Perlen der Vorentscheidung: Schweizer Käse, Teil 3

Gestern um Mitternacht endete die Bewerbungsfrist für die schweizerische Vorentscheidung. Natürlich kam auf die letzte Minute noch mal ein Schwung von Beiträgen rein: Lustiges, Hoffnungsloses, aber auch Spitzenware! Hier also noch mal eine kleine, handverlese Auswahl an Nachzüglern. Wir beginnen mit den britischen X-Factor-Zwillingen Same Difference, die mit ihrer fabelhaften Bubblegum-Popnummer ‚Music‘ hier wohl so etwas wie den letzten verzweifelten Versuch unternehmen, die im Heimatland bereits tote Karriere im Fahrwasser von Jedward noch mal wiederzubeleben. Viel Glück! Es folgt der unvermeidliche deutsche Eurovisionstroll Mave O’Rick, der seit Jahren überall schlimme Beiträge abwirft, wo man ihn nur lässt. ‚My Beat‘ ist eine nur auf größeren Mengen Speed goutierbare HiNRG-Tanznummer für Duracell-Discohäschen. Und wo wir schon bei den schädlichen Folgen von zu vielen Drogen sind: als Warnung vor übertriebenem Kiffen dürfte das sinnlose, nüchtern betrachtet unlustige ‚Wind-Lied‘ von Uku-BangBang fungieren.

httpv://www.youtube.com/watch?v=3xhNlYofjqg
Mave O’Rick, wie immer im Flummimodus

Pittoresk: vier als Romanz antretende südafrikanische Anzugmodels versprechen uns vor einer malerischen schweizerischen Bergwiesenidylle, Rom an nur einem Tage zu erbauen. Glaub ich nicht. Leersingen vielleicht, das würd ich ihnen eher zutrauen! ◊ ‚It’s my Life‘ – so ein Titel trägt schon das Versprechen an eine OTT-Musicalnummer in sich. Und genau das liefert Mike Hitz auch ab. Traaaaaagisch! Das ist aber nichts gegen das Mopsgesicht Markus Müller und seine Tochter Anastasia. ‚Face to Face‘ ist das Update zu Udo Jürgens ‚Liebe ohne Leiden‘ – nur in ultragrottig und fremdschämpeinlich. Mein Beileid an das arme Kind, das nun sicherlich täglich in der Schule gemobbt werden wird. Vorsicht: englischen Muttersprachlern könnte bereits bei den ersten zwei Textzeile das Gehirn explodieren! Das könnte auch beim Anschauen des Videos zu ‚Step by Step‘ der, wenn ich das richtig verstanden habe, in Aserbadischan produzierten Russin Evera Djali passieren: visueller Overload! Nach so viel Trash folgt am Ende dann aber noch eine echte Empfehlung: das textlich sehr schön auf das diesjährige Gastgeberland zugeschnittene ‚Fire!‘ von Danièl Harb könnte sicherlich noch mal ein etwas rockigeres Arrangement und eine etwas dreckigere Stimmfärbung vertragen. Ist aber ein eurovisionärer Rohdiamant: sofort eingängig, mit einer fabelhaften Hookline und schöner Instrumentierung. Und keine Sekunde langweilend. Aufgemerkt, Dänemark: SO geht Mainstream!

13 Gedanken zu “Perlen der Vorentscheidung: Schweizer Käse, Teil 3

  1. Okay, natürlich ist man da erst mal überrascht….aber warum eigentlich? Ralph Siegel schafft es schon seit etlichen Jahren nicht mehr zeitgemäße bzw. charttaugliche Musik zu schreiben. Und Lys Assia ist ein Star von Vorvorgestern. Die Kombi ist doch nur absolut folgerichtig und logisch. Im Grunde unvermeidlich. Authentischer geht ja wohl nicht mehr. Ich bin schlichtweg geplättet von so viel Konsequenz. Man sieht: Die Schweizer haben’s verstanden und aus dem letzten Jahr gelernt. DAS nenne ich mal Show! 😀

  2. Sollte sich Lys Assia tatsächlich im Dezember für die Schweiz als ESC-Beitrag qualifizieren, ergäbe sich vielleicht auch die Möglichkeit im Wettbüro zum allerersten Mal statt auf den Sieg Helvetiens, zu wetten ob die Sängerin ihren Auftritt erleben wird. Eine ganz neue Variante.

  3. Hi hi, sehr schön! 😀 Allerdings bin ich ja der festen Überzeugung, dass Lys Assia genau so wie Keith Richards, Cher und Kakerlaken sogar einen weltweiten thermonuklearen Krieg überstehen würde. Und zweifelsfrei noch 2055 beim 100. ESC als Ehrengast auf der Bühne stehen wird…

  4. Oh jeh, da müssten aber alle Musikantenstadls Europas mächtig die Werbetrommel rühren, damit die Zielgruppe beim Eurovision Song Contest ausreichend vergrößert wird, um die beiden … vorletzter werden zu lassen. Sollte ein solches Urgestein wie Lys Assia wirklich noch einmal antreten, um sich dann in Baku zu blamieren? Bei Ralph Siegel mache ich mir keine Sorgen, er hat den passenden Zeitpunkt aufzuhören (meiner Meinung erst nach dem 3. Platz 1999) ja schon lange verpasst. Er hat sie sicher mit bedenklichen Mitteln zu einem Comebackversuch überredet. XD

  5. …und gerade deshalb müssen wir überlegen, wie man aus dem Auftritt das Optimum herausholt! Es muss dafür gesorgt werden, dass anrufen für sie ein ‚Must do‘ ist. Ralph Siegel könnte ja noch etwas am Arrangschement ändern. Z.B. in manchen Passagen im Hintergrund dezent ein Totenglöckchen läuten lassen. Gibt’s noch andere Vorschläge?

  6. Ja, die richtige Auswahl der Bühnengarderobe ist natürlich von hoher Bedeutung 😀 Und Stimmungselemente auf der Bühne darf man nicht vernachlässigen: Ein Meer aus diesen roten Ewigen Lichtern dürfte wohl viel Atmosphäre schaffen.

  7. Oh! My! God! Bitte, liebe Schweizer, verschiebt Euren Modernisierungskurs auf 2013. Schiebt für 2012 kurz Lys dazwischen. Sind doch auch nur drei Minuten….

  8. Der Jopie… … wär ja eigentlich Siegels erste Wahl gewesen. Doch der hat mit der Begründung ‚Wieso ‚C’etait ma vie‘? Ich hab doch noch nicht mal die erste Lebenshälfte rum!‘ abgesagt. 😀

  9. Ralph Siegel schreibt Beitrag für LYS ASSIA Lys Assia ist auch in der heutigen Zeit immer noch eine der großartigsten Sängerinnen! Viele Musikfans erinnern sich gerne an ihre großen Hits und waren sehr begeistert von ihren neuen Aufnahmen aus den letzten Jahren, wie z. B. ‚Lady in blue‘ oder ‚Refrain des Lebens‘. Es wäre wunderbar, wenn die erste Siegerin des ‚Grand Prix d’Eurovision‘ im Jahr 2012 mit ihrem neuen tollen Song ‚C’etait ma vie‘ von Ralph Siegel beim ‚Eurovisions Song Contest‘ für die Schweiz auftritt.

  10. Das freut mich, das Uku-BangBang hier noch am Rande erwähnt wird. Wir wollten mit unserer Teilnahme ein wenig Kontraste setzen, da die heutige Musikwelt (aus unserer Sicht) viel zu kommerziell ausgerichtet ist.
    Somit fühlen wir uns geehrt als Exoten abgestempelt zu werden – bis zum nächsten Jahr 😉

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