Per­len der Vor­ent­schei­dung: war­um, Weiß­russ­land?

Ver­gan­ge­nen Don­ners­tag fand das Semi­fi­na­le der weiß­rus­si­schen Vor­ent­schei­dung Euro­fest statt, in wel­cher das Publi­kum und eine Jury zehn von ursprüng­lich 15 Kan­di­da­ten eli­mi­nier­te. Dar­un­ter auch den ein­zi­gen (!) nen­nens­wer­ten Bei­trag des ansons­ten unglaub­lich nichts­sa­gen­den Vor­ent­schei­dungsrei­gens, die ‘Mes­sa­ge to the World’ der Band Thril­ler. Ich weiß, das mag vom Titel her klin­gen wie etwas aus dem Hau­se Sie­gel & Mei­nun­ger. Und text­lich trifft das auch sicher zu – auch wenn sich, der ost­eu­ro­pa­ty­ischen Aus­spra­che der blon­den Lead­sän­ge­rin sei Dank, nur ein­zel­ne Bruch­stü­cke davon erra­ten las­sen. Musi­ka­lisch aber weiß die Num­mer zu über­ra­schen, wie bereits der gro­ße Roy Dela­ney so schön beschrieb: “Es beginnt mit dem lan­gen, sich nur sehr gemäch­lich auf­bau­en­den Intro einer Ibi­za-Rave-Num­mer. Und gera­de, wenn man glaubt, jetzt geht’s rich­tig los… Nun, es geht los, aber in eine völ­lig ande­re Rich­tung als erwar­tet. Und nach wei­te­ren 40 Sekun­den über­rascht Dich der Song noch­mal.”

httpv://youtu.be/gGT1EDbiD5I
Lei­der nicht dabei: Café del Mar trifft Six4One (Thril­ler)

Auch Ana­sta­si­ya Vin­ni­ko­va schaff­te es lei­der nicht ins Fina­le. Ob das mit dem ent­täu­schen­den Aus­schei­den von ‘I love Bela­rus’ im Semi von Düs­sel­dorf zusam­men­hing oder doch eher der unter­durch­schnitt­li­chen Belie­big­keit ihrer Dis­co­num­mer ‘Shi­ning in Twi­light’ geschul­det war, muss Spe­ku­la­ti­on blei­ben. Am 28. Janu­ar wer­den nun in Minsk haupt­säch­lich schrei­en­de Frau­en mit blut­lee­ren Bal­la­den um das Ticket nach Baku kämp­fen, die alle­samt nicht lang­wei­li­ger sein könn­ten. Der Laut­stär­ke des vom Band ein­ge­spiel­ten Applauses1)Eine gän­gi­ge Pra­xis in den post­kom­mu­nis­ti­schen Län­dern: dort scheint das Publi­kum, ver­mut­lich als Gegen­re­ak­ti­on auf jahr­zehn­te­lang erzwun­ge­nen Jubel bei Jah­res­pa­ra­den und Ähn­li­chem, kaum noch dazu beweg­bar zu sein, die Pat­sche­händ­chen zusam­men zu klat­schen. So spielt man dort, ähn­lich wie die Kon­ser­ven­la­cher in schlech­ten ame­ri­ka­ni­schen Sit­coms, den Applaus vom Band ein. nach zu urtei­len, dürf­te Ale­na Lanska­ya, eine stimm­lich beson­ders unbe­gab­te Grö­le­rin, den größ­ten Bak­schisch ent­rich­tet und damit die meis­ten Chan­cen haben. Da nach alter weiß­rus­si­scher Tra­di­ti­on der Euro­fest-Sie­ger sei­nen Titel anschlie­ßend noch ein­mal aus­tau­schen darf, stirbt die Hoff­nung auf etwas guten Euro­trash aus Weiß­russ­land den­noch zuletzt.

httpv://youtu.be/z5FpR68goWA
Mehr Zwie­licht als Schei­nen: Ana­sta­si­ya

Fußnote(n)   [ + ]

1. Eine gän­gi­ge Pra­xis in den post­kom­mu­nis­ti­schen Län­dern: dort scheint das Publi­kum, ver­mut­lich als Gegen­re­ak­ti­on auf jahr­zehn­te­lang erzwun­ge­nen Jubel bei Jah­res­pa­ra­den und Ähn­li­chem, kaum noch dazu beweg­bar zu sein, die Pat­sche­händ­chen zusam­men zu klat­schen. So spielt man dort, ähn­lich wie die Kon­ser­ven­la­cher in schlech­ten ame­ri­ka­ni­schen Sit­coms, den Applaus vom Band ein.

3 Gedanken zu “Per­len der Vor­ent­schei­dung: war­um, Weiß­russ­land?”

  1. @aufrechtgehn:disqus 

    ich hab hier einen Musik­tipp aus Lett­land 😀

    Jetzt fin­de ich den Song sogar rich­tig gut 😀 vllt. ein Geheim­tipp? 😀 ach ich finds ein­fach geil 😀

  2. Ich bin eigent­lich ganz zufrie­den mit den Fina­lis­ten in Weiß­russ­land. 3 davon mag ich (die bei­den dra­ma­ti­schen Bal­la­den von Ale­na und Vic­to­ria, sowie die­sen typi­schen weiß­rus­si­schen Boy­pop von Uza­ri), Lite­sound fin­de ich rela­tiv okay, nur mit der Kitsch­bal­la­de von Gunesh (Fan­tastic Girl vor ein paar Jah­ren war vieeeeeeel bes­ser und mil­lio­nen­fach kul­ti­ger) kann ich nicht viel anfan­gen. Ich brau­che bei sowas immer Dra­ma, Babe! Aber auch ins­ge­samt fand ich die die weiß­rus­si­sche Semi­fi­nal­aus­wahl die­ses Jahr nicht schlecht, selbst wenn für den Web­mas­ter lei­der nicht so viel dabei war. Ana­sta­si­yas Song war lei­der im Ver­gleich zu den letzt­jäh­ri­gen Lie­dern wirk­lich eine Ent­täu­schung. Ihr bes­tes ist für mich immer noch Born in Belo­rus­sia.

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