Perlen der Vorentscheidung: Dr. Alban & die satanischen Murmler

Gestern und vorgestern fanden in Tirana die beiden Halbfinale des albanischen Festivali i Këngës (FiK) statt, in denen eine fünfköpfige Jury sich der harten Aufgabe stellte, jeweils ganze vier von jeweils 14 Beiträgen zu elimieren. Opfer dieses Verfahrens wurde im zweiten Semi ausgerechnet ein verschüchtert wirkendes, blutjunges Ding mit dem großartigen Namen Goldi Halili und einem halbgaren Discosong mit dem Titel ‚Rroj për dashurinë‘, der an seinen besten Stellen ganz entfernt an das epochale Italo-Disco-Meisterwerk ‚Like a Yo Yo‘ von Sabrina Salerno erinnerte. Schade drum! Die gestrige Sendung gab dann auch Aufschluß über eine drängende Frage, die sicherlich jeden meiner Leser schon langem beschäftigt: was wurde bloß aus Nu Pagadi? Die 2005 nach nur zwei Single-Veröffentlichungen aufgelöste Popstars-Retortenband tauchte gestern überraschend unter dem Namen Bojken Lako beim FiK auf, wo sie mit dem dahingemurmelten Gothicsong ‚Të zakonshëm‘ für etwas satanische Düsterkeit sorgten. Ich bin überzeugt: spielt man den Song rückwärts ab, kommt sicher so etwas wie ‚Vampires are alive‘ heraus!

httpv://youtu.be/1nOBlvD7Szo
Anmutig wie ein Storch im Salat: Goldi

Lustig der Auftritt des schätzungsweise vierzigjährigen albanischen Gangsterrappers Dr. Flori, der durch eindrucksvoll präsentiertes Brusthaar zu überzeugen wußte und dem mit seinem beeindruckenden Äußeren sicherlich eine Joboption als Schutzgeldeintreiber offensteht, falls es mit der Musikkarriere einmal vorbei sein sollte. Ein Fest für die Augen auch Saimir Braho, der sich mit einer Neubearbeitung des ‚Little Drummer Boy‘ namens ‚Për jetësi‘ als Little Drummer Bear positionierte und damit meine persönlichen Douze Points einsammelte. Bis auf Goldi treffen alle Genannten im Finale der Vorentscheidung am Donnerstag auf Rona Nishliu, die Fan-Favoritin des ersten Semis (welches ich leider verpasste), mit dem hochdramatischen ‚Suus‘. Ihre Darbietung irritiert zwar zunächst wegen des optisch-akustischen Crashs von Rastafrisur und geigenumschmeicheltem Gekreische. Und über ihren Bühnenfummel dürfte selbst Barbara Dex die Nase rümpfen. Andererseits jodelt Rona, als ginge es um Leben und Tod – und auf sowas steh ich ja!

httpv://youtu.be/dVvDxR8k5LY
Von der Ozora direkt zum FiK: Rona Räubertochter

httpv://youtu.be/8soaeFQWEGE
Und die bulgarische Elvira von 2009 ist auch dabei: Bojken Lako

httpv://youtu.be/IsEVMxfSvhc
Ein kleiner ‚Bandido‘-Moment gleich zu Beginn: Dr. Alban Flori

httpv://youtu.be/vzDu5YZhdA8
He has no gift to bring, pa ra pa pam pam: Saimir Braho

httpv://youtu.be/PTH348p6o3g
Kreppeisenfrisur und Discobeats: eine Killer-Kombi für Gerta

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