Perlen der Vorentscheidung: vierter Supersamstag

Mit dem ersten Semi des schwedischen Melodifestivalen startete heute die heiße Phase der Vorentscheidungssaison. Und der völlige Overload, denn zeitgleich liefen Vorrunden in Norwegen, Ungarn und Litauen. Sowie das maltesische Finale. Doch zum Wichtigsten zuerst: nach Växjö! Dort fand die erste Runde des MF statt, in dem sich mehr fantastische Songs und Performances versammelten (allerdings leider auch Stimmen vom Backingtape, die teilweise über 80% der Darbietung ausmachten) als in den kompletten bisherigen Vorentscheidungen aller anderen Länder zusammen. Zwei davon schafften es Direkt til Globen: die Fanfavoritin Loreen mit dem passend betitelten ‚Euphoria‘, einem Discoschlager mit starkem Neunzigerjahre-Ibiza-Rave-Einschlag, zu dem die ein wenig durch den Wind wirkende Loreen eine Choreografie der schönsten Yoga-Posen tanzte. Sowie die Linkin-Park-Gedächtnisband Death by April: ein Häuflein vollkörpertätowierter, schwarzgekleideter böser Buben (und, nebenbei bemerkt, die geilsten Kerle, die jemals auf einer MF-Bühne standen!), die einen sehr melodiösen Rockschlager namens ‚Mystery‘ skandierten. Zwei echte Kracher, da bin ich sehr einverstanden mit dem Ergebnis!

httpv://youtu.be/fOdRFtwTzb8
You will stay, will stay, oh-oh: Tooji (NO)

Immerhin noch in die Andra Chansen schaffte es der Comedyact Sean ‚Den Första‘ Banan, während TLCs Großmütter, die vom Eurovision Song Contest 2002 noch bekannten Afro-Dite mit einer Neuauflage ihres damaligen Discoknallers ebenso ausschieden wie Marie Serneholt mit ihrer tanzbaren Würzanleitung ‚Salt & Pepper‘. Womöglich eine kosmische Strafe für ihr damaliges Mitwirken bei den blasphemischen A*Teens? Wer übrigens noch wehmütig an den letztjährigen MF-Sieger Eric Saade zurückdenkt, der kam ein Land weiter beim norwegischen Melodi Grand Prix voll auf seine Kosten. Dort trat der schnucklige Halblibanese unter dem Tarnnamen Tooji an und entbot mit ‚Stay‘ eine fabelhafte Dancenummer mit dezent elektrisierten orientalischen Verzierungen. Er kam ebenso zu Recht ins Finale wie der klassische Countrysong ‚Things change‘ von Petter Øien und Bobby Bare – nein, kein Pornodarsteller, wie der Name suggeriert, sondern ein augenscheinlich siebzigjähriger US-Countrystar. Schönes Lied!

httpv://youtu.be/iDIF2gOyQzc
Nicht safe: Bare & Øien (NO)

Weniger erfreulich lief es unterdessen in Ungarn. Dort wählte die vierköpfige Jury unter Mitwirkung von Kati Wolf lauter langweiligen Seichtkram ins Finale. Lustig wurde es nur mal kurz, als es beim dritten Platz einen Punktegleichstand gab und auch eine Kampfabstimmung unter den Juroren mit einem Remis endete. Schließlich einigte man sich doch noch irgendwie (Stein, Schere, Papier?) auf den ebenfalls irgendwie lustigen Titel (My Heart is) ‚Untried‘ von Királys Testvérek – zwar ebenfalls öde, aber immerhin verdient Sängerin Linda die vollen 12 Punkte für ihre sensationelle Alienfrisur! Der einzige gute Song des Abends – jedenfalls von denen, die ich hörte – ‚Lesz, ami lesz‘ der famos betitelten Band Anti Fitness Club hingegen schied aus. Und in Litauen tat sich auch irgendwas, was ich hier nachzulesen bitte. Momentan bin ich vom heutigen Supersamstag vollständig erschöpft.

httpv://youtu.be/svqAR96jpMA
Frage an die Startrek-Fans: von welchem Planeten stammt sie? (HU)

13 Gedanken zu “Perlen der Vorentscheidung: vierter Supersamstag

  1. Meine Lieblinge des Tages: Loreen und Tooji. Dürfen beide gerne nach Baku. Ich musste bei Euphoria ja auch teilweise an Katy Perrys Firework denken.

  2. Das war das erste Mal in meiner fast lebenslangen „Laufbahn“ als ESC-Fan, dass ich beim Melodifestivalen zugeschaut habe *schniefz*.

    Die üppige Dame aus dem Moderations-Team hat mich übrigens die ganze Zeit an ALF erinnert, weiß auch nicht wieso…

    Positiv: Da wurde keine Zeit verschwendet. Zack, zack, zack wurden die Beiträge abgearbeitet – vorbildlich.

    Negativ: Wirklich gut gefallen hat mir nur ein Beitrag, und der landete auf Platz sechs *grmpf*

    „Mystery“ fand ich persönlich ganz schlecht. Eine heterogene Mischung aus Schlagerrock und Death Metal (so hörte sich das jedenfalls für mich an) – was daran toll sein soll, bleibt mir das einzige Mystery.

  3. Platz 6? Also Salt and Pepper? Das war im Vorfeld auch mein Favorit, hat mir live dann allerdings nicht ganz so gut gefallen. Marie ist halt nicht die beste Sängerin. Traurig, aber erklärbar.

  4.  Ich hatte keine Studioversion gehört, mit der ich es hätte vergleichen können. Mir gefiel’s ganz gut, aber ich muss einräumen, ich hab‘ auch ’nen Sack voll Aussehenspunkte verteilt 😀

    Wie schon an anderer Stelle mal erwähnt: Für hübsche, blonde Nordländerinnen hab‘ ich immer ein paar Punkte übrig 😀

  5. Sie war nicht nur die nicht beste Sängerin, sondern auch ziemlich hüftsteif – so eine nordische Kühlheit passt halt einfach nicht zu einem Song namens „Salt and Pepper“…

  6. Tooji find ich auch total klasse – nicht weil er eine vermeintliche Eric Saade-Kopie ist (steh sowieso nicht auf bubihafte Schönlinge), sondern weil sein Dance-Song mit den Kreissägen-Synthies und der Peitschen-Bassdrum genau die Art von Lied ist, die von mir aus 25-mal im Eurovisions-Finale vorkommen darf.

  7. Ich mochte den Song sehr, und hätte sie’s im maltesischen Finale gesungen, wäre es unzweifelhaft mein Lieblingsbeitrag gewesen. Beim Mello indes gab’s halt Besseres und besser performtes.

  8. Es sind zwar die Haare und nicht die Ohren, aber ich würde ganz klar sagen, dass die Dame eine Ferengi ist. Da ziehe ich doch die Vulkanierin/Romulanerin/Dunkelelfe Nanne Grönvall von 1998 mit Avundsjuk vor.

  9. Nein! Nein! Nein!
    Ich möchte keinen norwegischen Klon von Eric Saade in Baku. Auch wenn ich den Titel nicht schlecht finde. Und wieso hatte der die ganze Zeit ’ne Kapuze auf. Ist das nun cool oder hatte er sich nur die Haare nicht gewaschen. Und was ist das für’n bescheuerter Name : Tooji.
    Dann doch lieber die Mutter von Maria Haukaas Storeng. Wenn die auch aussieht als hätte sie kurz vor dem Auftritt mal eben den Fischstand selbst auf den Markt geschoben. Ein Kraftweib eben.

    Leider sind die drei Kraftweiber in Schweden ausgeschieden. Obwohl mir ihr Discostampfer sehr gut gefiel.
    Aber Loreen finde ich gut. Und diese Meine-erste-Bamnanen-Geschichte gehört der Ostzonen-Gabi allein und nicht irgend so einem Schweden-Sean. Dafür finde ich diese Joe-Cocker-Imitation durchaus gelungen.
    Aber die haben ja sowieso alle keine Chance gegen das Botox-Lottchen,

  10. So heißt er nun mal eben. Tooji Keshtkar, geboren im Iran. Da kann er nichts für. Also enthalte dich bitte solcher Kommentare. Wenn das jetzt ein Künstlername wäre, wäre das natürlich was anderes. Die kann man – finde ich – durchaus bescheuert finden. Dir wäre es also lieber, wenn Stay von einem blonden Norweger gesungen würde oder von einer Frau, damit der Act nicht so sehr Eric Saade ähnelt? Ich finde, das Lied zählt mehr, und das ist wirklich gut und Tooji war sogar als Songwriter daran beteiligt. Zumindest beteiligt genug, um Credits dafür zu bekommen. Möglich, dass er als Saade-Kopie in Baku durchfällt, aber ebenso möglich, dass er auf Erics Erfolg aufbauen kann wie auch Ell & Nikki auf den Erfolg der Mann-Frau-Duette des Vorjahres (Rumänien, Dänemark) aufgebaut haben. Falls er es überhaupt schafft, das Ticket nach Baku zu lösen. Denn das ist auch noch lange nicht gesagt. Also keep cool. Wenn dir das Lied gefällt, dann freu dich, anstatt dich über den Sänger zu ärgern.

  11. So wie es ausschaut wird er das Ticket nach Baku (leider) ohnehin nicht lösen – momentan scheint alles auf eine Band namens Plumpsklo… äh, Plumbo herauszulaufen; so ne Art norwegische Höhner, mit einem unerträglich provinziellen Auld Lang Syne-Verschnitt… Bergen Alaaf!

  12. Wäre nicht das Schlimmste. Plumbo wären mir in Norwegen immerhin am Drittliebsten hinter Sammen und Stay. Wenn wir Pech haben, könnte es auch eine Disney-Kitsch-Ballade geben.

  13. 1. Ich wußte nicht das es sich um seinen eigenen Namen handelt – hörte sich nach Künstlernamen an. Und ob ich mich irgendwelcher Kommentare enthalten soll oder nicht bestimmst du bitte nicht.

    2. Vielleicht solltest du cool bleiben und nicht alles so verbissen sehen. Das meiste ist sowieso ironisch gemeint. Ich ärgere mich keineswegs über den Sänger, und ob das ein blonder Norweger oder ein schwarzhaariger Indonesier singt,  ist mir ziemlich schnuppe. Ich hätte gern ein Original und keine Kopie.
    Der Vergleich mit Ell & Nikki hinkt. Die hatten sehr wohl ein anderes Konzept. Sie haben nicht etwa gewonnen weil sie ein Mann-Frau-Duo waren und diese Konstellation letztjährich ziemlich erfolgreich war. Sonst könnten sie sich ja auch bei Grethe & Joergen Ingman bedanken.  Und 1 : 1 Kopien wurden bisher fast immer abgestraft. Genauso wird es allen Beiträgen gehen die diese „oh-oh-oh’s“ des letzten Siegertitels nachahmen.

    Abgesehen davon glaube ich auch, das diese Band namens Plumbo (darf ich diesen Namen denn wenigstens bescheuert finden?) das Rennen macht. Die sind momentan in Norwegen sehr erfolgreich und waren mit einem anderen Song letzte Woche Nr. 1.

    In diesem Sinne,  heiter ironische Grüße aus dem sibirischen Bielefeld.

Oder was denkst Du?