Unser Star für Baku: wie wird gevo­tet?

Ein seit weni­gen Tagen auf Pro­Sie­ben kur­sie­ren­der Trai­ler für Unser Star für Baku sug­ge­riert dras­ti­sche Ände­run­gen im Abstim­mungs­ver­fah­ren. Ein “Voting, dass es so noch nie gab” kün­digt der neue Jury­prä­si­dent Tho­mas D. in dem Clip an. Sei­ne bei­den Mit­ju­ro­ren Ali­na Süg­ge­ler (Fri­da Gold) und Ste­fan Raab sekun­die­ren in gewohnt mar­tia­li­scher TV-Total-Dik­ti­on: “Ab jetzt kannst Du die gan­ze Wahr­heit sehen” und “Ab jetzt zählt jede Sekun­de”. Da man in allen bis­he­ri­gen Ankün­di­gun­gen ver­laut­bar­te, dass die Ent­schei­dung – wie auch schon bei Unser Star für Oslo – allei­ne beim Zuschau­er lie­ge, führt dies zur Ver­mu­tung, dass künf­tig in Gong-Show-Manier nicht nur Anru­fe für, son­dern auch sol­che gegen einen Teil­neh­mer mög­lich sind. Bei aktu­ell ein­ge­blen­de­ten Zwi­schen­stän­den. Was, gera­de bei kon­tro­ver­sen Per­sön­lich­kei­ten, wie bei­spiels­wei­se Lena es eine war, zu ein­nah­me­stei­gern­den Kampf­ab­stim­mun­gen füh­ren könn­te. Und das Span­nungs­ele­ment der in der Ver­gan­gen­heit durch die dort ver­brei­te­te Har­mo­nie­so­ße stel­len­wei­se auch schon mal lang­wei­li­ge Sen­dung erhöh­te.


Er kann’s nicht las­sen: auch Der Fei­ne Herr ist wie­der Teil der Jury

Ande­rer­seits wohnt einem öffent­lich aus­ge­spro­che­nen “Dau­men run­ter” durch das Publi­kum schon auch ein gewis­ses zyni­sches Ele­ment inne. Und gera­de Herr D. ließ ja in den letz­ten Tagen kei­ne Gele­gen­heit offen, Die­ter Boh­len – zu Recht – für den men­schen­ver­ach­ten­den Umgang mit des­sen Cas­ting-Schütz­lin­gen zu rügen. Zudem birgt ein sol­ches Abwählele­ment auch immer die Gefahr, dass kon­tro­ver­se Künst­ler schnell raus­flie­gen und nur die Strom­li­ni­en­för­migs­ten über­le­ben. Inwie­weit sich das mit dem Anspruch des Jury­prä­si­den­ten deckt, etwas abzu­lie­fern, “das die Bezeich­nung Kunst ver­dient”, scheint mir frag­lich. Aber viel­leicht lie­ge ich mit mei­ner Ver­mu­tung ja auch völ­lig dane­ben. Genaue­res dürf­ten wir nächs­ten Mon­tag erfah­ren: da lädt der NDR näm­lich zur Pres­se­kon­fe­renz in die Brain­pool-Stu­di­os nach Köln.

 

11 Gedanken zu “Unser Star für Baku: wie wird gevo­tet?

  1. Hmmm… und ich hat­te schon ver­mu­tet, es wür­de ‘per Post­kar­te’ abge­stimmt.… das wäre revo­lu­tio­när! 😉

    .… also Kan­di­da­ten-Bashing .… ne, das bräuch­te ich nicht.… 

  2. Na, ich hof­fe doch schwer, dass Du mit Dei­ner Ver­mu­tung kilo­me­ter­weit dane­ben liegst!!! Das heißt näm­lich nix ande­res, als dass die inter­es­san­ten (= pola­ri­sie­ren­den) Bei­trä­ge sofort raus­flie­gen, und übrig bleibt der Rest, der nie­man­dem weh­tut. Na, bes­ten Dank.
    Ich hab lie­ber ne Har­mo­nie­so­ßen­sen­dung mit wirk­lich span­nen­den Acts als ne span­nen­de Sen­dung mit lang­wei­li­gen Acts.

  3. Ach ja, und noch was: So lan­ge auch beim ESC nur Anru­fe FÜR einen Kan­di­da­ten mög­lich sind, ist das abso­lu­ter Käse, in der VE auch Anru­fe GEGEN einen Kan­di­da­ten zu ermög­li­chen.
    Und ver­dammt, das ist auch gut so! Sonst hät­te 2006 wohl nicht Lor­di gewon­nen.

  4. Wohl eher reak­tio­när. 😉

    Ich wage mal zu behaup­ten, dass man ein­fach nur Zwi­schen­stän­de ein­blen­den wird. Ich glau­be so etwas ähn­li­ches gab es schon mal irgend­wo bei einer Vor­ent­schei­dung, könn­te in der Slo­wa­kei gewe­sen sein.

    Mit Pro- und Con­tra-Stim­men gewinnt am Ende ja dann nur der kleins­te gemein­sa­me Nen­ner. Und was das bedeu­tet, hat ja der ESC mit Run­ning Sca­red letz­tes Jahr gezeigt (auch wenn ich das Lied per­sön­lich ganz ger­ne mag).

  5. Risch­disch, das war bei den Schlo­wa­ken. Und wenn sie es so machen wür­den wie bei denen, näm­lich die aktu­el­len Voting­s­tän­de aller Kan­di­da­ten ein­zu­blen­den, wäre das beson­ders doof, denn das führt natür­lich unwei­ger­lich dazu, dass der Spit­zen­rei­ter auto­ma­tisch noch mehr Stim­men bekommt und jemand, der im Voting hin­ten liegt, gar kei­ne mehr. Konn­te man in der Slo­wa­kei sehr schön mit­ver­fol­gen (und ich mei­ne mich zu erin­nern, dass es in Polen 2011 auch so war, mit glei­chem Ergeb­nis). Denn nie­mand opfert sei­ne Gro­schen für eine ver­lo­re­ne Schlacht, aber ein Sie­ger­typ hat stets vie­le Freun­de.

  6. Vllt. Wird es aber auch ein­fach nur ein nor­ma­les tel­e­vo­ting, was dann mit einem Art inter­net­vo­ting ver­bun­den wird, das wäre doch mal was, oder?

  7. Das fän­de ich sehr sym­pa­thisch. Aber ich bezweif­le es, denn ein Inter­net­vo­ting könn­te die Zahl der Anru­fer dezi­mie­ren – und damit die gene­rier­ba­ren Ein­nah­men für Raab, denn ein Inter­net­vo­ting ist ja in der Regel kos­ten­los, sonst wäre es zu kom­pli­ziert.

  8. Ich den­ke (und hof­fe), dass Litt­le Imp rich­tig liegt, und ledig­lich stän­dig die Zwi­schen­stän­de ein­ge­blen­det sind – dage­gen wäre nichts ein­zu­wen­den.

    Anti-Anru­fe leh­ne ich ab. Es ist eine Sache, wenn man für jeman­den nicht anruft, weil man ihn/sie unsym­pa­thisch fin­det – ich nen­ne das mal pas­si­ves Raus­wäh­len. Aber akti­ves Raus­wäh­len wäre schon eine ganz ande­re Liga, die mir über­haupt nicht gefal­len wür­de.

  9. Da hast du abso­lut recht! Das wür­de ja schon in die Belei­di­gun­gen ecke gehen, fin­de ich. Zwi­schen­stän­de ein­blen­den wür­de beein­flus­sen, kann ich mir aber am ehes­ten vor­stel­len. Oder viel­leicht doch was ganz ande­re? Auf jeden Fall wis­sen Sie wie die die esc Fans auf die Fol­ter span­nen kön­nen, hof­fent­lich wird es nicht so eine ent­äu­schung wie letz­tes jahr, wobei da ja dann die bes­ten zwei doch ziem­lich gut waren. Und hof­fent­lich wird es nicht so lang­wei­lig.

  10. Hört sich ver­däch­tig  nach hei­ßer Luft und Kuchen­krü­mel an,  wie immer, wenn vor­ab in der­ar­ti­ger Manier auf den Eimer gehau­en wird. Haupt­sa­che, die Kas­sen­la­de hat Hoch­be­trieb.  Alles gut, dank Blitz­ta­bel­le. Kaum zu fas­sen, das Raab die­se kon­ge­nia­le Idee nicht schon viel frü­her abge­kupf.., ähm, bekom­men hat, um sich dafür ordent­lich auf die Schul­ter klop­fen zu dür­fen.

     Das mit der “Kunst” bit­te nicht fehl­in­ter­pre­tie­ren. Das war auf das -klin­ge­lin­ge­ling- abschlie­ßen­de Album gemünzt, das sich dann wohl­tu­end (dar­auf hat die Welt gewar­tet) von den hur­tig zusam­men­gefri­ckel­ten Wer­ken ver­gleich­ba­rer For­ma­te als kon­klu­den­te Ver­zin­sung der Bemü­hun­gen abhe­ben soll.
    Was das  noch mit der eigent­li­chen Mis­si­on  zu tun hat?
    Ach, war da noch was?

Oder was denkst Du?