Russ­land: Stop, Gran­ny Time! (RU 2012)

Sin­gen, kochen, tan­zen, lachen, glück­lich machen: das sind Baaaa­bush­kiiiiii… Ups, sor­ry, fal­sches Lied. Damen und Her­ren: Bura­novs­kiye Babush­ki, die sin­gen­den urd­mu­ti­schen Groß­müt­ter, haben soeben die rus­si­sche Vor­ent­schei­dung gewon­nen! Damit dürf­te der dies­jäh­ri­ge Con­test der mit dem höchs­ten Lebens­er­fah­rungs­durch­schnitt wer­den: der bri­ti­sche Ver­tre­ter Engel­bert Hum­per­dinck (75) freut sich sicher schon auf eine Hand­voll Frau­en in sei­ner Alters­klas­se, die ihn in Baku mit Schlüp­fern bewer­fen kön­nen! Wie das Leben so spielt, gewan­nen die knuffi­gen Senio­rin­nen in ihren Ori­gi­nal­trach­ten beim zwei­ten Anlauf mit einem deut­lich schwä­che­ren Titel als bei ihrem Erst­ver­such 2010 aus­ge­rech­net gegen die Dop­pel­kom­bi­na­ti­on aus Dima Bilan und Julia Vol­ko­va – die eine Hälf­te von taTu, die 2003 noch über ihre deut­sche Kon­kur­ren­tin Lou läs­ter­te: “In Russ­land sor­gen wir uns um unse­re Älte­ren und schi­cken sie nicht zur Euro­vi­si­on”. Oh, süße Iro­nie!

httpv://youtu.be/WKNRGc71hjc
Wer möch­te da nicht mit­fei­ern?

Par­ty for Every­bo­dy’ (eng­li­sche Lead­zei­le, urd­mu­ti­sche Stro­phen) wirkt im Ver­gleich zu ‘Dlin­na­ja-dlin­na­ja beres­ta i kak sde­lat’ iz nee’, mit dem sie 2010 die Her­zen eines gan­zen Kon­ti­nents – nun­ja, der­je­ni­gen Euro­pä­er, die übers Inter­net die rus­si­sche Vor­ent­schei­dung ver­folg­ten – zum Schmel­zen brach­ten, ein wenig auf­ge­setzt und kon­stru­iert. Hat­te der Erst­bei­trag noch einen völ­lig nai­ven, unver­fälsch­ten, des­we­gen aber um so glaub­wür­di­ge­ren Eth­no-Charme, so gewinnt man bei dem aktu­el­len Dance-Cross­over ein biss­chen den Ein­druck, als fühl­ten sich die rüs­ti­gen Land­frau­en dar­in nicht wirk­lich zu Hau­se und wür­den hier eher zur Belus­ti­gung vor­ge­führt. Macht aber nichts: wie der ste­hen­de Applaus des Mos­kau­er Publi­kums bewies, ist es immer noch char­mant und herz­er­wär­mend genug, um die Euro­vi­si­ons­kro­ne zu holen. Und man möch­te nach wie vor die kleins­te der Omis auf der Stel­le adop­tie­ren!

httpv://youtu.be/LrWhK9Q4aNA
Der Babush­ki-Bei­trag von 2010, mein liebs­ter Vor­ent­schei­dungs­ti­tel aller Zei­ten!

Die heu­ti­ge Vor­ent­schei­dung erwies sich aber auch jen­seits des Ergeb­nis­ses als rund­weg amü­sant. 25 Bei­trä­ge, Schlag auf Schlag hin­ter­ein­an­der prä­sen­tiert: irgend­je­mand muss wohl Dima Bilan die Amphet­ami­ne geklaut und an die Büh­nen­ar­bei­ter ver­füt­tert haben, so kurz waren die Umbau­pau­sen! Und wel­che Per­len der Hoch­ko­mik fan­den sich dar­un­ter! Schmet­ter­lings­kos­tü­me, wel­che die weiß­rus­si­schen 3+2 im Nach­hin­ein alt aus­se­hen lie­ßen; eine Grup­pe namens Ups!, die etwas von “Kiss me in the Rear” into­nier­te; eine tra­gi­sche Tun­te im Sil­ber­ja­ckett; meh­re­re sin­gen­de Rie­sen­möp­se; Pau­li­na Smol­o­va (Weiß­russ­land 2006) mit einer magen­um­dre­hend pein­li­chen Micha­el-Jack­son-Gedächt­nis­num­mer; ein hüp­fen­des Bär­chen; eine rus­si­sche Saf­u­ra mit moder­nem Bal­lett als Ablen­kungs­ma­nö­ver; ein Dis­co­fox-Schla­ger; Block­flö­ten; eine ZZ-Top-Par­odie sowie ein kom­plett täto­wier­ter, rap­pen­der Tür­ste­her (und angeb­li­cher Schütz­ling Putins) namens Tima­ti, der eine Opern­sän­ge­rin anschmach­te­te, bil­de­ten den unter­halt­sa­men Rah­men für ein paar Songs, die eine geson­der­te Erwäh­nung ver­die­nen.

httpv://youtu.be/pnEzHjXbbr8
Dass die Bei­den mit ihren jewei­li­gen Egos über­haupt Platz auf einer gemein­sa­men Büh­ne fan­den!

Näm­lich zum einen die Fari­nel­li Balls, ein Gothic-Duo, das man viel­leicht als Kom­bi­na­ti­on aus Beth Dit­to (Lei­bes­um­fang) und Kras­si­mir Avra­mov (Stim­me) beschrei­ben möch­te und das für eben­so amü­san­te Car­crash-Momen­te sorg­te wie das bul­ga­ri­sche Deba­kel von 2009. Sowie Syo­stry Syo: zwei offen­sicht­lich sehr zor­ni­ge jun­ge Damen mit Akkor­de­on, die sich auf der Büh­ne der­ma­ßen angif­te­ten, dass man jeden Moment Hand­greif­lich­kei­ten befürch­ten muss­te. Und das auf Fran­zö­sisch! Sie kamen auf den vier­ten Rang, hin­ter dem prä­si­dia­len Tür­ste­her und dem Pro­mi-Duo. Der zwei­ma­li­ge rus­si­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter (und Sie­ger von 2008) und die Fake-Les­be von 2003 gal­ten als Favo­ri­ten, zumal sie in der Vor­be­richt­erstat­tung des rus­si­schen Staats­fern­se­hens die meis­te Auf­merk­sam­keit erhiel­ten und ihnen als ein­zi­gen Par­ti­zi­pan­ten des Abends eine ordent­li­che Kame­ra­ar­beit zuteil wur­de. ‘Back to her Future’, eine medio­kre Kreu­zung aus Dimas ‘Belie­ve’ und Ell&Nikkis ‘Run­ning sca­red’, zog dan­kens­wer­ter­wei­se den­noch den Kür­ze­ren gegen­über den Groß­müt­tern. Hur­rah!

httpv://youtu.be/87aEtydgZdE
Zicken­alarm! Syo­stry Syo strei­ten sich um das Akkor­de­on

Kön­nen die rus­si­schen Babush­ki die Grand-Prix-Kro­ne holen?

  • Völ­lig egal: sie sind jetzt schon die Sie­ge­rin­nen der Her­zen! (30%, 29 Votes)
  • Bei den Zuschau­ern ja, schei­tert aber an den Jurys. (29%, 28 Votes)
  • Bit­te nicht. Das ist doch furcht­bar! (24%, 24 Votes)
  • Auf jeden Fall! Das ist so aller­liebst, das gewinnt! (16%, 16 Votes)
  • Bei den Jurys ja, schei­tert aber an den Zuschau­ern. (1%, 1 Votes)

Total Voters: 98

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15 Gedanken zu “Russ­land: Stop, Gran­ny Time! (RU 2012)

  1. Hihi, hier hat Sym­pa­thie über kal­te Per­fek­ti­on und  Berech­nung gewon­nen. Zwar hät­ten Hän­sel und Gre­tel da, viel­leicht mehr aus­ge­rich­tet als die Omis, aber ich fin­de nach dem arro­gan­ten Arsch vom letz­ten Jahr, hat Russ­land die­se Charme­of­fen­si­ve bit­ter not­wen­dig. Zumal nach der “demo­kra­ti­schen” Wahl von Sta.… ähh Putin.

  2. Ich lach mir nen Ast! Natür­lich sind die Omis aller­liebst, wenn auch der dies­jäh­ri­ge Titel um Klas­sen schlech­ter ist als 2010 (und die eng­li­sche Titel­zei­le echt stört), aber was das Gan­ze per­fekt macht, ist ihr Tri­umph über Bilan!

  3. Jedes Land hat den/die Ver­tre­ter, die es ver­dient. Diman Bilan war ja wohl voll bis unter den Rand mit Koks, so wie der schwitz­te und gla­si­gen Blicks sei­nen Auf­tritt rein mecha­nisch absol­vier­te.  Der Song des Duos war ja nix! Und die Trach­ten-Omis – je nun.  Wann’s schee macht. Es wird Punk­te hageln. Euro­vi­so­in Gera­trie Con­test!

  4. Ich hab ja noch nie soviel nach­ge­mach­te schlech­te Ami-Musik gehört wie bei die­ser Vor­end­schei­dung. Aller­dings hät­te ich mir gewünscht, das man sich in Deutsch­land, Öster­reich und vor allem in Ita­li­en mal anschaut wie man sowas auf die Bei­ne stellt. Ratz­fatz war man mit den Songs durch – kein unnö­ti­ges Dau­er­ge­la­ber. Man war aber auch froh das man es hin­ter sich hat­te.
    Es gab trotz­dem viel zu lachen. Der Höhe­punkt war die­ser pun­ki­ge Coun­ter­te­nor mit der Gothic­tan­te die sich mit den Eiern Fari­nel­lis beschäf­tigt hat­ten. Fari­nel­li, ein Kas­trat der im 19 Jahr­hun­dert leb­te (es gibt da auch einen sehr schö­nen Spiel­film glei­chen Namens drü­ber), hat­te ja bekannt­lich kei­ne. Das war dann auch schon alles an Ori­gi­na­li­tät.
    Sehr lus­tig auch die­ses Rate­spiel in wel­cher Spra­che die Pro­b­an­ten eigent­lich san­gen. Manch­mal brauch­te man fast das hal­be Lied um fest­zu­stel­len : Ah, es soll eng­lisch sein.
    Ob die Omis tat­säch­lich in Baku abräu­men- da hab ich mei­ne Zwei­fel. Im Gegen­satz zu 2010 ist das doch zu kal­ku­liert – aber wenigs­tens hat Engel­bert jeman­den mit dem er sei­ne Kukident-Tablet­ten tau­schen kann.

  5. Erst hab’ ich ja gedacht WTF
    Aber (Groß-)Mütterchen Russ­land rockt ja wohl die Bude 😀

    * * *

    Also, mal sehen…
    Ice­land, Aus­tria, Rus­sia, Spain ist momen­tan die Rei­hen­fol­ge, glau­be ich…

    * * *

    Scha­de übri­gens, dass die sin­gen­den Rie­sen­möp­se hier nicht zu sehen sind…

  6. Jupp­hei­di­hei­da! Ich kenn ja aus den übli­chen Grün­den den Omi-Song noch nicht, aber allein schon die Tat­sa­che, dass das Por­no­frett­chen feat. 1/2 Tatü­ta­ta ver­hin­dert wur­de, lässt mich die Omis schon lie­ben! YAY!

  7. Die Gol­den Girls des ESC sind da .…. oh, ich mag den ESC für so etwas! … ach Quatsch… ich lie­be ihn dafür 😀 🙂  Das wird eine Par­ty… Engel­bert und die Babusch­kas 😉

    Und Tatü­ta­tu-viva-la-dima ist ja locker aus­ge­bremst wor­den ! 🙂 fein fein

  8. Ich habe noch in kei­nem Jahr den Sie­ger des ESC rich­tig getippt, den Sie­ger­ti­tel des letz­ten Jah­res hat­te ich nicht mal im Hirn abge­spei­chert (obwohl ich vor Ort war) und war ganz erstaunt als jener nun gewannn. Will damit nur sagen, dass mei­ne Kom­pe­tenz sich schein­bar in Gren­zen hält, aber trotz­dem muss ich zu dem rus­si­schen Bei­trag etwas schrei­ben: Er ist gru­se­lig, ich bin voll­kom­men ent­setzt!!! Sin­gen die über­haupt sel­ber ? Nichts gegen alte Men­schen (bin sel­ber auf dem Wege dahin), aber sich so ver­wurs­ten zu lassen..geht gar nicht. Das ist nicht süß, nett und sym­pa­thisch, das ist pos­sier­lich, pein­lich und über­flüs­sig. Von die­sem Schock muss ich mich erst erho­len und muss nun mit der Angst leben, dass die­se arran­giert künst­li­che Alt­da­men­rie­ge womög­lich noch gewinnt. Der Tag ist gelau­fen…

  9. Hat­te ges­tern lei­der kei­ne Zeit, die Ver­an­stal­tung live zu sehen, und habe das daher erst heu­te alles anschau­en kön­nen. Muss sagen: es war wirk­lich unter­halt­sam, und zwar nicht nur durch albern­hei­ten, son­dern es waren eigent­lich etli­che wirk­lich annehm­ba­re Titel dabei. natür­lich gön­ne ich den omis ihren Sieg von gan­zem Her­zen (vor allem, wo sie uns vor Schlim­me­rem bewahrt haben). Trotz­dem haben mir per­sön­lich ande­re Bei­trä­ge noch bes­ser gefal­len. mein ganz kla­rer Favo­rit wären Syo­stry Syo gewe­sen! Die wer­de ich mir sicher noch öfter anhö­ren und auch danach suchen, ob es von denen womög­lich wei­te­res Mate­ri­al gibt. Das sind die Din­ge, wegen denen ich die natio­na­len Vor­ent­schei­de anse­he.

  10. Ob die drol­lin­gen Omis auch von Wahl­lo­kal zu Wahlokal am letz­ten Sonn­tag gefah­ren wur­den um putin­ge­recht zu stim­men? Ich gehe davon aus, dass der nächs­te Con­test mal wie­der in Mos­kau und zwar lupen­rein und demo­kra­tisch statt­fin­den wird. Und jetzt kauf ich mir ne Matroysch­ka und gehe in den Wald.

  11. Wie­der mal ein Song mit guten Ansät­zen,  der durch bil­li­ge Text­zei­len aus dem Kin­der­gar­ten-Eng­lisch viel an Cha­rak­ter ver­liert. Ähn­lich text­lich bil­lig sind u.a. auch der tür­ki­sche und nicht zuletzt der deut­sche Bei­trag. Aber den Trend gibt´s ja schon lan­ge…

  12. …und wenn die gut abschnei­den, dann haben wir nächs­tes Jahr ne Kopie des GP der Volks­mu­sik an der Backe. Wobei ich mich dann wohl für die Kess­ler-Zwil­lin­ge als deut­sche Teil­neh­mer stark machen wür­de (Joo­pie hats ja jetzt nicht mehr geschafft *sniff*) – um wenigs­tens etwas Niveau zu hal­ten.
    Chris Roberts wäre auch noch ne Opti­on.…
    Im Ernst – das ist so schlecht, dass es schon wie­der gut ist und trotz (oder dank) der Jurys im Semi hän­gen­bleibt – ich drück die Dau­men.

  13. Naja.

    Also ich fin­de das schon auch put­zig. Die Omis sind echt knuffig- gera­de die Kleins­te. Ich bin mir sicher, dass es dafür jede Men­ge Sym­pa­thie­punk­te hagelt.

    Aber der Song ist echt nicht so dol­le. Kommt also ver­mut­lich drauf an, ob der Knuff-Fak­tor den Ohren­krebs-Fak­tor über­wiegt…

  14. Mein gott, ich wür­de alles dafür tun, um Dima Bil­ans däm­li­ches Gesicht zu sehen, als fest­stand das die Omis gegen ihn gewon­nen haben. Ich glau­be Putin hat wie­der Trä­nen gekriegt, als er das erfah­ren hat.
    Es zeigt doch, das es in Russ­land Wah­len geben kann, die nicht mani­pu­liert wor­den sind.

Oder was denkst Du?