So, leider wurde ich durch private Dinge aufgehalten, daher muss ich den heutigen dritten Probentag in Baku ein wenig im Schnellgang abhandeln, wenn ich noch ein bisschen Schlaf haben will. Das zweite Semi ist bekanntlich das der Balkan-Balladen, und mit einem Doppelschlag geht’s gleich los. Željko Joksimović liefert mit ‘Nije Ljubav Stvar’ die altbekannte und hoch geschätzte volle Dosis großen Herzeleids. Und auch, wenn im Gegensatz zur serbischen Songpräsentation das Symphonieorchester fehlt und der Meister und seine Mannen zur Kameraprobe eher casual erschienen, ist klar, dass er wieder ganz großes, gefühlsgewaltiges Kitschkino abliefern wird. Das kann keiner so gut wie er. Mit vier anderen exjugoslawischen Staaten im gleichen Semi sind ihm daher 48 Punkte schon mal sicher, und es dürften noch ein paar mehr werden. Zu Recht.
Never change a winning Formula (RS)
Einziges Manko: wie bei jeder guten Droge ist die Wirkung beim ersten Mal am eindrücklichsten, in der Wiederholung knallt es nicht mehr ganz so gut. Weswegen Željko im Vergleich zu seiner Balkankollegin Kaliopi Bukle fast ein bisschen lasch wirkt. Die mazedonische Gundel Gaukeley verzichtet dankenswerterweise auf das kerzenüberladene Klavier und steht während ihrer gesamten drei Minuten einfach nur hinter dem Mikrofonständer. Selbst ihre fakemusizierenden Begleiter, die nur dabei sind, um die Bühne aufzufüllen, wirken völlig überflüssig. Denn Kaliopis Show ist sie selbst: sie verfügt über ein fantastisch ausdrucksstarkes Gesicht und eine sensationell lebenserfahrene Raspelstimme und zieht einen allein damit völlig in den Bann. Ihr ‘Crno e belo’ ist nicht nur der beste Balkanbeitrag dieses Jahres, sondern auch eines der wenigen wirklich guten mazedonischen Lieder. Um so ärgerlicher und ungerechter, dass sie aufgrund ihrer Auslosungs-Arschkarte direkt hinter dem Platzhirsch dieses Semis starten und somit untergehen wird. Denn sie hätte das Finale viel mehr verdient!
