Wei­ne nicht, klei­ne Eva (SI 2012)

Die Slo­we­nen behaup­ten von sich ja ganz ger­ne, sie gehör­ten nicht zum Bal­kan, son­dern zu “Zen­tral­eu­ro­pa”. Das aber kön­nen sie ihren Groß­müt­tern erzäh­len, denn wie­so hät­ten sie sich heu­te Abend mit 68% der Stim­men für einen Auf­guss von ‘Molit­va’ ent­schie­den, wenn sie kul­tu­rell nicht zum Bal­kan zähl­ten? Im fina­len Duell der Misi­ja Evro­vi­zi­ja unter­la­gen die sen­sa­tio­nell lus­ti­gen Zwil­lin­ge Eva & Nika Prus­nik – die slo­we­ni­sche Ant­wort auf Jed­ward – mit dem schon grenz­wer­ti­gen (und damit natür­lich um so fabel­haf­te­ren) Trash-Opus ‘Koni­chi­wa’ ihrer Kon­kur­ren­tin Eva Boto und ihren drei vier mit zer­knüll­tem Tüll im Haar als Bräu­te Lakas per­for­men­den Backings. Damit reiht sich Slo­we­ni­en naht­los ein ins dies­jäh­ri­ge Bal­kan-Bal­la­den-Fest!

httpv://youtu.be/SUrkusKotaA
Kann an die dicke ser­bi­sche Les­be nicht ganz her­an­rei­chen: Eva

Bei­de Evas (und Nika) san­gen im heu­ti­gen Fina­le der gefühlt seit sechs Jah­ren lau­fen­den Cas­ting­show jeweils drei Titel. Wobei sich die quir­li­gen Zwil­lin­ge für aus­schließ­lich uptem­po­rier­te Spaß­bei­trä­ge ent­schie­den, von denen das mit Japan-Kli­schees auf nied­rigs­tem Niveau spie­len­de ‘Koni­chi­wa’ mei­len­weit her­aus­rag­te und folg­lich auch die ers­te Abstim­mung, in der es jeweils um den pas­sen­den Song für die bei­den Final-Acts ging, gewann. Die Num­mer hät­te in Baku sicher für Auf­se­hen gesorgt, nicht nur wegen der clow­nes­ken Gei­sha-Ver­klei­dung der Bei­den, son­dern auch wegen der hüb­schen Text­zei­le “Don’t tell Jesus Christ, we were in Para­di­se”. Ich hat­te mich schon auf das erzürn­te Weh­kla­gen humor­lo­ser Chris­ten gefreut!

httpv://youtu.be/t-Ls3_yHrag
Ist nur ein Spaß, lie­be Japa­ner!

Eva Boto gab neben dem favo­ri­sier­ten ‘Ver­ja­mem’ auch noch eine exzel­len­te Uptem­po­num­mer namens ‘A si san­jal me’ zum Bes­ten, die in Baku sicher­lich bes­se­re Chan­cen gehabt hät­te, nicht in der Mas­se der dies­jäh­ri­gen Bal­kan­bal­la­den­schwem­me unter­zu­ge­hen. Nicht, dass man mich falsch ver­steht: herz­er­grei­fen­de Bal­kan­bal­la­den wie ‘Ver­ja­men’ kann es natür­lich nie genug geben! Die Fra­ge ist nur, ob es klug ist, das zu machen, was alle machen… A pro­pos: ich for­de­re die EBU auf, wenn sie schon ab 2013 in die natio­na­len Vor­ent­schei­de ein­grei­fen will: bit­te unter­sagt das zu Tode ner­ven­de, stun­den­lan­ge Jury­ge­la­ber! Nach dem schwei­ze­ri­schen Gro­ßen Aus­schei­dungs­scheiß, Unse­rem Flop für Baku, der iri­schen Too Late Show, der nie­der­län­di­schen Natio­naal Song­qual und gefühlt tau­send ande­ren Quas­sel­run­den die­ser Vor­ent­schei­dungs­sai­son war für mich bei der heu­ti­gen EVA end­gül­tig die Schmerz­gren­ze erreicht. Bit­te nie, nie wie­der!

httpv://youtu.be/HUxIAflTnk0
DAS klingt für mich nach Zen­tral­eu­ro­pa: Evas bes­se­rer Bei­trag

httpv://youtu.be/TuViQndLg4Y
Ob Slo­we­ni­ens Wunsch in Erfül­lung geht? Ich bezweif­le es!

11 Gedanken zu “Wei­ne nicht, klei­ne Eva (SI 2012)

  1. Ja, die­se Num­mer gehört eigent­lich eher nach Bos­ni­en. Da bin ich mal gespannt, was die Kol­le­gen im Süden als Ant­wort dar­auf fin­den. 
    “Ver­ja­mem” wird aber ziem­lich schwer zu top­pen sein. Die Slo­we­nen haben es zum ers­ten mal seit Men­schen­ge­den­ken geschafft, einen Song aus­zu­wäh­len, der mir rich­tig gut gefällt!!!
    Und jetzt bin ich mir nicht sicher, ob es dann im nächs­ten Jahr “Reyk­ja­vik 2012” oder “Ljublja­na 2012” hei­ßen soll…

  2. Naja, gesang­lich ist die Nika-lose Eva ja wohl klar die bes­se­re. Und Ver­ja­mem das stärks­te Lied. Was an dem bil­li­gen Koni­chi­wa lus­tig sein soll­te, erschließt sich mir nicht. Da waren sei­ner­zeit Hum­pe und Hum­pe mei­len­weit bes­ser.

  3. Nein, das passt nicht nach Bos­ni­en. Ich wür­de es ganz all­ge­mein nicht als Bal­kan-Bal­la­de iden­ti­fi­zie­ren. Ich hab´s mir jetzt drei­mal ange­hört, kann aber nicht genau sagen WAR­UM. Evtl. liegts an der Instru­men­ta­ti­on? Es fehlt aus mei­ner Sicht irgend­wie ein ganz bestimm­tes dra­ma­ti­sie­ren­des Moment.

    Ich bin übri­gens in die­sem Zusam­men­hang auch auf den Bei­trag von Maya­Sar gespannt. Deren Musik wür­de ich auch eher als “west­eu­ro­pä­isch klin­gend” bezeich­nen.

    An sich zur Num­mer: Haut mich nicht vom Hocker. Da fand ich letzt letzt­jäh­ri­gen Bei­trag (okay, ist nicht wirk­lich ver­gleich­bar) sub­jek­tiv viel mit­rei­ßen­der. Ich könn­te mir durch­aus vor­stel­len, dass Slo­we­ni­en mit der Num­mer wie­der im Semi hän­gen­bleibt. Ist für mich defi­ni­tiv kein Win­ner.

  4. ent­gül­tig
    End­gül­tig wird mit ‘d’ geschrie­ben und der Song ist lang­wei­lig. Und Git­ter­tüll ist eben kei­ne Über­gar­di­ne.
    ent­gül­tig

  5. kor­rekt. Ver­jam­mern.  Gääähn. Hin­ter­lässt ein Gefühl wie ein­ge­schla­fe­ne Füße.

Oder was denkst Du?