Perlen der Vorentscheidung: von popowackelnden Polizisten

Die Vorentscheidungssaison 2012 läuft auf vollen Touren: Zypern ist im Discoschlampenmodus, Dänemark wild zum Sieg entschlossen, Litauen setzt auf Masse und Irland findet keine Gegner für Jedward. Aber das Wichtigste zuerst: Gerüchten zufolge heißt der Beitrag der bei der österreichischen Vorentscheidung erneut antretenden, grandiosen Bauerndiscoburschen Trackshittaz: ‚Woki mit Deim Popo‘. Und klingt so (Achtung, miserable Soundqualität, aber die Trash-Perle entschädigt dafür):

httpv://youtu.be/mIDbTbA3-O4
Kann das mal bitte jemand deutsch untertiteln? Ich versteh nur Popo! (AT)

Ich nehme meine geäußerten Zweifel, ob Lukas Plöchl & Co. nochmals so ein Brett wie ‚Oida taunz!‘ hinlegen könnten, offiziell zurück. Spitze, Jungs! Sie reihen sich damit ein in ein europaweites, beachtliches Angebot an Uptemposongs – sollte also Hoffnung bestehen, dass 2012 kein juryoptimiertes Schnarchfest wird?

Fabelhafte Klänge kommen auch aus Bulgarien: unter den 22 Teilnehmern des Semis am 14. Januar befindet sich DesiSlava mit der hübschen Disconummer ‚Love is alive‘. Mag ich! Mehr als die doppelte Menge an Semifinalisten bietet Litauen auf: ganze 47 Kombattanten fechten es gegeneinander aus, darunter Acts mit so viel versprechenden Namen wie Chill Out, Have No Doubt oder AC/LT. Mit finnischer Elektrohilfe von Movetron geht Vaida Narkevičiūtė an den Start. Entsprechend discotastisch (mag ich sehr!) klingt ihr ‚Medieval Love‘. Hm, „mittelalterliche Liebe“: um welche ausgefallene Spielart handelt es sich denn hierbei? Fetischfans unter meinen Leser: ich bitte um Aufklärung!

httpv://youtu.be/C99BVA3q4nY
Jetzt noch ein paar tanzende Zwerge und ab geht die Lucy! (BG)

Und wo wir gerade bei Discoschlampen sind: die zweigeteilte Sonneninsel Zypern veröffentlichte heute Vormittag die drei Vorentscheidungstitel der fix gesetzten Ivi Adamou. Heißer Favorit in den Internetumfragen ist, völlig zu Recht, ‚La la Love‘; ein Titel, der das Beste aus Neunzigerjahre-Eurodancetrash und aktueller Chartmucke miteinander vereint. Auch die zweite Nummer ‚Call the Police‘ überzeugt durch ähnliche Qualitäten. Kann ja fast nichts mehr schief gehen! Außer die Zyprer wählen den dritten Song, ‚You don’t belong‘. Der ist nämlich nur so la la.

httpv://youtu.be/AFw0O8tIn6k
Mit vorschriftsmäßiger Rückung: die mittelalterliche Vaida (LT)

Nicht so gut läuft es gerade in Israel: die Produktionsfirma, die den Auftrag zur Durchführung der Kdam 2012 in einer Ausschreibung gewonnen hatte, warf Anfang der Woche den Bettel hin. „Der Mangel an Fähigkeiten bei der IBA macht es für uns unmöglich, mit ihnen zusammenzuarbeiten,“ habe sich der Produzent laut eurofire geäußert. Hm, klingt so, als habe die ARD das israelische Fernsehen unterwandert! Nun will man flugs intern einen Vertreter aus dem Hut zaubern. Das irische Fernsehen tut sich unterdessen schwer, die vier verbliebenen Plätze im dortigen Vorentscheid zu füllen. Mit Donna McCaul, die 2005 in Kiew mit ihrem kleinen Bruder ‚Love‘ auf der Bühne zelebrierte, fand sich erst eine Kamikazekandidatin. Ansonsten will sich niemand mit einer sicheren Niederlage gegen die erneut antretenden Jedward-Buben seine Karriere ruinieren. Hätte man sich denken können!

httpv://youtu.be/Wur-66FdjU0
Come to Cyprus, the La La La Land (CY)

Auf Sieg setzt dagegen Dänemark: „Die letzten drei Jahre waren wir nahe dran,“ so der dänische Unterhaltungschef Jan Lagermand Lundme. „Dieses Mal werden wir siegen!“. Dazu setzt man auf die schon vom schwedischen Melodifestivalen bekannte internationale Jury, die sich beim Melodi Grand Prix aus Vertretern der fünf letzten Siegerländern zusammensetzt und deren Punkte beim Superfinale der besten Drei zur Hälfte mit einfließen (neben dem Publikum und einer dänischen Jury). Dank Lena Meyer-Landruts Sieg 2010 bestimmen also auch Deutsche zu 10% mit, welche grauenhafte Seichsülze diesmal aus unserem nordischen Nachbarland zu uns herüberschwappt. Und, à propos Lena: das Songwriterteam hinter ‚Satellite‘ schrieb einen der zehn MGP-Songs, nämlich ‚Best Thing I got‘ von Aya. Mal sehen, ob’s hilft!

5 Gedanken zu “Perlen der Vorentscheidung: von popowackelnden Polizisten

  1. Der Ösi-Titel lautet korrekt „Wack’l mit deim Popo“. Und ansonsten ist öfter von einer Nudelsuppe und von Muckis die Rede.

  2. was ist das für ein ausgefallener link, aufrechtgehn? ich komme wieder auf genau diese seite!

  3. Ich möchte noch auf eine persönliche Perle aus Lettland hinweisen: „Disco Superfly“ von PeR – ein pumpendes Stück Nu-Disco mit einem umwerfenden, von „Disco Inferno“ (The Trammps) abgekupferten Basslauf! Hoffentlich überlebt diese Tanzperle zumindest das heutige Semifinale in Lettland!

  4. Lieber Olliver, dieser Song hat bestenfalls Ballermannqualität. Den Song Fire könnte ich mir ja für Österreich ja noch gefallen lassen, aber dieser Song Wackel mit dem Popo ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten, dagegen war Oida Taunz ein musikalisches Kleinod. Ich hoffe die Österreicher haben zwischen einem Gagalied und langweiliger Schnarchballade noch was anderes. Sonst siehts echt schlecht aus.  

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