Alles für die Ali­y­ews

Baku Crystal Hall
Zei­chen­ent­wurf der Baku Crystall Hall

Der auto­kra­tisch regie­ren­de Prä­si­dent Aser­bai­dschans gibt nicht nur die Staats­kne­te mit vol­len Hän­den aus, um sein Land (und damit ihn) als Aus­rich­ter des Euro­vi­si­on Song Con­test 2012 glän­zen zu las­sen – sein Clan pro­fi­tiert auch ganz direkt davon, wie Medi­en­be­rich­te auf­de­cken. So weist das Anti­kor­rup­ti­ons­pro­jekt OCCRP dar­auf hin, dass sich eine der aser­bai­dscha­ni­schen Kon­struk­ti­ons­fir­men, die am Bau der eigens für den Con­test errich­te­ten Baku Crys­tal Hall betei­ligt sind, ver­deckt im Besitz der Herr­scher­fa­mi­lie befin­de. Kein Wun­der, dass sich die Ali­y­ews, wie der Stern berich­tet, mehr­fach per­sön­lich auf der Bau­stel­le vom Stand der Arbei­ten über­zeug­ten – und bei der Gele­gen­heit sogleich die Aus­stat­tung der für sie vor­ge­se­he­nen VIP-Box als nicht stan­des­ge­mäß ablehn­ten. Die wer­den nun eigens neu möbliert.

Auf 120 bis 140 Mil­lio­nen Euro schätzt der Stern die Bau­kos­ten für die inner­halb von sechs Mona­ten aus dem Boden gestampf­te Ver­an­stal­tungs­hal­le. Mit den Erschlie­ßungs­kos­ten für das Gelän­de und den Aus­ga­ben für die Durch­füh­rung der Show selbst dürf­te der Spaß den Erd­öl­staat dem Maga­zin zufol­ge locke­re 575 Mil­lio­nen kos­ten. Auch deut­sche Fir­men pro­fi­tie­ren nicht zu knapp von dem Event: die Bau­lei­tung liegt beim hei­mi­schen Unter­neh­men Alpi­ne Bau, die Pro­duk­ti­on der Sen­dung in den Hän­den von Ste­fan Raabs TV-Fir­ma Brain­pool. Natür­lich wird ein Teil der Auf­ga­ben aber vor Ort von aser­bai­dschai­ni­schen Sub­un­ter­neh­mern erle­digt, dar­un­ter die Bau­fir­ma Azen­co, an der nach den Recher­chen von OCCRP der Ali­y­ew-Clan eine maß­geb­li­che Betei­li­gung hält. Wobei dies nur eine klei­ner Fisch im Port­fo­lio der Herr­scher­fa­mi­lie sein dürf­te, die im Lan­de über­all die Fin­ger drin haben soll, wo Geld gemacht wird – wäh­rend ein Groß­teil der Bevöl­ke­rung wei­ter­hin unter­halb der offi­zi­el­len Armuts­gren­ze lebt…

Nach­satz: zum mehr als pein­li­chen Schlin­ger­kurs der EBU in Sachen Aser­bai­dschan und Men­schen­rech­te (hier an ande­rer Stel­le auch schon das ein oder ande­re Mal ange­spro­chen) sei übri­gens auf die­sen Arti­kel von Ste­fan Nig­ge­mei­er hin­ge­wie­sen. Und auf sehr tref­fen­den Kom­men­tar von Jer­ry dazu: “Es wäre hilf­reich, wenn sich die Ver­ant­wort­li­chen des Euro­vi­si­on ent­schei­den könn­ten, ob sie nun einen rei­nen und demons­tra­tiv unpo­li­ti­schen Lie­der­wett­be­werb haben wol­len oder mit der Ver­an­stal­tung ein poli­tisch-gesell­schaft­li­ches Zei­chen zu set­zen ver­su­chen.” Bei­des zusam­men geht näm­lich nicht.

4 Gedanken zu “Alles für die Ali­y­ews

  1. Hmm, klei­ne Anmer­kung am Ran­de, Olli: Alpi­ne Bau ist eine öster­rei­chi­sche Fir­ma mit Sitz in Wals bei Salz­burg. Es gibt aller­dings auch eine deut­sche Toch­ter. Wer von den bei­den nun die Hal­le baut, weiß ich nicht. Zumin­dest ist die Mut­ter jeden­falls aus felix Aus­tria.

    Gruß Thors­ten

  2. Mich kot­zen die­se Ali­y­ews von Tag zu Tage mehr an. Vor allem das mit der nicht “stan­des­ge­mä­ßen” VIP-Lounge ist ja wohl der Ham­mer. Grrrrrrrr, für so eine Unver­schämt­heit wer­de ich mein gan­zes Leben nicht nach Aser­bai­dschan rei­sen.

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