Lys Assia im schweizerischen Finale

Vor wenigen Minuten bestätigte das Schweizer Fernsehen via Twitter, dass Lys Assia die deutschschweizerische Vorauswahl überlebt habe und sicher im Finale am 10.12. in Kreuzlingen sei. Dort tritt sie gegen 13 Konkurrenten an (die komplette Liste gibt es hier). Ob Lys dank der Unterstützung der Grand-Prix-Fans im Onlinevoting gut abschnitt oder ob die sicherheitshalber eingesetzte Jury nachhelfen musste, weil, wie Lys ja bereits mutmaßte, ihre Hauptzielgruppe sich mit diesem Internet nicht auskenne, darüber hüllte sich der SF in Schweigen. Jedenfalls kann das Ergebnis nicht verwundern, denn das Schweizer Fernsehen wäre ja mit dem Klammerbeutel gepudert, sich die erste Eurovisionssiegerin der Geschichte für ihr nationales Finale entgehen zu lassen! Ob das Publikum (und die Jury) sich dann dort tatsächlich für ihr von Onkel Ralph Siegel verbrochenes, ein bisschen altersschwaches ‚C’etait ma Vie‘ entscheidet?

httpv://youtu.be/P3Zw0Xinkuc
„Ganz lieben Dank“: Lys voller Bescheidenheit, so wie man sie kennt!

Und nach Sichtung ihrer Mitbewerber sage ich mal, die Chancen stehen gar nicht so schlecht für die rüstige 87jährige, der natürlich ihr Bekanntheitsbonus und der historische Nimbus zugute kommen. Denn, wie in der drögen Schweiz nicht anders zu erwarten, sortierten die Internetvoter und Jurys alles Originelle und / oder Trashige konsequent aus und ließen nur die ödesten und langweiligsten Songs für das Finale zu. „Wer wählt diesen Seich aus?“, fragen da selbst Eidgenossen auf der Internetseite des Schweizer Fernsehens verzweifelt. Ernsthafte Konkurrenz dürfte Lys allenfalls in Form der Brüder Gabriel und Ivan Broggini alias SinPlus erwachsen, deren Poprockstück ‚Unbreakable‘ sofort ins Ohr geht und so ziemlich die Quintessenz von egaler AC-Formatradiomucke darstellt, dabei aber weniger nervt als vergleichbare dänische oder niederländische Angebote.

httpv://youtu.be/B3vUIoqwHTM
Brechen muss ich erst ab dem zweiten Hören: SinPlus, Unbreakable

Oder aber durch das Duo Patric Scott und Fabienne Louves, deren superseichtes ‚Real Love‘ am schamlosesten das Konzept der aserbaidschanischen Vorjahressieger kopiert. Und da sich die Schweizer ja bereits letztes Jahr für ein flaches Lena-Plagiat entschieden, warum sollten sie diesmal nicht einen flauen Ell/Nikki-Klon wählen? Wobei hier noch mit Spannung zu erwarten bleibt, wie die beiden Tröten live klingen, ohne überdosierten Autotune-Einsatz. Aber natürlich hätte es sehr viel mehr Charme, die greise Grand-Prix-Gerontin mit ihrem sirupartigen ‚My Way‘-Update in die Schlacht zu schicken. Also, Schweizer: bitte tut ein einziges Mal das Richtige und wählt Lys nach Baku! Ganz lieben Dank!

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3 Gedanken zu “Lys Assia im schweizerischen Finale

  1. „Swiem ägenst se strimm. Following juhr waildest drimm.“ – So bleibt dieser Refrain tatsächlich im Ohr hängen.
    Das kriegen ja sogar irgendwelche Balkan-Sänger besser hin, wenn sie versuchen, englisch zu singen.

  2. Ja nun, Schweizer können ja noch nicht mal richtiges deutsch, wie soll das gar mit englisch klappen? 😉

  3. frechfrech,
    da fühlt man sich als schweizer ja grad n bisschen angepisst………….“tut ein einziges mal das richtige“. zugegeben, die letzten esc songs waren eher mittelmässig, aber diesmal klappts.
    die lys assia wird das ding schon schauckeln, wenn sie den winter überlebt. und man stelle sich vor, alterspunkte+nostalgiepunkte+dieanderenwarenauchnichtbesser-punkte+ ne mumie die noch ohne rollator ein lied singen kann. na bravo. ich sag euch, das funktioniert. greetz from switzerland

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