Per­len der Vor­ent­schei­dung: drit­ter Super­sams­tag

Welch’ ein furcht­ba­rer Euro­vi­si­ons­sams­tag! Ob aus­fal­len­de Mikro­fo­ne in Ungarn oder kol­lek­ti­ve Geschmacks­ver­ir­rung in Nor­we­gen: bei den drei heu­ti­gen Semi­fi­nals reih­te sich ein Miß­griff an den nächs­ten. Am ärger­lichs­ten der in der zwei­ten Run­de des Melo­di Grand Prix: dort fand sich mit der fabel­haf­ten Min­nie Oh (nicht zu ver­wech­seln mit der schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len-Teil­neh­me­rin Mimi Oh oder dem Grey’s-Anatomy-Star San­dra Oh) und ihrem dis­co­t­as­ti­schen ‘You and I’ der ein­zi­ge rich­tig gute Song des heu­ti­gen Abends. Und ein sen­sa­tio­nel­ler Auf­tritt mit halb­nack­ten Tän­zern, Key­board­spie­lern mit Müll­ei­mern auf dem Kopf und einer volu­mi­nö­sen Sän­ge­rin mit Schul­ter­pols­tern aus der Juras­sic-Park-Kol­lek­ti­on. Doch sie schaff­te es nicht ins Fina­le. Statt­des­sen ent­schie­den sich die Nor­we­ger für eine stimm­schwa­che ehe­ma­li­ge Juni­or-Euro­vi­si­ons-Teil­neh­me­rin, einen voll­stän­dig Play­back sin­gen­den Schön­ling und eine kel­tisch inspi­rier­te Rock­band mit dem pein­li­chen Namen Plum­bo. Würg. Nun könn­te nur noch eine Jury-Wild­card Min­nie Oh ret­ten.

httpv://youtu.be/neoLh31NwfY
Ich bin zwei Kylies: die fabel­haf­te Min­nie Oh

In Ungarn foch­ten die ers­ten zehn Semi­fi­na­lis­ten um einen Start­platz im A Dal-Fina­le. Sie muss­ten sich dem Ver­dikt einer vier­köp­fi­gen Jury stel­len, dar­un­ter Vor­jah­res­in­ter­pre­tin Kati Wolf, die ihre Punk­te jeweils in einen iPad tipp­ten und dann in die Kame­ra hiel­ten. Das für die teu­ren Gerä­te aus­ge­ge­be­ne Geld fehl­te indes bei der Stu­dio­tech­nik: der Auf­tritt von Niki Gal­lusz & Már­ton Vizy begann mit einer fie­sen Rück­kopp­lung und einem ver­stopf­ten Mikro­fon. Was zur Fol­ge hat­te, dass die bei­den ihren schreck­li­chen Euro­vi­si­ons­kitsch­fet­zen ‘Euró­pa, egy a szívunk’ – eine Num­mer, wie noch nicht mal Sie­gel sie sich zu kom­po­nie­ren trau­en wür­de – gleich noch mal sin­gen durf­ten. Half nichts: ins Fina­le wähl­ten die Juro­ren mit dem lecke­ren Leder­bär­chen Cara­mel die männ­li­che unga­ri­sche Ant­wort auf Whit­ney Hous­ton – jeden­falls, was das kapri­ziö­se Knö­deln beim Sin­gen angeht. Sowie einen Lang­wei­ler mit häss­li­cher Bril­le und eine Depe­che-Mode-Micha­lis-Rak­int­zis-Gedächt­nis-Band mit einem grot­ti­gen Sän­ger, aber einem schwei­ne­gei­len Key­board­spie­ler und einem lus­ti­gen Namen: Com­pact Dis­co.

httpv://www.youtube.com/watch?v=HsyPhCCSkb4
Da hat man was Eige­nes, da hat man sein Jodel­di­plom!

Unter den ver­blie­be­nen Sechs durf­ten anschlie­ßend die Zuschau­er noch einen Kan­di­da­ten wäh­len. Sie ent­schei­den sich für die Viert­plat­zier­te im Jury­vo­ting, Gabi Tóth. Womög­lich aus Furcht, denn die Power­frau mit der blon­den Les­ben­fri­sur und einem der gran­dio­ses­ten (und leben­digs­ten) Trick­klei­der der letz­ten Jah­re ver­mit­tel­te einen der­ma­ßen mani­schen Ein­druck, das zu befürch­ten stand, sie wer­de ihr Mit­be­wer­ber und das Stu­dio­pu­bli­kum ver­klop­pen, soll­te sie es nicht schaf­fen. Oh, und in Island lief zeit­gleich das drit­te und letz­te Semi, in dem sich aber über­haupt nichts Berich­tens­wer­tes zutrug. Außer das Gre­ta Salo­mé neben ihrem Duett mit Jón­si nun noch einen zwei­ten Titel im Fina­le hat. Mh. Alles ande­re als ein Super­sams­tag heu­te.

httpv://www.youtube.com/watch?v=ZMONJyiKZPI
Kein Holz vor der Hütt’n, dafür ein Kerl unterm Kleid: Gabi Tóth

6 Gedanken zu “Per­len der Vor­ent­schei­dung: drit­ter Super­sams­tag

  1. You and I” wäre in der Tat eine ziem­lich gei­le Num­mer, wenn die­se Wucht­brum­me, die nicht sin­gen kann, nicht wäre…

  2. Wenn es dar­um gehen wür­de, dann hät­te Malin auch nicht ins Fina­le kom­men dür­fen. Von daher fast schon unge­recht, dass sie es durf­te und Min­nie nicht.

  3. Bei Mali­na haben wohl die meis­ten weni­ger auf die Stim­me geach­tet, wäh­rend es bei Min­nie eher anders­rum war… Aber vom Song her hat­te letz­te­re klar den bes­se­ren.  Was ich nicht ver­stan­den habe, war­um wur­de die iri­sche Band ins Fina­le gewählt?

    Ein ganz gro­ßer Dank jedoch an NRK für den fan­tas­ti­schen Live-Stream. Wenn doch nur alle sol­che Qua­li­tät hät­ten.

  4. Ja, was für ein Auf­tritt. Ein Dis­co­t­as­ti­scher Song, tol­le Tän­zer, tol­le Kos­tü­me. Hmm, was fehlt da wohl?
    Na? Ja rich­tig, die Stim­me. Und so toll war der Song jetzt auch nicht.

  5. Malin hat halt den Bam­bi-Fak­tor gehabt – nach ihrem Auf­tritt war ich zuge­ge­be­ner­ma­ßen auch ziem­lich ent­zückt; aber wohl eher aus­ge­löst durch mei­ne Beschüt­zer­in­stink­te als durch den Song. 😉

  6. Alles gesagt: Tol­ler Song, wit­zi­ge Tanz­ein­la­gen, aber kei­ne Stim­me die Gute, da nut­zen auch die Dino-Schul­ter­pols­ter nix. Scha­de.

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