Est­land: that Esto­ni­an Cool-a (EE 2012)

Eine wirk­lich fan­tas­ti­sche Vor­ent­schei­dung stell­ten sie auf die Bei­ne, die Esten, musi­ka­lisch womög­lich die bes­te und abwechs­lungs­reichs­te aller Teil­neh­mer­län­der. Acht der zehn Final­songs wären abso­lut ver­dien­te Sie­ger und eine Berei­che­rung des Euro­vi­si­ons­an­ge­bo­tes in Baku gewe­sen. Nicht zu reden von den bereits in den Semis aus­sor­tier­ten Elek­tro­knal­lern. Am Ende gewann, glei­cher­ma­ßen aus­ge­rech­net wie erwar­tet, eine eher klas­sisch gestrick­te Euro­vi­si­ons­bal­la­de mit wun­der­ba­ren Stei­ge­run­gen: der ehe­ma­li­ge Est­land-sucht-den-Super­star-Sie­ger Ott Lep­land mit dem ergrei­fen­den ‘Kuula’. Was noch für Erhei­te­rung in den medi­ter­ra­nen Staa­ten sor­gen dürf­te, wo man anstel­le des inten­dier­ten “Lau­sche” eher “Culo” (Arsch) ver­ste­hen dürf­te. Oder Schei­ße, das heißt “Kula” näm­lich auf Unga­risch. Für grie­chi­sche Ohren klingt es ent­we­der wie das Wort für Plas­tik­tü­te oder wie eine abschät­zi­ge Bezeich­nung für ein Mäd­chen. Und Nor­we­ger spre­chen so “Cola” aus. Was man in Inter­net­fo­ren alles so lernt!

httpv://youtu.be/z3NIt5eVWUg
Flausch am Sonn­tag: der est­ni­sche Wel­pe und sein schö­nes Lied

Die Sprach­bar­rie­re soll mir jedoch die Freu­de an mei­nem neu­en Grand-Prix-Favo­ri­ten 2012 nicht trü­ben. Dazu fin­de ich Ott viel zu nied­lich, dem man die Freu­de über sei­nen Sieg im Super­fi­na­le der Eesti Laul sowohl im Gesicht able­sen konn­te, wo sich ein paar Trän­chen ihren Weg bahn­ten, als auch in tie­fe­ren Kör­per­re­gio­nen, wo eine beacht­li­che Beu­le Zeug­nis davon ableg­te, wie sexy sich ein Sieg anfüh­len kann. Dabei wirk­te der Sän­ger ges­tern viel auf­ge­reg­ter und unent­spann­ter als noch im Semi oder bei der ers­ten Song­vor­stel­lung im est­ni­schen Früh­stücks­fern­se­hen, wo er sich noch hin­ter einem Kla­vier ver­steck­te und nicht krampf­haft am Mikro­fon­stän­der fest­klam­mern muss­te. Ott setz­te sich im Super­fi­na­le mit sat­ter Zwei­drit­tel­mehr­heit gegen die ehe­ma­li­ge Vanil­la-Nin­ja-Front­frau Len­na Kuur­maa durch, die mit ‘Mina jään’ eine text­lich wohl etwas natio­na­lis­ti­sche, musi­ka­lisch aber sehr sanf­te Bal­la­de am Start hat­te.

httpv://youtu.be/AHzewKCvxCE
Fal­len sie dem Ver­ges­sen anheim? Ten­fold Rab­bit

Knapp am Ein­zug ins Super­fi­na­le schei­ter­ten lei­der Ten­fold Rab­bit mit einer eben­so lako­ni­schen wie gän­se­hauter­zeu­gen­den, aus ledig­lich drei Zei­len Text bestehen­den Rock­bal­la­de (‘Obli­vi­on’), die gera­de aus der man­tra­ar­ti­gen Wie­der­ho­lung der Was-hät­te-sein-kön­nen-Ver­lust­be­schrei­bung in qua­si End­los­schlei­fe ihren beson­de­ren Reiz bezog. Zu mei­nen wei­te­ren Favo­ri­ten zähl­te die etwas bil­lig auf­ge­bre­zel­te Tee­le Vira mit ihrer neon­hel­len Elek­tro-Dance-Hym­ne ‘City Nights’. Womög­lich wur­de ihr die eben­falls bei­na­he man­tra­ar­tig wie­der­hol­te Lead­zei­le “Deep insi­de of me” zum Ver­häng­nis, denn da woll­te man als Zuschau­er nicht unbe­dingt sein. Und, ich lüge nicht, Loss Para­noi­as mit dem mit­rei­ßen­den ‘Vale­de­tek­tor’. Wirk­lich, ich plä­die­re dafür, die Eesti Laul zum Welt­kul­tur­er­be zu erklä­ren (viel­leicht, nach dem man sich auch hier hof­fent­lich bald von den ner­vi­gen und über­flüs­si­gen Laber­ju­ro­ren ver­ab­schie­det). Wenn wir nur eine ein Zehn­tel so gute Show hin­be­kä­men, wäre ich glück­lich!

httpv://youtu.be/GrEzL541JQQ
Ita­lo­dis­co trifft Elek­tro-House: fabel­haft!

11 Gedanken zu “Est­land: that Esto­ni­an Cool-a (<span class="caps">EE</span> 2012)”

  1. Es gibt so ein paar Län­der, die schaf­fen es, nahe­zu jedes­mal Lie­der zum ESC zu schi­cken, die mir aus­neh­mend gut gefal­len. Bos­ni­en gehört dazu, Est­land gehört dazu (ok, es gibt auch Aus­nah­men wie Krei­si­ra­dio…). Aber dies­mal haben sie ihre gan­zen groß­ar­ti­gen, zeit­ge­mä­ßen Elek­tro-Titel zuguns­ten einer solch lah­men, öden, lang­wei­li­gen Schnarch­num­mer links lie­gen las­sen. Ich bin ent­setzt.
    Lie­be Esten, im nächs­ten Jahr macht ihr das bit­te­schön wie­der bes­ser. Dies­mal war das nix.

  2. Ja, ich bin auch ent­täuscht, obwohl es abzu­se­hen war. Es gab so vie­le schö­ne Alter­na­ti­ven in der est­ni­schen Aus­wahl. Den nun gewähl­ten Beu­trag fin­de ich zwar nicht rich­tig­ge­hend schlecht, aber ziem­lich lang­wei­lig.

  3. ich kann hier lei­der nicht wirk­lich erken­nen, dass Est­land was Tol­les gewählt hat. Ne lang­wei­li­ge Bal­la­de und schwupp, wie­der ein belie­bi­ges Lied­chen mehr in Baku. Wird ein traum­haf­ter Con­test 🙁

  4. Hört sich für mich sehr nach 90er-Jah­re-Italo­bal­la­de an. Musi­ka­lisch ist das lei­der nicht bei mir hän­gen geblie­ben.

    Aber optisch ist das schon ein Lecker­li. 😛

  5. Hier übri­gens noch Otts Gang vom Green­room zur Büh­ne (lei­der ohne Ton), bei dem ihm deut­lich anzu­se­hen ist, wie sexy sich so ein Sieg anfühlt…
    Und ja, ich gebe es ger­ne zu: sein Sieg freu­te mich auch des­we­gen um so mehr! 😀

  6. 🙁 Kei­ner ver­steht mich und ich ver­steh auch kei­nen – ich find die Num­mer wun­der­schön und drü­cke alle Dau­men fürs Fina­le!

  7. Muss mich inzwi­schen selbst kor­ri­gie­ren: mei­ne Favo­ri­tin war zwar ursprüng­lich Liis Lem­sa­lu, gefal­len hat­ten mir auch Tee­le Vii­ra, Loss Para­noi­as und Ten­fold Rab­bit, wäh­rend ich Ott in kei­ner Wei­se auf dem Radar hat­te. Nun aber gefällt mir die Num­mer von Tag zu Tag bes­ser, hat es sogar schon fast in mei­ne Top-10 geschafft (momen­tan Platz 13)!

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