Zweites Semi: die Chancen

Logo ESC 2012, zweites SemiMit nur etwa sechswöchiger Verspätung (ein kleiner Anfall von akuter Unlustitis, man möge mir vergeben) folgt nun auf freundliche Erinnerung meiner geschätzten Leserschaft (danke!) meine unmaßgebliche Einschätzung der Finalchancen des zweiten Semis. Diejenige für das erste Semi können Sie bei Interesse hier nachlesen. Eine zu kosmischen Scherzen aufgelegte Glücksgöttin Fortuna sorgte bei der Auslosung der Teilnehmerländer auf die beiden Semis dafür, dass mit der Ausnahme von Montenegro alle exjugoslawischen Staaten gemeinschaftlich in der donnerstäglichen Auswahlrunde landeten. Und, wie um diesen Zufall noch auf die Spitze zu treiben, treten ausnahmlos alle diese Staaten diesmal mit typischen Balkanballaden an. Wirklich: alle.

Die Nase vorn hat dabei Serbien, das erneut den unumstrittenen Großmeister in der Königsdisziplin des gefühlsstürmenden Balkanschlagers aufbietet: Željko Joksimović. Der ja bekanntlich 2004 bei seiner allerersten Eurovisionsteilnahme als eigenständiger Staat das kernjugoslawische Land mit dem großartigen ‚Lane moje‘ fast zum Sieg führte und mit ‚Lejla‘ (BA 2006) und ‚Oro‘ (RS 2008) zwei weitere Schmachtfetzen ähnlichen Kalibers zum Grand Prix beisteuerte. Wie die beiden letztgenannten Songs kann auch sein diesjähriges, mal wieder vom Meister selbst dargebotenes ‚Nije Ljubav Stvar‘ nicht ganz mit der Klasse des unerreichten ‚Lane moje‘ mithalten, kommt aber nahe heran. Und stellt seine vier Konkurrenten aus den Brüderstaaten mit Leichtigkeit in die Chorus Line. Es ist daher nicht schwer, vorherzusehen, dass Željko, der auch noch als Erster ins Rennen geht, die 12er reihenweise einsacken und vermutlich als überragender Sieger aus diesem Semi hervorgehen wird.

httpv://youtu.be/gg40bL2N68U
Der Schnelldurchlauf

In den Arsch gekniffen ist hingegen seine mazedonische Kollegin Kaliopa Bukle. Die hat nämlich mit dem anfänglich etwas spröden, im Verlaufe des Songs aber an Fahrt gewinnenden ‚Crno e bielo‘ eine für sich genommen herzensschöne Klavierballade am Start, die auch von der außergewöhnlichen, ninahagenesken Stimme der Interpretin lebt, auf dem zweiten Startplatz direkt hinter Herrn Joksimović aber natürlich gnadenlos untergehen muss. Schlecht dürften die Chancen auch für die beiden im Direktvergleich mit dem maßstabgebenden serbischen Beitrag viel zu subtilen (um nicht zu sagen: langweiligen) Balladen aus Bosnien und Kroatien stehen. Einzig der so jugendlich-charmanten wie stimmgewaltigen Slowenin Eva Boto und ihren vier Backings dürfte aus der Jugo-Riege das Weiterkommen noch gelingen. Kein Wunder: lehnt sich ihr ‚Verjamen‘ deutlich am vom gleichen Komponisten mitverfassten serbischen Siegertitel von 2007, ‚Molitva‘, an.

Als fest gesetzt dürften auch die Ukraine und die Türkei gelten, die ja eigentlich immer ins Finale kommen, wenn sie nicht völligen Müll anbieten. Und das tun sie diesmal nicht. Überraschend mag das von mir antizipierte Weiterkommen von Donny Montell sein, dessen Beitrag jedoch die Voten all der geschmacksgestörten europäischen Hausfrauen und Juroren auf sich vereinen dürfte, die in der Vergangenheit auch schon für solche Acts wie bonaparti.lv oder Eva Sašenko stimmten und denen in diesem Semi nichts auch nur annähernd so Schauderhaftes angeboten wird wie eben der liebesblinde Litauer. Am unsichersten bin ich mir beim Finaleinzug der niederländischen Indiana Joan, der hauptsächlich davon abhängen dürfte, ob sie auch in Baku das aufmerksamkeitsstarke Indianerinnenkostüm samt Federschmuck trägt, mit dem sie sofort im Gedächtnis bleibt und das ihrem harmlos-niedlichen Folksong ‚You and me‘, der in direkter Tradition zu solchen Eurovisionsklassikern wie ‚De Troubadour‘ (NL 1969) und ‚All Kinds of Everything‘ (IE 1970) steht, den nötigen Push gibt. Gegen sie spricht vor allem ihr miserabler Startplatz.

Einer meiner Haßtitel, der mit Sicherheit weiterkommt, stammt vom slowakischen Max Jason Mai alias Miroslav Šmajda, der die kumulierten Stimmen der Rockfreunde und Contesthasser abkassieren dürfte. Im Gegenzug mag ich persönlich die Lieder aus Malta und Bulgarien (die anbetungswürdige MarianneRosenberg-Doppelgängerin Sofi Marinova mit ihrem grandiosen Balkandiscoschlager ‚Love unlimited‘), die ich aber nicht in der Endrunde sehe. Zu harmlos (MT) und – leider – zu speziell (BG) für den Massengeschmack. Bleiben mit der schwedischen Ecstasy-Elfe Loreen, dem norwegischen EricSaade-Epigonen Tooji und dem estnischen Rechtsträger Ott Lepland drei große, auch von mir geschätzte Fanfavoriten, deren unerwartetes Ausscheiden insbesondere im Falle der sämtliche OGAE-Vorabstimmungen anführenden Schwedin für gewalttätige Ausschreitungen und spontane Selbstverbrennungen protestierender Eurovisionsfans in Baku sorgen könnte. Hoffen wir also das Beste!

Zweites Semifinale 2012: die Chancen.

Die aufrechtgehn.de-Bewertung der Titel im zweiten Semi 2012.
#Interpret, TitelFinale?Wertung
01
RS
Zeljko Joksimovic
Nije Ljubav Stvar
ja04
02
MK
Kaliopi
Crno i belo
nein00
03
NL
Joan Franka
You and me
ja08
04
MT
Kurt Calleja
This is the Night
nein03
05
BY
Litesound
We are the Heroes
nein02
06
PT
Filipa Sousa
Vida minha
nein00
07
UA
Gaytana Essami
Be my Guest
ja00
08
BG
Sofi Marinova
Love unlimited
nein10
09
SI
Eva Boto
Verjamem
ja01
10
HR
Nina Badric
Nebo
nein00
11
SE
Loreen
Euphoria
ja05
12
GE
Anri Jokhazde
I'm a Joker
nein00
13
TR
Can Bonomo
Love me back
ja06
14
EE
Ott Lepland
Kuula
ja12
15
SK
Max Jason Mai
Don't close your Eyes
ja00
16
NO
Tooji
Stay
ja07
17
BA
Maya Sar
Korake ti znam
nein00
18
LT
Donny Montell
Love is blind
ja00

17 Gedanken zu “Zweites Semi: die Chancen

  1. Wie immer stimme ich dem Orakel größtenteils zu – weissage aber meinerseites abweichend folgendes: Bosnien: Ja. Slovenien: Nein. Portugal: Ja. Lithauen: Nein. Mazedonien: Ja, Ukraine: Nein.
    Dieses wäre zumindest in meiner idelalen Welt das gerechtfertigte Ergebnis.  In der schlimmen Realität wird aber wahrscheinlich etwas nicht Nachvollziehbares wie entweder  Georgien oder Kroatien weiterkommen… Macht allerdings nichts, solange die Niederlande weiter sind.

  2. Dass Bosnien-Herzegowina (wie bisher immer und völlig verdient) weiterkommt, daran dürfte auch ein echter ESC-Fan ganz tief in sich drin nicht zweifeln. Wenn er bei Roman fiept, so tue ich das eben bei den knuddeligen Baby-Eselchen.

  3. Erstmal großes MERCI an den Hausherren, dass er unsere Bitten erhört hat!

    Und hier meine Einschätzung mit Ranking, ich find dieses Semi diesbezüglich viel schwieriger und außer den sicheren Semi-Ausscheidern Malta und Georgien wurde in meiner Gegenwart schon jeder als möglicher Weiterkommer genannt.  Also, kurz und knackig:

    18. Platz Ukraine, Finale leider ja
    17. Platz Georgien, Finale nein
    16. Platz Litauen, Finale nein15. Platz Malta, Finale nein14. Platz Slowakei, Finale nein13. Platz Mazedonien, inzwischen Finale ja12. Platz Schweden, Finale ja, vermutlich Sieger des zweiten Semis11. Platz Bulgarien, Finale inzwischen neinPortugal 1, Finale neinWeißrussland 2, Finale neinNiederlande 3, Finale neinNorwegen 4, Finale jaBosnien-Herzegowina 5, Finale jaKroatien 6, Finale jaSlowenien 7, Finale jaTürkei 8, Finale jaEstland 10, Finale jaSerbien 12, Finale jaaaaaaa!

    Ansonsten sei mir auch hier wieder die Eigenwerbung für http://sixtussagtmiau.blogspot.com (siehe auch Linkliste rechts) gestattet, wo ich meine Einschätzungen im Detail hinterlegt habe und wo es auch demnächst noch lustige Einschätzungen anderer Leute gibt. Wir freuen uns über jeden Kommentar und über jeden, der mal vorbeischaut!

  4. Alsdann:

    RS: Warum um alles in der Welt ist das der erste Joksimovic, der mir gefällt? Manchmal begreife ich mich selbst nicht. Bombenfester Finalkandidat.

    MK: Eines meiner Lieblingslieder dieses Jahr. Man mag mich für vollkommen verrückt halten, aber ausgerechnet eines der Länder, die ich diesbezüglich schon abgeschrieben hatte, weil da nie (und ich meine: niemals) ein auch nur erträgliches Lied herkommt, bringt einen der Knaller des Jahrgangs. Ganz, ganz großes Kino – und ich glaube, das kann sich sogar nach Serbien behaupten.

    NL: Ich habe eine Schwäche für Lieder dieser Bauart. Sogar der Akzent (so schwer er auch ist) wirkt eher charmant als abstoßend. Toss-up, wie der Amerikaner das nennt (50/50).

    MT: Gähn. Nummern dieser Bauart haben wir schon viel zu oft gehört, und die hier macht noch nicht mal ansatzweise was Neues oder Interessantes. Zählkandidat und nicht mehr.

    BY: Warum, Weißrussland? Warum habt ihr dieses an sich brauchbare Lied so unfassbar verschandelt? In dieser Form sogar ein Kandidat für den letzten Platz in diesem Semi.

    PT: Ich habe schon den Fanhype um „Senhora do Mar“ nicht ganz nachvollziehen können (das war für mich portugiesisches Business as usual), und das hier ist ein schwacher Abklatsch davon. Das wird wahrscheinlich nichts.

    UA: Der Ländercode spiegelt meine Meinung zum Lied ganz gut wieder: Uuuaa. Mehr unkreative Tanznummern. Als wären die Balladen dieses Jahr nicht schon fantasielos genug.

    BG: Äh … wo ist das Lied? Das klingt wie ein dreiminütiges Intro oder einer dieser Abschnitte auf einer Remix-CD, wo man sich fragt, ob dem Remixer mittendrin der Rechner abgeschmiert ist. Guter Durchschnitt, aber ob das bei Bulgarien reicht, sei mal dahingestellt.

    SI: Okay, es ist kein zweites „Molitva“. Aber ich mag es – es teilt sich den zweiten Platz der Balkanballaden mit Serbien (wer jetzt nach dem ersten Platz fragt, sollte meinen Text nochmal lesen 😉 ). Das dürfte sogar durchkommen.

    HR: Gnah. Nicht die schlechteste Ballade im Jahrgang, noch nicht mal die schlechteste Balkanballade (die kommt je nach Sichtweise aus Bosnien oder Albanien). Aber ich kann damit gar nichts anfangen.

    SE: Anna Bergendahl brauchte vor zwei Jahren noch eine ganze Textzeile, um direkt am Anfang des Songs klarzumachen, was ich davon halten soll („I walk down the beaten track“). Loreen schafft das mit dem ersten Wort – „why?“. Ja, warum? Wir haben 2012, nicht 1992. Ich habe an allen passenden und unpassenden Stellen meine absolute Verwunderung kundgetan, dass die Fans dieses Teil so ins Herz geschlossen haben, und ich werde es selbst dann nicht verstehen, wenn Loreen mit 492 Punkten gewinnen sollte. Das Lied sagt mir nichts und gibt mir nichts. Seelenloser Dancepop vom Fließband (und das aus einer Fabrik, die vor zehn Jahren dichtgemacht hat, außer für Eurovisionsprodukte).

    GE: Lacht, soviel ihr wollt – aber der Mann kann einigermaßen singen und hat im Gegensatz zu 90 Prozent der anderen Teilnehmer ein zumindest interessantes Stück im Repertoire. Ich persönlich halte das Ding auch für absoluten Schwachsinn, aber ich habe Freunde, die es in diesem Plätscherjahrgang als zumindest erfrischend empfinden. Don’t rule this one out just yet.

    TR: Das ist euer Comeback nach der Sadakatastrophe letztes Jahr (ich bin doch hoffentlich nicht der erste, der dieses entsetzliche Wortspiel macht)? Ernsthaft? Sollte zwar keinerlei Qualifikationsprobleme haben (Deutschland, Frankreich und die Niederlande stimmen hier ab), aber wie beliebig und nichtssagend kann man ein Lied machen?

    EE: Wird zwischen Türkei und Slowakei wahrscheinlich untergehen, und das nicht mal zu Unrecht – das Lied ist ganz nett, aber sogar für 2012er Verhältnisse einschläfernd.

    SK: YES! Endlich! Dieses Semi brauchte eine Hallo-Wach-Nummer, und genau das liefert die Slowakei. Ob sich das in Stimmen niederschlägt, ist allerdings eine ganz andere Frage.

    NO: Eric Saade für Arme, sowohl vom Aussehen als auch vom Lied her. Da Saade bei den Televotern letztes Jahr fast gewonnen hätte, sollte das Finale sicher drin sein, aber brauchen wir sowas, selbst aus der Perspektive des Unterhaltungswertes beim ESC?

    BA: Schnarch. Das ist Bosnien, mit vier Wasserträgern und an dieser Position kämen die vermutlich mit einem Besenstiel ins Finale, aber so unverdient war es bei diesem speziellen 100%-Qualifikanten noch nie. Und der Esel darf leider nicht mit auf die Bühne (das wäre auch bei Montenegro interessant gewesen…).

    LT: Gar nicht so falsch, aber braucht viel zu lange, um in Fahrt zu kommen. Noch ein 50/50-Kandidat.

    Wer kommt weiter? Serbien, die Ukraine, Schweden, die Türkei, Norwegen und Bosnien halte ich (im zweiten, dritten und sechsten Falle bedauerlicherweise) für sicher gesetzt. Wenn ich die anderen vier nach Sympathien aussuche: Mazedonien, Niederlande, Slowenien und die Slowakei.

    Und schon mal im Voraus angemerkt (da müsste ja auch noch was drüber kommen): wir hatten lange nicht mehr so starke Big Five wie dieses Jahr. Für jeden etwas, und keine Figuren wie Josh Dubovie oder Soraya (wobei da natürlich die Liveauftritte abzuwarten bleiben, aber das könnte höchstens für Frankreich und Spanien ein Problem sein).

  5. detailliertere Kommentare später, wenn ich mehr Zeit habe. Hier nur schon mal 2 kurze Kommentare:
    Auch wenn wir in manchen anderen Punkten differieren, freue ich mich riesig, dass es noch jemanden gibt, der meine absolute Nummer eins (Kaliopi: crno i belo) ebenfalls gut findet, und sogar meine Freude am slowakischen beitrag teilt.
    Zum letzten Satz: bei Frankreich verstehe ich die Sorge bezüglich Live-Gesang, aber bei Spanien braucht man da wirklich in keiner Weise Bedenken zu haben (siehe etwa EiC).

  6. Stimme dem Hausherren in seinen Einschätzungen zu, bis auf die Niederlande. Würde mich schon freuen wenn Joan es schafft, glaube es aber nicht so recht 🙁  Dafür sehe ich Belarus weiter.

  7.  Okay, ich verfolge das nicht so intensiv. Das war eher nach dem Ausschlussverfahren – Roman Lob kann das live, das habe sogar ich mitbekommen; Engelbert macht das seit über 40 Jahren; Nina Zilli war in San Remo, dann dürfte auch ein Liveauftritt beim ESC nicht mehr das Problem sein; und Sabina Babayeva hat schlicht eine große Stimme. Von Frau Soler hatte ich bisher nichts an Liveauftritten gesehen, daher der Kommentar dazu, und dass Anggun nicht eben die grandioseste Sängerin ist, hört man schon in der Studiofassung von „Echo“. Aber ich vertraue dem Urteil einfach mal – ich höre die Lieder so oder so schon bis zum Umfallen, ich will mir wenigstens die Überraschung erhalten, die Liveauftritte zu sehen und herauszufinden, wer es kann und wer nicht.

  8. Auch in bin der Meinung: Mazedonien nicht vorschnell aussortieren! Die Startposition ist extrem unglücklich, aber der Song hat nem guten Spannungsbogen und Kaliopi ist ne erfahrene Diva, die wird sich performancetechnisch garantiert nicht die Butter vom Brot nehmen lassen (und unglücklicherweise die etwas phlegmatische Holländerin danach furchtbar alt aussehen lassen).

    Und sorry, nie und nimmer kommt die Slowakei ins Finale! Ich denk mal das wird genauso wie dieser Petr Elfimov für Weißrussland damals untergehen.

  9.  Elfimov hatte einen deutlich schlechteren Startplatz (4) und ein ganz anders aufgebautes Lied. Weißrussland 2009 war schlechter Pseudo-Rock; die Slowakei dieses Jahr geht eher in Richtung Metalcore, im Grunde Avenged Sevenfold (oder etwas sanftere Slipknot); insbesondere der Songaufbau mit harten Strophen und einem eher melodischen Refrain ist damit vergleichbar. Außerdem gefällt mir Max Jason Mais Stimme deutlich besser, aber da bleibt der Liveauftritt abzuwarten.

  10. So, jetzt ist Zeit für den großen Rundumschlag, d.h. die Welt, wie ich sie sehe 🙂

    SRB: Natürlich ist Zeljko ein guter Sänger, und das Stück auf Sieg getrimmt arrangiert, aber zum einen bin ich noch nie so ein besonderer Freund von ihm und seinem Stil gewesen (für meinen Geschmack ist das zu schmalzig), und zum anderen finde ich die diesjärige Ballade irgendwie in allen Attributen ein wenig zu übertrieben. Bei mir nur Platz 11, sollte aber eigentlich im Finale dabeisein (ich halte dieses Semi für das Stärkere und würde gern 12 Titel mitnehmen, dafür aus dem anderen Semi nur 8). In der Realität natürlich ganz klar dabei.
    MK: Unbestritten meine Nummer eins, 12 Punkte. Kaliopi ist eine der besten Sängerinnen in diesem Jahrgang (neben Rona Nishliu, Nina Zilli und Pastora Soler), hat eine außergewöhnliche Stimmfärbung, und an ihrer Ballade stimmt (meiner Meinung nach) einfach alles. Inklusive dem rockigen Touch. Prognose natürlich ungewiss, aber ich hoffe mal das beste und tippe auf Weiterkommen.
    NL: natürlich ist das musikalisch anspruchslose Kost, hat aber in seiner Naivität doch irgend etwas Berührendes. Daher 6 Punkte von mir und kommt wohl auch tatsächlich weiter.
    M: langweilige Durchschnittware. Bei mir Platz 12 und daher draußen.
    BY: Furchtbarer geht es kaum. Einer meiner wenigen (nur 3!) absoluten Hasstitel dieses Jahr und für mich ganz auf dem letzten Platz (von allen 42). Kommt garantiert nicht weiter.
    P: nicht direkt schlecht, auch typisch irgendwie, aber doch recht fade, d.h. langweilig. Platz 14 und nicht weiter.
    UA: Gaitana ist als Sängerin wirklich nicht übel, vielleicht etwas zu übertrieben. Bei der richtigen Präsentation kann das was werden. 1 Punkt von mir, aber ich glaube trotzdem nicht, dass das weiterkommt, auch wenn die Ukraine oft hoch platziert ist.
    BG: sehr typisch (Chalga), stimmlich speziell, aber so 100%ig kann ich mich nicht damit anfreunden, klingt doch irgendwie billig. Den Text in x Sprachen zu singen finde ich allerdings einen schönen Zug. Von mir 2 Punkte, kommt aber nicht weiter.
    SLO: Großes Kino, wunderbare Sängerin, viel Drama, sauber gesungen. Trotz Ähnlichkeiten mit Molitva 10 Punkte. Kommt auch weiter.
    HR: hätte von Nina mehr erwartet, ist aber durchaus noch ziemlich gut. 7 Punkte und weiter.
    S: Ich kann absolut nicht verstehen, wieso um diese Nummer so ein Aufriss gemacht wird und das bei fast allen Abstimmungen auf der Eins landet. Der Aufzug und der Ausdruckstanz erinnern an Kate Bush, was ja an sich gut ist. Aber stimmlich kann Loreen dabei nicht mithalten. Besonders in den Höhen schwächelt sie doch arg. Die düsteren Strophenteile gefallen mir recht gut, der trashige Refrain dagegen überhaupt nicht. Insgesamt von mir 4 Punkte. Kommt natürlich weiter.
    GE: ein weiterer meiner Hassbeiträge (der letzte ist dann Montenegro). Ursprünglich war das mal mein allerletzter Platz, inzwischen ein wenig gestiegen, da der Typ zwar nach wie vor widerlich ist, aber die Hookline doch wenigstens catchy. Platz 17 und garantiert nicht im Finale.
    TR: sicherlich speziell und originell, sowohl der Song als auch der Typ.  Spricht mich aber nicht an, daher nur Platz 13. Aber trotzdem sicher im Finale.
    EST: nicht ganz mein Musikgeschmack, aber super gesungen und eine klasse Komposition. 5 Punkte und hoffentlich auch im Finale.
    SK: Ich weiß, hier scheiden sich die Geister. Aber ich bin bekennender Rockliebhaber (eigentlich Progressive Rock mit Tendenz zu Metal, aber auch Gothic oder Punk können gut sein). Und:  als Rockfreund bin ich eben KEIN Contesthasser, sondern Liebhaber, wünsche mir nur einfach mehr Rock daselbst. Ich weiß auch, dass es wesentlich bessere Rocknummern gibt, nur eben nicht beim ESC. Und da nimmt man halt, was man kriegen kann. Und so übel ist das gar nicht. Der Refrain ist etwas flach, aber der Rest recht ordentlich, und Miros Stimme ist auch recht gut. 8 Punkte von mir, und vielleicht kommt er ja tatsächlich ins Finale. Zu wünschen wäre es.
    N: Erst dachte ich, das wird einer meiner Hassbeiträge. Aber Tooji ist eben (zum Glück) NICHT wie Eric Saade. Die Komposition ist nicht 0-8-15, sondern einfallsreich, Tooji kann trotz des (unnötigen) Rumgehopses den Ton halten, und auch als Person ist er wesentlich sympathischer. 3 Punkte und natürlich weiter.
    BiH: Tja, was soll man sagen. Eigentlich eine gute Sängerin. Das Lied auch nicht wirklich schlecht, zündet aber nicht. Platz 15. Kein Finale.
    LT: Gefällt mir nicht (Platz 16). Und langweilt. Definitiv kein Finale.

    Fazit: ziemlich sicher weiter sind SRB, NL, SLO, HR, S, TR, EST, N.
    Hoffentlich auch MK und SK.
    Sollte das wirklich passieren, sind meine Top 8 des Semis weiter und ich hochzufrieden.
    Aber es kommt natürlich garantiert wieder völlig anders …

  11. So, endlich Zeit gehabt, mir alle Entries nochmal am Stück reinzuziehen und für mich selbstpersönlich zu bewerten…

    Ich teilte die Entries erstmal grob in fünf Kategorien ein (Großartig, Gut, Medium, Ungut, Furchtbar), um anhand dessen erstmal meine persönlichen Finalisten zu küren. (Die Feinarbeit stand erst bei den Finalpunktwertungen an sowie bei den letzten Finalteilnehmern der beiden Semis.)

    13 Entries schafften es bei mir in die ersten beiden Kategorien, von diesen sind drei automatisch für das Finale gesetzt.

    Von den übrigen 10 befinden sich nur 2 im zweiten Semi. Einerseits günstig, weil die Chancen sehr gut sind, dass beide weiterkommen. Aber leider reichten dann die Verbliebenen der mittleren Kategorie nicht ganz aus, um mein persönliches Finalfeld zu komplettieren, weshalb ich allen Ernstes noch einen Entry aus der Kategorie Ungut reinlassen musste.

    Dies sind nun meine selbstpersönlichen 10 Weiterkommer aus dem zweiten Semifinale (in alphabetischer Länderreihenfolge):

    – Belarus
    – Croatia
    – FYROM
    – Malta
    – Netherlands
    – Norway
    – Serbia
    – Slovakia
    – Slovenia
    – Sweden

  12. Wie bereits gesagt, halte ich das 2. Semi für das Stärkere. Aber auch hier wäre theoretisch genug Platz, um alle meine Faves zu platzieren:

    ++: (fetzt mich wirklich) 3 von 4 sind in diesem Semi.
    +: (sollte im Finale dabeisein) von den 12 sind 2 sowieso im Finale (E und I), der Rest ist auf beide Semis gleichverteilt, also 5 hier.
    O: (ganz ok/nett). Die größte Gruppe dieses Jahr, nämlich 18. 4 davon sind Big 6, 7 im anderen Semi. Bleiben weitere 7, aus denen ich mir hier die beiden besten auswählen kann (gemäß der detaillierten Ranglisten würde ich lieber noch 2 weitere nehmen und aus dem ersten Semi entsprechend weniger, aber das geht ja nicht).
    -: gefällt mir weniger: nur 1 Titel (von 5) in diesem Semi: LT
    –: furchtbar („Hasstitel) 2 von nur 3 (!!!) in diesem Semi: GE und BY
    Also kommen weiter:

    ++:
    MK
    SLO
    SK

    +:
    HR
    NL
    EST
    S
    N

    O:
    BG
    UA

    leider zurücklassen muss ich SRB und M, die ich gern für A und CY eintauschen würde.

  13. Auch hier sieben Übereinstimmungen 🙂

    Gibt’s jetzt auch noch drüben die Finalwertungen?

  14. boah! schon wieder übereinstimmungen (fast) ohne  ende – was ist denn los? klar, schweden ist wirklich ein großer wurf gelungen (und die kann das auch live). und ich persönlich höre sehr gern den ukrainischen em-trailer-song (der aber live nicht so recht zu klappen scheint). aber meine geheimen stars sind die große estnische ballade (rechtsträger? da muss ich doch nochmal genauer hinschauen *fg*) und – ja, die holländische indianerin (wobei ich das kostüm eher albern und völlig unnötig finde). zwei lieder für meine ewigen klassiker.  vielen dank für die erinnerung an lane moje! ja, da kommt zeljko in diesem jahr nicht dran, deshalb bin ich mir auch nicht so sicher, dass er das semi gewinnen wird. aber es wird locker für einen ganz vorderen platz reichen. zu den balkanballaden zählt für mich ja auch irgendwie der portugisische beitrag, den ich aber überhaupt nicht mag. ähnliches gilt nur noch für die heroes aus lukaschenkistan. und dem georgischen joker sei einfach gesagt, dass nicht jeder ein freddy mercury sein kann. und tschüss! aber dann wird´s ganz schön drängelig (naja, malta dürfte mangels qualität und befreundeten ländern schon draußen sein). dem norwegischen beitrag kann ich irgendwie die plagiatur nicht verzeihen (und ich war schon im letzten jahr kein freund des schwedischen songs), aber da schweden mitvotet, könnte es reichen. die türkei ist für mich nicht weiter (hat´s ja schon gegeben): dafür ist mir die nummer etwas zu leierhaft. hmm, die balkanier werden sich viele punkte gegenseitig zuschustern, weil die dinger alle recht ähnlich sind, also den geschmacksnerv treffen dürften (das hat nix mit blockvoting zu tun). für mich ist das kroatische nebo der beste titel davon, aber auch die bosnischen und slowenischen nummern dürfen gern weiterkommen. mazedonien (darf das denn jetzt so genannt werden?) lässt sich aber auf cd auch gut weghören. trotzdem ist es für mich der schwächste beitrag aus dieser ecke. auf ein weiterkommen hoffe auch ich für bulgarien, aber das könnte vielen etwas zu abgedreht sein. und warum muss ich bei dem litauischen beitrag, dem ich den finaleinzug wünsche, immer an imaani denken? und die slowakei? ein einziger unsicherheitsherd. ich hoffe mal auf abgang, aber da kann es auch ganz anders kommen…

  15. Okay – die sechs sicheren waren richtig, dafür nur einer aus dem Sympathiepool. Wie um alles in der Welt sind Malta und Litauen weitergekommen??? (Estland wundert mich weniger, nachdem ich den Auftritt gesehen hatte. Wow.)

  16. Weil ich für Malta angerufen habe. 😛 Eigentlich fand ich die Nummer bisher auch ziemlich nichtssagend, aber irgendwie war das für mich heute Abend der stärkste Auftritt von den frühen Startern. Demzufolge bin ich jetzt auch ziemlich glücklich. Zumal ich sowieso immer ein Herz für die kleinen Lädner habe.

    Litauen hat meiner Meinung nach von der ordentlichen Gesangsleistungs Donnys (und der Startnummer) profitiert, nachdem Tooji doch ziemlich dünn und Max Jason total am Krähen war. Da waren Bosnien und Litauen danach sehr wohltuend!

    Estland hat mich persönlich enttäuscht. Nicht Otts Charme-Show, aber meiner Meinung nach hätte er beid er alten Fassung des Gesangs mit dem ruhigen Anfang und der stetigen Steigerung bleiben sollen. Stattdessen versucht er, die männliche Rona zu geben. Na ja.

Oder was denkst Du?