Großbritannien: der mit dem zarten Schmalz (UK 2012)

Seit heute Vormittag ist er endlich draußen: der mit Hochspannung erwartete und diesmal wirklich bis zur letzten Sekunde geheim gehaltene britische Beitrag. Hm. Tja. Deutlich weniger schmalzig als bei Engelberts Vorstrafenregister zu erwarten kommt ‚Love will set you free‘ daher; eine eher sanfte, beinahe intime Gitarrenballade mit allerdings großer Streicherunterstützung, die dann doch für das notwendige Pathos sorgt. Ein bisschen aus der Zeit gefallen wirkt der Song, der so auch schon 1963 hätte dabei sein können und der alle klassischen Grand-Prix-Insignien wie die vorschriftsmäßige Rückung und die hohe, aufwallende Schlußnote mitbringt, bei der sich Engelberts fortgeschrittenes Alter stimmlich allerdings bemerkbar macht. Doch mal ganz abgesehen von der Frage, ob beim Anblick des mittlerweile eher teiggesichtigen, 75jährigen Crooners noch irgendwelche Höschen feucht werden (und falls ja, ob dann nicht eher altersbedingte Inkontinenz dafür die Ursache ist), will es mir nicht gelingen, Spott und Häme über dem Beitrag auszukübeln. Im Gegenteil, ich könnte mir sogar vorstellen, dass dem Mutterland der Popmusik mit diesem Nostalgie-Angebot nach 15 Jahren Durststrecke mal wieder ein Sieg gelingen könnte. Denn die Zuschauerschaft beim Eurovision Song Contest setzt sich ja nun mal auch aus über 40jährigen zusammen, und die könnten sich für etwas so Profanes wie eine Melodie und harmonische Klänge durchaus dankbar zeigen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=pFNv9pjqZkk
Bleibt die Frage, ob The Hump den Auftritt in Baku ohne Sauerstoffzelt übersteht

Könnte Engelbert dem Vereinigten Königreich den Sieg bescheren?

  • Nicht auszuschließen, aber eher unwahrscheinlich. (37%, 65 Votes)
  • Ungewiß, aber nicht unwahrscheinlich. Auf jeden Fall Top 5. (35%, 62 Votes)
  • Nicht in hundert Jahren! (21%, 37 Votes)
  • Davon bin ich fest überzeugt. Das gewinnt! (7%, 12 Votes)

Total Voters: 176

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15 Gedanken zu “Großbritannien: der mit dem zarten Schmalz (UK 2012)

  1. ich gebe es gerne zu, ich habe mit etwas völlig anderem gerechnet und finde den Song sogar gut, zurückgenommen die Melodie und bin wirklich überrascht. Vielleicht ist es auch einfach etwas Schönes, dass ganz junge Dinger mitmachen und ganz Olle ebenfalls – vielleicht ist das die Mischung, vielleicht sind wir es, die auch schon die 40 hinter uns haben, es gucken die ganz jungen zu, aber auch meine Eltern die in Engelberts Alter sind  – jetzt noch das Orchester von früher und der Song Contest ist wieder der Grand Prix 🙂

  2. Ich muss sagen: ich bin sehr sehr positiv überrascht! Was für eine zeitlose und schöne Ballade!  Was besseres hätte Engelbert gar nicht passieren können – hier kann er seine Crooner-Stärken voll ausspielen, ohne dass es zu schmalzig und kitschig wird. Hut ab!

  3. Ich bin und werde nie ein fan seiner Musik werden. Sein Song ist nicht so schlimm wie befürchtet. Da gibt es wirklich schlimmeres im Wettbewerb. Top 10 ist durchaus drinn für UK, aber an einen Sieg glaube ich nicht wirklich. 

  4. Spott und Häme sind für diesen Beitrag sicherlich nicht angebracht.
    Es ist einfach nur eine simple Melodie aus 5 Tönen mit Walzertakt und vorschriftsmäßiger Rückung am Schluss. Also klassisches ESC-Material. Aber gleichzeitig auch sterbensöde und komplett egal.

  5. Nicht so ganz mein Geschmack, aber durchaus ernstzunehmen. Und daher ist nun tatsächlich erstmals seit langer langer Zeit ewtwas geschehen, was ich kaum noch für möglich gehalten hätte, nämlich dass dieses Jahr *sämtliche* Big-Five-Beiträge berechtigterweise im Finale sind (d.h. auf Positionen unter 25 in meiner persönlichen Rangliste. Wenn ich auch trotzdem der Meinung bin, sie hätten sich das wie alle anderen auch selbst erkämpfen sollen)!

  6. Also mir geht’s da anders. Erst denk ich ‚ok!, dann wird mir etwas übel und am Ende bekomme ich Kopfschmerzen. Ging mir früher schon so bei „Greensleeves“, was ja sehr ähnlich klingt. Nix für mich und ich bin schon über 40. 

  7. Ich finde das Lied sehr charmant, zumindest solange es so sanft vor sich hinplätschert. Das hat sowas ganz Zurückhaltendes und Edles. Kann es leider nicht besser beschreiben. Eben nicht kitschig, sondern angemessen und würdig. So weit so gut.

    Aber und jetzt kommt etwas, dass ich nicht erwartet hatte: Spätestens mit der Rückung ist es dann vorbei. Ich weiß, dass für den Hausherren hier ein ESC-Beitrag ohne diese Rückung kein richtiger ESC-Beitrag ist. Und auch ich erwarte das merkwürdigerweise. Aber in diesem speziellen Fall passt das „Aufdrehen“ Richtung Ende so gar nicht zur Grundstimmung des Songs.

    Das ist für mich absolut unpassend und macht das Ding für mich regelrecht platt. Sowas hatte ich noch sehr selten. Schade drum.

  8.  das ging mir genauso. erst dachte ich: augen zu und „schön“ und dann isses irgendwie abgeglitten.
    trotzdem gefällts mir viel besser als 90 % des rests vom wettbewerb und top 5 von mir aus gern

  9. Ja, kann ich gut nachvollziehen.
    Mir ging es so, dass ich die erste Strophe zu meiner großen Überraschung schon fast gänsehautmäßig schön fand, aber mich dann der – quasi nicht vorhandene – Refrain wieder ein bisschen enttäuschte. Ich erwarte im Refrain immer eine wahrnehmbare Steigerung zur Strophe, und die fehlt da.
    Zweite Strophe – wieder wunderschön, dann wieder das Gefühl „hier fehlt jetzt ein bisschen was“. Und genau, als ich das dachte – zack, aufwallende Rückung, Oli glücklich. 🙂 Es stimmt aber schon, dass gerade der Schluss ein bisschen aufgesetzt wirkt, vorher ist das eine intime kleine Ballade, hat schon fast was fragiles, jedenfalls sehr persönliches da passt dieser musikalische Showeffekt nicht wirklich hin.
    Ich mag’s natürlich trotzdem. 🙂

  10. Ganz große Überraschung!!! Hätte ich niemals mit gerechnet. Kein Tom Jones, sondern fast eine Art Mario Lanza – also, fast eben. Erwartet hätte ich irgendwas Peinliches, aber der Song ist in jedem Sinne angemessen und ich nehme es dem alten Mann ab, was er da vorträgt. Gewinnen wird er nicht, aber er bekommt auf jeden Fall einen Platz auf der ESC-Ehrentribüne! Danke,England. (Ich kann übrigens eure Rückungsprobleme da auch noch nicht nachvollziehen und habe mit dem Ende keinerlei Probleme – und ich hoffe, es kommt auch nicht dazu)

  11.  … und nachdem ich das jetzt eine halbe Stunde lang in Endlosschleife gehört habe, bin ich sicher: es ist der beste Beitag dieses Jahr. Gewinnen wird natürlich irgendwas anderes Beklopptes – ist ja meistens so – aber mein Gewinner steht fest. Sorry Jónsi…

  12. Rückungsprobleme… hehe, da bietet sich der Kalauer ja gerade zu an… 
    „Isch hab Rückung!“ 😀
    Nein, ganz in echt und ohne Soße (die ich ja tatsächlich befürchtet hatte, so ein bißchen) , dieses Dingen von UK ist völlig okay – das gefällt mir und passt wunderbar zu Mr. Humperdinck! Schön, dieses! 🙂

  13. Was soll ich dazu sagen?

    Großartig.

    Das meine ich absolut ernst. Wenn ich rein nach meinen Vorlieben wählen müsste, wären wir 2013 in London. Ich glaube nicht, dass das von diesem Startplatz aus klappen wird, aber es würde mich freuen ohne Ende. Fantastischer Song, der auch noch perfekt zur Stimme passt. 12 points.

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