Österreich verbockt den Song Contest

Diese Woche präsentierte der ORF neun von zehn Songs der am 24. Februar stattfindenden Vorentscheidung (hier anhörbar). Unter dem Motto „Der Ö3-Wecker rockt den Song Contest“ wurde auch die von der Popwelle unter rund 120 Einsendungen vergebene Wildcard gelüftet: sie ging an die Mary Broadcast Band. Welch ein gigantischer Griff ins Klo! Das Team um den im Wildcardrennen unterlegenen Song ‚Fire‘ von Sankil Jones sprach in einer Pressemeldung gar von „Schmauchelei“. Denn die diesmal glückliche Langweilerkappelle um Maria Ausstrahlung sorgte bereits beim letztjährigen österreichischen Vorentscheid für einen Eklat, wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen: damals lag die Band in der Vorauswahl im Internetvoting unter den besten Zehn, kam aber aufgrund schlechter Jurybeurteilung nicht in die TV-Vorentscheidung, was zu einem Proteststurm im Lande führte. Betreibt Ö3 hier also kosmische Wiedergutmachung zulasten der Chancen des Landes in Baku? Denn die nun vorgestellten Titel sind samt und sonders von einer unfassbaren Öde.

httpv://youtu.be/g96l8_yspG0
Klasse Interpretin, scheiß Song: Conchita Wurst mit ‚I am That’s what I am‘

Das gilt leider selbst für meine Favoritin, die fabelhafte Conchita Wurst, deren ‚That’s what I am‘ sich leider nicht zwischen pompöser Ballade und Discoknaller entscheiden kann und an diesem Spagat bitterlich scheitert. Die Verantwortung für das Schicksal der ehemaligen Donaumonarchie lastet damit nunmehr auf den breiten Schultern der Bauerndiscoburschen Trackshittaz. Deren Atzenmukken-Knaller ‚Woki mit deim Popo‘ stellt nach dem Ausscheiden von ‚Fire‘ den letzten Strohhalm des Landes dar, handelt es sich doch um den einzigen Titel im Vorentscheidungaufmarsch, bei dem man nicht sofort ins Tödliche-Langeweile-Koma fällt. Fraglich bleibt, ob die Ösis diese Chance auch erkennen und ergreifen. Immerhin einen allerletzten Hoffnungsschimmer gibt es noch: der Song von Sidos Straßenkindern, den Blockstars, fehlt noch. Vielleicht gelingt es dem deutschen Rapper ja, mitsamt seiner Castingbande etwas anderes als eine weitere Schlaftablette zu produzieren?

httpv://youtu.be/hJMC-cxFgA8
Kommen die piefigen Ösis diesmal zur Vernunft und wählen die Burschen?

6 Gedanken zu “Österreich verbockt den Song Contest

  1. Nach dem ersten Reinhören sind Deladap!, Trackshittaz (auch etwas schwächer als letztes Jahr) und Valerie meine Lieblinge. Krautschädl ist ganz ordentlich, Conchita hat leider wirklich einen Wurst-Song und der Rest spricht mich überhaupt nicht an.

    Typisch österreichische Eurovision-Songs eben: Zwischen Langeweile und Skurrilität. Wenn sie Glück haben, erreichen sie mit den Trackshittaz ein Zdob-si-Zdub-2011-Ergebnis, aber mehr ist nach meinem ersten Eindruck für unsere Nachbarn bei dieser Auswahl nicht drin.

    Mal schauen, ob die Blockstars noch was reißen können. Ich bezweifle es aber.

  2. Ja, Deladap! sind zumindest in Maßen originell und nicht so tödlich einschläfernd wie der Rest. Aber der Bringer ist ihr Song auch nicht. Aber sonst? Ich will es mal so sagen: beim albanischen Vorentscheid fühlte ich mich besser unterhalten.

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