Grie­chen­land: Ich kauf mir was (GR 2012)

Sinn für Selbst­iro­nie haben sie ja, die Grie­chen. Hät­te man ange­sichts der aktu­el­len Finanz­kri­se einen (un-)passenderen Ort für die natio­na­le Vor­ent­schei­dung aus­wäh­len kön­nen als Athens größ­tes Ein­kaufs­zen­trum? Vier Acts muss­ten dort – wegen der völ­lig unge­eig­ne­ten Raum­akus­tik im Voll­play­back­ver­fah­ren – auf einer wacke­lig aus­se­hen­den Büh­ne direkt vor den Roll­trep­pen zu ihren Bei­trä­gen mimen. Und zwar offen­sicht­lich unge­probt, so ver­krampft und unsyn­chron, wie sie das taten. Erwar­tungs­ge­mäß und völ­lig zu Recht sieg­te Eleft­he­ria Eleft­he­riou mit ‘Aphro­di­siac’: sie ver­moch­te am über­zeu­gends­ten an die alten Glanz­zei­ten von Hele­na Papa­riz­ou zu erin­nern, um jetzt mal das unschö­ne Wort von einer ver­wäs­ser­ten Kopie zu ver­mei­den. Und da der wun­der­bar bil­li­ge Strand­bar­schla­ger kei­ne all­zu gro­ßen stimm­li­chen Anfor­de­run­gen stellt, soll­te das Gan­ze in Baku auch live klap­pen.

Bei 0:31 Min. müs­sen die Tän­zer aber star­ke Rücken­mus­keln haben!

Der Rest des Fel­des: wei­te­re drei Mal schlecht gemim­ter, anspruchs­lo­ser und ein­gän­gi­ger Som­mer­pop. Nichts Inno­va­ti­ves, aber alles um Län­gen bes­ser als bei­spiels­wei­se die Ödnis­lie­der der deut­schen Vor­ent­schei­dung. Eleft­he­ria spiel­te am geschick­tes­ten die Bouz­ou­ki­kar­te aus und ver­zier­te ihre Num­mer von der ers­ten Sekun­de an mit pseu­do­folk­lo­ris­ti­schem Glit­ter. Also genau das, was der durch­schnitt­li­che Grand-Prix-Fan wie ich von Grie­chen­land hören will! Beson­ders auf­merk­sam übri­gens vom hel­le­ni­schen Sen­der, den Live­stream auf eurovision.tv direkt nach Auf­takt-Inter­view mit Lou­kas Yior­kas “aus tech­ni­schen Grün­den” zu unter­bre­chen: der von fin­di­gen Fans in den Wei­ten des Inter­nets aus­ge­mach­te Ersatz-Stream hat­te 10 Minu­ten Ver­spä­tung, so dass die inter­na­tio­na­len Zuschau­er ein zwei­tes Mal in den Genuss sei­nes Anblicks kamen. Yum­my! Wei­te­res High­light: der Auf­tritt der bul­ga­ri­schen Ver­tre­te­rin Sofi Mari­no­va, an deren Namen sich die sie anschlie­ßend inter­view­en­de Mode­ra­to­rin beim bes­ten Wil­len nicht mehr erin­nern konn­te und ihn des­halb – nach einer pein­li­chen Pau­se – vom Blatt ablas. Gro­ße Klas­se!

Bil­li­ger Dance-Trash für Grie­chen­land. Das ist…

  • …immer wie­der das­sel­be. Es lang­weilt! (61%, 45 Votes)
  • …klas­se. Genau das, was ich hören will! (18%, 13 Votes)
  • …gut gemacht und sicher im Fina­le. Zu Recht! (18%, 13 Votes)
  • …ruf­schä­di­gend für Grie­chen­land und den ESC. (4%, 3 Votes)

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7 Gedanken zu “Grie­chen­land: Ich kauf mir was (GR 2012)

  1. War mir ehr­lich gesagt ziem­lich egal, wel­cher Bei­trag es nun wird, da alle glei­cher­ma­ßen bil­lig sind.

  2. Was für ein tol­les Lied, unglaub­lich!!! So eine genia­le Stim­me, so eine Per­for­mance habe ich lan­ge nicht gese­hen. Hof­fe nur, dass Ein­kaufs­zen­trum geht nicht plei­te. Gott wie bil­lich!!!

  3. Wie­vie­le der dies­jäh­ri­gen Lie­der sind dann jetzt eigent­lich von Schwe­den (mit)geschrieben? Gefühlt die Hälf­te der Bei­trä­ge scheint mir. Was Grie­chen­lands Song angeht, bin ich zwie­ge­spal­ten. Einer­seits hät­te ich mir der Abwechs­lung hal­ber lie­ber No par­king gewünscht, ande­rer­seits gefällt mir Aphro­di­siac aller­dings immer noch bes­ser als Secret Com­bi­na­ti­on. Aber mit ESC-erprob­tem Tän­zer im Gepäck, konn­te Eleft­he­ria ges­tern ja nur gewin­nen.

  4. Och, also mich spricht das durch­aus an.  Eben typi­scher Hel­las-Sound, so wie ich das das eigent­lich jedes Jahr erwar­te. Mir macht das gute Lau­ne und es lang­weilt mich auch nicht.

    Okay, es wird mit Sicher­heit nicht den Inno­va­ti­ons­preis der euro­päi­schen Musik­in­du­trie gewin­nen. Aber es ist doch durch­aus soli­de- sofern es live auch gut rüber­kommt. Anhand die­ses Mall-Auf­tritts lässt sich ja lei­der schwer ein­schät­zen, ob die Gute über­haupt sin­gen kann…

  5. Was aber auch nichts hei­ßen muss. Auch dem bes­ten Sän­ger kön­nen, wenn es dar­auf ankommt, die Ner­ven durch­ge­hen.

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