Fångad av en Betong (AL, EE, CY 2012)

Und die Videos trudeln weiterhin fleißig ein. So kommen wir heute erstmals in den Genuß der gekürzten Eurovisionsfassung von Rona Nishilus ‚Suus‘. Die Ärmste hat sich augenscheinlich des Präsentationsvideos mit der Albanermafia angelegt und wartet nun, bereits mit einem entsprechenden Beinkleid präpariert, in einer bis auf zwei retardierte Kinder leeren Lagerhalle auf ihren Abtransport in den nächstgelegenen Fluss. Ihr flehendes, ja verzweifeltes Rufen nach einem „Tschai“ als Schierlingsbecher verhallt ungehört; noch nicht einmal die beiden imbezilen Schrazen, die Ronas Immobilität zum straffreien Beschmieren der Wände nutzen, machen irgendwelche Anstalten, sie mit dem begehrten Heißgetränk zu versorgen. Obwohl doch sogar schon ein improvisiertes Stövchen zum Erhitzen des Gewürztees parat steht. Welch rüdes Benehmen! Musikalisch leidet Ronas Werk unter der Herausnahme eines Refrains und eines Teils der Brücke kaum. Großes Kino!

httpv://youtu.be/v9zIP4FA-1Y
Bringt bitte mal jemand Frau Nishliu einen Tschai, damit sie aufhört zu wehklagen? Danke!

Der Sonderpreis für das Musikvideo mit der unfasslichsten Bild-Musik-Schere der Saison, ach was: des Jahrzehnts, geht an die zyprische Ivi Adamou. Sie inszeniert zu den völlig deplatzierten Klängen ihrer rappelfröhlichen Kirmestechnonummer ‚La La Love‘ die ziemlich gothichafte, morbid-düster wirkende Neuverfilmung von Schneewittchen. Zwar ohne die sieben Zwerge – die mussten wohl gerade auf Frau Nishliu Acht geben – dafür jedoch, wirklich grandios besetzt, mit Charlotte Perrelli in der Rolle der bösen Hexe. Die Schwedin verzichtete für die Aufnahmen sogar auf ihre sonst üblichen Botoxinjektionen, um noch glaubwürdiger und gruseliger zu wirken. Und was soll man sagen: es ist ihr gelungen. Ein Leben für die Kunst!

httpv://youtu.be/Pedf_OQmcmI
Nur ein Juryprinz kann Ivi jetzt noch vor der bösen Schwedin retten

Bleibt noch Ott Lepland. Als sei es eine Produktion von Brainwashed Brainpool, stellte man den Sänger nach dem Sieg beim Eesti Laul Stunden später im mittlerweile menschenleeren Saal einfach noch mal auf die selbe Bühne und ließ ihn zum Vollplayback von ‚Kuula‘ waidwund in die Kamera blicken. Ja genau, exakt wie bei Roman Lob. Und genau wie bei Roman Lob beginne ich beim Anblick des welpenhaften Ott auf der Stelle zu fiepen, verkörpert er in seiner Mischung aus kuschligem, den Beschützerinstinkt weckenden Bärenjungen und seinem sich in winzigen Augenblicken offenbarenden tiefen Seelenschmerz, der ihn so anziehend macht, genau den Typ Mann, in den ich mich sofort verlieben könnte. Zumal er, im Gegensatz zu Roman, sogar noch eine wunderbar dramatische, große Ballade dabei hat. Seufz!

httpv://youtu.be/PSQdnvzV8CE
Bei 1:22 Min: diese hochgezogene Augenbraue, an der Stelle ist es um mich geschehen!

10 Gedanken zu “Fångad av en Betong (AL, EE, CY 2012)

  1. Was hat im Albanischen Video der Tschai-Tante die Maske bei 2:12 darzustellen? Ich bin voll erschrocken, ich werde heute Alpträume kriegen! xD

  2. Reminiszenz an La Voix? Aber gerade zusammen mit dem Mafiakommentar ist das albanische Video wirklich genial!

  3. Obligatorischer Nitpick-Alarm: ich dachte bei der Überschrift im ersten Moment „seit wann nehmen die Karibik-Staaten am ESC teil?“ Die TLD für Albanien ist AL, nicht AB (Antigua und Barbuda, was dem Wettbewerb zugegeben vielleicht etwas frisches Blut bescheren würde 😉 ).

  4. Jetzt habe ich mir endlich mal die Mühe gemacht, herauszufinden, was es denn in Wirklichkeit mit diesem Tschai auf sich hat: „Më ler ni të qaj“ bedeutet so viel wie „let me cry“.

    Frau Nishliu velangt also nicht nach Gewürztee sondern nach Wein!!! ^^

  5. Puh. Da fällt mir aber ein riesiger Steinbrocken von der Seele. Ich dachte schon die Albaner metzeln die geniale Nummer nieder, wie schon so oft passiert. Am wahrscheinlichsten war ja doch noch die Anglifizierung. Aber zum Glück wurde alles richtig gemacht. Die Dramatik wurde schön kompakt in die maximal mögliche Zeit gepresst. Da bleibt für mich nur zu hoffen, dass Europa die Kunst hinter dem wehklagen zu schätzen weiß. Denn das erschließt sich wahrscheinlich vielen nicht gleich beim ersten Hören. Für mich wohl das beste Drama des Jahres.

    Die anderen beiden Sachen berühren mich nicht so wirklich. Ivi´s Nummer finde nach wie vor okay, aber irgendwie nicht zwingend genug. Das Video von Ott ist tatsächlich sehr brainpoolmäßig geworden. Der Song ist gut. Allerdings sind ja diesmal wirklich viele Balladen dabei. Ich finde diese hebt sich nicht wirklich stark ab.

  6. Also, den Song finde ich eigentlich nicht schlecht. Ich möchte allerdings kein Nachbar von ihr sein, wenn die mal lieben Besuch über Nacht hat.
    Ansonsten hätte ich auch noch gern gewußt warum sie in diesem schwarzen Kasten steht. Festbetoniert damit sie nicht weglaufen kann? Überhaupt hat sich da bei diesem Video Einer gaaanz gaaanz viele Gedanken gemacht. Luschtig.

  7. AL: wird es zwar vermutlich schwer haben, weil es schwere Kost ist und nicht jedem gefällt (zumindest nicht nach einmaligem Hören). Ist aber in jeder Hinsicht hochkarätig. Alles richtig gemacht.
    CY: Das Video passt zwar nicht zur Musik, aber man kann das ja auch mal so sehen (ich tu’s jedenfalls): Recht nett gemachtes Geschichtchen, etwas githicmäßig angehaucht, lenkt prima vom einfallslosen geplätscher des Billigsongs ab. In der Videoversion kann ich es wenigstens hören, ohne direkt abzuschalten.
    EST (ich verwende lieber KFZ-Kennzeichen als TLD): das Video ist echt billig und erinnert frappierend an das deutsche. Die Kerle haben auch manche Ähnlichkeiten (was jetzt wiederum ein Vorteil ist). Aber wozu denn dieses Video, der Mitschnitt aus der Finalrunde war doch an Dramatik kaum zu überbieten. Und da wären wir auch beim Hauptunterschied zwischen EST und D: die estnische Ballade ist hochdramatisch, gut aufgebaut und gekonnt umgesetzt!

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