New Music Award als deutsche Vorentscheidung?

Nach dem hausgemachten Quotendesaster von Unser Song für Baku und dem erwartbaren schlechten Abschneiden des ultralangweiligen ‚Standing still‘ beim Wettbewerb stellt sich die Frage nach der weiteren Zusammenarbeit von Stefan Raabs Produktionsfirma Brainpool und der ARD beim deutschen Vorentscheid. Als eine mögliche Alternative sei nach Gerüchten aus gewöhnlich gut informierten Kreisen der New Music Award im Gespräch, ein von den Jugendwellen der ARD jährlich vergebener Nachwuchspreis, dessen prominenteste Preisträger Kraftklub sind: die 2010 ausgezeichnete Chemnitzer Band trat 2011 bei Raabs Bundesvision Song Contest mit dem Titel ‚Ich will nicht nach Berlin‘ an und konnte damit einen kleineren Charthit realisieren. Aktueller Awardinhaber ist die Elektroband Captain Capa.

httpv://youtu.be/K0rEQHbo7PQ
Das sagten 2011 auch die deutschen Eurovisionsverantwortlichen

Die Jugendwellen aller neun regionalen Radiosender der ARD beteiligen sich an dem jährlich im Herbst – ironischerweise auf der Popkomm in Berlin – durchgeführten Veranstaltung, jede von ihnen schlägt hierfür jeweils einen Nachwuchsact aus dem eigenen Sendegebiet vor, die jeweils drei Titel präsentieren dürfen. Manche Sender wie beispielsweise der SWR-Ableger DasDing führen im Vorfeld Internetabstimmungen unter ihren Hörern durch: hier stehen zurzeit die Rockbands Heißkalt und Monoshoque zur Wahl. In Berlin kürt dann eine aus Radiomenschen und Industrievertretern bestehende Jury den Sieger, der einen Scheck über 10.000 € für Equipment erhält. Und die Chance auf Airplay oder gar einen Plattenvertrag.

httpv://youtu.be/k42mWCfR71I
Schöne Menschen, schlimmer Krach: die 2012er Kandidaten Heisskalt

Im Gegensatz zu der auf Solosänger zugeschnittenen Castingshow von Raab liegt hier der Fokus auf Bands – mit einer deutlich größeren musikalischen Bandbreite. Für die ARD ergäbe sich zudem die Chance, den Vorentscheid, der momentan als Raab-Produkt öffentlich wahrgenommen wird, wieder in den Schoß der Familie zurückzuholen. Sowie die eigenen Radiosender, die ja schon seit 2010 offiziell bei der Vorentscheidung „mit im Boot“ sind, bislang aber eher als störendes Anhängsel ohne sinnvolle Funktion nerven, ins Bewußtsein zu rücken und sich mit dem sympathiebringenden Label „Nachwuchsförderung“ zu schmücken. Bleibt die Frage, ob und wie schnell man aus einem jurybesetzten Radioevent eine TV-Show mit Publikumsentscheidung machen kann. Und, ob die beteiligten Bands das überhaupt wollen. Einen gewissen Charme hat die Idee dennoch: mal schauen, wie schnell sie in den ARD-Mühlen zermahlen wird.

Die New Music Awards als deutsche Vorentscheidung?

  • Hübsche Idee, lässt sich was draus machen. (49%, 40 Votes)
  • Ungelegte Eier. Jetzt wartet doch erst mal Baku ab! (23%, 19 Votes)
  • Mag ich nicht. Ich will etablierte Stars, keine Nachwuchskünstler. (15%, 12 Votes)
  • Blödsinn. Unser Star für... ist doch ein gutes Konzept! (12%, 10 Votes)

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11 Gedanken zu “New Music Award als deutsche Vorentscheidung?

  1. Du hast natürlich Recht. Ich sprach aber von der Single zu ‚Ich will nicht nach Berlin‘. Die peakte laut Wikipedia auf #45: das ist in meinen Augen ein kleinerer Hit. Alben sind grundsätzlich völlig außerhalb meines Wahrnehmungsradars, außer es sind Sampler oder Best-ofs. 

  2.  Ok, du hast Recht. Nichtsdestotrotz sind Kraftklub (zumindest in meinen Kreisen) der erfolgreichste deutsche Act. Auch wenn die Orsons ihnen den Rang bald abnehmen werden. Die Jungs würden übrigens an einem Vorentscheid teilnehmen 😉

  3. Ob Roman wirklich schlecht abschneidet, müssen wir erst mal sehen. In einigen Polls ist er um Platz 10 . Wenn das schon ein schlechtes Abschneiden ist, ich weiß nicht.  Es ist doch immer toll wie unser Künstler von den Fans unterstützt wird und wie Roman mutgemacht wird, wirklich ganz toll. Dabei brauchen wir uns vor vielen anderen Songs nicht verstecken. Abwarten und Teedrinken. Wäre ja nicht das erste mal, das sich Mr. Aufrechtgehn total vertippt bezüglich Endplatzierung eines Beitrages.

  4. „Es ist doch immer toll wie unser Künstler von den Fans unterstützt wird und wie Roman mutgemacht wird, wirklich ganz toll.“

    Womöglich betrachtet halt nicht jeder Roman als „seinen“ Künstler bzw. Standing Still nicht als „seinen“ Entry?

  5. Also, noch mal zum Mitschreiben: ich sehe es nicht als meine Aufgabe, den deutschen Künstler durch unkritisches Bejubeln zu „unterstützen“. Ich fälle über den deutschen Vertreter dieselben rein subjektiven, selbstverständlich völlig unmaßgeblichen, nur von meinem persönlichen Geschmack geleiteten Urteile wie über jeden anderen. Dieses bedingungslose hinter dem Heimbeitrag stehen ist mir suspekt.
    Und ich finde Romans Lied nun mal langweilig und glaube nicht, dass es gut abschneidet. Ja, womöglich täusche ich mich da, wie ich mich oft täusche. Richtig, ich liege oft daneben mit meinen Vorhersagen. Wäre das anders, würd ich schon längst nicht mehr bloggen, sondern meine in Eurovisionswetten gewonnenen Millionen in sonnigen Ländern verprassen.
    Und es liegt mir fern, Roman runterzumachen. Ich mag ihn, er sieht nicht nur gut aus, sondern wirkt auch total sympathisch und ist ein äußerst vorzeigbarer Vertreter, für den man sich keinesfalls schämen muss (im Gegensatz zu so vielen anderen deutschen Teilnehmern). Wenn er gut abschneiden sollte, freut es mich für ihn und natürlich wünsche ich ihm persönlich viel Erfolg und Millionen verkaufter Platten / Downloads. Ich werd nur persönlich wohl nicht zu den Käufern gehören. Aber das macht ja auch nichts.

  6. Unkritisches Bejubeln muß nicht sein, aber etwas mehr mutmachen wäre schön. Und dieser New Music Award, garantiert weder hohe Einschaltquoten, noch ne gute Platzierung beim ESC. Das von dir ja so hoch gelobte Albanien ist keinen deut besser. Im Gegenteil diese unerträgliche Gejaule von der Albanerin kann man keine Minute lang ertragen.  Jedenfalls ich nicht.
     

  7. Mag sein, jedenfalls tritt Roman für Deutschland an. Insofern ist das der Beitrag dem ich in Baku die Daumen drücke und sonst keinem. Im Fussball unterstütze ich ja auch die Deutsche Nationalmannschaft und nicht deren Gegner.

  8. Beim Fußball kann ich diese Haltung nachvollziehen (auch wenn ich sie nicht teile), aber bei Musik unter den Tisch fallen zu lassen, ob diese einem gefällt oder nicht, finde ich mehr als sonderbar.
     
    Dennoch: Jeder so wie er mag. Das gilt natürlich auch für Dich, ganz klar, aber dann muss man natürlich auch von Dir erwarten dürfen, dass nicht jeder die Dinge so sieht wie Du. 

  9. Dein letzter Satz ist entscheidend.

    Die Meinungen sind halt unterschiedlich, und es läuft halt auch nicht jeder deutschlandfahnen-schwenkend durch die Gegend. Du solltest das akzeptieren, anstatt Dich in Deinem Patriotismus gekränkt zu fühlen.

Oder was denkst Du?