys in Ungnade gefallen ist und jedes Außenseiter-Land kann auch mal überraschend weit vorne landen, wenn die Jury dahinter steht. Russland schon wieder in den Top 10 zu sehen und Griechenland auf Platz 3, hätte mich dieses Jahr echt aufgeregt. Der zweite Grund ist die Überraschung: Würde man glauben, dass 8 Punkte an Deutschland, 10 an Irland und 12 an Italien gehen und das aus Lettland?! Bei ein paar 12-Punkte-Wertungen dachte ich mir auch noch so: ‚WTF?!‘ 12 Punkte an ein Land, das weder Nachbar noch Diaspora-Land war und dazu noch weit hinten in der Tabelle. Einfach diese Unberechenbarkeit. Toll. 🙂 Toll auch, dass der vorletzte Platz dieses Jahr schon 44 Punkte hatte. Zum Vergleich: 2006 ist Texas Lightning mit 36 Punkten 15. geworden. Gerecht kann ein Voting höchstens dann sein, wenn jeder nur eine Stimme hat und diese für sein Lieblingslied abgibt. Das ist natürlich utopisch. Deshalb freue ich mich über diese Kombination, die es zwar nicht gerechter, aber immerhin unvorhersehbar macht, wer wo landet am Ende. ❗ 😀

  29. Naja, eigentlich habe ich mich ja gleichermaßen über Jury und Publikum aufgeregt. Was nicht ganz klar geworden ist: Alles, worüber ich mich nicht beschwert habe, fand ich gut oder zumindest in Ordnung. Weiter unten habe ich dann noch mal etwas zum Finale gesagt und etwas dazu, warum ich eigentlich für die Beibehaltung des aktuellen Wertungssystems bin. Ich will natürlich provozieren und dir und der gefühlten Mehrheit einfach nur widersprechen, weil Diskussionen über Sinn- und Belangloses Spaß machen. 😉 In dem Sinne: Jurys behalten! 😀

  30. für mehr Aussagegehalt Naja, das alles ist natürlich ein wenig überspitzt, nicht? Wenn es wirklich irgendwie gerecht ginge – und ich habe ja gesagt, was ich darunter verstehe – wäre das natürlich besser. Ich denke, die Einführung der Jury hat das Ergebnis nicht fairer gemacht. Eher wird diese Diaspora-Ungerechtigkeit unter Umständen durch eine recht unvorhersehbare, vom Publikumsgeschmack recht unterschiedliche Abstimmung einiger weniger übertüncht – abgeschwächt, aber noch erkennbar gelassen. Solange sich nicht herausstellt, dass die Jury auch jedes Jahr die selben Länder bevorzugt, wäre es immerhin in so fern nicht ungerecht, dass jedes Land mal hinten sein kann. Selbst Russland. (Nichts gegen Russland an sich, aber das ist für mich so DAS Beispiel für den Televotingprofiteur.) Aber ja, die Kritik am fehlenden Aussagegehalt ist natürlich berechtigt, seh ich ein. Wie wäre es mit einer anderen Besetzung der Jury? Größer (vielleicht 20 Leute) und in allen möglichen Gesichtspunkten (Alter, Geschlecht, …) demographisch repräsentativ aber ohne Menschen mit Wurzeln in anderen Eurovision-Ländern. Das heißt: Nur Griechen in der griechischen Jury, Männer und Frauen zwischen 9 und 99 Jahren, die alle ‚musikinteressierte Laien‘ sind und es schaffen, nicht nur Länder sondern für Lieder zu stimmen. ‚Laien‘ heißt natürlich nicht, dass da keine Musikstudenten drin sitzen dürften! 🙂 Damit hätten wir eine Jury, bei der die Wahrscheinlichkeit gegeben ist, dass sie in etwa entsprechend dem durchschnittlichen Publikumsgeschmack anruft (also ebenfalls Malta und San Marino durchfallen lässt), aber gleichzeitig keine unerfreulichen Nebenwirkungen wie all das, was am Televoting kritisiert wird, hat. Was hieltest du und ihr davon ❓

  31. Das sollte eigentlich eine Antwort auf CCs Antwort sein – kann man das irgendwie verschieben? 😀

  32. meine – deine ‚Also Def, du hast Recht, andere Argumente zählen nicht, allerdings möchte ich bemerken, dass nicht DEINE sondern MEINE Meinung die einzig maßgebliche ist‘ Solange Deine so aussieht wie meine (und das tut sie in diesem Fall offenbar), kann ich das durchgehen lassen 🙂

  33. wenn es nach mir ginge, würde man eine demografisch-repräsentative umfrage bzw. jury gerne zu 100% entscheiden lassen. 🙂 wenn die mitgliederzahl im dreistelligen bereich, eher noch höher, angesiedelt wäre, ist das denke ich die beste methode, den landesgeschmack abzubilden. allerdings bin ich auch pragmatiker und sehe, dass die ebu nicht auf die televoting-einnahmen verzichten kann und möchte, insofern wäre die beschränkung auf einen anruf pro telefon (zumindest aber für ein land a leitung) die optimalste der realistischen methoden. das verschlüsselte fünf-personen-voting ist für michjedenfalls ganz klar die schlechteste handhabe, so schlecht, dass es schon fast egal ist, ob die jurorInnen fair/unbestechlich sind oder nicht, weil ihre punkte sowieso abhängig von der besatzung zufällig zusammenkommen und nur störend das eigentliche landesvoting, dessen diasporaeinfluss, der aber auch zur gesamteinschätzung beitragen sollte und nicht per se nationalistisch motiviert ist, verdecken. unvorhersehbar ja, spannend oder interessant trotzdem nicht wirklich.

  34. (Das hat ja nicht direkt mit dem Thema ‚Jurys vs. Publikum‘ zu tun, da kann ich antworten.) Wie bitte? Kompetentes A cappella mit Beatboxing ist ‚ein anderes Jahrmilliontausend‘? Was soll dieser Unfug? Man kann diesen Stil nicht mögen, das gestehe ich zu – es ist Nischenmusik. Aber wenn das ‚vorderhinterwäldlich‘ (was bitte ist das denn für ein Wort?!) ist, dann gibt es eine ganze Menge Leute in diesem Land, deren Musikgeschmack bei den Dinosauriern stehengeblieben ist – mal die Verkaufszahlen der letzten paar Wise-Guys-Alben gesehen? (Jetzt argumentiere ich selber schon nach Quality By Popular Vote. Das muss ansteckend sein.) Aber jeder Jeck ist anders…

  35. Missverständlich formuliert. Erster Satz im dritten Absatz: ‚kann‘ durch ‚muss‘ ersetzen, dann ist es eindeutiger.

  36. pardon. wer lässt sich denn vom (pseudo-)glamour flach komponierter dineyballaden (z.b. österreich), kika-performances (z.b. estland) oder glitzernden stripshows (z.b. kuss kuss knall) blenden? wäre mir neu, wenn das asiatische und europäische publikum diesen müll hoch- bzw. erst reingevotet hätte. wenn das ‚true art‘ ist, na holla… da ziehe ich ‚quality by popular‘ mit handkuss vor.

  37. Na ja, was man in der ersten Überraschung und Wut halt alles so schreibt. Mittlerweile sehe ich die Sache wieder lockerer. Am meisten ärgert mich, dass eine wirklich superspannende Wertung mit nur zwei Punkten Abstand von den Juries verdorben wurde.

  38. URL Da ist vor dem viertletzten Buchstaben offenbar ein Blank zuviel drin. Wenn man das rausnimmt, findet man tatsächlich ein Video zum Thema ESC.

  39. Da diese Person den aserbaidschanischen Beitrag ‚total geil, geil, geil, ja‘ findet, kann es sich wohl kaum um den Hausherren handeln 😉

  40. Könnte dieses Ergebnis die kosmische Wiedergutmachung sein? My Time wurde von den Juries auf Platz 5 gehievt und nur zwei Jahre später kegelt die Jury I can von eben diesem Platz herunter. UK hat so gesehen über die letzten drei Jahre hinweg mit der Jury also nichts verloren und auch nichts gewonnen. Aber hier geht es ja um Musik und nicht um irgendeinen Schnitt und da heißt es dann wirklich 1 zu 0 für die Balladenliebhaber.

  41. Bewertung Warum sollte man einen ‚Film‘, bzw. in diesem Fall Musik, denn nicht selbst bewerten können? Und welchen Mehrwert hat man davon, wenn man es einem ‚alten Hasen‘ auf dem Gebiet überlässt? Bis auf den Umstand, bequem die Meinung eines anderen übernehmen zu können, ohne sich selbst mühselig eine bilden zu müssen, sehe ich da nichts. Wenn ich einen Film nicht selbst bewerten kann, dann vertraue ich einer Person, von der ich weiß, dass sie einen ähnlichen Geschmack hat wie ich. Und wenn ich mir die Listen so anschaue, sind das in der Tendenz eher die Televoter. Außerdem ist ja der ESC eine Show für die Massen. Warum also versuchen, sie mit einer Jury künstlich erziehen zu wollen. Die Televoter sind es schließlich auch, die am Ende die Lieder erwerben (wenn die Plattenfirmen sie lassen). Nichts gegen Juries an sich, aber den Versuch mit gemischten Voting ‚Populärkultur‘ und ‚Anspruchskultur‘ – also Masse und Nische – verbinden zu wollen sehe ich nach wie vor als ziemlich gefährlich für den ESC an. Nach dem diesjährigen Ergebnis ist es ja nur eine Frage der Zeit bis die Jury wirklich mal den Televotingsieger verhindert. Dann ist aber was los.

Oder was denkst Du?