Unser Star für Baku: so wird gevotet!

Nun sind die Neuerungen beim Voting für Unser Star für Baku bestätigt: „In jeder der acht Live-Shows stimmt das TV-Publikum im Echtzeit-Voting“ (also ab dem ersten Auftritt über die gesamte Sendedauer) „über die Kandidaten ab. Der aktuelle Stand ist als Live-Ranking jederzeit auf dem Bildschirm zu sehen,“ so verkündete es der NDR heute Mittag. Die Leitungen sind bereits ab der Kandidatenvorstellung geöffnet, also schon bevor der erste Ton gesungen wurde. Wer die wenigsten Sympathieanrufe erhält, muss als erster singen (und ist damit bereits zu Beginn als Verlierer gebrandmarkt). Die aktuellen Zwischenstände sind auch für die Sänger während des Auftritts live zu sehen – fieser geht es eigentlich kaum. Die nicht stimmberechtigte Jury besteht fest aus Thomas D., Alina Süggeler und Stefan Raab. Gastjuroren, die ja ohnehin nur kämen, um ihre neue Platte zu bewerben, gibt es keine mehr. Außer seinem Jurorenposten halte sich Raab aber musikalisch aus USFB heraus: keiner der vorgestellten Songs stamme von ihm (und übrigens auch keiner von Thomas D.).


Auch Stefan Raab ist wieder Teil der Jury, wenn auch nicht als Präsident

Mit den oben skizzierten Foltermethoden will man die Spannung erhöhen. Und vermutlich auch höhere Einnahmen aus dem Televoting generieren. Denn wenn man während der noch laufenden Sendung sieht, dass der eigene Lieblingskandidat 3 Prozentpunkte hinter dem verhassten Konkurrenten liegt, zuckt es natürlich im Anruffinger. Der (aus meiner Sicht entscheidende) Nachteil des Verfahrens: es kristallisieren sich sehr schnell und für alle sichtbar die Favoriten und die Verlierer heraus. Und das ständige Einblenden der aktuellen Votingstände wirkt, wie bereits bei slowakischen und polnischen Vorentscheidungen zu verfolgen war, bei denen dieses Verfahren schon zur Anwendung kam, als massiver Verstärker: wer erst mal als totes Pferd auf den hinteren Rängen liegt, für den ruft niemand mehr an. Der Spitzenreiter bekommt aber Bonusvoten zuhauf, weil die meisten Menschen gerne auf einen Sieger setzen. Hier von Wettbewerbsverzerrung zu reden, wäre also noch untertrieben. Und wer nicht auf Anhieb überzeugt, sondern erst im Laufe der Zeit aufdreht, hat gar keine Chance mehr. „Nachwuchsförderung“, my Ass!

7 Gedanken zu “Unser Star für Baku: so wird gevotet!

  1. Ganz, ganz schlecht finde ich das… 🙁

    Was soll das? Eigentlich dürfen Raab, D. & Co. jetzt nicht mehr allzu laut über DSDS wettern…

    Ich hatte mich echt gefreut auf USFB – jetzt nicht mehr so wirklich…

  2. Hoijoijoi.

     Da wären mir die Gegenstimmen ja fast noch… nein, wären sie nicht. Mann mann mann.

    Insbesondere diesen Aspekt, dass die Kandidaten sich erstmal vorstellen, und dann wird schon gevotet, und derjenige mit den wenigsten Sympathiestimmen darf anfangen – HALLO? So kann ich natürlich auch Füllwerk generieren, nur dass das Füllwerk noch nicht von Anfang an bekannt ist. Das sollte einer VE wie dieser (zumindest wenn man USFO als Messlatte nimmt) eigentlich unwürdig sein!

    Aber was mich am meisten ärgert:  Die Kandidaten sind zu dieser Show gekommen in dem Bewusstsein, dass si fair behandelt werden bzw. wussten sie, was sie zu erwarten haben. Und jetzt, wo das Finalfeld steht, und sie eigentlich nicht mehr zurück können, wird das alles wieder über den Haufen geworfen, um die Quote und den Druck auf die Leute zu erhöhen? Also, ich finds denen gegenüber schon profund unfair.

    Hab ich eigentlich schon erwähnt, wie ich das finde, dass die Leute WÄHREND IHRES AUFTRITTES sehen können, wo sie stehen? Nein? Hab ich nicht erwähnt? Oh sod off.

    Nun ja, eine Sache steht jedenfalls fest: Egal wer da raus kommt, Lampenfieber hat der danach jedenfalls keins mehr. Aber ist es das wert?

  3. Bevor ich mir darüber ein Urteil bilde, möchte ich mir das Ganze erst mal anschauen. Zumal die Ankündigung – was ich laut Bericht gelesen habe – durchaus noch ein bisschen Raum lässt, wie das mit der Darstellung des Echtzeit-Votings sein kann. Für mich würde es schon ein Unterschied machen, ob man in der ersten Show nur laufend die ersten Fünf einblendet, weil sich ja fünf qualifizieren, oder alle zehn. Auch weiß ich nicht, ob die Prozentzahlen mit genannt werden.

    Erst einmal die Startreihenfolge durch ein Sympathievoting festzulegen, finde ich zwar ebenfalls nicht prickelnd, doch ganz so hoch hänge ich das auch nicht – Sympathien kann man durch den Auftritt, den Gesang, auch schnell steigern. Oder auch verscherzen.

    Ab Donnerstagabend wissen wir mehr.

  4. „Profund unfair“ ist schön formuliert. Und ich stimme zu.
    Aber das ist halt, wie der Raab funktioniert. Dem sind ja die Verlierer bekanntlich egal, die verachtet er ja sogar. Der orientiert ausschließlich an den Siegern. Und für die bringt das jetztige Verfahren halt Vorteile und macht den Sieg größer und glänzender. Das passt halt in Raabs Weltbild.

  5. Furchtbar, furchtbar …
    Ich weiß ja, dass manche USFO lanweilig fanden, aber ich fanf gerade diese unaufgeregte, entspannte Wohnzimmeratmosphäre sehr förderlich für die Suche nach neuen Talenten und deren Entwicklung. Werde heute abend mit sehr gemischten gefühlen einschalten.

  6. Insgesamt bin ich Neuerungen aufgeschlossen, fand aber einiges gestern an den Haaren herbei gezogen, vor allem stört es mich, dass durch das Dauervoting Unsummen von Geldern eingespielt werden und das sicherlich so kalkuliert wurde. Es hat auch was Spannendes dieses Tabelle zu beobachten, es lenkt auch vom Künstler ab. Ich käme nicht auf den Gedanken bei der Vorstellungsrunde anzurufen, bin da altmodisch und rufe an, wenn alle gesungen haben. Des Weiteren fand ich es allerdings interessant, einfach mal einen Eindruck zu haben, ohne die Gesangsqualitäten gehört zu haben.
    Meine Favoriten waren dabei, ich kann damit gut leben und bin gespannt, was nächste Woche abgeht.

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