Perlen der Vorentscheidung: Schweizer Käse, Teil 1

Die Schweizer sind schon verdammt coole Säue! Pünktlich mit der offiziellen Starterlaubnis der EBU zum 01.09.2011 eröffneten sie die Eurovisionssaison 2012. Und das mit Grandezza! Wie bereits im Vorjahr richtete das Schweizer Fernsehen eine eigene Internetplattform ein, auf der jeder – aber auch wirklich jeder! – eigene Songs und Videoclips hochladen und sich für das eidgenössische Ticket nach Baku bewerben darf. Selbstverständlich wird dieses Kreativventil bereits fleißig von semiprofessionellen Musikanten aus aller Welt genutzt, um ihre von den heimischen Plattenfirmen zu Recht abgelehnten Songgurken doch noch unter die Öffentlichkeit zu bringen. Aber auch echte Amateure blamieren sich bereitwillig zu unserer aller Schadenfreude – es ist wie DSDS, nur ohne den schrecklichen Bohlen!

httpv://www.youtube.com/watch?v=U12WmAhMr0M
Saxmax: klingt so, wie er heißt

Ob aus Irland, Serbien, Belgien oder gar dem Vereinigten Königreich (Maria Lawson flog dort bereits 2005 in einer der ersten Runden der Castingshow X-Factor raus, in deren deutschem Ableger der äußerst gutaussehende Ex-Rapper Das Bo gerade seinen Restruhm als Juror ausverkauft) – die Beiträge trudeln bereits aus ganz Europa ein. Aber auch trashtastischer Handtaschenhouse ist im Angebot, ob vom Belgier Mael, der rumänischen Dragqueen Silviu Iancu oder, besonders skurril, vom heimischen Tommy Fresh. Der spielt zu seinem unfasslichen Kirmestechno, der in dieser Form selbst in Neunzigern peinlich gewesen wäre, vor idylischer Waldkulisse auf den Bongos. Den Vogel schießt aber die nach eigenem Bekunden „erste schweizerische Motörhead-Tribute-Band“ Nö Mercy ab, die mit ‚Bet your Ass on it‘ einen selbstgeschriebenen Hardrocksong einreichte, akustisch und optisch allerdings genau das tut, was ihre Bandbeschreibung vespricht.

httpv://www.youtube.com/watch?v=llwIHv3TC40
Das gibt Haue von Lemmy – darauf verwette ich meinen Arsch!

Ach, herrlich: erst fünf Tage am Start und schon so viel Trash! Das wird noch ein Fest! Bis Monatsende nimmt das (deutschsprachige) Schweizer Fernsehen noch Beiträge entgegen, ab Mitte Oktober können die Fans dann im Internet vorabstimmen. Natürlich nicht ohne den mäßigenden Einfluss einer Senderjury. Da es sich um die Schweiz handelt, gestaltet sich die Vorauswahl natürlich komplizierter als ein Experiment in Teilchenbeschleunigung, denn die französisch- und italienischsprachigen Teile des Landes wählen in getrennten Verfahren vor. Jedenfalls kommen am Ende irgendwie irgendwelche Songs ins Finale am 10. Dezember 2011. In dem, auch in dieser Beziehung gelten die Eidgenossen als verlässlich, irgendein superdröger Seichtquark gewinnt, der dann in Baku in der Qualifikationsrunde zu Recht rausfliegt. Aber bis dahin werden wir noch viel Spaß mit der Schweiz haben, da bin ich sicher!

19 Gedanken zu “Perlen der Vorentscheidung: Schweizer Käse, Teil 1

  1. Meine Güte, Biljana Obradovic Bixy wirft alles… naja, vieles … okay, manches in die Waagschale, um von ihrem Song abzulenken 😀 Und hoffentlich reicht Fred Weston noch was ein 😀 😀

  2. Hmm… Evelyne Kessler’s YOU kommt mir kompositorisch in den Strophen mitunter irgendwie bekannt vor, ich kann nur nicht sagen, von welchem Song… Aber sehr schön die idyllischen Hochspannungsleitungen im Hintergrund in ihrem Video 😀

  3. Bubi-Sänger à la Bieber & Co. kann ich sowas von überhaupt nicht ab. Allein wie dösig die immer in die Kamera gucken macht mich würgen. Aber irgendwie gefällt mir ‚Near me‘ von Loic Schumacher – verdammt!!! 😡 Gibt’s hier ’nen Arzt?

  4. Puh! Gute Güte, da werd ich ja sogar meinem ehernen Prinzip ein bisschen untreu, nichts anzuschauen, bevor nicht alle Beiträge feststehen. Den Jungen da im Video mit der Katarrhe hab ich mir angeschaut, aber nur, weil Ollis Kommentar mich so neugierig gemacht hat 🙂 Aber den werden wir nicht in Baku sehen, da bin ich sicher, von daher alles im grünen Bereich – aber was ich eigentlich sagen wollte: Ist außer mir noch irgendwem in den Strophen eine Ähnlichkeit mit den Strophen des widerlichsten Beitrags dieses Jahres (Dänequark) aufgefallen? (und bevor die anwesenden Dänen anfangen zu schimpfen: Ich liebe sowohl Land als auch Leute, aber für einen Großteil ihrer Eurovisionsbeiträge gehören sie eingesperrt!)

  5. SILVIU IANCU HEY DU BLOEDMANN, SILVIU IANCU IST EIN ST. GALLER UND ER IST KEIN DRAG OUEEN… SCHON MAL WAS VON GOTHIC LOOK GEHOERT????

  6. Alles ist gut! Wer schreit, hat Unrecht. 😀 Er kommt gebürtig aus Muränien, steht sogar auf seiner Homepage. Dass er jetzt St. Galler ist, steht dazu ja nicht im Widerspruch. Geht ja beides. Und ‚Gothic Look‘, was immer das sein mag, ist ja auch eine Verkleidung = Drag. Ist doch auch beides völlig okay. Also entspann Dich, bitte. Seine zwei Songs find ich übrigens ganz nett. Auch wenn ich glaube, dass er damit in Rumänien bessere Chancen hätte, ins Finale zu kommen, als in der Schweiz. Aber ich drück ihm die Daumen.

  7. Ich *liebe* solche selbstproduzierten Videoclips zu Engelbert-Humperdinck-Sound vor heimischer Gartenkulisse! Aber das geilste ist die hamstermäßig über beide Wangen grinsende Panflötistin im Weinberg bei 2:29 Min. – so herzhaft hab ich schon lange nicht mehr gelacht! Ein Knüller! Und natürlich hoffe auch ich inständig, dass der gute Fred Weston da noch eins drauflegt!

  8. Albana Azizi: I love it Das Video: Ein Tag im Leben einer privilegierten Arbeitslosen. Der Song: Durchzug zwischen den Ohren.

  9. Estella Benedetti & Michael Giger: Stand behind me Verlange ich zuviel, wenn ich erwarte, dass die in einem Musikvideo gezeigten Interpreten doch bitteschön das Lied singen, dass man hört und nicht offenkundig irgendein anderes?

  10. Mael: Tolerance Verlange ich zuviel, wenn ich erwarte, dass der in einem Musikvideo gezeigte Interpret doch bitteschön das Lied singt, dass man hört und nicht offenkundig irgendein anderes?

  11. Marijo Jurenic: Stop Now Mein lieber Mann, ganz große Kunst, ohne Scheiß. Es muss Kunst sein (oder sowas Ähnliches), denn sowas hatte ich wirklich noch nie, niemals vorher, erlebt. Dass ich mir bei wirklich ausnahmslos jeder einzelnen gespielten Note und vor allem bei ausnahmslos jedem einzelnen, naja, gesungenen Ton wünschte, der Interpret möge den Titel seines Songs sofort umsetzen, gab es in diesem Extrem wirklich noch nie. Ich muss was trinken…

  12. saxmax: Because You Live saxmax: ‚Wer hat man Video so zerstört?‘ T.I.L.I.I.: ‚Wer hat meine Ohren so zerstört?‘

  13. the message: nie meh gseh Na, was denn nun: die Botschaft oder das Durchkneten? Seltsam… Und außerdem: Verlange ich zuviel, wenn ich erwarte, dass… Ach, was soll’s…

  14. Tragischer als die Hochspannungsleitungen finde ich ja, dass die wunderbare, dramatische Spannung, die in den Strophen des Lieds aufgebaut wird, plötzlich in einen Kitsch-Refrain kippen muss. Bin mir selten so verarscht vorgekommen. 🙄 Aber die ersten 30 Sekunden des Liedes liebe ich. 😉

  15. Albana Azizi – I love it Dein lied ist echt klasse Albana… Ein echter orwum!!! Wünsche dir gaaaanz viel erfolg.. du bist die beste! 😀

  16. Albana Azizi – I love it Albana ist eine der besten!!! Sie hat eine Ausgebildete Stimme! Konsi Bern sage ich nur. Gooo Albana 🙂

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