Finn­land: Narr, jag Plun­der (FI 2012)

Die 21jährige Per­nil­la Karls­son gewann soeben das merk­wür­di­ge fin­ni­sche Vor­ent­schei­dungs­for­mat Uuden Musii­kin Kil­pai­lu. Klingt schwe­disch, der Name? Der Song auch: ‘När jag blundar’ heißt die für mei­ne Ohren musi­ka­lisch lei­der ster­bens­lang­wei­li­ge Bal­la­de, und Per­nil­la singt sie in der Tat in der zwei­ten Lan­des­spra­che, die nur etwa 6% der fin­ni­schen Bevöl­ke­rung beherr­schen. Schein­bar ist die­se Min­der­heit dafür um so anruf­freu­di­ger. Der Bei­trag ist eine Fami­li­en­an­ge­le­gen­heit: die Inter­pre­tin schrieb ihn gemein­sam mit ihrem Bru­der als Wid­mung an ihre Mut­ter, die letz­tes Jahr ihren fünf­zigs­ten Geburts­tag fei­er­te. Wes­we­gen die gute Frau Mama Per­nil­la aller­dings nicht von die­sem furcht­ba­ren, augen­schein­lich aus abge­nag­ten Fisch­grä­ten oder halb­ver­faul­ten Pal­men­blät­tern zusam­men­ge­näh­ten Kleid abriet, ist mir völ­lig schlei­er­haft. Kann kein gutes fami­liä­res Ver­hält­nis sein.

httpv://youtu.be/43GWoVxRk2Y
Und Finn­land war mal mein Lieb­lings­eu­ro­vi­si­ons­land! *seufz*

Über 500 Ein­sen­dun­gen erhielt das fin­ni­sche Fern­se­hen ursprüng­lich für sei­ne Vor­ent­schei­dung. 40 Titel, dar­un­ter zahl­rei­che fabel­haf­te Elek­tro­kra­cher und schrä­ge Pop­knül­ler, stell­te es irgend­wann letz­tes Jahr online. Doch schein­bar woll­te man im Land der tau­send Seen nicht in Kon­kur­renz zum mit ähn­li­chen Per­len bis zum Bers­ten voll­ge­stopf­ten Eesti Laul der Nach­barn tre­ten: alle wirk­lich guten Num­mern gin­gen schon auf dem Weg zur ers­ten, ohne gro­ße Vor­ankün­di­gung eher über­ra­schend nach­mit­tags im TV aus­ge­strahl­ten Vor­run­de ver­lo­ren. Dort sor­tier­te man dann über vie­le Wochen in einem für Nicht­fin­nen unver­ständ­li­chen Ver­fah­ren lang­sam, aber ziel­stre­big wei­te­re Titel her­aus, bis noch sechs für das heu­ti­ge, in einer ledig­lich zu einem knap­pen Drit­tel mit Publi­kum besetz­ten Hal­le statt­fin­den­den Fina­le übrig blie­ben.

httpv://youtu.be/g-Cysr025ZY
Ges­tern noch auf RTL2, heu­te schon beim Vor­ent­scheid: Stig

Hier kam es noch­mals zu einem Super­fi­na­le der letz­ten Drei, dar­un­ter neben der mut­ter­fi­xier­ten Schwe­din noch ein super­durch­schnitt­li­cher Sof­t­rock­säus­ler namens Vil­le Eet­vart­ti, der es nächs­tes Jahr viel­leicht mal in Däne­mark ver­su­chen soll­te, wo man auf Seich­tes steht. Sowie der eigent­li­che Favo­rit Stig: ein mit Ohren­klap­pen­fell­müt­ze, Kas­sen­ge­stell und Hartz-Vier-Schnauz­bart ver­klei­der­ter (das hof­fe ich zumin­dest!) Come­dy­act, des­sen wohl mit absur­den Gleich­nis­sen arbei­ten­des Lie­bes­lied ‘Lau­lu­lei­ja’ aber über eine wun­der­schö­ne Melo­die ver­füg­te und den von mir so innig gelieb­ten, skur­ri­len fin­ni­schen Charme ver­sprüh­te. Echt scha­de: seit sei­nem Über­ra­schungs­sieg 2006 scheint mein eins­ti­ges Lieb­lings­eu­ro­vi­si­ons­land zuneh­mend den Faden zu ver­lie­ren…

Eine schwe­di­sche Bal­la­de für Finn­land.

  • Wun­der­schö­nes Lied. Pri­ma, Finn­land! (57%, 29 Votes)
  • Weckt mich, wenn der Song vor­bei ist! (33%, 17 Votes)
  • Man kann es mit Sprach­kor­rekt­heit auch über­trei­ben. (10%, 5 Votes)

Total Voters: 51

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12 Gedanken zu “Finn­land: Narr, jag Plun­der (FI 2012)

  1. Fin­land, no points.

    Die ver­sa­gen mir ja sogar die Chan­ce, Aus­se­hens­bo­nus­punk­te für eine hüb­sche, blon­de Nord­län­de­rin zu geben, mit denen man bei mir ja immer etwas Wohl­wol­len erzeu­gen kann, wie ich viel­leicht schon mal irgend­wo bei­läu­fig erwähnt habe.

    So geht’s nicht 🙁

  2. Na, wenigs­tens ein­mal in die­sen Tagen ein freu­di­ges Ereig­nis, dass näm­lich end­lich mal mein Favo­rit (nach­dem Leo­la bereits aus­ge­schie­den war) gewon­nen hat. Freu mich lang­sam doch auf die Euro­vi­si­on.

  3. Na, immer­hin gibts dafür 12 Punk­te aus Schwe­den.

    Was die vor die Säue gewor­fe­nen Per­len aus dem Vor­ent­schei­dungs­an­ge­bot betrifft, ist es wirk­lich jam­mer­scha­de. Jetzt ruhen wirk­lich alle Hoff­nun­gen auf Est­land. Soweit ich das über­bli­cke, sind da ja wirk­lich fast nur gei­le Num­mern ins Fina­le gekom­men, und auf den Geschmack der Esten kann man sich ja seit eini­gen Jah­ren ver­las­sen – im Gegen­satz zu den Fin­nen…

  4. Grund­gü­ti­ger Gott! Lang­sam beschleicht mich das Gefühl, es geht bei den dies­jäh­ri­gen Vor­ent­schei­den dar­um, nur ja nicht zu gewin­nen, man wol­le sich die Mühen und Kos­ten für sie Aus­rich­tung des ESC 2013 nur ja nicht auf­bür­den. Wir ken­nen jetzt etwa die Hälf­te der Län­der­bei­trä­ge. Noch will ich die Hoff­nung nicht auf­ge­ben, gro­ßer jüdi­scher Gott, hilf!

  5. Same here…

    Die Fol­gen von oslog.tv hab’ ich mir übri­gens sei­ner­zeit zusam­men­ge­schnit­ten, so dass ich sie mir qua­si als abend­fül­len­des Event geben kann. Das muss ich bei Gele­gen­heit auch noch mit den dus­log-Fol­gen machen…

  6. Ich fin­de die­se Bal­la­de wirk­lich ganz bezau­bernd. Und ja, das mei­ne ich voll­kom­men ernst.

    Das hat so etwas Ver­spiel­tes, Leich­tes und auch die Spra­che passt ganz wun­der­bar dazu. Für mich bis­lang einer der bes­ten Bei­trä­ge die­ses Jah­res.

  7.  Dan­ke für den Bei­trag, da kann ich mir den Groß­teil des­sen, was ich schrei­ben woll­te, spa­ren. Ich tei­le die obi­ge Mei­nung hun­dert­pro­zen­tig. Aber ich bin ja auch die ver­irr­te See­le, die “Noc­turne” und “The Voice” mag. Und “Sano­mi”.

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