Griechenland: Ich kauf mir was (GR 2012)

Sinn für Selbstironie haben sie ja, die Griechen. Hätte man angesichts der aktuellen Finanzkrise einen (un-)passenderen Ort für die nationale Vorentscheidung auswählen können als Athens größtes Einkaufszentrum? Vier Acts mussten dort – wegen der völlig ungeeigneten Raumakustik im Vollplaybackverfahren – auf einer wackelig aussehenden Bühne direkt vor den Rolltreppen zu ihren Beiträgen mimen. Und zwar offensichtlich ungeprobt, so verkrampft und unsynchron, wie sie das taten. Erwartungsgemäß und völlig zu Recht siegte Eleftheria Eleftheriou mit ‚Aphrodisiac‘: sie vermochte am überzeugendsten an die alten Glanzzeiten von Helena Paparizou zu erinnern, um jetzt mal das unschöne Wort von einer verwässerten Kopie zu vermeiden. Und da der wunderbar billige Strandbarschlager keine allzu großen stimmlichen Anforderungen stellt, sollte das Ganze in Baku auch live klappen.

httpv://youtu.be/isPtzi5cxBg
Bei 0:31 Min. müssen die Tänzer aber starke Rückenmuskeln haben!

Der Rest des Feldes: weitere drei Mal schlecht gemimter, anspruchsloser und eingängiger Sommerpop. Nichts Innovatives, aber alles um Längen besser als beispielsweise die Ödnislieder der deutschen Vorentscheidung. Eleftheria spielte am geschicktesten die Bouzoukikarte aus und verzierte ihre Nummer von der ersten Sekunde an mit pseudofolkloristischem Glitter. Also genau das, was der durchschnittliche Grand-Prix-Fan wie ich von Griechenland hören will! Besonders aufmerksam übrigens vom hellenischen Sender, den Livestream auf eurovision.tv direkt nach Auftakt-Interview mit Loukas Yiorkas „aus technischen Gründen“ zu unterbrechen: der von findigen Fans in den Weiten des Internets ausgemachte Ersatz-Stream hatte 10 Minuten Verspätung, so dass die internationalen Zuschauer ein zweites Mal in den Genuss seines Anblicks kamen. Yummy! Weiteres Highlight: der Auftritt der bulgarischen Vertreterin Sofi Marinova, an deren Namen sich die sie anschließend interviewende Moderatorin beim besten Willen nicht mehr erinnern konnte und ihn deshalb – nach einer peinlichen Pause – vom Blatt ablas. Große Klasse!

Billiger Dance-Trash für Griechenland. Das ist...

  • ...immer wieder dasselbe. Es langweilt! (61%, 45 Votes)
  • ...klasse. Genau das, was ich hören will! (18%, 13 Votes)
  • ...gut gemacht und sicher im Finale. Zu Recht! (18%, 13 Votes)
  • ...rufschädigend für Griechenland und den ESC. (4%, 3 Votes)

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7 Gedanken zu “Griechenland: Ich kauf mir was (GR 2012)

  1. War mir ehrlich gesagt ziemlich egal, welcher Beitrag es nun wird, da alle gleichermaßen billig sind.

  2. Wieviele der diesjährigen Lieder sind dann jetzt eigentlich von Schweden (mit)geschrieben? Gefühlt die Hälfte der Beiträge scheint mir. Was Griechenlands Song angeht, bin ich zwiegespalten. Einerseits hätte ich mir der Abwechslung halber lieber No parking gewünscht, andererseits gefällt mir Aphrodisiac allerdings immer noch besser als Secret Combination. Aber mit ESC-erprobtem Tänzer im Gepäck, konnte Eleftheria gestern ja nur gewinnen.

  3. Och, also mich spricht das durchaus an.  Eben typischer Hellas-Sound, so wie ich das das eigentlich jedes Jahr erwarte. Mir macht das gute Laune und es langweilt mich auch nicht.

    Okay, es wird mit Sicherheit nicht den Innovationspreis der europäischen Musikindutrie gewinnen. Aber es ist doch durchaus solide- sofern es live auch gut rüberkommt. Anhand dieses Mall-Auftritts lässt sich ja leider schwer einschätzen, ob die Gute überhaupt singen kann…

  4. Was aber auch nichts heißen muss. Auch dem besten Sänger können, wenn es darauf ankommt, die Nerven durchgehen.

Oder was denkst Du?