Spanien: die skandiberische Fusion (ES 2012)

Der schwedische Siegeszug setzt sich fort: vor wenigen Minuten gewann erwartungsgemäß die von Thomas G:son geschriebene Ballade ‘Quédate conmigo’ die spanische Songauswahl. Der sowohl von den lautstarken Eurovisionsfans im Studio wie auch von der Sängerin Pastora Soler selbst favorisierte Beitrag setzte sich sehr eindeutig, sowohl bei den Juroren als auch im Televoting, gegen die beiden Konkurrenten ‘Ahora u nunca’, ein etwas fades Geplodder, und die discotastische CSD-Hymne ‘Tu Vida es tu Vida’, meinen persönlichen absoluten Lieblingsbeitrag der diesjährigen Vorentscheidungssaison, durch. Die fabelhafte Flamencokünstlerin mit der beeindruckenden Stimme und den beängstigenden Hauern1)Ich wette, sie könnte einen angreifenden Braunbären nur durch einen gezielten Genickbiß töten! dürfte es freuen. Und den schwedischen Ralph Siegel auch.

httpv://youtu.be/eJBh_fUBreA
An der Kleiderfrage arbeiten wir aber noch mal bis Baku, ja, Pastora?

G:son zeitigte schon einmal für den spanischen Eurovisionsbeitrag verantwortlich: 2007 versorgte er die Boyband D’Nash mit dem eher lustigen ‘I love you mi Vida’. Lustig vor allem deswegen, weil sich das englische Texteinsprengsel “Come give me your Love” dank der traditionell eher rudimentären Artikulationsfähigkeiten der Iberer in dieser Sprache mehr wie “Cum gimme your Load” anhörte. Der grandiosen Pastora droht diese Gefahr nicht: ihre heute Abend zwar leicht überperformte, dennoch fehlerfrei gekrischene (so macht man das, Kavanagh!) Powerballade ist komplett auf spanisch. Für ein besseres Ergebnis als den zwanzigsten Platz von 2007 dürfte das reichen – juryfreundlicher als ‘Quédato conmigo’ kann ein Grand-Prix-Beitrag praktisch gar nicht mehr sein!

httpv://youtu.be/SXs-H0hFID0
Anbetungswürdig: Disco-Pastora

Fußnote(n)   [ + ]

1. Ich wette, sie könnte einen angreifenden Braunbären nur durch einen gezielten Genickbiß töten!

11 Gedanken zu „Spanien: die skandiberische Fusion (ES 2012)“

  1. Ich finde den Song ja klasse. Und das Kleid – na ja so ‘ne Art Bikini mit Schleppe. Ist aber nicht unlustig.
    Aber viele schöne Zähne hat sie  – da wird Engelbert mit seinen Implantaten vor Neid erblassen.

  2. O ja! What a voice! Respect!  Könnte mein neuer Favorit 2012 werden. Frau mit Präsenz und Stimme, grandios. Macht die epigonalen Beiträge aus der Schweiz und Dänemark vergessen. Die Schweiz ist im Moment mein Hass-Titel – prätentiöse und präpotente Performer – schrecklich.

  3. Schönes Lied, gute Sängerin. Allzuviel hätten die Spanier auch gar nicht mehr falsch machen können gestern, da durch den guten Gesang eigentlich alle 3 Stücke recht brauchbar waren. Es hat aber das m.E. wirklich beste gewonnen.

  4. Ich hätte mich für die schnelle Nummer entschieden. Aber Quedate conmigo ist vermutlich punktetechnisch die bessere Wahl. Mit dem Disco-Sound hatten die Spanier ja zuletzt nicht so wirklich Erfolg.

  5. Ich bin hin und hergerissen – einerseits ist “Quedate Conmigo” wieder der alte Balladenstiefel, den wir jetzt schon 834.589-mal beim Song Contest gesehen haben, anderseits funktioniert die uralte Gänsehaut-Nummer selbst bei mir nach all den Malen immer noch wunderbar. Vor allem dank Pasta Soleros großartigem Vortrag. Das könnte weit vorne landen – ein Fanwank wird’s in jedem Fall – bei denen löst so ne Leona-Lewis-Diven-Nummer ja fast schon automatisch schon den pawlowschen Reflex aus… ;)

  6. Das Lied ist ja nicht verkehrt, aber was haben sie mit der armen Frau für das Video angestellt? Ich fühle mich bei ihrem ersten Auftauchen an diverse Aphex-Twin-Videos erinnert, insbesondere “Windowlicker”, und wer diese Videos kennt, weiß, warum das nichts Gutes ist…brrr. Uncanny Valley auf voller Stärke.

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